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Ein gotisches Meisterwerk an der Donau – Der Regensburger Dom feiert sein 750. Jubiläum mit einer Ausstellung

paz.de📅 21.07.2026

Der aus hellem Donaukalkstein errichtete Regensburger Dom St. Peter gehört mit denen von Köln und Magdeburg zum Gründungstrio gotischer deutscher Kathedralen, die sich an französischen Vorbildern orientieren. Die Regensburger feiern dieses Jahr das 750. Jubiläum ihres Doms. Es herrscht jedoch Uneinigkeit darüber, worauf sich das Jubiläum bezieht. In dem im Auftrag des Domkapitels herausgegebenen Band „Mehr als Stein und Glas“ steht, dass der Bau des Doms 1276 begann. Auf einer im Gotteshaus ausliegenden Erinnerungskarte des Bistums Regensburg heißt es dagegen, dass das 750-jährige Jubiläum der Weihe des ersten Altars gefeiert wird. Anlässlich des Jubiläums findet in der dem Dom benachbarten Museumskirche St. Ulrich noch bis zum 16. August die Sonderausstellung „Faszination Kathedrale“ statt.

Der Dom blickt auf eine lange Bauzeit zurück. Nachdem die Arbeiten an dem auf einem etwa drei Meter hohen Sockel errichteten Dom 1521 eingestellt worden waren, ging es erst auf Initiative König Ludwigs I. von Bayern weiter. Die Fertigstellung der beiden 105 Meter hohen Westtürme erfolgte von 1859 bis 1869. Den Abschluss der Bauarbeiten bildete 1872 die Vollendung der Querhausgiebel. Aber bekanntlich gibt es an so einem Bauwerk immer etwas zu erneuern. Dafür ist die Dombauhütte zuständig. Momentan ist der nordwestliche Turm von unten bis oben eingerüstet.

Die Westfassade weist einen immensen Figurenreichtum auf. Aus dem Mittelalter stammen an den Türmen vier Reliefs mit Szenen aus dem Alten Testament und 50 Heiligengestalten. Weit oben stehen im 19. Jahrhundert geschaffene Figuren wie etwa die Namenspatrone von König Ludwig I. und seiner Gattin aus dem Hause Hohenzollern: der heilige Ludwig und die heilige Theresia von Ávila.

Im Dreiecksgiebel des Mittelbaus entdecken wir Maria und den Verkündigungsengel. Im Wandfeld darunter ist Christus am Kreuz dargestellt. Am Fuß des Kreuzes sitzt Petrus in einem Schifflein, um ihn als ersten Papst und somit Lenker der Kirche zu kennzeichnen. Das etwa von 1385 bis 1425 geschaffene Hauptportal des Mittelbaus erzählt mit rund 170 Figuren vom Marienleben. Es endet im dreigeteilten Bogenfeld über den beiden Türen. Im obersten Feld sitzt Maria als Himmelskönigin wie ihr Sohn neben Gottvater, über dem die Taube des Heiligen Geistes ihre Flügel ausbreitet. Zu den Heiligenfiguren gesellen sich in ungewöhnlich hoher Zahl steinerne Dämonen, die den ganzen Bau umziehen. Sie dienten der Abwehr von Unheil. Der Kunsthistoriker Achim Hubel hat am und im Dom 211 dieser Schreckfiguren aufgespürt.

König Ludwigs I. „Regotisierung“

Im Dom herrscht trotz großer Fenster erhabene Dunkelheit. Ihre bunte Glasmalerei dämpft nämlich das Tageslicht erheblich. Wie kaum irgendwo sonst sind hier mittelalterliche Ornament- und Figurenscheiben erhalten geblieben. Auf 39 Fenster verteilen sich 1094 Felder aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Sie sind mosaikartig aus kleinen Buntglasstücken zusammengesetzt, was sie wie Edelsteine funkeln lässt. Wir entdecken Christi Himmelfahrt im Hauptchor oder Christophorus mit dem Jesuskind auf der Schulter im Südquerhaus. Ein Wahrzeichen des Doms finden wir im Marienfenster des südlichen Langhauses: Mit ihrem Kind im Arm tritt die Heilige Jungfrau auf einem blauen Esel die Flucht nach Ägypten an.

König Ludwig I. sorgte für die „Regotisierung“ des Doms, indem er fast alle Zutaten aus der Barockzeit entfernen ließ. Ausnahmen sind im Langhaus das riesige Grabdenkmal von 1611 für seinen mit 22 Jahren verstorbenen Vorfahren Kardinal Philipp, dessen Bronzefigur unter einem Kreuz kniet, sowie das Gestühl. Unangetastet ließ er auch den im Hochchor funkelnden Silberaltar, dessen Büsten von Maria und Joseph, Petrus und Paulus, Kruzifix und weitere Ausstattung Augsburger Silberschmiede in den Jahren von 1695 bis 1785 schufen.

Erzengel Gabriels fröhliches Lachen

Effektvoll beleuchteter Anziehungspunkt aus der Gotik ist der zur Kerzenspende einladende Marienaltar. Er gehört wie vier weitere zu den selten erhalten gebliebenen Altären, die unter einem Baldachin stehen. Von den Innenseiten der westlichen Vierungspfeiler grüßen uns Maria und der Engel der Verkündigung. Die farbig gefassten, um 1280 geschaffenen Steinfiguren werden Dombaumeister Ludwig zugeschrieben. Maria hat die Rechte in einer ambivalenten Geste erhoben. Heißt sie den Engel willkommen – oder wehrt sie vorerst das an sie gerichtete Ansinnen ab, den Sohn Gottes zu gebären? Der eigentliche Star der Szene ist aber nicht etwa sie, sondern der barfüßige Erzengel Gabriel, der seine frohe Botschaft mit einem sympathischen Lachen verkündet.

In dem Gemäldepaar „Gabriel“ und „Maria“ (2018/19) der Künstlerin Doris Ranftl begegnen die Besucher dem Verkündigungsduo wieder. Und zwar als rötlich und bläulich flimmernde Halbfiguren im gelblich und grünlich flirrenden Licht. Ausgestellt sind sie in der Museumskirche St. Ulrich, deren Sonderschau der zeitgenössischen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Dom St. Peter gewidmet ist. Zu sehen sind Werke aus der Sammlung von Monsignore Werner Schrüfer, Stücke aus den Sammlungen des Bistums, Leihgaben von beteiligten Künstlern und Auftragsarbeiten. Zu letzteren gehört die schwarz-weiße Fotoserie Valentin Goppels. Sie zeigt, wie die Steinmetze der Dombauhütte für das Fortbestehen des Bauwerks sorgen.

Brandneu ist auch Marion Abates Skulptur „Zwischen Himmel und Stein“. Auf die abstrahierte Turmspitze des Doms hat die Künstlerin das Männchen von Regensburgs berühmter Steinernen Brücke versetzt. Es überwiegen aber malerische Auseinandersetzungen mit dem Erscheinungsbild des Doms. Andre Maiers „Dom unter Wolken“ (2026) zeigt den Chor im schattigen Hellblau unter orangefarbenem Himmel und gelben Wolken. Petra Eisenlohrs „Regensburger Dom“ (1995) baut dessen Äußeres aus transparenten Farblichtdreiecken auf. Ins Innere führt Hermann Ellers traumhaft verschwommener „Regensburger Dom – Hochchor“ (2001): Die Mauern zerfließen und über dem leuchtenden Silberaltar laufen die Farben der Glasfenster ineinander.

• „Faszination Dom“ in der Museums­kirche St. Ulrich, Domplatz 2, bis 16. August täglich geöffnet von 11 bis 17 Uhr, freitags bis 20 Uhr, Eintritt frei: www.bistumsmuseen-regensburg.de.
Dom St. Peter: www.domplatz-5.de

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