Eine weitere, faktische Kriegserklärung der NATO an Russland

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Dass vor allem die europäischen NATO-Staaten alles tun, um Russland zu provozieren, militärisch zu reagieren, ist kein G...

anti-spiegel.ru📅 11.10.2026
NATO-Militärführung besucht Kiew

Eine weitere, faktische Kriegserklärung der NATO an Russland

Letzte Woche hat die militärische Führung der NATO demonstrativ Kiew besucht, um ihre „bedingungslose Unterstützung“ für die Ukraine zu bekräftigen, was de facto eine weitere Kriegserklärung an Russland ist.

Dass vor allem die europäischen NATO-Staaten alles tun, um Russland zu provozieren, militärisch zu reagieren, ist kein Geheimnis, denn sie tun es offen: Sie kapern Handelsschiffe mit Ziel Russland, sie finanzieren und produzieren die Waffen, die zivile Infrastruktur und Wohngebiete angreifen, und liefern auch noch die dazu nötigen Aufklärungsdaten. Und sie erlauben in der Ukraine gestarteten Drohnen, ihre Lufträume zu überfliegen, um Ziele im Nordwesten Russlands anzugreifen.

Die Europäer wollen Russland dazu provozieren, den ersten Schuss im Krieg gegen Europa abzufeuern, aber Russland scheint fest entschlossen zu sein, sich nicht provozieren zu lassen.

Diese Provokationen finden auch auf politisch-diplomatischer Ebene statt, wie der Besuch zeigt, den der Vorsitzende des NATO-Militärausschusses zusammen mit Vertretern der Militärs aller 32 Bündnisstaaten Kiew letzte Woche abgestattet hat. Da diese Kiew-Reise in deutschen Medien kaum eine Rolle gespielt hat, übersetze ich den Artikel eines Experten, der die Hintergründe für jeden verständlich erklärt.

Beginn der Übersetzung:

Die allgemeinen Kriegsübungen der NATO gegen Russland

Der Militärausschuss der NATO hat gerade in voller Besetzung Kiew besucht. Sie betrachten den Krieg in der Ukraine als ihr eigenes Testgebiet.

von Lorenzo Maria PACINI

Alle auf nach Kiew!

Am 6. Oktober traf Admiral Giuseppe Cavo Dragone, der Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, zusammen mit Vertretern des Militärs aller 32 Bündnisstaaten in Kiew ein. Er schrieb das selbst auf X: Die Delegation sei dort, um ihre „bedingungslose Unterstützung“ für die Ukraine zu bekräftigen. Die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete über diesen groß angelegten offiziellen Besuch. Ein strategisches Signal, das auch in Richtung Moskau gerichtet war.

Zunächst zu den Fakten. Der Militärausschuss unterstützt und berät den Atlantikrat, den Verteidigungsplanungsausschuss und die nukleare Planungsgruppe. Seine Aufgabe besteht darin, die Militärpolitik und -strategie festzulegen und war von Michail Drapaty, dem neuen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, eingeladen worden. Der Ausschuss kehrte nach acht Jahren in voller Besetzung nach Kiew zurück und die Treffen mit Drapaty und dem ukrainischen Generalstab dienten dazu, sich aus erster Hand ein Bild von der Lage auf dem Schlachtfeld zu verschaffen, die militärischen Prioritäten Kiews zu erörtern und die Lehren aus über vier Jahren hochintensiver Kriegshandlungen in das Bündnis einzubringen. Dragone spricht von militärischen Prioritäten und Erkenntnissen, die für die Einsatzbereitschaft der Bündnispartner angesichts der Bedrohungen von heute und morgen nützlich sind.

Nun zur Interpretation, die klar von den Fakten getrennt werden muss. Ein Gremium, das die nukleare Planungsgruppe berät, reist nicht einfach nur durch ein Kriegsgebiet, um Solidaritätsbekundungen abzugeben. Es begibt sich dorthin, um Informationen zu sammeln und die eigene militärische Bereitschaft entsprechend anzupassen. Der von den Quellen beschriebene Informationsfluss verläuft in beide Richtungen: von der Ukraine zum Bündnis als operative Erfahrung und vom Bündnis zur Ukraine als Leitlinien für Prioritäten. Wenn sich die Militärführer von 32 Staaten mit dem Generalstab einer kriegführenden Seite zusammensetzen, um ihre eigene militärische Bereitschaft im Kontext des andauernden Krieges zu bewerten, ist dieser Krieg keine externe Angelegenheit mehr. Er ist zum Testgebiet der NATO geworden.

Die Abfolge bestätigt die Richtung. Am 3. Juni tagte der Nordatlantikrat in Kiew, und der NATO-Ukraine-Rat wurde zum ersten Mal abgehalten. Im Oktober kam dann das Militär an die Reihe. Zuerst der politische Rahmen, dann die Struktur, die ihn mit operativem Inhalt füllt – das ist keine vorübergehende Höflichkeit, sondern eine institutionelle Präsenz, die mit jeder Phase stärker wird.

Dann ist noch die Erklärung, die die Diskussion über die Ukraine hinaus erweitert hat. Denen, die glauben, dass Sabotage, Cyberangriffe und Verletzungen des NATO-Luftraumes die Unterstützung des Westens untergraben könnten, entgegnet Dragone: „Ihr scheitert.“ Er macht Russland voll und ganz für ein solches Verhalten verantwortlich und erklärt, dass die Einheit der Alliierten noch nie so stark gewesen sei. Die Front in der Ukraine und der unterschwellige Druck auf das Gebiet der Allianz werden in denselben Rahmen gestellt, dargelegt von demselben Mann am selben Ort. Die Unterscheidung, die dem Narrativ „Ukraine gegen Russland“ zugrunde liegt, nämlich die zwischen einem Krieg dort drüben und Spannungen hier bei uns, hebt der Vorsitzende des Militärausschusses selbst auf.

Bilder, Symbole und Bedeutungen

Das Bild bleibt. In der in Kiew aufgezeichneten Videobotschaft spricht der Admiral vor zwei Flaggen stehend. In der institutionellen Kommunikation ist der Hintergrund niemals zufällig gewählt, sondern er verrät, wer spricht und in wessen Namen. Die Person, die vor diesen Symbolen erscheint, ist weder Vermittler noch Beobachter. Die Flaggen erzählen dieselbe Geschichte wie die Worte – Worte, die eine bewusste und absichtliche Entscheidung widerspiegeln: nämlich den Krieg um Kiew und die totale Hingabe an eine Sache, die nichts mit Europa zu tun haben sollte.

Der schwerwiegende Einwand ist ein anderer, und er muss anerkannt werden. Keine der drei Quellen dokumentiert alliierte Truppen im Kampf, und kein Mitgliedstaat hat Russland den Krieg erklärt. Die Delegation kam, um sich zu beraten und an der Gedenkmauer für die gefallenen Ukrainer ihre Ehrerbietung zu erweisen.

Das Kriegsvölkerrecht unterscheidet zwischen der Unterstützung einer Seite und der direkten Teilnahme an Feindseligkeiten, und insofern besteht diese Unterscheidung zwar, doch die rechtliche Einordnung erschöpft die geopolitische Analyse nicht. Die Alliierten beschreiben ihre Rolle nicht mehr als Hilfe für einen Dritten: Sie sprechen von ihrer eigenen Bereitschaft, ihren eigenen Bedrohungen, ihrer eigenen Einheit. Wenn ein Bündnis seine eigene Bereitschaft am Krieg eines anderen misst und Sabotageakte auf seinem eigenen Boden demselben Gegner zuschreibt, dann ist das eine Konfrontation zwei Parteien, und eine davon ist nicht die Ukraine.

Nun also zur Einschätzung. Auf politisch-strategischer Ebene ist die Konfrontation zwischen der NATO und Russland direkt, und die Quellen belegen das mit ausreichender Deutlichkeit. Auf kinetischer Ebene verzeichnen die Quellen keine direkte Beteiligung der Alliierten, obwohl diese ständig gefordert wird, als wäre sie der größte Wunsch der NATO. Die Kluft zwischen den beiden Ebenen verringert sich jedoch mit jedem Besuch dieser Art.

Zwei Indikatoren sind dabei zu beobachten: die mögliche dauerhafte Errichtung von Einrichtungen der Alliierten auf ukrainischem Territorium und die Art und Weise, wie mit Sabotageakten, die das Bündnis Moskau zuschreibt, umgegangen wird, während Selensky die Bombardierung weiterer russischer Ölraffinerien anordnet und neue Drohnen über Moskau schickt, obwohl Donald Trump ihnen gesagt hat, sie sollen damit aufhören.

Alles gerät außer Kontrolle. Die NATO handelt unabhängig vom Einflussbereich der USA, weil sie sich die ukrainische Sache zu eigen gemacht hat, als wäre das der finale Weltkrieg, den das Bündnis entweder gewinnen wird oder es wird nichts mehr zu tun geben.

Da Narrativ „Ukraine gegen Russland“ diente dazu, den Krieg in einem Rahmen zu halten, der die europäische Öffentlichkeit beruhigte. Mit Vertretern von 32 Militärs in der ukrainischen Hauptstadt unter der Führung eines italienischen Admirals hält dieser Rahmen immer weniger zusammen.

Es muss klar sein, dass diese Entscheidung kein Zufall ist, sie ist weder eine politische Falle noch gar ein Fehleinschätzung, sondern eine Kriegserklärung – eine weitere hybride und stilistisch erbärmliche Erklärung gegen Russland. Das sagen sie uns ganz offen, während der Rest von uns mit anderen Gedanken beschäftigt ist.

Es bleibt abzuwarten, ob die Regierungen ihren Wählern das sagen werden. Und es bleibt auch abzuwarten, ob die tapferen Vier-Sterne-Generäle die weise Wahrheit erkennen werden, die der preußische General Carl von Clausewitz in seinen Handbüchern niedergeschrieben hat: „Der Fehler liegt nicht darin, einen Fehltritt zu begehen, sondern darin, ihn nicht zu erkennen und ihn um jeden Preis zu verteidigen.“

Es gibt jedoch keinen Grund, den von Kiew gewirkten Zauber zu brechen, der derzeit ganz Europa in seinen Bann zieht, denn, wie Napoleon sagte, um ihn ein weiteres Mal zu zitieren: „Man darf den Feind niemals unterbrechen, während er einen Fehler begeht.“

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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