Ein gesundes Lebensmittel – Von der Kultur des Biertrinkens

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Jaroslav Rudiš verbindet den Genuss des Gerstensafts mit vielen interessanten Begegnungen

paz.de📅 15.08.2026

Sein erstes Bier hat der tschechische Autor Jaroslav Rudiš erst mit 50 getrunken. Es sind allerdings nicht Jahre gemeint, sondern Minuten. Der bekennende Bierliebhaber, Musiker und Dramatiker wurde am 8. Juni 1972 mitten im „böhmischen Bierparadies“, nämlich in Turnov (Turnau), geboren. Gleich nach seiner Geburt bekam seine Mutter zur Stärkung ein Glas Bier gereicht. Rudiš hat den Gerstensaft mit der Muttermilch aufgenommen.

Der böhmische Arzt erklärte damals, das Bier sei als erste medizinische Hilfe gegeben worden, um die Milchbildung anzuregen. Die Zeiten haben sich geändert. Auch wenn Tschechien schon seit Jahrzehnten unangefochtener Weltmeister im Pro-Kopf-Bierkonsum ist, fließt auch im böhmischen Bierparadies inzwischen weniger Bier durch durstige Kehlen. Alkoholfreie Biere sind auf dem Vormarsch. Alkohol wird von manchen „Gesundheitsexperten“ generell als Zellgift verunglimpft. Dabei ist Bier an sich ein naturbelassenes und frisches Lebensmittel. Es sollte halt in Maßen genossen werden.

Die Leberwerte von Rudiš sind nicht bekannt. Aber sein süffig geschriebenes Bier-Brevier zeigt, dass er seinen Untersuchungsgegenstand nicht nur aus dem akademischen Elfenbeinturm kennt, sondern in Böhmen, in den Kölsch- und Altbierkneipen am Rhein, in Österreich, im zweiten (neben Böhmen) Bierparadies Franken, in der Schweiz, in Dublin oder London gewissenhaft und praktisch erforscht hat. Der Genuss von Hopfen und Malz wird quasi zu praktiziertem Humanismus. Der Autor ist ein toleranter Biertrinker, der natürlich den herrlichen Erzeugnissen seiner mitteleuropäischen Heimat besonders verbunden ist, der aber auch andere Biere zu schätzen und zu genießen weiß. Wuppertal ist für ihn denn auch die toleranteste Bierstadt in ganz Deutschland, weil man im dortigen Wirtshaus mit dem Namen „Wagner am Mäuerchen“ sowohl Alt als auch Kölsch bestellen könne: „Dafür würde man in Köln von der Eisenbahnbrücke in den Rhein gestürzt und in Düsseldorf sicher auch.“

Das gemeinsame Biertrinken mit Freunden und Bekannten, aber auch mit Fremden, mit denen man bei einem Glas ins Gespräch kommt, schildert Rudiš fast wie einen sakralen Akt. Bier und Kultur sind untrennbar miteinander verbunden – ob in Prag oder in München. Und Bier bringt Menschen zusammen. Schon die Mesopotamier wussten: „Vergnügen ist Bier. Unbehagen ist ein Feldzug.“ Dass Rudiš nicht nur Bier liebt, sondern auch das Bahnfahren, macht seine unterhaltsame Reise in die schönsten Kneipen Europas zu einem Vergnügen, bei dem nicht der Entzug des Führerscheins droht.

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