Serie: Mein Smart-Home-Heizungsprojekt mit ESP32 — Teil 3
Im März 2026 habe ich beschrieben, wie ich meine Heizungsüberwachung neu aufbauen will. Damals war vieles noch Planung: ESP32-Display, Sensorik, Visualisierung, fünf einfache Regeln und eine möglichst robuste Steuerung.
Die Grundidee war klar: Nicht immer nur auf einen Wärmeerzeuger setzen, sondern Solarthermie, Holzvergaser, Wärmepumpe und Öl sinnvoll kombinieren. Die Reihenfolge war noch recht eindeutig: Solar zuerst, dann Holz, dann Wärmepumpe, Öl zuletzt.
Heute würde ich den Artikel anders schreiben.
Nicht weil die Grundidee falsch war. Sondern weil aus Planung Realität geworden ist — und weil sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verändert haben.
Die Panasonic ist eingebaut. Die Messung ist umfangreicher. Die Einzelraumregelung ist da. Meine KI kann in das System schauen und Vorschläge machen. Und Heizöl liegt inzwischen bei ungefähr 1,75 Euro pro Liter.
Diesen Winter wird deshalb etwas anders laufen als bisher: Der Holzvergaser bleibt weitgehend Zuschauer.
Warum der Holzvergaser diesmal auf der Bank sitzt
Im alten Artikel war der Holzvergaser noch einer der wichtigsten Wärmeerzeuger. Wenn er läuft, sollte alles andere zurücktreten. Technisch ist das auch heute noch richtig.
Nur habe ich diesen Winter bewusst kein neues Holz gekauft.
Nicht weil der Holzvergaser schlecht wäre. Im Gegenteil. Gerade weil er so viel Heizlast übernehmen kann, würde er mir diesmal die interessantere Frage verdecken: Wie weit komme ich ohne ihn?
Mich interessiert diesen Winter vor allem:
- Wie viel kann die Panasonic tatsächlich übernehmen?
- Wie stark lässt sich Öl zurückdrängen?
- Bis zu welchen Außentemperaturen bleibt die Wärmepumpe wirtschaftlich?
- Wie viel bringt die Photovoltaik?
- Wie stark hilft die Einzelraumregelung?
- Und wie viel Öl brauche ich am Ende wirklich noch?
Wenn ich wieder große Mengen Holz verfeuere, kann ich diese Fragen schlechter beantworten.
Der Holzvergaser ist also nicht ausrangiert. Er sitzt diesmal nur auf der Bank.
Der alte Artikel hatte noch eine klare Grad-Regel
Im März war meine Wärmepumpenlogik einfach: Über einer festen Außentemperatur — in der Planung lagen wir bei etwa +5 bis +7 °C — darf die Wärmepumpe laufen. Darunter übernimmt eher Öl.
Damals war das eine brauchbare Vereinfachung. Heute ist genau diese Regel der beste Beweis dafür, warum man ein Heizsystem nicht für alle Zeiten fest programmieren sollte.
Denn der Energiepreis hat sich verändert. Und damit verschiebt sich automatisch auch die wirtschaftliche Grenze.
Heizöl bei 1,75 Euro verändert alles
Bei rund 2.500 Litern Jahresverbrauch bedeutet ein Heizölpreis von 1,75 Euro:
2.500 × 1,75 Euro = 4.375 Euro.
Nur für den Brennstoff. Noch keine Wartung, kein Schornsteinfeger, kein Pumpenstrom, keine sonstigen Betriebskosten.

Stand 15.09.2026, PLZ 06774: 174,91 € / 100 Liter, 2.500 Liter brutto 4.372,66 €. Gegenüber dem Vortag +0,35 €. Das ist keine Rundungsübung — das ist die Rechnung, mit der dieser Winter startet.
Im März hatte ich noch mit ungefähr 1 Euro pro Liter gerechnet. Das ist heute eine völlig andere Ausgangslage. Und genau deshalb verschiebt sich die Rolle der Wärmepumpe.
Die Panasonic ist inzwischen eingebaut
Die Panasonic war im letzten Artikel noch geplant. Heute hängt sie da und läuft.

Kein Prospektfoto. Die Panasonic sitzt im Flur unten, die Leitungen liegen oben an der Decke. Sie heizt Räume direkt mit Luft — nicht den Pufferspeicher.
Ihre Aufgabe ist nicht, meine gesamte Heizung zu ersetzen. Sie soll das machen, wofür sie für mich am sinnvollsten ist: Grundlast und Übergangszeit übernehmen.
Wichtig dabei, weil das in der Planung leicht untergeht: Die Panasonic ist eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Sie lädt nicht den Puffer. Sie bläst Wärme direkt in den Raum und drückt damit die Heizlast, die sonst über Heizkörper und Ölkessel kommen müsste.
Der Ölkessel bleibt vorhanden. Er wird aber zunehmend zum Backup und zur Spitzenlast. Genau so wollte ich es.
Die Panasonic war kein 4.500-Euro-Projekt
Auch die Investitionssumme gehört zur Wirtschaftlichkeit.
Für die Panasonic samt nötiger Anbauteile habe ich bei eBay ungefähr 1.000 Euro bezahlt.
Vorher hatte ich zwei Angebote von Kältefirmen: ca. 4.000 Euro und ca. 4.500 Euro.
Meine Reaktion darauf: HHH — gesehen, gelacht, gestrichen.
Besonders hübsch wird der Vergleich dadurch, dass ich in Kambodscha für ungefähr 2.000 US-Dollar drei Panasonic-Splitanlagen inklusive Installation bekommen habe. Da fällt die Entscheidung gegen 4.500 Euro für eine einzelne Anlage nicht besonders schwer.
Für meinen Einsatzzweck brauchte ich keine große neue Zentralheizung. Ich wollte eine günstige zusätzliche Wärmequelle. Mehr nicht. Und genau darin liegt der Vorteil.
Meine neue Wirtschaftlichkeitsgrenze
Mein Netzstrom kostet ungefähr 0,37 Euro pro Kilowattstunde. Meine eigene Regel lautet: Die Panasonic soll mit Netzstrom nur laufen, wenn ihre Wärmekosten mindestens 30 Prozent unter denen der Ölheizung liegen.
Bei 1,75 Euro je Liter Heizöl reicht dafür grob ein COP von etwa 2,6.
Die Rechnung dahinter ist absichtlich grob, aber nachvollziehbar:
- Heizöl: 1,75 €/l
- Nutzenergie nach Kesselwirkungsgrad: rund 8,6 kWh Wärme pro Liter
- Öl-Wärmekosten: etwa 0,20 €/kWh
- 30 Prozent darunter: etwa 0,14 €/kWh
- Strom: 0,37 €/kWh → dafür braucht die Panasonic einen COP von 0,37 / 0,14 ≈ 2,6
Damit ist die alte Grad-Regel deutlich zu konservativ geworden. 0 °C Außentemperatur sind heute nicht automatisch ein Grund, die Panasonic abzuschalten. Wenn sie dort noch sauber arbeitet und oberhalb dieser Grenze bleibt, ist sie gegenüber Öl weiterhin wirtschaftlich.
Die Regel lautet also nicht mehr: Außen über +7 °C = Wärmepumpe.
Sondern: Wärmepumpe, solange sie gegenüber Öl klar günstiger arbeitet.
Und dann ist da noch die Photovoltaik
Im alten Artikel spielte PV-Überschuss noch keine Rolle. Dort hatte ich diesen Punkt sogar ausdrücklich verworfen.
Heute sieht das völlig anders aus. Auf dem Dach liegen rund 15 kWp Photovoltaik. Ich habe keinen Einspeisevertrag. Überschuss, den ich selbst nicht verbrauche, bringt mir praktisch nichts.
Deshalb gibt es heute eine zweite Betriebsregel: PV-Überschuss vorhanden? Panasonic priorisieren.
Dann interessiert mich der COP deutlich weniger. Wenn der Strom sonst praktisch ungenutzt bleibt, kann ich daraus genauso gut Wärme machen.
Damit hat die Panasonic zwei Betriebsweisen:
- Netzstrom: nur wirtschaftlich laufen.
- PV-Überschuss: möglichst nutzen.
Das ist deutlich flexibler als die starre Temperaturgrenze von damals.
Aus dem Monitoring ist ein richtiges Messsystem geworden
Im alten Artikel ging es ausführlich darum, wie die Sensorik aufgebaut werden soll: DS18B20, ESP32, 1-Wire, Display, ioBroker und Visualisierung. Das muss ich heute nicht noch einmal komplett erklären.
Wichtiger ist: Ich kann inzwischen sehr genau sehen, was passiert. Puffer. Vorlauf. Rücklauf. Außentemperatur. Raumtemperaturen. Stromaufnahme. Betriebszustände. Laufzeiten. Und dadurch vor allem Zusammenhänge.

Heizraum live: Puffer in Schichten, Öl-Vorlauf und -Rücklauf, Holzvergaser, Solar, Heizkörper. Zwei Sensorknoten online. Früher wusste ich: Das Haus ist warm. Heute sehe ich, warum.
Ein Schnappschuss sagt noch nichts über den Winter. Er zeigt nur, dass die Augen da sind. An diesem Nachmittag im September lag der Puffer oben bei gut 45 °C, der Ölkessel war kalt (Vor- und Rücklauf um die 22 °C), der Holzvergaser ebenfalls Zuschauer, die Solarthermie hatte am Tag bereits Spuren hinterlassen.
Früher wusste ich: Das Haus ist warm. Heute kann ich sehen: Welche Wärmequelle war aktiv? Wie lange? Was macht der Rücklauf? Wie schnell verliert der Puffer Energie? Welche Räume fordern Wärme? Was macht die Panasonic gerade?
Das ist für mich inzwischen viel wichtiger als irgendeine theoretische Prospektzahl.
Die Einzelraumregelung kam noch dazu
Im alten Artikel lag der Schwerpunkt stark auf der Erzeugerseite. Heute ist auch die Verbraucherseite einbezogen. Ich kann Raum für Raum sehen und steuern, welche Temperatur dort überhaupt gebraucht wird.

Wohnstube, Schlafzimmer, Flur, Trockenraum, Büro, Ankleide, WC — jeder Raum hat seinen eigenen Sollwert. Ein ungenutzter Raum muss nicht genauso warm sein wie das Wohnzimmer.
Es geht nicht mehr nur darum: Wie erzeuge ich Wärme möglichst billig? Sondern auch: Wo brauche ich diese Wärme überhaupt?
Ein Raum, der bereits warm genug ist, muss nicht weiter versorgt werden. Damit wird das System präziser. Nicht nur günstige Wärme erzeugen. Wärme gezielt verteilen.

Dasselbe Haus, stündlich. Küche, Wohnstube, Schlafzimmer, Gästezimmer, Flure, Garage, Trockenraum, Außen, WC. Der Trockenraum darf kühler bleiben. Die Außentemperatur sagt, ob die Panasonic überhaupt eine Chance hat.
Die Messwerte haben auch Probleme sichtbar gemacht
Ein schönes Beispiel ist der Ölkessel. Er funktioniert. Aber das Zusammenspiel von Pufferspeicher, Rücklauf und Kessel sorgt für ein Verhalten, das mir nicht gefällt.
Der Kessel startet. Läuft. Bekommt relativ schnell warmes Rücklaufwasser. Schaltet wieder ab. Dann fällt die Temperatur. Und das Spiel beginnt erneut.
Takterei.
Ohne Messdaten hätte man vielleicht einfach gesagt: „Der alte Kessel ist eben so.“ Mit Messdaten sieht man genauer, was passiert.
Deshalb möchte ich Öl diesen Winter stärker in feste Zeitfenster drücken. Als Startpunkt etwa drei bis vier Stunden am Tag. Dazu eine Notfreigabe, wenn der obere Pufferbereich eine festgelegte Temperatur unterschreitet.
Einfach. Robust. Nachvollziehbar.
Eine Sache aus dem alten Artikel bleibt unverändert richtig
Je komplizierter ich die Logik gemacht habe, desto mehr Probleme habe ich mir eingefangen. Die Erkenntnis war: Je simpler die Logik, desto zuverlässiger das System.
Das gilt heute noch genauso. Die Steuerung selbst soll nicht zur Wissenschaft werden. Die Daten dürfen komplex sein. Die Analyse darf komplex sein. Aber am Ende sollte daraus möglichst wieder eine einfache Regel entstehen.
Das Heizungsorakel hat jetzt einen Ratgeber
Neu ist inzwischen Hermes.
Das Heizungsorakel zeigt mir, was im System passiert. Hermes kann inzwischen mit draufschauen. Das ist für mich die sinnvolle Rolle von KI in so einem System.
Nicht: KI schaltet jetzt einfach meine Heizung.
Sondern: KI schaut auf die Daten und macht Vorschläge. Taktet der Ölkessel zu oft? Ist der Rücklauf auffällig? Gibt es Räume, die unnötig Wärme anfordern? Läuft die Panasonic wirtschaftlich? Passen die Zeitfenster? Gibt es Muster, die ich selbst übersehe?
Die letzte Entscheidung bleibt bei mir.
Damit ist die Rollenverteilung ziemlich klar:
- Das Heizungsorakel misst.
- Hermes berät.
- Ich entscheide.
Das gefällt mir besser als eine vollautonome Blackbox.
Vielleicht braucht nicht jedes Haus sofort eine neue Heizung
Und hier wird das Ganze für mich inzwischen richtig interessant. So ein Messsystem lässt sich mit relativ wenig Aufwand auch in anderen Häusern aufbauen. Dafür braucht man nicht gleich eine komplette Gebäudeautomation.
Schon wenige Sensoren können sehr viel zeigen: Vorlauf, Rücklauf, Außentemperatur, Puffertemperatur, einige Raumtemperaturen, Stromaufnahme oder Laufzeiten.
Die Hardware ist überschaubar. Die Sensorik ist billig. Die Auswertung ist machbar. Und damit kann man erst einmal verstehen, was eine Heizung überhaupt tut, bevor man zehntausende Euro in einen Umbau steckt.
Das ist vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem ganzen Projekt:
Erst messen. Dann verstehen. Dann umbauen. Nicht umgekehrt.
Vielleicht braucht nicht jedes Haus sofort eine neue Heizung. Vielleicht braucht es zuerst einmal bessere Augen.
Die neue Heizstrategie für diesen Winter
Die Logik ist inzwischen deutlich näher an der Realität als noch im März.
| Priorität | Quelle | Rolle in diesem Winter |
|---|---|---|
| 1 | Solarthermie | Nutzen, wenn sie liefert |
| 2 | PV-Überschuss | Panasonic priorisieren |
| 3 | Panasonic (Netzstrom) | Nur wenn sie mindestens rund 30 % günstiger als Öl arbeitet |
| 4 | Öl | Backup und Spitzenlast, möglichst in festen Zeitfenstern |
| 5 | Holzvergaser | Vorhanden und einsatzbereit, diese Heizperiode weitgehend Zuschauer |
Das war's im Grunde schon. Die Technik dahinter ist größer geworden. Die Grundlogik nicht.
Dieser Winter wird der eigentliche Test
Im März war vieles noch Plan. Jetzt kann das System zeigen, was es kann.
Die Panasonic läuft. Die Sensoren liefern Daten. Die Einzelraumregelung ist da. Die Photovoltaik ist eingebunden. Hermes kann die Daten mit beurteilen. Und der Holzvergaser hält sich diesmal weitgehend raus.
Damit bekomme ich endlich die Daten, die mich wirklich interessieren:
- Wie viel Öl wird tatsächlich eingespart?
- Wie viel Strom braucht die Panasonic?
- Wie tief kann sie wirtschaftlich mit der Außentemperatur gehen?
- Wie viel bringt PV im Winter?
- Wie stark hilft die Einzelraumregelung?
- Wie viel bringt die neue Öl-Zeitstrategie?
Und vor allem: Was kostet es am Ende wirklich, dieses Haus warm zu halten?
Genau diese Zahl interessiert mich inzwischen mehr als das Alter des Kessels, mehr als irgendein Prospekt und irgendwann vielleicht sogar mehr als der Energieausweis.
Und natürlich kann man auch einfach nichts tun
Es gibt natürlich genügend Gründe, die Hände in den Schoß zu legen.
Das Haus ist alt. Die Heizung ist alt. Der Strom ist teuer. Das Öl ist teuer. Der Fachbetrieb ist teuer. Die Technik ist kompliziert. Das Wetter ist schlecht. Und natürlich: Putin ist schuld.
Damit wäre die Sache dann erklärt. Thema erledigt. Man kann es sich so einfach machen.
Oder man fängt an zu messen. Man sieht, wann der Kessel taktet. Man erkennt, was der Rücklauf macht. Man schaut, welche Räume wirklich Wärme brauchen. Man nutzt PV-Strom. Man ändert Heizzeiten. Man probiert eine Wärmepumpe als Grundlast. Man verwirft Regeln, die nicht mehr zur Realität passen. Und man macht das System Schritt für Schritt besser.
Dafür braucht es nicht immer sofort eine 30.000-Euro-Sanierung. Manchmal braucht ein Haus zuerst nur bessere Augen.
Aber natürlich ist „da kann man sowieso nichts machen“ deutlich bequemer.
Dieser Artikel ist Teil 3 der Serie „Mein Smart-Home-Heizungsprojekt mit ESP32". Teil 1: Vier Heizungen, ein Pufferspeicher. Teil 2: ESP32 Heizungs-Monitoring — Der nächste Schritt.