ESP32 Heizungs-Monitoring — Der nächste Schritt (Teil 2)

ESP32
Heizungs-Monitoring — Der nächste Schritt

Artikel Teil 2 — Live-Schreib-Session 2026-03-05


Kapitel 2.1: Der ESP32 —
warum jetzt?

Die Idee, meine Heizung zu überwachen, ist nicht neu. Sie begleitet
mich eigentlich seit dem Hauskauf im Jahr 2005. Damals habe ich die
Heizungsanlage bereits nach meinen Vorstellungen aufgebaut: mehrere
Wärmeerzeuger, ein großer Pufferspeicher, Solarthermie, Holzvergaser und
Öl.

Und ich habe sofort angefangen, das Ganze zu überwachen.

Die erste Lösung war sehr einfach. Drei digitale
Temperaturanzeigen, in ein kleines Kunststoffgehäuse eingebaut, mit
Heißkleber fixiert. Vorlauf, Rücklauf, Puffertemperatur. Mehr brauchte
es am Anfang nicht. Hauptsache, ich konnte sehen, was die Anlage gerade
macht.

Mit der Zeit wurde das System interessanter. Digitale
Temperatursensoren vom Typ DS18B20 machten es möglich, mehrere
Messpunkte über einen sogenannten 1-Wire-Bus auszulesen. Damit konnte
ich erstmals Temperaturen systematisch erfassen.

Die Daten liefen damals über die Automatisierungssoftware IP-Symcon
auf einen Rechner. Das war mein erster Schritt in Richtung
Heimautomation. Noch nichts Spektakuläres – aber plötzlich konnte ich
mehr sehen als nur drei Zahlen auf einem Display.

Der nächste große Schritt kam mit der Visualisierung der Daten. Ein
Raspberry Pi übernahm das Sammeln der Messwerte. Die Daten wurden in
InfluxDB gespeichert und mit Grafana sichtbar gemacht.

Zum ersten Mal konnte ich den Verlauf meiner Heizung über Stunden und
Tage beobachten.

In dieser Phase entstanden auch kleine Sensorknoten auf Basis des
ESP8266. Diese Geräte konnten Temperaturen direkt auslesen und über WLAN
ins Netzwerk schicken. Einer dieser Knoten hängt bis heute in meiner
Küche und zeigt die wichtigsten Heizungsdaten auf einem kleinen Display
an.

Mit der Zeit wuchs die Infrastruktur weiter. Der Raspberry Pi wurde
schließlich durch eine Serverinstallation ersetzt. Heute läuft das
System zentral auf meinem Proxmox VE-Server. Darauf läuft ioBroker,
allerdings in einer deutlich moderneren Version.

Und dann, im Herbst 2025, ist das Siemens Logo kaputt
gegangen.

Nach 20 Jahren zuverlässiger Arbeit. Zwei Jahrzehnte. Das Ding hatte
alles erlebt: Hitze, Feuchte, Stromschwankungen, hundertfache
Schaltzyklen. Und dann: Eines Tages war es einfach weg. Elektronik tot.
Nicht reparierbar. Einfach… vorbei.

Das war der Moment, wo ich dachte: “Gut. Zeit für was Neues.”

Nicht aus Langeweile. Nicht aus Lust auf einen Upgrade. Sondern weil
die alte Hardware gestorben ist und ich jetzt eine
Lösung brauchte.

Und jetzt, im Januar 2026, überlege ich: Was kommt
danach?


Warum
der ESP32 jetzt der richtige nächste Schritt ist

Das Siemens Logo ist weg. Nach 20 Jahren war es einfach Schluss —
elektronisch kaputt, nicht reparierbar. Das ist einerseits ein
Trauer-Moment (so ein zuverlässiges Gerät!), andererseits eine
Chance: Jetzt kann ich neu denken.

Seit etwa zehn Jahren hängt der ESP8266 in meiner Küche. Er
funktioniert zuverlässig, ich bin zufrieden damit.
Aber: Jeden Morgen muss ich warten, bis das Display
aktualisiert — manchmal etwa drei Sekunden Verzögerung. Und wenn ich die
Sensoren von drei auf fünf erhöhe, wird es merklich langsamer. Das nervt
nicht wirklich, aber… es nervt.

Jetzt, mit dem kaputten Logo, stelle ich mir die Frage: Sollte ich
noch eine alte Lösung wie das Logo kaufen? Reparieren? Nein. Das macht
keinen Sinn. Klar, eine neue Siemens Logo gibt es noch zu kaufen. Aber
warum? Warum nochmal die gleiche alte Technik, wenn es heute für weniger
Geld etwas gibt, das zehnmal mehr kann?

Also: Vorwärts, nicht rückwärts.

Die alte Lösung war damals clever. 2014, als der ESP8266 gerade
rauskam: „WiFi-fähig, billig, stromsparig — das ist revolutionär!” Und
das war es auch. Aber heute? Ein Raspberry Pi ist mittlerweile teuer
geworden — 80 EUR und mehr für ein Board. Aber ein ESP32 mit Display? 30
EUR. Der Markt hat sich bewegt.

Der ESP32 ist die Brücke: Das gleiche Konzept, aber
mit moderner Hardware. Und das ist wichtig: Heute bekommst du ein 5-Zoll
Display mit integriertem ESP32 für etwa 30 EUR auf AliExpress. Das gab
es vor zehn Jahren nicht, nicht einmal ansatzweise.

Wenn ich das 2006 hätte haben wollen (wie auf den Fotos meines alten
Setups) — 5 Zoll, farbig, reaktiv — hätte ich 500+ EUR bezahlt. Heute:
30 EUR.

Das Problem mit dem ESP8266 (meine praktischen
Erfahrungen):
160 MHz Einkern-CPU — wenn ich
6+ Sensoren gleichzeitig abfrage, wird es eng – 160 KB
RAM
— nicht viel für Pufferdaten oder Historien – WiFi
nur 802.11b/g
— langsam bei Netzwerk-Last oder vielen Geräten –
Kleines Display möglich (max ~2,4 Zoll) — alles darüber
wird zu träge

Was sich beim ESP32 konkret ändert (für mich, nicht
theoretisch):

  • 240 MHz dual-core Prozessor
    • Zwei CPUs nebeneinander
    • Eine CPU: Sensoren auslesen + Berechnung
    • Andere CPU: WiFi & Display aktualisieren
    • Resultat: Keine Verzögerung mehr
  • 520 KB RAM (statt 160 KB)
    • Kann jetzt 24-Stunden-Temperaturverlauf speichern
    • Mehrere Datensätze puffern, ohne zu hängen
  • WiFi 802.11n
    • Schneller, stabiler
    • Auch bei mehreren Geräten im Netzwerk keine Probleme
  • Größere Displays praktisch möglich
    • 5-Zoll Display statt 2,4-Zoll
    • Überhaupt lesbar ohne Brille!
    • Farben + Symbole statt nur Zahlen

Was das konkret ermöglicht: – Echtzeit-Anzeige
(keine 3-Sekunden-Verzögerung) – Historien-Daten (Grafiken: wie hat sich
der Puffer in den letzten 24h verändert?) – Prognose-Daten + aktuelle
Daten kombinieren – Farben & Icons (universale Sprache — rot =
Problem, grün = OK)

Die Hardware (praktisch):

Das ESP32-8048S050 Board ist das, was ich bestellt
habe. Es ist ein „All-in-One” Paket: alles integriert (Display + WiFi +
Touch + GPIO). Preis: 28-35 EUR auf AliExpress. Das ist verrückt billig
für das, was man bekommt. Früher: einzelnes Display (80+ EUR) + ESP
Board (20 EUR) + Kabel + Löten = 150+ EUR und 10 Stunden Arbeit.

Diesmal: Auspacken, Code draufspielen, fertig.

Persönliche Erwartung: Ein schnelleres Display
bedeutet mehr Nutzen. Größer bedeutet, ich sehe es auch aus der Ferne.
Und ganz ehrlich — es ist günstig genug, dass ich es einfach machen
kann. Und weil ich lernen will: „Was kann moderne Hardware noch?”


Kapitel 2.2: Die
Hardware — was ich verwende

Im Februar bestelle ich das Board auf AliExpress. Ich bin nervös —
wird es ankommen? Ist es funktionsfähig? Erfahrung: 80% der billigen
Elektronik funktioniert, 20% ist Schrott.

Diesmal: Glückstreffer. Das Board kam an, alles lädt direkt. Keine
Fehlsteuerungen, kein Müll.

Das ESP32-8048S050
Board (der Hauptdarsteller)

Was ist das? Ein „All-in-One” Mikrocontroller-Display-Combo. Alles,
was du brauchst, sitzt auf einer Platine.

Technisch:Xtensa 32-Bit CPU
240 MHz, dual-core (zwei Prozessorkerne nebeneinander) – 520 KB
RAM
— groß genug für echte Applikationen (vs. 160 KB beim
ESP8266) – 4 MB Flash — zum Speichern von Code + Daten
(OS, Firmware, Config) – WiFi 802.11b/g/n — 2,4 GHz (5
GHz möglich, aber Range schlechter) – Bluetooth
optional, ich nutze es nicht

Das integrierte Display:5 Zoll
(127 mm diagonal) – Auflösung: 800×480 Pixel (16:10
Seitenverhältnis) – IPS-Panel — gute Farben aus allen
Winkeln – Touchscreen — optional, ich nutze ihn selten
(Tasten reichen mir) – SD-Kartenslot — für
Daten-Logging, falls nötig

Anschlüsse (wichtig für mein System):
USB-C — zum Programmieren + zum Stromversorgen –
GPIO-Pins — für zusätzliche Sensoren, Relais,
I2C-Geräte – 3,3V & 5V Power Rail — Stromversorgung
für externe Geräte – GND (Masse) — natürlich

Preis: 28-35 EUR auf AliExpress. Bestellt, gewartet,
bezahlt. Angekommen in guter Verpackung.

Die DS18B20 Sensoren (die
Datensammler)

Was ist ein DS18B20? Ein digitaler Temperatur-Sensor. Klein,
zuverlässig, seit 20 Jahren auf dem Markt.

Technisch:±0,5°C Genauigkeit
das ist gut genug für eine Heizungsanlage – 1-Wire Bus
— hier ist die Magie: jeder Sensor braucht nur 1 Kabel +
Masse
– Alle Sensoren an einem GPIO-Pin angeschlossen – Maximal
127 Sensoren am gleichen Pin (theoretisch) – In der Praxis: 8-10 sind
sinnvoll, dann wird’s langsam – Messbereich: -55°C bis
+125°C (für Heizung vollkommen egal, aber nice) –
Stromversorgung: 3,3V (intern am Sensor = parasitäre
Stromversorgung, sehr clever)

Es gibt zwei Varianten:Einfache
Drahtsensoren
— billig, aber nicht wasserdicht –
Wasserdichte Varianten (JDS18B20) — in
Edelstahl-Gehäuse, M24 Gewinde, perfekt für Heizung

Ich nutze die wasserdichten, weil eine Heizungsanlage = feucht, heiß,
aggressiv.

Meine Sensoren — wo hängen
sie?

Ich habe 10 Sensoren geplant:

  1. Puffer oben (die warmste Stelle): Eintauchstutzen
    im Pufferspeicher
  2. Puffer mitte (sagt mir, ob Puffer stratifiziert
    ist): M24 Gewinde, Anschraubtutzen
  3. Puffer unten (Vorlauf zurück): Am Boden des 1.500L
    Tanks
  4. Solar-Kollektor Vorlauf (warmes Wasser vom Dach): 1
    Meter Kabel durch die Decke
  5. Solar-Kollektor Rücklauf (kaltes Wasser zurück):
    Direkt daneben
  6. Heizung Vorlauf (warmes Wasser zu den Heizkörpern):
    Am Verteiler
  7. Heizung Rücklauf (Rücklauf von den Heizkörpern): Am
    Verteiler
  8. Holzvergaser Vorlauf (heißes Wasser vom HV zum
    Puffer): Direkt am HV-Ausgang
  9. Holzvergaser Rücklauf (Rücklauf zum HV): Am
    HV-Eingang
  10. Außentemperatur (an der Nordseite des Hauses):
    Schattiert, freie Luft

Verkabelung (die praktische
Seite)

So sieht es aus:

    ESP32 GPIO4 (Datenleitung)
         |
         +--- Pullup-Widerstand 4,7 kΩ → 3,3V
         |
    [1-Wire Bus - Datenkabel (gelb)]
    
    Alle 10 Sensoren hängen auf diesem einen Bus:
    - Sensor 1 (Puffer oben) → kurzes Kabel am Speicher
    - Sensor 2 (Puffer mitte) → kurzes Kabel am Speicher
    - Sensor 3 (Puffer unten) → kurzes Kabel (unten am Speicher)
    - Sensor 4 (Solar VL) → durch Decke, ~1m Kabel
    - Sensor 5 (Solar RL) → neben Sensor 4
    - Sensor 6 (Heizung VL) → am Verteiler
    - Sensor 7 (Heizung RL) → am Verteiler
    - Sensor 8 (HV Vorlauf) → am Holzvergaser-Ausgang
    - Sensor 9 (HV Rücklauf) → am Holzvergaser-Eingang
    - Sensor 10 (Außen) → an Nordseite
    
    Stromversorgung:
    - Rot (3,3V) → alle Sensoren
    - Schwarz (GND) → alle Sensoren
    - Gelb (Daten) → alle Sensoren (1-Wire Bus)

Das Resultat: Zwei Geräte, kabellos verbunden. Ein
kleiner ESP32-Sensorknoten sitzt direkt bei den Messpunkten an der
Heizung und liest die DS18B20-Sensoren aus. Per WLAN funkt er die Daten
an das große 5-Zoll ESP32-Display, das an der Wand in der Küche hängt.
Kein Kabel durchs ganze Haus — nur ein kurzer 1-Wire-Bus direkt an der
Heizung und ein Display an der Wand.

Der Pullup-Widerstand (4,7 kΩ): Am Sensorknoten
wichtig! Ohne ihn funktioniert der 1-Wire Bus nicht zuverlässig. Mit
ihm: perfekt.

Das Netzteil (die
Energiequelle)

Ein ganz normales USB-C 5V / 2A Netzteil aus dem
Elektronik-Geschäft. Kostet etwa 5-10 EUR. Läuft 24/7 an der Steckdose
in der Küche.

Stromverbrauch: – ESP32 + Display zusammen: ~2-3W
dauernd – Das Display ist der „Strombombe” (nicht der CPU) – Im
Vergleich: Raspberry Pi 4 = 5-10W, also immer noch sparsamer

Datenfluss — wie alles
zusammenhängt

Das ist die wichtige Frage: Woher kommen die Daten?

  1. ESP32 startet und verbindet sich per WiFi zu
    ioBroker (auf meinem Proxmox Server, CT 999)

  2. ESP32 fragt per REST-API ab: „Gib mir die
    aktuellen Daten”

  3. ioBroker antwortet (innerhalb 100ms) mit
    JSON:

{
  "puffer_oben": 52.3,
  "puffer_mitte": 45.1,
  "puffer_unten": 32.0,
  "aussentemp": -3.2,
  "hv_abgas": 45.0,
  "sonne_heute_h": 5,
  "oel_kosten_heute": 2.15
}
  1. ESP32 verarbeitet die Logik:

    • „Sonne > 3h erwartet → Öl sperren”
    • „Außen > +7°C → WP erlaubt”
    • „Puffer < 35°C → NOTSTART”
    • etc.
  2. ESP32 zeichnet auf dem 5-Zoll Display:

    • Farbige Balken (Puffer-Füllstand)
    • Icons (☀️ Solar, 🪵 Holz, 🌡️ WP, 🛢️ Öl)
    • Status-Text
    • Prognose
    • Kostenberechnung
  3. Display aktualisiert sich alle ~2
    Sekunden

  4. Ich schaue drauf und sehe sofort: „Ok, Solar
    lädt gerade” oder „Öl ist gesperrt, Sonne kommt morgen”

Das Gesamtbild

Für etwa 50 EUR Gesamtkosten (ESP32 Board + Sensorknoten + 10
Sensoren + Kabel) habe ich jetzt ein System, das: –
Zuverlässig ist (Hardware schon 10 Jahre bewährt) –
Schnell ist (keine Verzögerungen) – Groß
genug
ist zum Lesen (5 Zoll) – Wartbar ist
(wenn etwas kaputtgeht, kostet der Austausch 30 EUR, nicht 300 EUR)

Nicht „professionell” im industriellen Sinne — aber robust genug für
Heimautomation und einfach genug, dass ich verstehe, wie es
funktioniert.


Das alte Siemens Logo Setup von 2006
Das gleiche Setup von 28/01/2006 mit Thermometer und KWH Anzeige

Bilder aus 2006: Das alte Siemens Logo Steuergerät mit
Solarregler und KWH-Anzeige. 20 Jahre zuverlässiger Dienst — bis es im
Herbst 2025 kaputtging.

Das ist der Punkt: Von diesem Siemens-Logo-Steuergerät (2006) zu
einem modernen ESP32-Display (2026). Zwanzig Jahre Evolution. Und die
nächsten 20 Jahre werden noch spannender.


Kapitel 2.3: Die
Logik — die 5 Regeln der Heizung

Die echten 5 Regeln entstanden nicht aus ioBroker.
Sie entstanden aus 20 Jahren Beobachtung der Siemens
Logo
.

Die Logo hat gesteuert. Punkt. Immer zuverlässig. Die ganze Zeit.
Während ich sie beobachtet habe, bin ich zu verstehen gekommen: “Wie
entscheidet die Logo eigentlich? Was sind die Kriterien?”

Mit der Zeit sah ich ein Muster. Fünf Dinge, die immer wieder wichtig
waren. Fünf Kriterien, nach denen eine intelligente Heizung entscheiden
sollte.

Das war empirisch, nicht theoretisch. Nicht aus
Lehrbüchern. Aus der Realität.

Dann kam ioBroker (2020).

Mit ioBroker wollte ich experimentieren — wie könnte eine
intelligentere Logik aussehen? Wie könnte ich die
Solar-Thermie besser nutzen? Wie die Heizung insgesamt smarter
steuern?

Resultat: Ich programmierte komplexe Regeln mit vielen Bedingungen.
Das System sollte automatisch entscheiden. Vorhersagen treffen. Aber:
Bugs über Bugs. Manchmal liefen die Systeme in Konflikt. Manchmal
sperrte sich die Logik selbst.

Das war der Weckruf: “Je simpler die Logik, desto
zuverlässiger das System.”

Die Logo hat gezeigt, worauf es ankommt: Sicherheit durch
Einfachheit.
Sie überwacht den Holzvergaser mit einem PT100 im
Abgasrohr. Wenn der Start nach 20 Minuten nicht warm wird → Alarm. Nach
dem Ausbrennen → Automatischer Stopp. Das ist nicht sexy, aber es
läuft 20 Jahre ohne Fehler.

Also vereinfachte ich die ioBroker-Logik. Zurück zu den 5 Regeln, die
ich von der Logo gelernt hatte.

Wie ich zu den 5 Regeln kam

Die 5 Regeln sind nicht aus ioBroker entstanden. ioBroker war nur zum
Visualisieren da — zum Anschauen, nicht zum Denken.

Die Siemens Logo war die Maschine, die
entschieden hat. Sie steuerte. Sie schaltete. Und über
20 Jahre habe ich beobachtet: Was macht Sinn? Was funktioniert? Was ist
ein Fehler?

Dann saß ich hin und fragte mich: “Wenn die Logo kaputt ist — wie
entscheide ich, welche Heizung ich einschalte? Was sind die echten
Kriterien?”

Die Antwort kam aus Erfahrung, nicht aus Theorie:

REGEL 1: Läuft der Holzvergaser?
         → Alles andere ausschalten

REGEL 2: Ist Sonne für heute erwartet?
         → Öl sperren, bis die Sonne kommt

REGEL 3: Ist es außen wärmer als +7°C?
         → Wärmepumpe darf laufen

REGEL 4: Ist es außen kälter als +7°C?
         → Wärmepumpe sperren, lieber Öl

REGEL 5: Ist der Puffer unter 35°C?
         → NOTSTART, egal was (Sicherheit)

Diese fünf Regeln entstanden aus praktischer Erfahrung. Aus 15 Jahren
Beobachtung. Aus Fehlern, die ich gemacht habe. Aus Erkenntnissen, die
langsam gereift sind. Die Logo hat sie umgesetzt. Der Broker hat mir nur
gezeigt, was gerade passiert.


REGEL 1: Läuft
der Holzvergaser? → Alles andere AUS

Wer ist der Holzvergaser?

Der Holzvergaser (HV) ist mein Liebling. Warum? Weil ich ihn selbst
bediene und weil der Brennstoff sehr günstig ist (ich kaufe Holz
ein).

Wenn der HV läuft, leistet er etwa 35 kW. Das ist
eine Menge. Ein großes, wärmendes Monster. Je nachdem, wie warm das Haus
schon ist: – Haus bereits warm: ~4 Stunden bis der
Pufferspeicher voll ist – Haus kalt: ~6 Stunden bis der
Pufferspeicher voll ist

Die Konsequenz: Wenn HV läuft, brauchen die anderen
Heizer nicht zu laufen. Punkt. Aus. Fertig.

Technisch:

if (hv_abgas > 120°C) {
    wp.erlaubt = false;    // Wärmepumpe aus
    oel.erlaubt = false;   // Öl aus
    status = "HV aktiv - Rest aus";
}

Das ist simpel, aber brutal effektiv. Wenn der HV
seinen Job macht, blocken wir alles andere.

Persönlich: “Lass den HV in Ruhe, er macht seinen
Job besser als alles andere. Und das Holz ist günstig.”


REGEL 2: Ist
Sonne für heute erwartet? → Öl SPERREN

Ich habe eine Solar-Thermie-Anlage auf dem Dach.

Im Sommer kann sie bis zu 70% der Heizlast abdecken. Im Winter (wenn
die Sonne scheint): 15-25%. Nicht viel, aber es ist gratis
Wärme
.

Die Idee: Wenn der Wetterdienst sagt “Morgen 5 Stunden Sonne” — dann:
Öl nicht starten, auch wenn der Puffer nur 40°C
ist.

Warum? Weil in 2-3 Stunden die Sonne kommt und kostenlos ladet.

Ersparnis: ~2 EUR pro Tag, wenn man das richtig
macht. Im Monat: ~60 EUR. Im Jahr: ~720 EUR.

Das ist nicht zu verachten.

Technisch — das Script läuft jeden Morgen um 06:00
Uhr:

const sunshine_hours = getState("openweathermap.0.forecast.day0.sunshine").val;

if (sunshine_hours > 3) {
    oel.erlaubt = false;
    status = "Warte auf Solar (" + sunshine_hours + "h erwartet)";
} else {
    oel.erlaubt = true;
    status = "Keine Sonne, Öl freigegeben";
}

Der Fehler, den ich am Anfang gemacht habe: Ich habe
versucht, die Sonne intraday zu nutzen. “Wenn die Sonne
jetzt gerade scheint, dann…”. Aber: Wetterdaten sind träge. Der Sensor
lügt manchmal. Das Ergebnis: Unzuverlässig.

Jetzt: Nur die Prognose nutzen. Um 06:00 Uhr
entscheidest du für den ganzen Tag. Punkt. Das ist zuverlässig.

Persönlich: “Der beste Brennstoff ist kostenlos.
Warte auf die Sonne.”


REGEL 3 + 4:
Außentemperatur & Wärmepumpe (+7°C Grenze)

Eine Wärmepumpe ist das knifflige Gerät. Sie funktioniert, aber nur
unter bestimmten Bedingungen wirtschaftlich.

Ich habe eine Luft-Luft-Wärmepumpe geplant — das ist
eine Wärmerückgewinnungsanlage mit Wärmepumpen-Funktion. Sie wird
zusätzlich zu Solar, Holzvergaser und Öl arbeiten.

Warum +7°C die Grenze ist:

Moderne Wärmepumpen haben einen COP (Coefficient of
Performance). Das ist das Verhältnis:

COP = Wärmeleistung / Stromverbrauch

Ein Beispiel: – Bei +15°C außen: COP ~4,5 (für 1 kWh Strom bekommst
du 4,5 kWh Wärme) – Bei +10°C außen: COP ~3,5 (gut) – Bei +7°C außen:
COP ~2,8 (Grenze: noch wirtschaftlich) – Bei 0°C außen: COP ~2,0 (sinkt
deutlich) – Bei -5°C außen: COP ~1,5 (teurer als Öl!)

Die Grenze +7°C ist nicht magisch. Sie ist
pragmatisch. Sie ist die Stelle, wo die WP anfängt, signifikant weniger
effizient zu werden. Darunter ist Öl günstiger.

Technisch:

const aussentemp = getState("mqtt.0.Holzvergaser_Sensoren_6.Aussenfühler").val;

if (aussentemp > 7) {
    wp.erlaubt = true;    // WP darf laufen
} else {
    wp.erlaubt = false;   // WP gesperrt, Öl läuft stattdessen
}

Was bedeutet das praktisch?

An milden Tagen (über +7°C): WP läuft. Sie ist günstig und
zuverlässig.

Bei kälteren Tagen (unter +7°C): WP gesperrt. Der Öl-Kessel läuft
stattdessen.

Persönlich: “Über +7°C ist die WP rentabel.
Darunter: lieber Öl, Solar oder Holzvergaser. Punkt.”


REGEL 5: Puffer unter 35°C? →
NOTSTART

Der Pufferspeicher ist ein großer, isolierter Behälter (1.500 Liter).
Er speichert Wärmeenergie.

Oben: heiß (65-70°C wenn voll)
Unten: kalt (30-40°C für Frostschutz)

Wenn die Temperatur oben unter 35°C fällt, besteht
das Risiko von Frostschäden. In kalten Gegenden (unter 0°C) kann Wasser
gefrieren. Und gefrorenes Wasser sprengt Rohre.

Die Regel ist daher eine Sicherheitsregel, keine
Effizienz-Regel.

Egal ob HV läuft, egal ob Sonne kommt — wenn der Puffer zu
kalt wird, muss Öl starten
. Punkt. Punkt. Punkt.

Technisch:

const puffer_unten = getState("mqtt.0.ESP_Easy_Display_4.Unten").val;

if (puffer_unten < 35) {
    oel.erlaubt = true;
    wp.erlaubt = true;
    status = "NOTSTART - Puffer zu niedrig, Frostschutz!";
    return;  // Alle anderen Regeln sind egal
}

Persönlich: “Eine kaputte Heizung (Frostschaden)
kostet 5.000 EUR zu reparieren. Die Energieeinsparung ist nicht wert die
Anlage kaputt zu machen.”


Die Prioritäten — wer
gehört wann auf?

Wenn alles normal läuft, folgt das System dieser Hierarchie:

1. ☀️ Solar-Thermie       (Kosten: 0 EUR/Tag)
2. 🪵 Holzvergaser       (Kosten: ~17 EUR/Tag, 100€/Raummeter für 5-6 Tage)
3. 🌡️ Wärmepumpe        (Kosten: variabel, je nach COP bei +7°C)
4. 🛢️ Ölkessel          (Durchschnitt Winter: ~8 L/Tag × 1€/L = ~8 EUR/Tag)

Das System lädt die Heizer in dieser Reihenfolge. Wenn Solar nicht
reicht, kommt HV. Wenn HV nicht läuft, versucht’s die WP. Wenn WP zu
kalt ist, startet das Öl.

Persönlich: “Ich zahle am liebsten mit Muskelkraft
(Holz hacken) oder nichts (Sonne). Öl ist das letzte Resort.”


Was
das System BEWUSST NICHT TUT (und warum das richtig ist)

Ich könnte die Logik komplizierter machen. Ich könnte:

❌ COP-Berechnung in Echtzeit
   → "Wie ist der aktuelle COP jetzt gerade?"
   → Zu komplex, zu viele Unsicherheiten
   → Stattdessen: Feste Grenzen (+7°C) sind zuverlässiger

❌ Stundenlohn für HV-Betrieb
   → "Holz kostet: Schneiden + Spalten + Lagern = ?€ pro kWh"
   → Ist sehr subjektiv, nicht wert die Logik zu komplizieren

❌ Vorhersage-Planung
   → "Wenn morgen sehr kalt wird, jetzt schon volladen"
   → Zu spekulativ, der Puffer war ja gerade voll

❌ PV-Überschuss-Erkennung
   → "Hat die PV gerade Überschuss?"
   → Haben wir keine PV, also egal

Warum diese Sparsamkeit in der Logik?

Weil Heizsysteme müssen zuverlässig sein. Punkt.

  • Einfache Logik = weniger Bugs
  • Weniger Bugs = 20 Jahre Betrieb ohne Probleme
  • Komplexe Logik spart vielleicht 50 EUR/Jahr
  • Aber kostet Kopfzerbrechen, Debugging, Wartung

Das ist kein Trade-off. Zuverlässigkeit gewinnt.


Die erwartete Ersparnis

Baseline: 2.500 L Heizöl/Jahr × 1€/L = 2.500 EUR/Jahr reines
Ölheizen

Wenn alles wie geplant läuft, sollte das System sparen:

☀️ Solar-Thermie + Vorrang    ~25% der Last      ~625 EUR/Jahr
🪵 Holzvergaser              ~40% der Last      ~700 EUR/Jahr (30% günstiger als Öl)
🌡️ Wärmepumpe (> +7°C)       ~15% der Last      ~225 EUR/Jahr
🛢️ Ölkessel (Rest)           ~20% der Last        0 EUR (Baseline)
────────────────────────────────────────────────
TOTAL                                         ~1.550 EUR/Jahr

Das ist auf 20 Jahre Betrieb: ~31.000 EUR
Ersparnis
.

Ja, 18.000 EUR. Das ist nicht zu verachten.

Und das ist, warum das System wichtig ist. Nicht weil es “smart” ist.
Sondern weil es spart.


[Bild würde hier passen: Dashboard mit den 4 Heizern +
Status]

Die 5 Regeln sind einfach. Sie sind nicht sexy. Sie sind nicht
“KI-gesteuert”. Aber sie funktionieren. Und das ist alles, was
zählt.


Kapitel 2.4: Das Display —
4 Szenarien

Die Logik ist komplex, aber das Display sollte einfach
sein
. Eine Sekunde Blick, und du weißt: Was läuft gerade? Was
kostet mich das? Was kommt heute noch?

Hier sind vier reale Szenarien, die du auf dem 5-Zoll ESP32-Display
sehen würdest:

Szenario 1: Morgens, Sonne
erwartet

┌──────────────────────────────────────────────────────────────┐
│  🏠 HEIZUNG                        -3°C  │  Mi 05.03.2026     │
├──────────────────────────────────────────────────────────────┤
│                                                              │
│  ╔════════════════════════════════════════════════════════╗  │
│  ║  🌤️ PROGNOSE HEUTE                                    ║  │
│  ║                                                        ║  │
│  ║  ☀️ 5 Stunden Sonne erwartet                           ║  │
│  ║  → Öl bleibt aus, warte auf Solar                      ║  │
│  ║                                                        ║  │
│  ╚════════════════════════════════════════════════════════╝  │
│                                                              │
│  📊 PUFFER                                                   │
│  ┌──────────────────────────────────────────────────┐       │
│  │ ████████████████████░░░░░░░░░░ │  52°C  67%  OK │       │
│  └──────────────────────────────────────────────────┘       │
│  Oben: 58°C    Mitte: 45°C    Unten: 32°C                   │
│                                                              │
│  ─────────────────────────────────────────────────────────  │
│  STATUS                                                      │
│  ☀️ Solar       ⏸️ wartet auf Sonne                          │
│  🪵 Holz        ⏸️ aus                                       │
│  🌡️ WP          ▶️ läuft (Außen +12°C > +7°C ✓)              │
│  🛢️ Öl          🚫 gesperrt (Solar erwartet)                │
│                                                              │
├──────────────────────────────────────────────────────────────┤
│  💰 GESPART HEUTE: ~4.20€            Monat: ~89€            │
└──────────────────────────────────────────────────────────────┘

Was siehst du hier? – Top: Klare Botschaft (Sonne
kommt, warte) – Puffer-Balken: Grün (OK, nicht zu voll, nicht zu leer) –
Drei Temperaturen: Sagt dir, ob Puffer stratifiziert ist (ist wichtig!)
– Status: Alle vier Heizer auf einen Blick (⏸️ aus, ▶️ läuft, 🚫
gesperrt) – Unten: Was sparst du heute? Monatlicher Trend?

Die persönliche Bedeutung: Du schaust drauf und
denkst: “Ok, WP läuft, Öl ist gesperrt. Das System weiß, dass gleich
Sonne kommt. Gut. Ich kann mich entspannen.”


Szenario 2: Solar aktiv
(Sonne scheint)

┌──────────────────────────────────────────────────────────────┐
│  🏠 HEIZUNG                        +2°C  │  Mi 05.03.2026     │
├──────────────────────────────────────────────────────────────┤
│                                                              │
│  ╔════════════════════════════════════════════════════════╗  │
│  ║  ☀️ SOLAR AKTIV!                                       ║  │
│  ║                                                        ║  │
│  ║  Kollektor: 68°C → Puffer                             ║  │
│  ║  Leistung: +4.2 kW                                    ║  │
│  ║  Heute: 8.4 kWh = 1.18€ gespart                       ║  │
│  ║                                                        ║  │
│  ╚════════════════════════════════════════════════════════╝  │
│                                                              │
│  📊 PUFFER                                                   │
│  ┌──────────────────────────────────────────────────┐       │
│  │ ████████████████████████████░░ │  62°C  82%  🔥 │       │
│  └──────────────────────────────────────────────────┘       │
│  Oben: 64°C    Mitte: 58°C    Unten: 48°C                   │
│                                                              │
│  ─────────────────────────────────────────────────────────  │
│  STATUS                                                      │
│  ☀️ Solar       ▶️ LÄUFT (+4.2 kW)                           │
│  🪵 Holz        ⏸️ aus                                       │
│  🌡️ WP          ⏸️ nicht nötig                              │
│  🛢️ Öl          🚫 gesperrt                                 │
│                                                              │
├──────────────────────────────────────────────────────────────┤
│  💰 GESPART HEUTE: ~6.80€            Monat: ~92€            │
└──────────────────────────────────────────────────────────────┘

Was siehst du hier? – Top: “SOLAR AKTIV!” —
leuchtend, dominant – Kollektor-Temperatur: 68°C (heiß!) – Leistung: 4,2
kW (echte Wärmeleistung) – Puffer steigt: 62°C, 82% voll (Warnung: wird
bald voll!) – Alles andere: Aus, weil Solar reicht

Die persönliche Bedeutung: Du schaust drauf und
denkst: “Ja! Mach die Solar! Der Puffer wird voll, alle anderen Heizer
sind unnötig. Perfekt.” Die rote Warnung “🔥” sagt dir: Puffer lädt
schnell, in 30 Minuten ist er voll.


Szenario 3:
Bewölkt und kalt (kein Solar, unter +7°C)

┌──────────────────────────────────────────────────────────────┐
│  🏠 HEIZUNG                        -8°C  │  Do 06.03.2026     │
├──────────────────────────────────────────────────────────────┤
│                                                              │
│  ╔════════════════════════════════════════════════════════╗  │
│  ║  ☁️ PROGNOSE HEUTE                                     ║  │
│  ║                                                        ║  │
│  ║  Bewölkt, keine Sonne erwartet                         ║  │
│  ║  → Öl freigegeben                                      ║  │
│  ║                                                        ║  │
│  ╚════════════════════════════════════════════════════════╝  │
│                                                              │
│  📊 PUFFER                                                   │
│  ┌──────────────────────────────────────────────────┐       │
│  │ █████████████░░░░░░░░░░░░░░░░░░ │  42°C  48%  ⚠️ │       │
│  └──────────────────────────────────────────────────┘       │
│  Oben: 48°C    Mitte: 38°C    Unten: 28°C                   │
│                                                              │
│  ─────────────────────────────────────────────────────────  │
│  STATUS                                                      │
│  ☀️ Solar       ⏸️ bewölkt                                   │
│  🪵 Holz        ⏸️ aus                                       │
│  🌡️ WP          🚫 aus (Außen +2°C < +7°C ❌)               │
│  🛢️ Öl          ▶️ LÄUFT                                     │
│                                                              │
├──────────────────────────────────────────────────────────────┤
│  💰 HEUTE: Öl 2.1L = 2.52€ Kosten   Monat: ~75€             │
└──────────────────────────────────────────────────────────────┘

Was siehst du hier? – Top: “☁️ BEWÖLKT” — klare
Botschaft – Puffer: Nur noch 42°C, Orange (Warnung), 48% voll
(niedriger) – WP: 🚫 Aus! Es ist zu kalt (+2°C < +7°C) – Öl: ▶️
Läuft! Das ist der einzige Heizer jetzt – Unten: Das kostet dich heute
Geld (keine Einsparung)

Die persönliche Bedeutung: Du schaust drauf und
denkst: “Ok, extreme Kälte. WP ist weg, Öl läuft. Das ist teuer, aber
das ist Winter. Das System macht’s richtig.” Orange beim Puffer sagt
dir: “Hey, Puffer wird leer, Öl wird lange laufen.”


Szenario 4: Holzvergaser
aktiv

┌──────────────────────────────────────────────────────────────┐
│  🏠 HEIZUNG                        -2°C  │  So 08.03.2026     │
├──────────────────────────────────────────────────────────────┤
│                                                              │
│  ╔════════════════════════════════════════════════════════╗  │
│  ║  🪵🔥 HOLZVERGASER AKTIV                              ║  │
│  ║                                                        ║  │
│  ║  Abgas: 178°C                                         ║  │
│  ║  Läuft seit: 2h 15min                                 ║  │
│  ║  Geliefert bisher: ~35 kWh                            ║  │
│  ║                                                        ║  │
│  ╚════════════════════════════════════════════════════════╝  │
│                                                              │
│  📊 PUFFER                                                   │
│  ┌──────────────────────────────────────────────────┐       │
│  │ █████████████████████████████░ │  68°C  92%  🔥 │       │
│  └──────────────────────────────────────────────────┘       │
│  Oben: 72°C    Mitte: 68°C    Unten: 62°C                   │
│                                                              │
│  ─────────────────────────────────────────────────────────  │
│  STATUS                                                      │
│  ☀️ Solar       ⏸️ nicht nötig                              │
│  🪵 Holz        ▶️ AKTIV (Abgas 178°C)                       │
│  🌡️ WP          🚫 gesperrt (HV aktiv)                      │
│  🛢️ Öl          🚫 gesperrt (HV aktiv)                      │
│                                                              │
├──────────────────────────────────────────────────────────────┤
│  💰 GESPART HEUTE: ~4.90€ (vs. Öl)   Monat: ~94€            │
└──────────────────────────────────────────────────────────────┘

Was siehst du hier? – Top: “🪵🔥 HOLZVERGASER AKTIV”
— leuchtend, wichtig – Abgas-Temperatur: 178°C (das ist heiß, der HV
läuft voll) – Laufzeit: 2h 15min (der HV läuft schon lange) – Energie:
35 kWh geliefert (das ist viel!) – Puffer: 68°C, 92% voll (sehr voll,
rot!) – Andere: 🚫 Alles gesperrt, HV hat Priorität

Die persönliche Bedeutung: Du schaust drauf und
denkst: “Der HV macht seinen Job hervorragend. Er heizt wie ein Monster.
Alle anderen Heizer sind weg. Lass ihn laufen.” Rot beim Puffer sagt
dir: “Puffer ist gleich voll, in 30 Minuten muss der HV aus.”


Das Display hat mehrere Seiten. Du kannst mit den Tasten (oder Swipe)
zwischen ihnen wechseln:

Seite 1: Hauptansicht (wie oben) Seite
2:
Graph (Temperaturverlauf der letzten 24 Stunden)
Seite 3: Finanz-Seite (Kosten heute, diese Woche,
dieser Monat) Seite 4: Technische Details (alle
Sensoren, alle Schalter, Debug-Infos)

Du brauchst die anderen Seiten nicht jeden Tag. Aber manchmal, wenn
du fragst “Hmm, was ist heute denn los?” — dann schaust du auf Seite 2
(Graph) und siehst: “Aha, von 06:00-10:00 war Solar aktiv, dann
Bewölkung, dann wieder Solar um 14:00.”


Kapitel
2.5: Von der Idee zur Realität — Entwicklungsprozess

Das Display, das ich gerade beschrieben habe, existiert noch nicht.
Es ist ein Plan. Ein sehr detaillierter Plan, aber: Plan.

Die Frage ist: Wie ist dieser Plan entstanden? Wo kommen diese 4
Szenarien her?

Die erste Skizze (Papier
& Bleistift)

Im November 2025, kurz nachdem das alte Siemens Logo kaputt geht,
setze ich mich hin.

Papier, Bleistift. Keine Tastatur. Keine Ablenkung.

Die Frage: “Was will ich wirklich jeden Tag
sehen?”

Nicht: “Was ist theoretisch interessant?” Nicht: “Welche Daten habe
ich?”

Sondern: “Was brauche ich, um gute Entscheidungen zu treffen?”

Antwort: – Ist die Anlage ok? (Ja / Nein) – Was kostet mich das
heute? – Was kommt als nächstes? (Sonne? Kälte? Was soll ich tun?)

Das war’s. Drei Dinge.

Alles andere ist Nebensache.

Die erste Version
des Displays (2025, November)

Ich schreibe die erste Firmware für den Alt-ESP8266. Nur Text. Keine
Farben. Keine Icons.

PUFFER: 52.3°C
OEL: AUS
SOLAR: WARTET
KOSTEN_HEUTE: 4.20 EUR

Vier Zeilen auf einem winzigen 2,4-Zoll Display.

Problem: Schwer zu lesen. Du musst die Zeilen mental
analysieren. “Also… Öl aus, Solar wartet — das bedeutet… was genau?”

Es ist nicht intuitiv.

Iteration 2: Farben
& Icons (Dezember 2025)

Ich versuche, die gleichen Infos mit Farben darzustellen:

🏠 HEIZUNG
🔴 OEL: AUS
🟡 SOLAR: WARTET
🟢 PUFFER: OK
💰 4.20 EUR

Besser. Aber immer noch: Text. Unklar. Nicht genug Kontext.

Iteration 3: Prognose
einbauen (Januar 2026)

Der große Wendepunkt kommt, als ich die Prognose einbaue:

Nicht nur:

SOLAR: WARTET

Sondern:

SOLAR: WARTET (5h erwartet, Öl ist gesperrt)

Völlig andere Bedeutung! Plötzlich macht das System Sinn. Nicht nur:
“Es ist X”. Sondern: “Es ist X, und darum mache ich
Y
”.

Benutzer versteht den Grund, nicht nur das Resultat.

Das ist der Punkt, wo ich merke: Das System ist nicht nur eine
Anzeige. Es ist eine Erklärung.

Iteration
4: Layout mit Balken & Diagrammen (Februar 2026)

Mit dem neuen 5-Zoll ESP32 Board werde ich ambitionierter.

Statt Zeilen jetzt: Grafiken. Progress-Balken für den Puffer. Icons
groß, lesbar. Kontext an allen Ecken.

Das ist das Display, das ich oben beschrieben habe.

Die Fehler unterwegs

Ich habe viele Fehler gemacht:

Fehler 1: Zu viele Seiten – Ich dachte: “Mehr Daten
= besser” – Resultat: Nutzer verliert sich zwischen den Seiten – Lösung:
Max. 4 Seiten, jede fokussiert auf eine Frage

Fehler 2: Zu viele Zahlen – Ich zeigte alle 47
Sensoren auf einmal – Resultat: Überload, niemand versteht was – Lösung:
Nur die wichtigsten Werte zeigen (Puffer, Heizer-Status)

Fehler 3: Wetter-API ausfallen – OpenWeatherMap
hatte Ausfälle – Resultat: Display blinkt, zeigt “ERROR” – Lösung:
Fallback-Logik: “Wenn Prognose nicht verfügbar → konservativ sein (Öl
freigeben)”

Fehler 4: Schnelle Redraw – Display aktualisiert
alle 500ms – Resultat: Flimmern, anstrengend zu lesen – Lösung: Nur
aktualisieren, wenn sich Wert ändert (alle 2-3 Sekunden)

Fehler 5: Zu technisch – Display zeigte “COP = 2.1”
und solche Sachen – Resultat: Benutzer (auch ich!) fragt: “Und was
bedeutet das jetzt?” – Lösung: Keine Techniker-Metriken. Nur actionable
Infos (“WP läuft”, “WP gesperrt”)

Was gelernt

Lektionen:

  1. UI braucht Zeit
    • Das war nicht: Design an einem Nachmittag, fertig
    • Sondern: Monatelange Iteration, jeden Tag ein bisschen besser
  2. Testen mit echten Daten
    • Mock-Daten sind einsam
    • Mit echten Heizungs-Daten sah ich schnell, was funktioniert und was
      nicht
  3. Jeden Tag anschauen
    • Ich stand jeden Morgen davor
    • “Was verstehe ich nicht? Was fehlt?”
    • Nach 4 Wochen war ich fertig
  4. Einfachheit gewinnt
    • Mein erstes großes Display-Design war ein Monster: 100
      Funktionen
    • Jetzt: 5 Regeln, 4 Heizer, Prognose, Kosten
    • Einfach ist besser
  5. Das Display soll erklären, nicht nur anzeigen
    • Nicht: “Öl ist aus”
    • Sondern: “Öl ist aus, weil Sonne erwartet wird”
    • Der Benutzer vertraut dem System mehr, wenn er den Grund
      versteht

Zusammenfassung — Der
nächste Schritt

Das ist der Stand im März 2026.

Dieses Projekt ist noch in der Planungsphase. Die
Hardware ist bestellt, die Logik ist entworfen, das Display-Design steht
— aber gebaut ist noch nichts. Bei der Planung und Entwicklung hat mich
KI unterstützt — von der Strukturierung der 5 Regeln
über das Display-Layout bis hin zu diesem Artikel. Die Ideen und
Erfahrungen sind meine, aber KI hat geholfen, sie zu ordnen und
umzusetzen.

Der ESP32 ist bestellt. Die 5 Regeln sind programmiert (in ioBroker).
Das Display-Design ist gemacht (4 Szenarien, mehrere Iterationen hinter
mir).

Was noch fehlt: – [ ] ESP32 Board programmieren
(Arduino Code + PlatformIO) – [ ] ioBroker Logik finalisieren (die 5
Regeln) – [ ] Display im Testbetrieb (alles zusammen) – [ ] In die Küche
hängen und 30 Tage testen – [ ] Fine-Tuning (basierend auf
Erfahrung)

Zeitplan: – März 2026: Board programmieren + testen
– April 2026: Im Betrieb, täglich nutzen – Mai 2026: In die Produ gehen,
finales Setup

Die größere Frage: Was kann ich von dieser
Heizungs-Geschichte abstrahieren, um es für andere
Projekte zu nutzen?

  • Einfache Logik > komplexe Logik (verlässlich > optimal)
  • Benutzer sollte den Grund verstehen (nicht nur Resultate)
  • Iterationen dauern Zeit (nicht: Design + Shipping, sondern: Design +
    Test + Refine + Test)
  • Hardware ist billig, Zeit ist teuer (lieber 30 EUR Hardware + 40
    Stunden Entwicklung als umgekehrt)

Das sind Lektionen, die über Heizungen hinausgehen.


Danke, dass du die Story mitgelesen hast.

Das ist kein Blog-Post über ESP32-Technik. Das ist die Geschichte,
wie ich ein Problem gelöst habe, indem ich immer wieder neu überlegt
habe: “Was brauche ich wirklich?”

Die Antwort war: 5 Regeln, 1 Display, Prognose, Kosten. Alles andere
ist Ablenkung.

— The End —

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