Ein neuer Ostpreußen-Krimi – Morde am Haff und in Königsberg

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Dunkle Machenschaften am Pregel – Die Kommissare Singer und Puschkat ermitteln

paz.de📅 05.09.2026

Königsberg im Jahr 1924 – das Ermittlerduo Aaron Singer und Heinrich Puschkat wird n die Ostsee gerufen, wo ein Mann tot im Schilf des Haffs liegt. Er wurde vergiftet. Für die Kommissare scheint der Fall zunächst klar: Der verstorbene Unternehmer Lewrink hatte sich mit seinen ambitionierten Hotelplänen den Zorn der lokalen Fischer zugezogen.

Als jedoch wenig später in Königsberg ein weiterer Mord geschieht, offenbaren sich tieferliegende Zusammenhänge. Das Opfer, der jüdische Wissenschaftler Henri Dobriner, stand kurz davor, den Geschäftsführer des Industrieunternehmens Koholyt AG, Hermann Roggenbucke, zu überführen. Dieser war dafür verantwortlich, dass das Unternehmen giftige Substanzen in den Pregel geleitet und so die Erkrankungen der Fischer verursacht hatte. Bei ihren Ermittlungen geraten die Kommissare zunehmend in ein gefährliches Geflecht aus geheimen wirtschaftlichen Interessen und politischen Abhängigkeiten, bei denen selbst oberste staatliche Akteure im Hintergrund die Fäden ziehen.

Dem Autor Ralf Thiesen, dessen Interessengebiet die 1920er Jahre sind, gelingt es hervorragend, die historische Atmosphäre Königsbergs während der Weimarer Republik einzufangen. Durch die präzise Zeichnung von Straßen, Cafés und dem gesellschaftlichen Treiben erwacht die Hauptstadt Ostpreußens zum Leben. Besonders gelungen ist die Darstellung der jüdischen Gemeinschaft. Noch ist die spätere Katastrophe der NS-Zeit fern, und doch zeigen sich politische und gesellschaftliche Spannungen sowie Vorbehalte gegen Juden, die sich in den beiden Mordfällen widerspiegeln.

Gelungenes Eintauchen in die historische Atmosphäre

Das Vorgehen der beiden Ermittler bei ihrer Arbeit ist wohltuend zeittypisch. Mangels moderner Kriminaltechnik verlassen sich Singer und Puschkat auf Obduktionen, Zeugenbefragungen, messerscharfe Logik und ihren eigenen Instinkt. Spannung entsteht dabei durch die Gegensätze des Duos Singer/Puschkat: Auf der einen Seite der moderne, aufgeschlossene jüdische Kommissar Singer, auf der anderen der behäbige preußische Beamte Puschkat. Trotz Thiesens ruhigem Erzählstil bleibt die Handlung durchweg fesselnd.

„Schatten über Königsberg“ ist der dritte Band einer Krimireihe um Kommissar Singer. Wer historische Krimis liebt und sich darüber hinaus für die Geschichte Ostpreußens und Königsbergs interessiert, wird garantiert nicht enttäuscht.

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