Die Ukraine steht praktisch ohne Luftabwehr da

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Zum Verständnis beginne ich diesen Artikel mit der Information, dass es verschiedene Arten vom Luftabwehr gegen verschie...

anti-spiegel.ru📅 17.09.2026
Das Raketenproblem

Die Ukraine steht praktisch ohne Luftabwehr da

Seit Wochen kann die Ukraine keine russischen Raketen mehr abfangen, weil ihr die nötigen Abfangraketen fehlen. Ersatz ist nicht in Sicht und der Winter steht vor der Tür, während Russland nun ungehindert auf alles in der Ukraine schießen kann, worauf es möchte.

Zum Verständnis beginne ich diesen Artikel mit der Information, dass es verschiedene Arten vom Luftabwehr gegen verschiedene Angriffssysteme gibt. Wenn es in diesem Artikel also darum geht, dass der Ukraine Luftabwehr gegen ballistische Raketen fehlt, dann bedeutet das nicht, dass die Ukraine gar keine Luftabwehr mehr hat.

Die Ukraine hat zum Beispiel recht gut gelernt, die Propeller angetriebenen russischen Drohnen abzufangen. Die Ukraine hat Systeme für kurze Reichweite, mit denen sie auch auf anfliegende Raketen schießen kann. Aber sie hat praktisch keine Patriot-Raketen mehr, die eine Reichweite von 160 Kilometer haben und damit recht große Gebiete schützen können und gegen ballistische Raketen wirksam sind.

Zum Vergleich: Die deutsche Entwicklung Iris-T, die der Ukraine auch geliefert wurde, ist ein durchaus gutes System, wurde aber ursprünglich für den Luftkampf zwischen Kampfjets entwickelt und hat daher eine recht geringe Reichweite von nur 25 Kilometer. Sie kann die amerikanischen Patriots also nicht ersetzen.

Dass die Ukraine keine Patriot-Raketen mehr hat, beherrscht in der Ukraine seit Wochen die Meldungen, denn die russischen Raketen kommen nun ungehindert durch und können jedes Ziel angreifen, das sie angreifen wollen. Nachdem die Ukraine es für eine gute Idee gehalten hat, in Russland Raffinerien, zivile Lagerhäuser und andere Ziele anzugreifen, deren Beschädigung das Leben der normalen Russen beeinträchtigt, hat das russische Militär entsprechend reagiert und greift in der Ukraine ebenfalls solche Ziele an – nur eben weitaus wirkmächtiger, als die Ukraine es kann.

Im Ergebnis ist der Hafen von Odessa derzeit nicht mehr nutzbar, was sowohl ein schwerer Schlag für die Reste der ukrainischen Wirtschaft ist, die nun nichts mehr über die See exportieren und importieren kann, als auch für das Militär, denn natürlich wurden über den Hafen von Odessa auch westliche Waffen angeliefert.

Außerdem hat Russland die ukrainische Benzinversorgung schwer getroffen, indem nicht nur Treibstofflager, sondern sogar Tankstellen bombardiert wurden, was natürlich auch die Treibstoffversorgung der ukrainischen Streitkräfte behindert. Und Russland hat als Antwort auf die ukrainischen Angriffe auf die Lager des russischen Online-Händlers Wildberries in der Ukraine Lagerhäuser bombardiert, weshalb es in der Ukraine in vielen Supermärkten bereits leere Regale und Beschränkungen für den Kauf von Lebensmitteln gibt. In Kiew wird schon ernsthaft über eine Evakuierung der Stadt nachgedacht, weil die Gefahr besteht, dass sie im Winter nicht „nur“ ohne Strom und Heizung bleiben könnte, sondern auch noch ohne ausreichend Lebensmittel in den Geschäften.

In den letzten Wochen habe ich die Meldungen über die verzweifelte Suche der Europäer nach Patriot-Raketen für Kiew gesammelt und will diese Chronologie hier nun zeigen.

Die EU hat der Ukraine im Dezember den 90-Milliardenkredit in Aussicht gestellt, mit dem die Ukraine in der Lage gebracht werden soll, den Krieg 2026 und 2027 weiterzuführen. Dabei sollen 30 Milliarden dem ukrainischen Staatshaushalt zugute kommen und 60 Milliarden für Waffen ausgegeben werden, wobei die Sache einen Haken hat: Die Ukraine darf mit dem Geld nur Waffen aus europäischer Produktion kaufen, denn das Geld soll in die Kassen der europäischen Rüstungskonzerne fließen, was bedeutet, dass Kiew mit dem Geld keine Patriots aus den USA kaufen darf.

Daher hat die Ukraine dazu bei der EU-Kommission um eine Ausnahmegenehmigung zum Kauf von US-Waffen für 6,1 Milliarden Dollar gebeten und am 25. August erklärte die EU-Kommission, sie habe das nicht gestattet.

Ebenfalls am 25. August musste der deutsche Außenminister Wadephul eingestehen, dass die deutsche Initiative, zusammen mit anderen europäischen Ländern noch einige Patriot-Raketen aus eigenen Beständen zusammenzukratzen, erfolglos war. Kein Land hatte sich bereit erklärt, sich daran zu beteiligen.

Am 1. September fand ein Treffen der EU-Außenminister statt und EU-Chefdiplomatin Kallas erklärte vor dem Treffen, die EU suche nach alten Patriot-Raketen, deren Haltbarkeitsdatum demnächst abläuft, um sie aufzukaufen und an die Ukraine zu liefern. Nach dem Treffen der EU-Außenminister musste sie allerdings einräumen, dass die Minister keine Raketen für Kiew auftreiben konnten.

Dafür meldeten deutsche Medien an dem Tag, dass Deutschland der Ukraine zumindest noch einige Raketen für die Iris-T schicken will, wobei die Zahl nicht genannt wurde.

Anscheinend hat die NATO Druck auf die EU-Kommission gemacht, denn nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Rutte teilte EU-Kommissionschefin von der Leyen am 2. September mit, die EU habe von der Ukraine „einen neuen Zahlungsantrag erhalten“. Er betrage „mehrere Milliarden Euro und würde die Luftabwehr der Ukraine abdecken, einschließlich der hochmodernen PAC-3-Patriot-Luftabwehrsysteme“. Die EU Mitgliedstaaten würden den Antrag der Ukraine prüfen, aber es gehe „in die richtige Richtung“, so von der Leyen.

Am 8. September genehmigte die EU den Antrag und erlaubte der Ukraine, bei den USA moderne Patriot-PAC-3-Raketen im Wert von zwei Milliarden Euro zu bestellen. Da die USA jedoch wegen des Irankrieges selbst einen Mangel an diesen Raketen haben und zunächst ihre eigenen Arsenale wieder auffüllen wollen, bevor sie die Raketen an andere liefern, ist nicht klar, wann die Ukraine diese Raketen erhalten wird. Sicher scheint nur, dass das nicht kurzfristig geschehen wird.

Am gleichen Tag teilte Bundesverteidigungsminister Pistorius mit, er habe beschlossen, der Ukraine ältere Patriot-PAC-2-Raketen aus Beständen der Bundeswehr liefern, wobei wieder nicht gesagt wurde, um wie viele es geht.

Außerdem wurde an dem Tag gemeldet, europäische Staaten planten, bis zum Winter amerikanische Patriot-Abfangraketen für die Ukraine zu beschaffen. Demnach würden die Länder derzeit die Einzelheiten eines Plans ausarbeiten, um Beiträge zum NATO-Mechanismus PURL (Prioritized Ukraine Requirements List) für den Kauf einer neuen Charge von Abfangraketen zu nutzen, die noch vor Wintereinbruch an Kiew geliefert werden sollen. Aus Sicherheitsgründen nannten die Quellen keine genaue Anzahl der Raketen.

Das PURL-Programm wurde von der NATO beschlossen, um der Ukraine Waffen aus den USA zu kaufen, für die Europäer keinen Ersatz produzieren, den sie über den 90-Milliardenkredit bei europäischen Rüstungskonzernen bestellen könnten. Den Meldungen zufolge wollten sich Griechenland, Deutschland und Tschechien an der PURL-Bestellung beteiligen, und Großbritannien habe bereits einen neuen Beitrag in Höhe von 100 Millionen Pfund für das PURL-Programm angekündigt, wobei ein Teil der Mittel für die Beschaffung von Patriot-Systemen vorgesehen ist.

Am 11. September zeigte sich, wie erfolgreich der Druck von NATO-Generalsekretär Rutte auf von der Leyen offenbar war, denn an dem Tag erklärte die EU-Kommission, sie bewillige Kiew nun sogar 6,1 Milliarden aus ihrem 90-Milliardenkredit für den Kauf von Patriots und anderer Luftabwehr. Wie es der Zufall will, war das genau die Summe, die Kiew zuvor beantragt und die die EU am 25. August abgelehnt hat, weshalb man davon ausgehen kann, dass die EU-Kommission ihre Meinung dazu schlicht geändert und den alten Antrag nun genehmigt hat.

Trotzdem bleibt die Lage für die Ukraine dramatisch, denn am 12. September wurde gemeldet, der Ukraine würden die Luft-Luft-Raketen für die F-16-Jets ausgehen, die mangels anderer Systeme ebenfalls zur Luftabwehr eingesetzt werden. Nun müssten die F-16 bald aus nächster Nähe mit Bordkanonen auf Ziele feuern, was natürlich die Gefahr von Kollisionen in der Luft bedeutet.

Wie dreist die Politiker in der Ukraine sind und wie sehr ihrer Meinung nach alle Welt ihnen helfen soll, zeigt ein Beispiel vom 13. September. An dem Tag erklärte der Abgeordnete der Werchowna Rada Ruslan Gorbenko, die Ukraine fordere von Griechenland, das wegen seines Dauerstreits mit der Türkei noch große Reserven an Patriot-Raketen behalten hat, die Übergabe von PAC-2-Raketen für Patriot-Luftabwehrsysteme, und zwar bedingungslos. In einem Video sagte er, Griechenland habe von der Ukraine verlangt, keine griechischen Tanker anzugreifen, die russische Häfen anlaufen. Darauf antwortete er, dass niemand der Ukraine Bedingungen stellen könne.

Zur Erinnerung: Die Ukraine hat mehrere grieche Handelsschiffe angegriffen, als diese russische Schwarzmeerhäfen anlaufen wollten. Außerdem wurden zwei ukrainische Seedrohnen in griechischen Gewässern entdeckt, was in Griechenland zu heftigen Protesten und Verärgerung führte. Griechenland drohte im Juli schließlich mit der Einstellung der Unterstützung der Ukraine, sollte es weitere Vorfälle mit ukrainischen Drohnen geben.

Der ukrainische Abgeordnete Gorbenko ist aber der Meinung, Griechenland müsse der Ukraine Patriot-Raketen liefern und gleichzeitig akzeptieren, dass die Ukraine griechische Schiffe angreift und den griechischen Tourismus mit Seedrohnen in griechischen Gewässern bedroht. Das zeigt anschaulich den psychischen Zustand vieler Verantwortlicher in Kiew, denn mit derart dreisten Forderungen ist Gorbenko keineswegs alleine.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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