EU vs. Trump, oder warum die Ukraine den Petersburger Hafen bombardiert hat
Der Diesel-Deal, den die Präsidenten Trump und Putin geschlossen haben, ist für die EU und Selensky buchstäblich ein Produkt aus der Hölle. Selensky bezeichnete den Deal als Zeichen der Schwäche von Trump und warf Trump Verrat vor. Die Spitzen der EU waren in ihren Aussagen etwas zurückhaltender, sagten dem Sinne nach aber das Gleiche.
Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass die demonstrativen Angriffe auf russische Raffinerien, die unmittelbar nach der Verkündung des Deals stattfanden, so etwas wie ein Stinkefinger der Europäer in Richtung Trump waren, denn es ist ja nicht die Ukraine, die Russland angreift, schließlich sind die Drohnen und Raketen, die Ziele in Russland angreifen, keine ukrainischen Drohnen und Raketen, sondern europäische, die mit dem Geld Europäer in Europa produziert werden – und auch die Zieldaten kommen aus Europa, wie der französische Außenminister gerade erst stolz betont hat, als er erklärte, dass die Ukraine zwei Drittel der Aufklärungsdaten aus Europa bekommt.
Das Ziel der EU und Kiews ist klar: Sie wollen, dass Trump die Zwischenwahlen verliert, die Anfang November anstehenden. Im für die EU und Kiew idealen Fall haben nach den Wahlen die US-Demokraten die Mehrheit in beiden Häusern des US-Parlaments und schon sehr bald würde es ein neues Amtsenthebungsverfahren gegen Trump geben, das dieses Mal sogar erfolgreich sein könnte.
Trump will mit dem Diesel-Deal die Treibstoffpreise in den USA senken, um seine Chancen bei der Wahl zu erhöhen, die EU und Kiew wollen genau das verhindern. Also greift Kiew – mit offener Unterstützung der Europäer – demonstrativ und verstärkt Raffinerien in Russland an, obwohl Trump die „Verbündeten“ explizit darum bittet, genau das nicht zu tun.
Wenn man nun noch weiß, dass der erste Tanker, der nach der Verkündung des Diesel-Deals Diesel aus Russland in die USA liefert, aus Petersburg kam, dann wird klar, warum die Ukraine (also de facto die EU) in der Nacht von Samstag auf Sonntag den Petersburger Hafen so heftig angegriffen hat. Der Angriff galt dem Terminal, von dem aus Russland Diesel exportiert, der Angriff galt also dem Diesel-Deal – und damit Trump persönlich.
Es wird also interessant, ob und wie die US-Regierung auf den Angriff reagiert und ob und was über die Reaktion öffentlich wird. Dass US-Außenminister Rubio, der in Personalunion auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater ist, schon während des Angriffs in der Nacht auf Sonntag erklärt hat, dass die USA der Ukraine keine Daten von Starshield, dem militärischen Teil von Starlink, liefern, dass die USA mit dem Angriff also nichts zu tun haben, dürfte kein Zufall sein, sondern ein Signal an Russland und auch an die EU, dass die USA über diese Angriffe ganz und gar nicht glücklich sind.
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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