Die ukrainische Raketenkrise und ihre Folgen

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anti-spiegel.ru📅 18.08.2026
Mangel an Flugabwehrraketen

Die ukrainische Raketenkrise und ihre Folgen

Die Ukraine hat einen massiven Mangel an Abwehrraketen und kann keine russischen ballistischen Raketen mehr abfangen. Lieferungen aus dem Westen gibt es nicht. Wie ist Lage in der Ukraine?

Während deutsche Medien weiterhin behaupten, die Ukraine könne das Blatt im Krieg gegen Russland wenden, wird die Lage in der Ukraine immer verzweifelter, weil die Ukraine unter einem massiven Mangel an Abwehrraketen leidet und der Westen keinen Nachschub mehr liefert. Da man davon in deutschen Medien nur wenig erfährt, übersetze ich hier einen Artikel der TASS über die Lage.

Beginn der Übersetzung:

Ein löchriger Himmel: Vor dem Winter steht die Ukraine ohne Abfangraketen und Unterstützung der Verbündeten da

Die Ukraine konnte bei dem Angriff der russischen Streitkräfte in der Nacht zum 16. August erneut keine einzige ballistische oder Hyperschallrakete abschießen, berichtete das ukrainische Portal „Strana“ unter Berufung auf den Pressedienst der ukrainischen Luftwaffe. Warum lässt Kiew die Angriffe durchkommen, was bieten die Verbündeten der Ukraine an, und könnte der kommende Winter der letzte für das Kiewer Regime sein?

Russland greift die Ukraine weiter mit Präzisionswaffen großer Reichweite und mit Drohnen an. Laut dem russischen Verteidigungsministerium führten die russischen Streitkräfte vom 8. bis 14. August 14 Gruppenangriffe durch, vom 1. bis 7. August zwei Großangriffe und zwölf Gruppenangriffe. Raketen und Drohnen trafen Anlagen der Rüstungsindustrie, Munitions- und Treibstoffdepots, temporäre Einsatzorte ukrainischer Einheiten und ausländischer Söldner, Logistikzentren, die Infrastruktur ukrainischer Seehäfen sowie Treibstoff- und Energieanlagen.

Angesichts des Mangels an Abfangraketen haben die ukrainischen Streitkräfte, entgegen der bisherigen Praxis, die Veröffentlichung von Daten über auf die Ukraine abgefeuerte russische Raketen eingestellt, berichtete Bloomberg. Die Abgeordnete der Werchowna Rada Anna Skorochod erklärte, das liege an der „katastrophalen Lage“ des Landes. Anstatt das Problem anzugehen, habe die Militärführung einfach die Veröffentlichung von Informationen eingestellt.

„Selensky schiebt die Verantwortung weiterhin auf den Westen und macht seine Partner für den Mangel an Raketen verantwortlich“, schrieb Julia Mendel, Selenskys ehemalige Pressesprecherin, auf X. „Gleichzeitig konnte seine Regierung das Land nicht auf die Schwierigkeiten der Eskalation und die drohende Katastrophe in diesem Winter vorbereiten. […] Stattdessen eskaliert er den Krieg weiter, fordert Geld und bietet keinerlei Perspektiven. Seine persönliche Verantwortung für die desolate Lage der Ukraine ist offensichtlich.“

Patriots helfen nicht

Das einzige Luftverteidigungssystem der Ukraine, das Raketen abfangen kann, ist laut der Washington Post das amerikanische Patriot-System. Laut der Zeitung hat Russland jedoch seine Angriffskapazitäten modernisiert und während die Ukraine im August 2025 angeblich 37 Prozent der Hyperschallraketen vom Typ Kinschal und Iskander abgefangen hatte, war diese Zahl bis September 2025 auf 6 Prozent gesunken.

Experten zufolge ist das Patriot-System kein auf Raketen spezialisiertes Abwehrsystem. Der Militärexperte Michail Chodarenok erklärte gegenüber der TASS, das System verfüge zwar über Fähigkeiten zur Abwehr von nicht-strategischen Raketen, das garantiere jedoch keine hundertprozentige Erfolgsquote. Der Militäranalyst Igor Korotschenko, Chefredakteur der Zeitschrift „Nationale Verteidigung“, merkte an, dass die Patriot-Raketenwerfer im Gegensatz zu den vertikalen Werfern der russischen S-300- und S-400-Systeme, die Raketen aus allen Richtungen abfeuern können, nur in einem begrenzten Winkel feuern.

Das Magazin „Military Watch“ wies auf die hohen Kosten der Patriot-Raketen hin: Jede einzelne kostet bis zu 4 Millionen US-Dollar. Unter Berufung auf Quellen nannte „Military Watch“ ein Beispiel, bei dem das amerikanische System bei einem einzigen, erfolglosen Versuch, eine Kinschal abzuschießen, 32 Abfangraketen abgefeuert hat, was Gesamtkosten von rund 96 Millionen Dollar verursachte.

Keine Raketen

Wladimir Selensky hat die USA wiederholt aufgefordert, die Lieferungen von Patriot-Flugabwehrraketen zu erhöhen, und sich beklagt, dass „Partnerländer“ begonnen hätten, Munition für die Luftabwehrsysteme zurückzuhalten. Der Guardian merkte an, dass die Ukraine für das amerikanische Flugabwehrsystem eine Produktion benötigt, die drei- bis viermal so hoch ist wie die weltweite Jahresproduktion.

Im August 2025 berichtete CNN unter Berufung auf Quellen, dass das Pentagon das Recht erhalten habe, seine eigenen Waffenbestände mit für die Ukraine produzierten Waffen aufzustocken. Patriot-Raketen fielen in die Kategorie „rot“, was bedeutet, dass auch in den USA ein Mangel herrscht.

Die Financial Times berichtete, dass im Januar 2026 in der Ukraine stationierte Patriotsysteme aufgrund von Munitionsmangel ungenutzt blieben. Daher konnte das Land die russischen Angriffe nicht abwehren. Im August berichtete CNN, das Zugang zu einem Flugabwehrraketensystem in der Ukraine erhalten hatte, dass einer der Werfer aufgrund fehlender Raketen seit etwa sechs Wochen nicht mehr gefeuert habe.

Die USA verbrauchten während der Militäroperationen gegen den Iran ihre Bestände an Abfangraketen und präzisionsgelenkter Munition rapide, berichtete die Washington Post im März 2026 unter Berufung auf Quellen. Die US-Regierung dementierte einen Mangel an Abfangraketen. Im selben Monat kündigte das Pentagon jedoch an, die Produktion von Patriot-Raketen zu verdreifachen und die des spezialisierten Raketenabwehrsystems THAAD zu vervierfachen.

Alternativen

Laut der Washington Post schlug der verstorbene US-Senator Lindsey Graham 2023 vor, der Ukraine das Raketenabwehrsystems Iron Dome zu übergeben. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu legte jedoch sein Veto gegen ein mögliches Abkommen ein und begründete dies mit den Bedingungen der gemeinsamen Produktion.

Präsident Selensky bat die USA bereits 2025 um eine Lizenz zur Produktion von Patriot-Munition. Er räumte jedoch ein, dass der Beginn der Produktion selbst bei Erteilung der Genehmigung ein bis mehrere Jahre dauern würde, und beklagte die europäische und amerikanische Bürokratie.

Ein weiteres Flugabwehrsystem zur Raketenabwehr ist das SAMP/T, hergestellt vom Eurosam-Konsortium, dem unter anderem das französische Unternehmen Thales und der multinationale Konzern MBDA angehören. 2023 bestätigte der französische Präsident Emmanuel Macron, dass es in der Ukraine stationiert wurde. Die Leistungsdaten des europäischen Systems entsprechen in etwa denen des amerikanischen, daher auch der Spitzname „Euro-Patriot“.

Das russische Verteidigungsministerium meldete erstmals im Januar 2024 die Zerstörung eines SAMP/T in der Ukraine. Seitdem hat das Ministerium wiederholt die Zerstörung europäischer Flugabwehrraketensysteme gemeldet.

Angriffe gegen Russland statt Verteidigung der Ukraine

Die Ukraine versucht ihrerseits, Russland mit Kamikaze-Drohnen anzugreifen. Der ukrainische Drohnenangriff auf russische Gebiete in der Nacht des 16. August war laut der TASS der massivste seit Anfang 2026: Russische Luftverteidigungssysteme fingen 822 Drohnen ab. In der Nacht zuvor hatten russische Flugabwehrschützen 598 ukrainische Drohnen abgeschossen.

Die westlichen „Partner“ zögern, Flugabwehrraketen an die Ukraine zu liefern, stellen aber Drohnen für Angriffe gegen Russland bereit und bauen die Zusammenarbeit bei der Produktion aus. Im August 2026 berichtete die Sunday Times, dass die ukrainischen Streitkräfte Russland erstmals mit britischen Drohnen, darunter Nyan-Drohnen des in Wiltshire ansässigen Unternehmens Callen-Lenz, angegriffen und dabei Ölraffinerien in Wolgograd und Jaroslawl ins Visier genommen hatten.

Unter den Drohnen, die Bediener des Rubicon-Testzentrums für fortgeschrittene unbemannte Technologien des russischen Verteidigungsministeriums abgeschossenen haben, sind die amerikanischen Modelle Dart und Hornet sowie die deutschen Modelle RZR-01 und Vector.

„Im Grunde ist das einzig ukrainische hier der Text einiger Aufschriften in ukrainischer Sprache und die gelb-blauen Kreise“, kommentierte ein Mitglied eines mobilen Feuerteams mit dem Rufnamen David die abgeschossene Aufklärungsdrohne Shark der ukrainischen Streitkräfte. Er merkte an, dass die Drohne mit einem Kommunikationsmodul von Silvus Technology ausgestattet sei, das von den USA für ihre Militärprodukte hergestellt wird.

„Ein Zeichen der Verzweiflung“

„Selensky hat europäische Partner mit bedeutenden Beständen an Patriot-Abfangraketen, wie Spanien und Griechenland, aufgefordert, diese mit der Ukraine zu teilen“, berichtet die Financial Times. „Nachdem der Krieg mit dem Iran die Patriot-Raketenbestände der USA und ihrer Verbündeten am Golf stark dezimiert hat und deren Wiederauffüllung Monate oder Jahre dauern könnte, befürchten viele Partner Kiews, dass ihnen nicht genügend Raketen bleiben könnten.“

Die Washington Post berichtete unter Berufung auf Quellen, dass die Trump-Regierung Anfang 2026 versucht habe, mehrere europäische Länder zur Lieferung von Raketen für amerikanische Luftverteidigungssysteme an die Ukraine zu bewegen. Diese hätten jedoch abgelehnt, da sie eine Schwächung ihrer eigenen Verteidigung befürchteten.

„Diese Raketen sollen den polnischen Luftraum schützen“, sagte der ehemalige polnische Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak in einem Interview mit dem Radiosender RMF24 auf die Frage nach einer möglichen Lieferung von Patriot-Raketen an die Ukraine. Laut dem Portal Wirtualna Polska, das sich auf Quellen im polnischen Verteidigungsministerium beruft, ist das polnische Militär verärgert darüber, wie Selensky Warschau um Raketen bittet, weil er Polens Patriot-Bestände berechnet und entschieden hat, dass Polen „eine große Menge [an Raketen] übergeben kann“.

„Selenskys Hilferufe sind ein Zeichen der Verzweiflung. Die ganze Welt leidet unter einem akuten Mangel an Flugabwehrraketen. Weder die Europäer noch die USA haben genug“, schrieb die Zeitung „Die Welt“. Der Artikel merkt an, dass die Lage in Kiew vor dem Winter so prekär sei, dass auf allen Ebenen Alarm geschlagen werde.

„Die sich häufenden systemischen Probleme, der zunehmende Druck an der Front und die Lähmung des Hinterlandes – vom Haushaltsdefizit bis zum zusammenbrechenden Verwaltungsapparat – schnüren unaufhaltsam die Luft ab“, sagte Wladimir Kostyrew, stellvertretender Leiter der TASS-Redaktion Nahes Ausland. „Der kommende Winter könnte der letzte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen und das Kiewer Regime endgültig zu Fall bringt.“

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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