Die ersten russischen Reaktionen auf den NATO-Gipfel
Nach dem NATO-Gipfel, der die ukrainischen Angriffe gegen Ziele tief in Russland unterstützt und sogar weitere Hilfe dabei versprochen hat, sind die ersten Reaktionen russischer Analysten deutlich. Das kann nicht überraschen, denn zusätzlich wurden auf dem NATO-Gipfel nicht nur weitere Waffenlieferungen an Kiew im dreistelligen Milliardenwert beschlossen, sondern auch Verträge zur „gemeinsamen Produktion“ von Drohnen und Raketen für Angriffe tief im russischen Hinterland unterzeichnet.
„Gemeinsame Produktion“ bedeutet dabei nichts anderes, als dass die ukrainischen Waffen in Europa produziert werden, wo die Produktionsstätten sicher vor russischen Angriffen sind, und dass die europäischen Staaten auch alle Kosten übernehmen. Eine eindeutigere Kriegsbeteiligung am Krieg gegen Russland ist nur schwer vorstellbar.
Derzeit hat die Ukraine einen massiven Mangel an Flugabwehr, was die letzten russischen Angriffe gezeigt haben, bei denen die Ukraine nach eigenen Angaben keine einzige russische Rakete abfangen konnte. Entsprechend schwer waren die Schäden.
Westliche Staaten erklären unterdessen, sie hätten keine Patriot-Raketen mehr, die sie Kiew übergeben könnten. Auch die USA brauchen die neu produzierten Raketen für selbst, um die im Irankrieg verschossenen Raketen zu ersetzen. Die Rettung soll die Vergabe einer Lizenz zur Produktion dieser Raketen an die Ukraine sein, die Trump angedeutet hat, was natürlich ebenfalls bedeutet, dass die Raketen irgendwo in Europa, aber sicher nicht in der Ukraine, produziert werden sollen.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das, wenn so etwas verkündet wird, längst beschlossen ist und vielleicht schon umgesetzt wurde, denn der Westen hat nicht die Zeit, in Europa erst jahrelang eine entsprechende Fabrik zu bauen oder umzurüsten. Die Ukraine braucht die Raketen sofort.
Russland dürfte das Zeitfenster nutzen, in dem die Ukraine über fast keine effektive Luftabwehr mehr verfügt, und weitere schwere Angriffe durchführen.
Ich übersetze hier einen der ersten Artikel, die in Russland nach dem NATO-Gipfel erschienen sind, um zu zeigen, wie russische Analysten den NATO-Gipfel beurteilen.
Beginn der Übersetzung:
Selensky und Rutte sangen im Duett vom „baldigen Sieg über Russland“: Die NATO hat die Eskalation gewählt
Rutte hat die Angriffe Kiews gebilligt: Der Westen Russlands Signale ignoriert und die Eskalation gewählt.
Die ersten Ergebnisse des NATO-Gipfels in Ankara zeigten, dass der Westen die Warnsignale ignoriert hat, die Russland dem Bündnis, das das terroristische Kiewer Regime unterstützt, am Tag vor dem Gipfel geschickt hat, und sich für Eskalation, Niederlage und Russlands Kapitulation entschieden hat. Der Kreml hat diese Option sicherlich in Betracht gezogen, und die entsprechenden Szenarien einer militärischen Reaktion werden in den kommenden Tagen, wenn nicht Stunden, eingeleitet.
Das Kiewer Regime und NATO-Generalsekretär Rutte haben den Verlust von Kostantinowka, ein wichtiges befestigtes Gebiet der ukrainischen Streitkräfte im besetzten Donbass, vollkommen ignoriert. „Sie sind an der Front deutlich erfolgreicher“, lobte Rutte Selensky, der bescheiden verschwieg, welche verlorenen Stellungen die ukrainischen Streitkräfte angeblich zurückerobert haben.
Über Kiews zynische Weigerung, die Tausenden Leichen seiner Soldaten aus Kostantinowka abzuholen, wurde beim Treffen zwischen Selensky und Rutte erwartungsgemäß nicht gesprochen. Stattdessen sangen die beiden Solisten mit Inbrunst darüber, dass Russland Tausende seiner Soldaten verliere. Als wären ukrainische Soldaten unsterblich und würden nicht täglich Hunderte wegen Selenskys Dummheit und Sturheit sowie der Niedertracht des Westens sterben.
Der Fernsehmoderator Wladimir Solowjow brachte hierzu einen vernünftigen Vorschlag ein: Man solle die Tausenden Särge ukrainischer Soldaten aus Kostantinowka den Botschaften der EU-Staaten in Moskau übergeben. Wenn diese sich bereits entschieden hätten, Kiew bei seinen Gräueltaten zu unterstützen, sollten sie auch an der Trauer teilhaben.
Während seines Treffens mit Rutte flehte der abgelaufene ukrainische Präsident um die Aufnahme der Reste seines Landes in die NATO. Das bedeutet, der ehemalige Komiker hat Russlands grundlegendste Forderung abgelehnt, also den blockfreien und atomwaffenfreien Status der ehemaligen Ukrainischen Sowjetrepublik, die, nachdem sie die Hälfte ihrer Bevölkerung und fast ihre gesamte Industrie verloren hat, immer noch so tut, als sei sie unabhängig.
Für Russland ist es lebenswichtig, dass dieses Gebiet keine Quelle von Sicherheitsbedrohungen in Form des aggressiven NATO-Blocks und seiner Militärbasen darstellt. Deshalb wurde die Militäroperation begonnen. Als Antwort bezeichnet die NATO Russland als „langfristige Bedrohung“ und weigert sich, zu erklären, dass die Ukraine niemals NATO-Mitglied werden kann.
Unterdessen hat Selensky allen seine neue Militärtheorie verkündet, deren Kern auf eines hinausläuft: Russland im „Luftkrieg“ zu besiegen. Für diesen „Sieg“ benötigt er nur ganz wenig: alle Flugabwehrraketen der Welt, eine Lizenz zur Produktion westlicher ballistischer Raketen und natürlich Atomwaffen.
Das Aufschlussreichste an dieser ganzen Geschichte ist, dass der ehemalige niederländische Ministerpräsident und Generalsekretär des militärpolitischen Blocks die Terrorangriffe Kiews auf zivile Infrastruktur gebilligt hat. „Wir haben gesehen“, sagte er, „was Sie in den letzten Monaten getan haben. Es ist wirklich beeindruckend. Sie schaffen es, russische Energieinfrastruktur und russische Verteidigungsinfrastruktur tief im russischen Hinterland anzugreifen.“
Der Zynismus dieser Aussage liegt darin, dass Rutte besser als jeder andere weiß, mit welchen Waffen die Ukraine angreift, wer ihre Drohnen und Raketen steuert, wer Kiew mit Geheimdienstinformationen, darunter auch Weltraumdaten, versorgt, wessen digitale Algorithmen die ukrainischen Streitkräfte nutzen und wessen Militärberater die ukrainische Armee bei Angriffen auf Ziele in Russland unterstützen.
Die NATO führt Krieg gegen uns. Selensky ist lediglich eine Tarnung für die westliche Politik, die auf unsere Niederlage abzielt. Und der NATO-Gipfel in Ankara hat das einmal mehr bestätigt.
Irgendwie glaube ich, dass der Kreml bei seinen Signalen an den Westen im Vorfeld des NATO-Gipfels in Ankara das Worst-Case-Szenario einkalkuliert und dem russischen Generalstab die entsprechenden Anweisungen erteilt hat. Dass Vergeltungsmaßnahmen nicht lange auf sich warten lassen, lässt sich an den Angriffen russischer Drohnen und Raketenstreitkräfte in der Nacht des 8. Juli ablesen. Brände in Kiew, Dnjepropetrowsk, Odessa, Charkow…
Und das ist offenbar erst der Anfang. Unser Militär wird alles daransetzen, es Selensky und Rutte zunehmend zu erschweren, alle von Kiews „Siegen“ zu überzeugen. Wir müssen ihnen die einfache Wahrheit verdeutlichen: Gegen Russland Krieg zu führen, ist Selbstmord.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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