Die Strategie der NATO gegen Russland
Unter diversen Vorwänden hat die NATO gegen Russland drei Missionen mit dem Namen „Sentry“ gestartet, deren Vorwände alle konstruiert wurden. „Baltic Sentry“ wurde damit begründet, dass Schiffe der „Schattenflotte“ angeblich Unterseekabel beschädigen, wogegen die NATO mehr Kriegsschiffe in die Ostsee geschickt hat. Die Chronologie der Eskalation in der Ostsee, mit denen europäische Staaten nun ihre Piraterie gegen Handelsschiffe begründen, die zu einem Krieg mit Russland eskalieren kann, finden Sie hier.
Genauso frei erfunden waren die Vorwände für „Eastern Sentry“, einer Mission, unter dem die NATO dauerhaft mehr Bodentruppen und Kampfflugzeuge an der russischen Grenze stationiert hat. Der Vorwand dafür waren Luftraumverletzungen durch angeblich russische Drohnen. Allerdings haben die gezeigten Drohnen gar nicht die Reichweite, um Polen von Russland aus zu erreichen, weshalb man davon ausgehen muss, dass es sich bei den Drohnen um von Kiew eroberte Drohnen, also um eine False Flag Aktion, handeln muss.
Noch abstruser ist die Begründung für „Arctic Sentry“, einer Erhöhung der NATO-Kräfte in der Arktis. Diese Mission wurde als Reaktion auf Trumps Ambitionen auf Grönland ausgerufen, aber ist aber trotzdem gegen Russland gerichtet.
Ein russischer Militäranalyst hat sich die drei „Sentrys“, ihren Zweck und ihre Verzahnung für die TASS genauer angeschaut und ich habe seinen Artikel übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
Drei „Sentrys“, eine einheitliche Strategie: Was von der NATO zu erwarten ist
Boris Rozhin über die neuen Übungen der NATO, Missionen an der Ostflanke und Russlands Reaktion.
Ab dem 9. März findet in Norwegen die elftägige Großübung „Cold Response 2026“ statt. 14 NATO-Staaten begannen bereits mehrere Wochen vor Beginn der Übung mit der Verlegung von Personal und Ausrüstung. Die Übung ist Teil der offiziell angekündigten Mission „Arctic Sentry“.
Offiziell dienten die Manöver im März der „Stärkung der norwegischen Sicherheit“ und der „Erprobung der Verteidigungsfähigkeit“. Dabei wird in der Propaganda, die die Übungen („Arctic Sentry“, „Baltic Sentry“ und „Eastern Sentry“) begleitet, nicht verschwiegen, dass Russland angeblich die größte Bedrohung für Norwegen, Finnland und die skandinavischen Länder insgesamt darstellt.
„Arctic Sentry“
Die Operation „Cold Response 2026“ sieht den Einsatz von 25.000 Soldaten vor, von denen 11.800 in Norwegen stationiert werden. Geplant sind eine beträchtliche Anzahl an Flugzeugen und Hubschraubern sowie eine Flotte von Kampf- und Versorgungsschiffen, die in festgelegten Gebieten vor der norwegischen Küste operieren sollen.
Die NATO gab den Start von „Arctic Sentry“ Anfang Februar bekannt. Ziel der Mission ist es, die Präsenz der NATO-Streitkräfte in der Arktis zu verstärken und die Militarisierung der Region mit dem Ziel einer langfristigen Eindämmung Russlands zu intensivieren. Die Basis sind die skandinavischen Länder.
Als zusätzliche Ziele werden die Demonstration der Fähigkeiten der NATO als Reaktion auf die US-Ansprüche auf Grönland und die Eindämmung der Expansion der chinesischen Wirtschafts in der Arktis genannt. Diese Aspekte haben übrigens die mangelnde Einsatzbereitschaft der NATO – ohne die USA – für Operationen unter arktischen Bedingungen verdeutlicht, angefangen bei der Logistik bis zur operativen Koordination von Einheiten verschiedener Länder, von denen einige gar nicht für Kampfeinsätze unter solchen Bedingungen vorbereitet sind.
Die NATO ist sich der Bedeutung der Arktis, insbesondere der langfristigen, sehr wohl bewusst. Die wirtschaftliche und logistische Bedeutung der Arktis wächst, während die Ambitionen der USA die politischen Turbulenzen in diesem Gebiet insgesamt verschärfen. Gleichzeitig verfügt Russland dank seiner langjährigen und durchdachten Politik über eine deutlich stärkere Position in der Region. Die NATO agiert hier eher passiv.
Parallel dazu sind ähnliche Operationen für andere Regionen Europas geplant: Baltic Sentry und Eastern Sentry. Auch diese Operationen nutzt die NATO, um Druck auf Russland auszuüben.
„Baltic Sentry“
Die im Januar 2025 gestartete Mission „Baltic Sentry“ wird von NATO-Staaten unter formalen Vorwänden wie „Schutz der Schifffahrt in der Ostsee“, „Bekämpfung von Sabotageakten an Unterseekabeln und -pipelines“ etc. durchgeführt. Dabei wird natürlich Russland beschuldigt offen als Bedrohung bezeichnet. Auch Unfälle an Pipelines und Unterseekabeln werden Russland angelastet. Es gibt jedoch keinerlei Beweise dafür, dass Moskau auch nur eine einzige Anlage beschädigt hat.
Im Rahmen der Propaganda ist das jedoch nicht entscheidend. Die Anschuldigungen dienen weiterhin dazu, die weitere Militarisierung mit dem Ziel zu rechtfertigen, die Ostsee in ein NATO-Gebiet zu verwandeln. Um das zu erreichen, müssen sowohl die russische Ostseeflotte als auch russische Wirtschaftsinteressen verdrängt werden.
Tatsächlich sieht man eine zunehmende Präsenz von Schiffen der Bündnisstaaten in der Ostsee. So fuhren im Januar mehrere NATO-Schiffe in den Finnischen Meerbusen ein und bildeten ein Geschwader unter Führung der niederländischen Fregatte „Tromp“. Unter dem Vorwand, „Kabelschäden“ zu bekämpfen, stoppten, inspizierten und beschlagnahmten sie Tanker, denen unter anderem Verbindungen zur „russischen Schattenflotte“ vorgeworfen wurden. Die Methoden der EU sind dabei kaum noch von Piraterie zu unterscheiden und werden hier noch verstärkt. Mehrere Handelsschiffe wurden direkt der Beschädigung von Seekabeln beschuldigt, doch in keinem Fall konnte böswillige Absicht nachgewiesen werden, und alle wurden freigelassen. Dennoch wurde diese Kampagne aktiv zur Demonstration der Notwendigkeit einer Verstärkung der NATO in der Region zur „Bekämpfung Russlands“ und seiner „Schattenflotte“ genutzt.
Es ist kein Zufall, dass das im Jahr 2025 in der Ostsee erprobte Schema nun auch zur Beschlagnahmung von Handelsschiffen unter fremder Flagge und in anderen Regionen eingesetzt wird. Und zwar aus denselben erfundenen Gründen. Es geht um den Versuch, eine inoffizielle Handelsblockade zu errichten. Das wurde insbesondere auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar offen gesagt. Die Teilnehmer erklärten die Notwendigkeit, Schiffe zu beschlagnahmen, um Russland wirtschaftlichen Schaden zuzufügen.
In diesem Zusammenhang sind sowohl die Operation „Baltic Sentry“ als auch die nachfolgenden Kampagnen gegen Tanker und Handelsschiffe Teil des Stellvertreterkriegs gegen Russland unter pseudolegitimistischen Vorwänden wie „Sanktionsverstößen“, die man der übrigen Welt aufzwingen will.
„Eastern Sentry“
Diese Operation wurde im September 2025 gestartet und offiziell mit der Notwendigkeit der „Stärkung der NATO-Ostflanke“ begründet. Wie auch bei den anderen ist es kein Geheimnis, dass alle „Eastern Sentry“-Übungen auf die „Eindämmung Russlands“ abzielen.
Hier ist an eine engere Integration und Vereinigung der Armeen der NATO-Mitgliedstaaten in Osteuropa sowie eine allgemeine Aufstockung der Streitkräfte des Bündnisses gedacht. Die an der Ostflanke – gegen Russland und Weißrussland – konzentrierten Streitkräfte könnten auch an Interventionsszenarien in der Ukraine teilnehmen. Das erklären Großbritannien, Frankreich und eine Reihe anderer Länder offen. Es sind die Truppen der Mission „Eastern Sentry“, die in der Lage sind, schnell in die Westukraine einzudringen. Diese Pläne sind schon lange ausgearbeitet, wie der russische Auslandsgeheimdienst wiederholt bestätigt hat.
Nur Russlands feste Haltung, diese Streitkräfte als legitime militärische Ziele zu betrachten, hält die NATO von den rücksichtslosesten Szenarien ab. Doch die Bedrohung bleibt meiner Meinung nach bestehen.
Man muss erwähnen, dass die Operation „Eastern Sentinel“, wie auch „Baltic Sentry“, unter einem falschen Vorwand gestartet wurde, den „Flügen russischer Drohnen nach Polen“. Allerdings sind tatsächlich entweder ukrainische Flugabwehrraketen nach Polen geflogen oder es wurden ungeschickte Provokationen inszeniert, wie etwa der Start von in der Ukraine abgestürzten Gerbera-Drohnen nach Polen. Das Ziel war es unter anderem, Warschau in den Konflikt hineinzuziehen. Es wurden keine Beweise für russische Angriffe auf Polen oder auch nur versehentliche Einflüge vorgelegt. Dennoch wurde beschlossen, die NATO-Truppen – insbesondere in Polen und Litauen – zu verstärken.
Mehrere tausend zusätzliche Soldaten des Bündnisses aus über zehn Ländern wurden zusammen mit zusätzlichen Flugzeugen und Hubschraubern (bis zu 20–25), Patriot-Flugabwehrraketenbatterien, verschiedenen Kurzstrecken-Flugabwehrsystemen und Systemen für die elektronische Kampfführung in diese Länder verlegt. Doch damit ist der Prozess natürlich noch nicht abgeschlossen.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat keinen Hehl daraus gemacht, dass die Strategie von „Eastern Sentry“ die gesamte Ostflanke (nicht nur Polen und Litauen) vom Mittelmeer bis zum hohen Norden umfassen muss. Faktisch sind die Strategien sowohl von „Baltic Sentry“ als auch von „Arctic Sentry“ integrale Bestandteile der Strategie von „Eastern Sentry“. Dabei gibt es einen definierten Feind und eine klare Strategie der Provokationen und Propaganda, um eine weitere Militarisierung zu rechtfertigen und operativ-strategische Bedrohungen für Russland und Weißrussland zu schaffen, denen der Westen eine „strategische Niederlage“ zufügen will.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu verstehen, dass all diese „Sentrys“ Instrumente der NATO zur hybriden Kriegsführung gegen Russland sind. Und die ständigen Übungen nahe unserer Grenzen sind eine ständige Quelle militärpolitischer Spannungen, die Russland nicht ignorieren kann.
Russlands Reaktion auf die „Sentrys“
Natürlich wird Russland all diese aggressiven Aktivitäten und die Destabilisierung der Region nicht ignorieren. Wie die militärpolitische Führung Russlands wiederholt erklärt hat, werden diese Aktionen mit einer symmetrischen Antwort beantwortet, es gibt einen Truppenaufmarsch im Nordwesten Russlands zur Abschreckung von Bedrohungen durch die NATO. Diese Truppen wurden nicht erst mit dem Start der Operation „Baltic Sentry“, sondern deutlich früher aufgestellt.
Am 26. Februar 2024 erließ Präsident Wladimir Putin ein Dekret zur Wiedereinrichtung zweier Militärbezirke: Moskau und Leningrad. Ersterer ist strategisch für die Sicherung der Westgrenze und des Verbündeten Weißrussland zuständig, während letzterer Bedrohungen entlang der nordwestlichen Grenzen abwehren soll.
Der Militärbezirk Leningrad umfasst die Gebiete Karelien, Komi, Archangelsk, Wologda, Kaliningrad, Leningrad, Murmansk, Nowgorod und Pskow, St. Petersburg sowie den Autonomen Kreis der Nenzen. Im Laufe des Jahres 2025 wurden die Strukturen und Einheiten des Leningrader Militärbezirks aktiv weiterentwickelt und mit diverser neuer Ausrüstung ausgestattet (auch während die Ukraine Priorität hatte). Die Hauptstreitmacht des Militärbezirks Leningrad ist die 6. Armee, bestehend aus drei Armeekorps (eines davon ist derzeit an Operationen in der Ukraine beteiligt) und der 6. Luft- und Weltraumstreitkräfte- und Luftverteidigungsarmee. Der Bezirk verfügt über ein breites Spektrum moderner Angriffswaffen. Die Führung hat wiederholt betont, dass die Raketensysteme des Militärbezirks Leningrad (vor allem das taktische ballistische Raketensystem Iskander) Ziele in nahezu ganz Europa, einschließlich der meisten Hauptstädte und wichtigen Kommandoposten der NATO-Staaten, schnell angreifen können.
Im Februar dieses Jahres bezeichnete der russische Außenminister Sergej Lawrow die Aktivitäten der NATO in der Arktis, insbesondere bei Grönland, als Bedrohung für Russland, die eine militärtechnische Antwort nach sich ziehen werde. Das spiegelt sich bereits im quantitativen und qualitativen Ausbau der Streitkräfte des Leningrader Militärbezirks wider.
Man sollte die Bedrohung durch die NATO aber auch nicht unterschätzen
Die Entwicklung neuer Waffensysteme, die wachsende Bedeutung von Drohnen aller Art, Satellitenkommunikation und neuronalen Zielidentifizierungssystemen, militärischer künstlicher Intelligenz sowie die Weiterentwicklung des Konzepts multidimensionaler Operationen erfordern eine weitere Modernisierung der Fähigkeiten des Bezirks (und des gesamten Bereichs). Vieles hängt von der heimischen Rüstungsindustrie und der effektiven Integration der wertvollsten Erfahrungen der Luftverteidigungskräfte in die Gefechtshandbücher und die Organisationsstruktur ab.
Dies gilt sowohl für die Ostsee- als auch für die Nordflotte, da die Erfahrungen im Schwarzen Meer deutlich gezeigt haben, dass sich auch dieses Kampfgebiet erheblich verändert hat. Tatsächlich hat die russische Militärführung bereits die Notwendigkeit einer Erhöhung der Anzahl der Hochseeschiffe betont. Das erfordert ein neues, groß angelegtes Schiffbauprogramm.
Generell verfügt Russland im Westen des Landes bereits über beträchtliche militärische Kapazitäten. Doch selbstverständlich sind systematische Anstrengungen erforderlich, diese kontinuierlich zu stärken und zu modernisieren, da sich auch der Gegner nicht schläft.
Die Bedrohungen aus dem Westen werden nicht von selbst verschwinden, die Konfrontation wird lange dauern. Wer Frieden will, muss sich auf den Krieg vorbereiten.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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