Ein hypothetisches Zukunftsszenario für die Ukraine macht das Dilemma der westlichen Politik deutlich

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Beim Qincy Institute of Responsible Statecraft ist ein Artikel erschienen, in dem ein hypothetisches Zukunftsszenario zu...

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Was wäre, wenn?

Ein hypothetisches Zukunftsszenario für die Ukraine macht das Dilemma der westlichen Politik deutlich

Ein US-Thinktank hat in einem hypothetischen Zukunftsszenario zur Ukraine durchgespielt, wohin die derzeitige Politik des Westens zu führen droht.

Beim Qincy Institute of Responsible Statecraft ist ein Artikel erschienen, in dem ein hypothetisches Zukunftsszenario zur Ukraine durchgespielt wird, das zeigt, zu welchen Gefahren die derzeitige Politik des Westen zu führen droht. Ich habe den Artikel übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

2027: Der Winter in der Ukraine, von dem wir gehofft hatten, dass er nicht kommen würde

Unerbittliche russische Angriffe und die Energiekrise, gepaart mit schwindenden Ressourcen aus dem Ausland, erfordern, dass Trump jetzt seine Kriegsstrategie grundlegend ändert.

von George Beebe

Stellen wir uns mal ein Zukunftsszenario für die Ukraine vor.

Es ist Februar 2027. Der ukrainische Winter war ungewöhnlich kalt, und die russischen Luftangriffe auf die Energieinfrastruktur, das Verkehrsnetz und die Kommunikationsnetze der Ukraine haben zunehmend verheerende Auswirkungen. Die Ukraine verfügt über keine wirksamen Verteidigungsmittel gegen die massiven Angriffe mit russischen Raketen, Gleitbomben und düsengetriebenen Drohnen, da der russische Präsident Wladimir Putin sowohl darauf abzielt, die Fähigkeit der Ukraine zum Einsatz einer schlagkräftigen Armee zu lähmen, als auch ihren Willen zum Weiterkämpfen zu brechen.

Da es an Heizung, Wasser und Strom mangelt, fliehen Millionen Ukrainer aus Kiew und anderen Großstädten. Westliche Botschaften verlegen ihre Standorte vorübergehend aus der Hauptstadt in sicherere Gegenden. Russische Angriffe auf Rechenzentren und Starlink-Terminals beginnen, die Zielerfassung und Kommunikation der Ukraine auf dem Schlachtfeld zu untergraben und gefährden damit ihre Aussichten, die letzten beiden „Festungsstädte“ in der Donbass-Region zu halten, sobald wärmeres Wetter eine Intensivierung der Bodenkämpfe ermöglicht.

Angesichts wachsender Angst vor Hunger, dem Mangel an Versorgungsgütern und Unterkühlung rufen internationale Hilfsorganisationen eine humanitäre Krise für die Ukraine aus. Westliche Medien werfen Putin Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor und die NATO-Verbündeten drängen Washington zum Handeln, da sie befürchten, dass ihre Vision von der Ukraine als einem beständigen „Stachelschwein aus Stahl“, das für die kommenden Jahrzehnte bis an die Zähne gegen russische Aggressionen bewaffnet ist, zunehmend illusorisch erscheint. Der US-Kongress, der nach den überwältigenden Siegen der Demokraten bei den Zwischenwahlen nun von ihnen kontrolliert wird, fordert Trump auf, die russischen Angriffe zu stoppen und das NATO-Bündnis zur Verteidigung der Ukraine zu mobilisieren.

Trumps Palette an diplomatischen Optionen, um Russland aufzuhalten oder abzuschrecken, erscheint jedoch beunruhigend dünn. Weder die Androhung neuer Wirtschaftssanktionen noch das Versprechen neuer Wirtschaftsabkommen haben Putins Widerstand gegen eine vorläufige Waffenstillstandsvereinbarung geschwächt. Moskau beharrt weiterhin darauf, dass ein Waffenstillstand ohne eine umfassendere Friedenslösung, die zentrale politische und sicherheitspolitische Fragen in der Ukraine regelt und die NATO-Erweiterung beendet, unmöglich ist. Doch weder in Washington noch in Europa besteht großes Interesse daran, mit Russland über solche Themen zu verhandeln, insbesondere angesichts der anhaltenden humanitären Krise in der Ukraine.

Auch die militärische Lage sieht ähnlich wenig vielversprechend aus. Die westlichen Bestände an Patriot-Luftabwehrraketen sind so gut wie aufgebraucht, erschöpft durch den jahrelangen Krieg in der Ukraine und viele Monate intensiver Raketenkämpfe mit dem Iran. Es wird Jahre dauern, bis die neue Produktion den Bedarf der Ukraine decken kann. Die kleine Flotte ukrainischer F-16-Kampfflugzeuge, vielleicht die wirksamste Verteidigung gegen düsengetriebene Drohnen, ist aufgrund von Wartungsproblemen weitgehend am Boden geblieben, und Europa befürchtet, dass groß angelegte Lieferungen weiterer Kampfflugzeuge an die Ukraine die NATO im Falle eines Kriegsausbruchs mit Russland in eine unangenehm verwundbare Lage bringen könnten.

Angesichts des Mangels an Alternativen tendieren westliche Strategen zu einer risikoreichen Strategie der „Eskalation zur Deeskalation“. Einige fordern die Einrichtung einer „Flugverbotszone“, bei der NATO-Kampfpatrouillen im ukrainischen Luftraum russische Düsen-Drohnen und Marschflugkörper abschießen sollen. Da die NATO jedoch keinen direkten Kampf in der Ukraine riskieren will, beschließt sie letztendlich, Boden- und Seestreitkräfte an den Land- und Seegrenzen der russischen Exklave Kaliningrad zu stationieren und Moskau zu warnen, dass die Fortsetzung ihrer Bemühungen, der Ukraine Heizung, Strom und andere lebenswichtige Versorgungsgüter vorzuenthalten, zu einer entsprechenden Belastung der Bevölkerung Kaliningrads führen werde.

Russland und der Westen geraten bald in eine echte militärische Krise. Moskau bekräftigt seine Warnung, dass es auf eine Blockade von Kaliningrad mit seinem gesamten Waffenarsenal, einschließlich Atomwaffen, reagieren werde. Im Gegenzug fordern die USA und die NATO Russland praktisch heraus, den ersten Schuss gegen die westlichen Streitkräfte abzufeuern, die Russlands Zugang zu Kaliningrad über Litauen und die Ostsee bedrohen.

Ein solches Szenario ist keineswegs unvermeidlich. Bedauerlicherweise wird es jedoch nicht nur vorstellbar, sondern auch zunehmend wahrscheinlich, da die von den USA vermittelten Friedensgespräche ins Stocken geraten und Russland zu der Überzeugung gelangt, dass die Trump-Regierung nicht in der Lage – und Europa nicht willens – ist, in absehbarer Zeit eine Einigung zu erzielen, die Russlands Kernanliegen berücksichtigt.

Was könnte das Trump-Team tun, um die Wahrscheinlichkeit so gefährlicher Entwicklungen zu verringern? Der wirksamste Ansatz wäre unter den gegenwärtigen Umständen zugleich der unwahrscheinlichste: den Rahmen seiner Verhandlungen mit Moskau zu erweitern und Gespräche über europäische Sicherheitsfragen über die Ukraine hinaus einzubeziehen. Bei solchen Gesprächen würden neue Mechanismen für das Krisenmanagement und die Risikominderung im Verhältnis zu Russland, vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen sowie die Kontrolle konventioneller und nuklearer Waffen erörtert. Die Aussicht auf neue Abkommen zu Fragen, die für die russische Sicherheit von entscheidender Bedeutung sind, würde Putin einen erheblichen Anreiz bieten, seine Forderungen in Bezug auf die Ukraine zu mildern.

Dennoch hat die US-Administration diesen Kurs bislang nicht eingeschlagen, und führende europäische Politiker haben ihn ausgeschlossen.

Auch ohne formelle Gespräche könnte Trump zwei Schritte unternehmen, die das Risiko einer künftigen Krise verringern könnten. Der erste wäre die Erkenntnis, dass die Strategie der „Eskalation zur Deeskalation“, die der Westen seit Beginn dieses Krieges in verschiedenen Formen verfolgt hat, durchweg zu einer russischen Gegeneskalation statt zu Zugeständnissen geführt hat. Moskau beharrt darauf, dass seine zunehmend brutale Luftkampagne eine Reaktion auf die ukrainischen Langstrecken-Drohnenangriffe auf russische Energie- und Wirtschaftsziele sei, und hat seine Verhandlungsforderungen verschärft, da die ukrainischen Angriffe anhalten.

Es steht fest, dass Kiew seine Ziele nicht erreicht hat. Man denke nur an die geringen Auswirkungen der vom ukrainischen Präsidenten Wladimir Selensky angekündigten „40-tägigen Einflusskampagne“ auf die russische Entscheidungsfindung, mit der Putin eine fertige Rechtfertigung für die Intensivierung der russischen Luftangriffe erhält, macht es für die USA wenig Sinn, die ukrainischen Langstreckenangriffe weiterhin mit kritischen Zieldaten zu unterstützen.

Der zweite Ansatz wäre die Eröffnung einer sogenannten „Hintertür“ zu Moskau: ein privater, informeller Dialog zwischen einem vertrauenswürdigen Gesandten Trumps und einem Beauftragten des Kremls, der darauf abzielt, die roten Linien beider Seiten zu klären und im Voraus zu erörtern, wie sich Krisen, die in den kommenden Monaten und Jahren zwischen Washington und Moskau entstehen könnten, vermeiden oder bewältigen lassen.

Angesichts der starken medialen Aufmerksamkeit, die die Gesandten des Weißen Hauses Steve Witkoff und Jared Kushner jedes Mal auf sich ziehen, wenn sie sich mit Putin oder ihrem russischen Amtskollegen Kirill Dmitrijew treffen, sind sie für eine derart diskrete Rolle ungeeignet. Die öffentliche Aufmerksamkeit rund um den jüngsten Besuch von CIA-Direktor John Ratcliffe in Moskau unterstreicht, wie schwierig es für prominente US-amerikanische Amtsträger ist, solche Gespräche im Verborgenen zu führen. Trump hat jedoch zweifellos Zugang zu erfahrenen, aber weniger im Rampenlicht stehenden Experten, die für diese Rolle bestens geeignet sind.

Früher oder später werden Washington und Moskau diese Themen besprechen müssen, ganz gleich, ob der Ukraine-Krieg am Verhandlungstisch endet oder zu einer größeren Krise eskaliert. Der richtige Zeitpunkt, um diese Gespräche zu beginnen, ist jetzt.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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