Die Rolle der baltischen Staaten bei den Angriffen auf die Region St. Petersburg

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Dass die Drohnen, die seit Jahren den Nordwesten Russlands angreifen, dazu die Lufträume Polens, der baltischen Staaten ...

anti-spiegel.ru📅 20.10.2026
Kriegsbeteiligung

Die Rolle der baltischen Staaten bei den Angriffen auf die Region St. Petersburg

Am Wochenende wurde das russische St. Petersburg wieder von Drohnen angegriffen, die dazu den Luftraum der baltischen Staaten benutzen. Russische Medien berichten immer offener über die Kriegsbeteiligung der baltischen Staaten.

Dass die Drohnen, die seit Jahren den Nordwesten Russlands angreifen, dazu die Lufträume Polens, der baltischen Staaten und auch Finnlands benutzen, ohne dass diese Staaten etwas dagegen tun oder dagegen protestieren würden, ist in Expertenkreisen seit Beginn der Angriffe ein offenes Geheimnis, über das öffentlich jedoch lange nicht gesprochen wurde. Da die EU-Staaten das aber seit Frühjahr 2026 selbst offen zugeben, wird das auch in russischen Medien thematisiert.

Ich übersetze hier einen Artikel der TASS, der zeigt, wie in Russland über die offene Beteiligung der Baltenstaaten an dem Angriff auf St. Petersburg von letzten Wochenende berichtet wird.

Beginn der Übersetzung:

Aufmarschgebiet für ukrainische Drohnen? Wie das Baltikum in Angriffe auf Russland verwickelt ist

In der Nacht zum 18. Oktober 2026 hat die Ukraine St. Petersburg und das Leningrader Gebiet mit Drohnen angegriffen. Das war in den vier Jahren der massivste Angriff auf die Region. Experten vermuten, dass das sich zu einem militärischen Drehkreuz entwickelnde Baltikum Kiew unterstützt, indem es einen Luftkorridor für die Drohnen einrichtet oder sogar sein Gebiet für deren Start zur Verfügung stellt. Die TASS beleuchtet die Rolle der baltischen Staaten im Krieg gegen Russland.

Alexander Drosdenko, der Gouverneur des Leningrader Gebiets, teilte mit, dass bei dem jüngsten ukrainischen Angriff am 17./18. Oktober 145 Drohnen über der Region abgeschossen wurden. Das war der größte Angriff seit Beginn der Militäroperation. Drosdenko berichtete, dass bei den Angriffen das Umspannwerk Wostotschnaja, ein Rechenzentrum des Unternehmens VK, eine Schule sowie mehrere Privathäuser und Wohnungen beschädigt wurden, zudem beschädigten Trümmerteile abgeschossener Drohnen mehr als 50 Fahrzeuge. Der Gouverneur betonte, dass der Betrieb von sozialen Einrichtungen und Infrastrukturobjekten nicht beeinträchtigt wurde und dass alle Betroffenen materielle sowie moralische Unterstützung erhalten werden. Alexander Beglow, der Gouverneur von St. Petersburg, meldete Schäden an 12 Mehrfamilienhäusern und 2 Privathäusern.

Zuvor wurde am 6. Juni ein massiver Kiewer Angriff auf St. Petersburg und das Leningrader Gebiet abgewehrt, damals fing die russische Flugabwehr 144 Drohnen ab. Am 4. Juli und am 23. März hat das russische Militär dort zudem 72 beziehungsweise 70 Drohnen abgeschossen.

Das Baltikum als militärisches Drehkreuz

Die baltischen Staaten, die Subventionen aus der EU erhalten, bauen auf ihrem Territorium eine militärische Produktion auf, auch im Interesse Kiews.

Seit 2023 werden in Litauen in einem Betrieb, der von den deutschen Rüstungsherstellern KNDS Deutschland und Rheinmetall Landsysteme betrieben wird, Leopard-2-Panzer für die Ukraine repariert. Zusammen mit dem deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall wird in dem Land ein Werk zur Herstellung von Artilleriemunition betrieben. Für das Jahr 2025 wurden Pläne zur Produktion von Sprengstoffkomponenten im Werk Achema (die nach dem XXV. Parteitag der KPdSU benannte frühere Jonava-Stickstoffdüngerfabrik aus der Sowjetzeit) bekannt gegeben.

Lettland hat eine gemeinsame Drohnenproduktion mit der Ukraine angekündigt. Das Werk soll in der Nähe der Grenze zu Russland und Weißrussland errichtet werden. Als ein Grund hierfür wird unter anderem die Notwendigkeit genannt, die wirtschaftliche Aktivität in der Region zu steigern. Der baltische Staat produziert und wartet zudem gepanzerte Fahrzeuge des Typs Patria, die unter anderem an Kiew geliefert werden, und hatte außerdem vor, 155-mm-Artilleriemunition herzustellen, die die Ukraine dringend braucht.

Estland plant die Produktion von Sprengstoffen, Minen und Komponenten für Flugabwehrraketen. Wiktor Medwedtschuk, Chef der Bewegung „Die andere Ukraine“ und ehemaliger Vorsitzender der in Kiew verbotenen Partei „Oppositionsplattform – Für das Leben“, erklärte, der baltische Nachbar habe sich in den Drohnenkrieg gegen Russland eingeschaltet und sei zu einem Zentrum für Unternehmen geworden, die Kampfdrohnen entwickeln. Er erinnerte daran, dass das in Estland tätige Unternehmen Volya Robotics mit dem Drohnenhersteller Hornet in Verbindung steht, dessen Drohnen für Angriffe auf russisches Territorium eingesetzt werden.

„Die baltischen Staaten, die am 6. September 1991, vor 35 Jahren, unter der Losung der Gewinnung ihrer Souveränität aus der UdSSR ausgetreten sind, haben diese Souveränität bereits 2004 faktisch wieder aufgegeben, als sie Mitglieder der NATO und der EU wurden“, erklärte Natalja Jeremina, Kandidatin der Geschichtswissenschaften, Professorin am Lehrstuhl für Europastudien der Staatlichen Universität Sankt Petersburg und Expertin beim Russischen Rat für Internationale Angelegenheiten. „Sie waren also nur sehr kurz ‚souverän‘, nach historischen Maßstäben war das buchstäblich nur ein Augenblick.“ Jeremina merkte an, dass die baltischen Staaten ihre Souveränität gegen Hass auf alles Russische eingetauscht und anstelle einer echten wirtschaftlichen Entwicklung einen Kurs der forcierten Militarisierung eingeschlagen haben.

Sie könnten es, aber sie schießen sie nicht ab

Während der Militäroperation haben ukrainische Drohnen wiederholt St. Petersburg und das Leningrader Gebiet angegriffen, zudem wurden vereinzelt Drohnen im Bereich des Finnischen Meerbusens abgefangen.

Im April 2026 äußerte Nikolaj Patruschew, Berater des russischen Präsidenten und Leiter des Marinekollegiums, die Vermutung, dass die baltischen Staaten und Finnland ihren Luftraum für den Durchflug ukrainischer Drohnen öffnen könnten. Er betrachtet diese Staaten sogar dann als Komplizen der ukrainischen Aktionen, wenn die Drohnen von Schiffen in der Ostsee aus gestartet wurden.

Drohnen tauchten regelmäßig im Luftraum der baltischen Staaten auf. So entdeckten die finnischen Streitkräfte am 3. Mai 2026 zwei ukrainische Drohnen über ihrem Staatsgebiet, sahen jedoch von einem Abschuss ab – angeblich wegen der Nähe zur russischen Grenze. Im selben Monat schoss die estnische Luftverteidigung erstmals eine Drohne über ihrem Territorium ab, und im Juni fingen Jagdflugzeuge der französischen Luftwaffe der NATO-Streitkräfte eine Drohne über Lettland ab.

Alexander Stepanow, Militärexperte am Institut für Recht und nationale Sicherheit der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und öffentlichen Dienst, bezeichnete die Berichte über diese Abfangmanöver als mediale Tarnung für die tatsächliche Verwicklung der baltischen Staaten in die Organisation ukrainischer Angriffe auf russisches Gebiet. Er sprach von einer „absolut eindeutig koordinierten“ Bereitstellung ihres Luftraums.

Nach Ansicht des Experten können diese Länder Eindringlinge in ihrem Luftraum durchaus abschießen, erst recht, wenn man berücksichtigt, dass sie derzeit eine „Drohnenmauer“ errichten, ein gestaffeltes, automatisiertes Luftverteidigungssystem, an dem mehrere europäische Staaten beteiligt sind.

Zudem verfügt die NATO über ausreichende Ressourcen, um von Lettland und Litauen aus sogar dann Abfangjäger aufsteigen zu lassen, wenn es sich nur um Vogelschwärme handelt, die irrtümlich für Drohnen gehalten wurden.

Woher kommen die Drohnen?

Experten hatten bereits vermutet, dass Drohnen gegen Russland vom Territorium der baltischen Staaten aus gestartet werden könnten. „Ich würde hier die Frage stellen, woher diese Drohnen angeflogen kommen könnten? Und diese Frage richtet sich wieder in erster Linie an das Baltikum. Ebenso wäre ein Start aus neutralen Gewässern der Ostsee möglich“, äußerte Alexander Stepanow im März 2026 gegenüber der TASS.

In einer Mitteilung des Pressedienstes des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR vom 19. Mai 2026 hieß es, Kiew bereite Angriffe vom Territorium der baltischen Staaten aus vor, um die Anflugzeit der Drohnen erheblich zu verkürzen. „Angehörige der ukrainischen Streitkräfte, die den ‚Streitkräften für unbemannte Systeme‘ angehören, wurden bereits nach Lettland entsandt. Sie sind auf den lettischen Militärbasen Ādaži, Sēlija, Lielvārde, Daugavpils und Jēkabpils stationiert“, fügte der Pressedienst des SWR hinzu.

„Es ist keineswegs überraschend, dass die baltischen Republiken ihren Luftraum für ukrainische Drohnen öffnen, damit diese Angriffe auf Russland fliegen können“, erklärte Dmitri Kusjakin, Experte für unbemannte Luftfahrtsysteme und Chefkonstrukteur des Zentrums für komplexe unbemannte Lösungen, im Juli 2026. „Mehr noch, uns sind Fälle bekannt, in denen ukrainische Drohnen von Übungsgeländen innerhalb Lettlands gestartet wurden. Die ablehnende Haltung gegenüber Russland ist in der Außenpolitik dieser Länder schon seit den 1990er Jahren ein durchgängiger politischer Trend.“

Der erneute massive Angriff auf Sankt Petersburg und das Leningrader Gebiet hat unter Experten die Frage aufgeworfen, wie sehr das Baltikum in die Angriffe auf Russland verwickelt ist. „Es gibt Grund zu der Annahme, dass eines dieser Länder möglicherweise einen Startplatz für die Drohnen zur Verfügung gestellt hat“, so Kusjakin im Kommentar zu dem bislang größten Angriff auf die Region. Der Experte wies darauf hin, dass in einigen Regionen der baltischen Staaten Luftalarm ausgelöst wurde und der Flughafen der lettischen Hauptstadt geschlossen werden musste. Die Beschränkungen wurden nur wenige Minuten vor dem Überflug ukrainischer Drohnen in Kraft gesetzt.

Das Baltikum könnte zu einem legitimen Ziel werden

Kusjakin merkte an, dass Drohnen der ukrainischen Streitkräfte, um über das Baltikum zu fliegen, polnisches Hoheitsgebiet passieren müssten, doch dort wurden weder Beschränkungen verhängt noch Luftalarm ausgelöst. „Genau das lässt vermuten, dass die Drohnen entweder direkt aus den baltischen Staaten gestartet wurden oder dass Polen die ukrainischen Drohnen ohne Warnung über polnisches Gebiet fliegen ließ“, mutmaßte der Chefkonstrukteur.

Nach Ansicht des Experten ist es aufgrund der räumlichen Nähe St. Petersburgs zu Finnland und Estland unmöglich, eine gestaffelte Luftverteidigung aufzubauen. Daher sei es notwendig, feindliche Drohnen bereits lange vor dem Übertreten der russischen Staatsgrenze abzuschießen.

Eine ähnliche Auffassung vertrat auch Andrej Kolesnik („Einiges Russland“), Mitglied des Verteidigungsausschusses der Staatsduma. „Man muss [die Drohnen] bereits über dem Baltikum abschießen. Alles, was in unsere Richtung fliegt, muss abgeschossen werden, egal, wie unangenehm das für sie sein mag. Wir müssen in erster Linie an uns selbst denken“, erklärte er.

Wiktor Wodolazki, erster stellvertretender Vorsitzender des Duma-Ausschusses für GUS-Angelegenheiten, eurasische Integration und Beziehungen zu Landsleuten im Ausland, betonte, dass jedes baltische Land, das den Beginn der Produktion von Drohnen für die Ukraine verkündet, wissen muss, dass die entsprechenden Produktionsstätten zerstört werden könnten.

Er kommentierte den von Lettland angekündigten Bau eines gemeinsamen Unternehmens mit der Ukraine zur Herstellung von Drohnen wie folgt: „Wenn das passiert, wird diese Fertigungsstätte für uns zu einem legitimen Ziel, denn von dort aus werden Drohnen auf unser Territorium gestartet – und zwar gezielt auf Städte sowie auf Einrichtungen der sozialen Infrastruktur.“

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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