Eine neue Themenroute im Nordosten – Auf den Spuren der Käse-Herstellung

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Ein Unternehmer aus Sibirien richtet eine neue touristische Straße von Saalau nach Tilsit ein

paz.de📅 16.09.2026

Vor ein paar Jahren hatte der aus dem sibirischen Tomsk stammende Unternehmer Sergej Wolnyj ein Gebäude in Saalau [Kamenskoje] im Kreis Insterburg gekauft. Erst bei den Sanierungsarbeiten fand er heraus, dass es sich um die ehemalige Molkerei Saalau handelte, in der neben Molke zur Herstellung von Trinkmilch und Butter auch Käse wie „Tilsiter“ hergestellt wurden.

Wolnyj griff das Thema auf und beschloss, die Käseherstellung im Haus wieder aufleben zu lassen. Er überzeugte seine Familie von der Idee, die daraufhin nicht nur nach Ostpreußen umzog, sondern sich aktiv an den Sanierungsarbeiten beteiligte. Im nächsten Schritt kümmerten sie sich um die Käseherstellung nach alten Rezepten.

Heute ist das Käsemuseum Saalau bereits eine Touristenattraktion. Es finden Führungen durch den historischen Keller statt, wo in Steintrögen die Käselaibe in Salzlake gewälzt werden. Darüber hinaus werden den Besuchern Möbel der Vorkriegszeit, auf dem Gelände gefundene Artefakte wie eine Sammlung von Käsemessern, Kuhfiguren, mehr als 400 Teekannen und Milchkännchen sowie bei Renovierungsarbeiten gefundene Käseetiketten gezeigt. Zu den Artefakten zählt auch eine Milchannahmeliste aus dem Jahr 1932.

Die Besichtigungstour führt durch das Wohnzimmer, in dem die Gäste zunächst mit regionalen Gerichten bewirtet werden, bevor der Rundgang durchs Museum beginnt. Dieser endet mit einer Verkostung des vor Ort von zwei Familienmitgliedern hergestellten Käses. Familienoberhaupt Sergej hat große Zukunftspläne, die eine Käsestraße beinhalten, die von Saalau durch den Nordosten der Region bis nach Tilsit führt.

Zunächst aber soll das Museum in Saalau erweitert werden. Aktuell sammelt die Familie weitere Dokumente, Fotos, Geräte und Gegenstände, die zur Milch- und Käseherstellung benötigt werden. Die Ausstellung wird künftig in die Themenbereiche „Vorkriegskäserei“, „Sowjetische Milchverarbeitung“ und „Moderne Produktion“ unterteilt.

Großzügige Erweiterung im Apfelgarten, am Teich und im Wald

Auf dem Gelände des Museums planen die Wolnyjs weitere Attraktionen. Im sieben Hektar großen Apfelgarten, in welchem zirka 500 Apfel- und andere Obstbäume stehen, soll ein Garten mit Kreativpark entstehen. Über neu angelegte Wanderpfade wird künftig die Besichtigungstour führen. Es ist an eine Erweiterung der Führung durch den Ort bis zur Burgruine Saalau gedacht.

Damit die Gäste nach einer ausgedehnten Besichtigungsrunde auch länger in Saalau verweilen können, wird im Apfelgarten ein Glamping-Bereich entstehen. Ein Spa-Bereich darf ebenfalls nicht fehlen. Dieser entsteht am Teich, der zum Gelände gehört. Die Familie hat ihn bereits gereinigt, vertieft und mit Fischen besetzt. Künftig soll in der Nähe des Teichs ein Wellnessbereich mit Tauchbecken und Liegen entstehen. Thematisch passend soll bei den verschiedenen Wellnessprogrammen Molke zum Einsatz kommen, die bei der Käseherstellung anfällt.

Früher zog es Hochzeitsgesellschaften in den nahegelegenen Saalauer Wald. Viele kamen sogar aus Königsberg angereist, um zu feiern. Diese Idee will Wolnyj aufgreifen, mehr noch: Er plant ein Festivalgelände auf einer Wiese. Dort soll eine Bühne eingerichtet werden sowie Parkplätze, eine Wasserversorgung, Toiletten und ein Bereich für ein Zeltlager entstehen. An der Umsetzung seiner ehrgeizigen Pläne hat der Unternehmer keine Zweifel. Entsprechende Erfahrungen bringt er aus Tomsk mit, wo er ein Festival rund ums Thema Holz organisiert hat, das rund 100.000 Besucher zählte.

Am Ende der neuen Käsestraße, in Tilsit, befindet sich in der Nähe der Königin-Luise-Brücke ein unter Denkmalschutz stehendes Fachwerkhaus aus dem Jahr 1835, das der Kaufmannsgilde als Lager diente. Wolnyj hat das Haus gekauft und will im Erdgeschoss das Käsemuseum Tilsit einrichten. Den Namen „Tilsit“ für sein Museum hat er sich patentieren lassen. Im Erdgeschoss wird eine Ausstellung über die Geschichte der Käseherstellung in Ostpreußen und im heutigen Königsberger Gebiet erzählen und Geschichte mit moderner Gastronomie verbinden. Verkostungen, Führungen und thematische Veranstaltungen sollen das Konzept abrunden. Die Umsetzung erfolgt schrittweise.

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