„Die USA übernehmen die vollständige Kontrolle über Venezuelas Öl“

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In der TASS ist ein Artikel erschienen, der sehr verständlich erklärt, welche Folgen der Öldeal der USA mit Venezuela ha...

anti-spiegel.ru📅 02.09.2026
Venezuela

„Die USA übernehmen die vollständige Kontrolle über Venezuelas Öl“

Der Trump-Regierung ist es gelungen, das Öl Venezuelas unter ihre Kontrolle zu bringen. Welche Folgen hat das für den Weltmarkt und für die OPEC? Und für andere Ölförderer wie Russland?

In der TASS ist ein Artikel erschienen, der sehr verständlich erklärt, welche Folgen der Öldeal der USA mit Venezuela hat, daher habe ich den TASS-Artikel übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Die USA übernehmen die vollständige Kontrolle über Venezuelas Öl

Igor Juschkow darüber, warum Caracas zum Austritt aus der OPEC gedrängt wird und was das mit China zu tun hat.

Venezuelas Ölsektor gerät zunehmend unter die Kontrolle Washingtons. Bloomberg berichtet, Caracas erwäge einen radikalen Schritt, einen möglichen Austritt aus der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), der das Land seit über 65 Jahren angehört. Nur wenige Tage später verkündete das Weiße Haus die Unterzeichnung eines „historischen Öldeals“ zwischen den USA und Venezuela.

Diese Ereignisse stehen in direktem Zusammenhang und sind Teil der amerikanischen Energiepolitik.

Ein nicht-gegenseitiger Tausch

Venezuelas Austritt aus der OPEC ist gerade deshalb möglich, weil er für die USA von Vorteil ist. Obwohl die derzeitigen Machthaber in Caracas öffentlich von der Fortsetzung der Politik von Nicolás Maduro sprechen und seine Entführung verurteilen, nähern sie sich in der Praxis eindeutig Washington an. Dabei haben die offenen Drohungen der US-Regierung gegen die venezolanische Interimspräsidentin Delcy Rodríguez eine Rolle gespielt. Am 5. Januar 2026 erklärte US-Präsident Donald Trump: „Das muss ich Ihnen nicht sagen. Ich sage einfach, dass sie in eine Situation kommt, die möglicherweise noch schlimmer ist als die Maduros.“

Im Ergebnis begann die venezolanische Führung auf Drängen Washingtons mit der Umsetzung von Reformen, einschließlich der Liberalisierung des Zugangs zu Öl- und Gasprojekten. Als Reaktion darauf erteilten die USA Generallizenzen (Ausnahmen von den Sanktionen) für die Förderung und den Kauf von Öl und Gas von Venezuela. Die Genehmigungen waren jedoch so gemacht, dass alle Zahlungen über US-Banken gehen, dass das venezolanische Öl faktisch ausschließlich in die USA geht und dass amerikanische Unternehmen Anteile an den Projekten erhielten.

Unter Maduro ging kommerzielles schwarzes Gold aus Venezuela ausschließlich nach China, da sich niemand getraut hat, die US-Sanktionen zu ignorieren. Peking wiederum erhielt einen großen Rabatt. Genau das war einer der Gründe für den Staatsstreich: Washington hat China einen seiner profitabelsten Lieferanten genommen.

Ohne Zweifel

Venezuela braucht keinen Austritt aus der OPEC und er ist sogar schädlich. Allein die Nachricht davon könnte die globalen Ölpreise drücken und Venezuelas Einnahmen schmälern.

Mehr noch, das OPEC+-Abkommen (eine erweiterte OPEC) und das gesamte klassische Ölkartellformat stehen derzeit vor ernsthaften strukturellen Herausforderungen. Der kürzliche Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus der Organisation hat die Diskussionen über die Zukunft des Bündnisses verstärkt. Dieser Schritt Abu Dhabis spielt auch wieder Washington in die Hände, das den Einfluss des Bündnisses auf die Weltmarktpreise begrenzen will. Es gab auch Berichte über einen möglichen Austritt des Irak aus der OPEC, dessen Exportpolitik eng mit dem amerikanischen Finanzsystem verknüpft ist. Ein hypothetischer Austritt Venezuelas könnte die Quotenmechanismen erheblich schwächen und das innere Gleichgewicht des Bündnisses untergraben. Zudem gelten die Quoten von OPEC- und OPEC+ für Venezuela derzeit nicht, was es Caracas erlaubt, die Förderung ungehindert zu steigern. Iran und Libyen sind in einer ähnlichen Lage, ihre Förderung unterliegt wegen Sanktionen und den Folgen des Bürgerkriegs keinen Quoten.

Daher sind es zweifellos die USA, die Venezuela aus der OPEC und OPEC+ herausführen. Washington strebt die Kontrolle über den gesamten globalen Ölmarkt und seine Lieferwege an. Das äußert sich in einer Art Öl-„Monroe-Doktrin“: Die USA müssen entscheidenden Einfluss auf die Öl- und Gasproduzenten in Nord-, Mittel- und Südamerika haben. Dieser Ansatz soll die Beteiligung chinesischer Unternehmen an Förderprojekten begrenzen und die Ölliefermengen nach China regulieren.

Den Nahen Osten, aus dem China ebenfalls erhebliche Mengen an Öl und Gas bezieht, können die USA ohne nennenswerten Schaden für sich selbst destabilisieren. Um jedoch (für sich selbst und die Verbündeten) einen vollwertigen Ersatz für die Lieferungen aus dem Nahen Osten zu bekommen, müssen die Voraussetzungen für eine Steigerung der Förderung in Venezuela geschaffen werden.

Kein Interesse der Wirtschaft

Das Problem ist, dass die Investoren nicht gerne in venezolanische Projekte investieren. Obwohl das Land über die weltweit größten Reserven (17,5 % der globalen Reserven) verfügt, war seine Förderung nie konstant hoch. Die Ölproduktion erreichte 1970 mit durchschnittlich 3,75 Millionen Barrel pro Tag ihren Höhepunkt. Im Jahr 2025 förderte das Land 1,1 Millionen Barrel, doch Ende desselben Jahres verhängten die USA die Seeblockade, die Venezuelas Exporte auf ein Minimum reduzierte. Nach Maduros Entführung und der Lockerung der Sanktionen erholte sich die venezolanische Ölförderung und erreichte im Juli 2026 1,16 Millionen Barrel pro Tag. Um die Förderung deutlich zu steigern, benötigt das Land Dutzende Milliarden an Investitionen und Zeit. Hinzu kommen die (aufgrund der komplexen Raffination von Schweröl und des Wiederaufbaus der Infrastruktur) hohen Förderkosten in Venezuela. In Verbindung mit der allgemeinen politischen Instabilität lässt das Unternehmen vor großen Investitionen zurückschrecken.

Daher versucht Trump, Unternehmen für venezolanische Projekte zu gewinnen. Der Austritt Venezuelas aus der OPEC garantiert, dass die venezolanische Regierung den Ölproduzenten nicht vorschreiben kann, wie viel Öl sie fördern müssen, und das Abkommen zwischen den USA und Venezuela soll die Bedingungen für Investoren verbessern.

Die Parteien haben außerdem bereits angekündigt, dass Washington eine 35-prozentige Beteiligung an dem privaten venezolanischen Unternehmen North American Blue Energy Partners erhalten wird, das die Rechte an 17 Ölfeldern in Venezuela bekommt. Die Reserven dieser Felder werden auf 65 Milliarden Barrel geschätzt. Zum Vergleich: Die gesamten Reserven der USA selbst belaufen sich auf etwa 68,8 Milliarden Barrel. Trump sagt also nicht einfach so, dass er die amerikanischen Ölreserven verdoppelt hat.

Risiken und Chancen

Allerdings deuten die verkündeten Parameter des Abkommens bereits darauf hin, dass die Erschließung dieser Felder die Förderung nur um 1,5 Millionen Barrel pro Tag steigern wird. Das Abkommen wird die Lage auf dem Weltmarkt nicht sofort verändern. Nach den zwischenstaatlichen Vereinbarungen müssen private Unternehmen Verträge abschließen, und die lassen sich nur von rein finanziellen Gedanken leiten. Venezuela ist, wie bereits erwähnt, derzeit für langfristige Investitionen unattraktiv. Daher müssen wir abwarten, ob sich echte Interessenten finden.

Die USA werden das natürlich aktiv fördern, zum Beispiel, indem sie andere Ölförderregionen destabilisieren und den Sanktionsdruck (gegen Iran, Russland usw.) erhöhen. Damit sendet Washington ein klares Signal an die Wirtschaft: Investieren sollte man nur in amerikanische Förderprojekte und in Länder unter US-Kontrolle.

Für Exporteure, die nicht in die USA exportieren (darunter Russland) birgt dieses Szenario sowohl offensichtliche Risiken als auch Chancen. Einerseits hält die Instabilität im Nahen Osten die Preise hoch, was den großen Ölverkäufern zugutekommt. Mehr noch, die hohen Ölförderkosten in den USA selbst und in Venezuela garantieren langfristig anhaltend hohe Preise für Energieträger. Andererseits besteht das Risiko, dass Washington versucht, alternative Absatzkanäle zu schließen, um zu verhindern, dass jemand anderes China mit Öl füttert und dass niemand die USA dabei stört, die Weltmarktpreise auf dem gewünschten Niveau zu halten.

Um dem entgegenzuwirken, müssen die von Washington unabhängigen Player mit Peking zusammenarbeiten, um den Aufbau autonomer Systeme zur Lieferung und Abrechnung von Öl zu beschleunigen.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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