Erstmals schwerer ukrainischer Angriff auf St. Petersburg, 12 Tote in anderen russischen Regionen
In der Nacht auf Mittwoch hat die Ukraine erstmals das Stadtgebiet von St. Petersburg angegriffen. Dabei wurde in zwei Häfen Infrastruktur der Ölindustrie zerstört. Der Beschuss begann um etwa 4 Uhr in der Nacht und die schweren Explosionen der Treffer und die Arbeit der Luftabwehr waren zwei Stunden lang in der ganzen Stadt zu hören. Laut offiziellen Angaben wurden im Petersburger Umland 59 Drohnen abgeschossen, bei den Angriffen gab es Verletzte, aber keine Toten.
Da ich selbst in Petersburg lebe, war ich Zeuge der nächtlichen Angriffe. Ich habe 2022 einen Monat lang in Donezk gelebt und die Geräusche des Krieges, Explosionen und Luftabwehr, sind mir daher nicht fremd. Aber in Donezk handelte es sich um Artilleriebeschuss, also um recht kleine Geschosse, während die ukrainischen Drohnen, die Petersburg angegriffen haben, Sprengköpfe von 50 und mehr Kilogramm tragen. Es waren also ungleich lautere und größere Explosionen, als sie seinerzeit in Donezk die Regel waren.
In anderen russischen Regionen haben die ukrainischen Angriffe hingegen zu vielen Todesopfern geführt. Da deutsche Medien täglich über die Folgen russischer Angriffe auf die Ukraine berichten, zeige ich hier einmal auf, was ukrainische Drohnen in Russland anrichten, denn über Opfer in Russland schweigen deutsche Medien meistens.
Angriffe auf andere russische Regionen
Die russische Luftverteidigung hat in der Nacht auf Mittwoch in ganz Russland 354 Drohnen abgeschossen. Betroffen waren die Regionen Belgorod, Brjansk, Woronesch, Kaluga, Kursk, Leningrad, Nowgorod, Orjol, Pskow, Rostow, Smolensk, Twer, Tula, Krasnodar, die Region Moskau, die Krim und das Asowsche Meer.
Bei dem Angriff in der Region Smolensk wurden zwei Mitarbeiter des Katastrophenschutzes getötet und zwei weitere verletzt. Ein Zivilist wurde ebenfalls verletzt. In Mitschurinsk in der Region Tambow wurde ein Wohnhaus, eine Bibliothek und eine Kunstschule, deren Fenster zu Bruch gingen, sowie Nebengebäude eines Industriebetriebs beschädigt, es gab aber keine Opfer. In der Region Kaluga wurden bei dem Angriff mehrere Privathäuser beschädigt. Auch hier gab es keine Opfer.
In Melitopol wurden bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Privatauto zwei Zivilisten getötet.
„Menschenjagd“ bei Donezk
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf einen Bus der Linie Moskau-Simferopol wurden im Zentrum der Stadt Jenakejewo im Gebiet Donezk am frühen Morgen acht Zivilisten getötet und neun weitere verletzt. Der Innenraum und die Fahrerkabine des Busses wurden durch das Feuer vollständig zerstört. Experten ermitteln noch den Drohnentyp.
Bilder von Beobachtungskameras zeigen, wie der Bus durch die leeren Straßen der Stadt fährt, als sich die Drohne dem Bus nährt und einschlägt. Es folgt ein Blitz und die Kamera fällt abrupt zu Boden, vermutlich wegen der Druckwelle.

Die Chefärztin des Krankenhauses Gorlowka berichtete, dass sich ein weibliches Opfer nach einer Operation in kritischem Zustand befinde. Die Frau erlitt eine schwere Schrapnellverletzung im Bauchraum mit Verletzungen an Darm und Genitalien. Außerdem hat ein siebenjähriges Kind eine Brustverletzung erlitten, die Ärzte stufen seine Verletzungen als mittelschwer ein. Ein weiteres Opfer musste wegen einer gerissenen Arterie notoperiert werden, drei Passagiere erlitten schwere Gehirnerschütterungen.
Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums sprach nach der gezielten ukrainischen Attacke auf den zivilen Reisebus von einer „Menschenjagd“.
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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