Gedenkfeier in Gdingen – Die größte Katastrophe als Mahnung

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Zum 30. Mal: Erinnerung an das Schicksal der Flüchtlingsschiffe „Wilhelm Gustloff“, „Steuben“ und „Goya“

paz.de📅 13.05.2026

In Gdingen wurde im April einmal mehr der Opfer der größten Katas­trophe in der Geschichte der Seefahrt vor 81 Jahren gedacht. Im Jahr 1945 wurden im Lauf von drei Monaten die drei Flüchtlingsschiffe „Wilhelm Gustloff“, „Steuben“ und „Goya“ versenkt, wobei etwa 20.000 Opfer zu beklagen waren. Das Gedenken daran hat sich der Bund der deutschen Bevölkerung in Gdingen unter der Leitung von Benedikt Reschke zu eigen gemacht, der in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert.

Der Ablauf der Gedenkfeier beginnt in der Kirche der unaufhörlichen Hilfe unserer Muttergottes und Petrus des Fischers, kurz Seefahrerkirche, mit einem ökumenischen Gottesdienst, der seit Jahren vom Gdingener Kammerchor unter der Leitung von Piotr Klemenski musikalisch begleitet wird. Vorangestellt wird diesem Gottesdienst ein Gedicht von Grete Reschke, die mit ihrem Mann von Beginn an das organisatorische Rückgrat des Gdingener Vereins bildet. Sie gibt mit ihren Klagetexten für die Opfer die Atmosphäre im ersten Teil der Gedenkveranstaltung vor.

Auch in diesem Jahr sorgte ein Triumvirat von Pfarrern für die geistliche Begleitung. Die Messe leitete Domherr André Schmeier, der katholische Seelsorger der Deutschen Minderheit im südlichen Ostpreußen, der in der zeitlichen Nähe zu Ostern an die doppelte Bedeutung dieses Festes erinnerte: die Trauer um den toten Jesus Christus und die Freude von Maria Magdalena über das Wiedersehen mit dem Auferstandenen. Ähnlich zweigleisig argumentierte angesichts dieses Bibeltextes zum Tag der evangelisch-lutherische Propst von Stolp, Wojciech Fröhlich, der zwar die nötige Erinnerung an die Toten der Flüchtlingsschiffe und anderer Opfer des Krieges anmahnte, aber auch darauf aufmerksam machte, dass mit der Evakuierungsaktion „Hannibal“ auch Millionen Menschen den Krieg überlebt haben. Die farbenfrohen Vitragen der Seefahrerkirche mit ihren wasserbezogenen Themen legen ein Zeugnis der Dankbarkeit darüber ab. Jedoch sollte das Gedenken an die Ereignisse vor 81 Jahren uns als Mahnung dienen, uns heute für Frieden stark zu machen, so Pastor Fröhlich.

Kränze, Grabkerzen und runde Geburtstage

Nach einer kurzen Andacht vor der Gedenktafel für die drei Schiffe in der Seefahrerkapelle und der Fahrt an den Gdingener Hafen übernahm der dritte Pfarrer im Bund, Sebastian Niedźwiedziński, von den Danziger Methodisten, das geistliche Begleitwort am Kai, nachdem dort Grabkerzen entzündet und Kränze ins Wasser geworfen wurden. Neben den Vereinen der Deutschen Minderheit aus weiten Teilen Nordpolens waren auch polnische Gäste, Hannes Mundinger vom Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Danzig, sowie der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Danzig, Jakub Szadaj, bei der Gedenkfeier für die Opfer dabei.

Szadaj nutzte auch die Gelegenheit beim abschließenden geselligen Beisammensein, um sich anhand der Fotoalben und Dokumentationen des Bunds der deutschen Bevölkerung in Gdingen eingehend über die Geschichte und die Hintergründe des Gedenkens zu informieren. In diesem Jahr war die Feier zum Ende der Gedenkveranstaltung fröhlicher als sonst, galt es doch, das 30-jährige Bestehen des Bunds zu feiern. Bei dieser Gelegenheit ehrte Michał Schlueter vom Vorstand des Verbands der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen langfristig aktive Mitglieder des Vereins für ihr Engagement.

Ort der Feier war wie stets das Restaurant „Windrose“ am Kai des Gdingener Hafens in Sichtweite der häufig dort ankernden sehenswerten Segelschulschiffe der polnischen Marine, das in diesem Jahr sein ein halbes Jahrhundert existiert. Und – last but not least – hat die Stadt Gdingen doppelt so lange, nämlich seit 100 Jahren, das Stadtrecht erhalten, was ebenfalls groß gefeiert wird.

Eine Veranstaltung aus diesem Anlass fand parallel zu der Feier des Bunds der deutschen Bevölkerung in Gdingen ein Stockwerk höher statt. Diese Gelegenheit nutzte die Präsidentin der Stadt Gdingen, Aleksandra Kosiorek, um auf einen Sprung bei dem festlichen Teil vorbeizuschauen und zum Jubiläum zu gratulieren. Ein wunderbares Beispiel der Verständigung und des an diesem Tag angemahnten Einsatzes für den Frieden.

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