Bericht der US-Regierung zeigt die wahre Lage und die US-Interessen in der Ukraine
Es ist immer wieder interessant, was die Medien den Menschen alles verschweigen. Das aktuellste Beispiel ist der Quartalsbericht der US-Regierung mit dem Titel „OPERATION ATLANTIC RESOLVE INCLUDING U.S. GOVERNMENT ACTIVITIES RELATED TO UKRAINE“ („OPERATION ATLANTIC RESOLVE EINSCHLIESSLICH DER AKTIVITÄTEN DER US-REGIERUNG IM ZUSAMMENHANG MIT DER UKRAINE“), die Generalinspekteure des Pentagons, des US-Außenministeriums und der (offiziell vor knapp einem Jahr aufgelösten, aber offensichtlich immer noch arbeitenden) US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID) gemeinsam verfasst haben. Ich habe den Bericht bereits in einer Kurzmeldung erwähnt, denn darin erfahren wir unter anderem, dass die US-Regierung aktuell 56 Fälle von Korruption und Diebstahl von US-Waffen in der Ukraine untersucht.
Der Bericht enthält aber noch weit mehr ausgesprochen interessante Informationen, denn darin erfährt man, wie die US-Regierung die Lage an der Front wirklich einschätzt (was sich massiv von dem unterscheidet, was die westlichen Medien berichten), und welche Ziele die USA in der Ukraine tatsächlich verfolgen. Und nebenbei bestätigt der Bericht auch, was ich schon seit Jahren schreibe, nämlich dass die US-Regierung das (im Westen als „unabhängig“ bezeichnete) Anti-Korruptionsbüro der Ukraine (NABU) lenkt, was wiederum ein interessantes Licht auf die vom NABU in Selenskys Umkreis aufgedeckten Korruptionsfälle von Minditsch und Jermak wirft, denn diese Veröffentlichungen fanden damit eindeutig aus Anweisung des US-Regierung statt.
Ein Experte der TASS hat sich den neuen US-Bericht genauer angeschaut und ich habe seinen Artikel darüber übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
In der Sprache der Bürokratie: Die Ziele und Mittel der USA in der Ukraine
Wladimir Kostyrew zum Bericht des US-Außen- und Verteidigungsministeriums.
Gestern stieß ich auf die Nachricht über einen Bericht zur Militärhilfe für die Ukraine, der von den Generalinspekteuren des Pentagons, des US-Außenministeriums und der inzwischen aufgelösten US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID) erstellt wurde. Lassen Sie mich das erläutern.
Dieser Bericht ist im Grunde ein bürokratischer Bericht für einen bestimmten Zeitraum, in diesem Fall das erste Quartal 2026. Politiker mögen großspurige Versprechungen machen, aber hier liegen konkrete Zahlen und Berichte des Militärgeheimdienstes vor, die ein objektiveres Bild zeichnen. Man könnte vielleicht sagen, dass der berüchtigte amerikanische „Tiefe Staat“, der unter Joe Biden existierte, unter Donald Trump fortbesteht und auch unter seinem Nachfolger weiterbestehen wird.
Streng genommen widmet sich das Dokument der Operation Atlantic Resolve, die seit 2014 die militärische Reaktion der USA und ihrer NATO-Verbündeten auf Russlands Aktionen in Europa dokumentiert und somit seit über zehn Jahren läuft. Die Beteiligung des Generalinspekteurs von USAID an dem Bericht ist auch symbolisch, denn die Behörde ist faktisch aufgelöst, aber ihre Arbeit wird fortgeführt. Was ist das, wenn nicht „tiefer Staat“?
Der gesamte Bericht umfasst 78 Seiten und ist deutlich trockener und pedantischer als die Meldungen der Nachrichten darüber. Insgesamt zeichnet er jedoch ein sehr interessantes Bild, das man sich genauer anschauen möchte.
Russlands Vorteil
Das Dokument verweist eindeutig auf Russlands militärischen Vorteil in taktischer und strategischer Hinsicht. Diese Einschätzungen basieren auf Daten des militärischen Nachrichtendienstes der Defense Intelligence Agency (DIA), einer Behörde des Pentagons. Natürlich würde ich auch gerne die Berichte anderer Behörden – der CIA und des National Intelligence Agency – einsehen, da diese sich gegenseitig effektiv überwachen und abgleichen. Aber wie man so schön sagt: Man darf ja mal träumen.
Laut dem Militärgeheimdienst behält Russland „in der Ukraine die strategische Gesamtinitiative“. Russland verfügt insbesondere über ein effektiveres Truppenführungssystem, setzt erfolgreich kleine Angriffsgruppen ein, wodurch es entlang der gesamten Frontlinie Druck ausüben kann, hat Vorteile in Manövrierfähigkeit und Feuerkraft und bietet einen besseren Schutz der Truppen im Hinterland. Westliche Hilfe, insbesondere bei der Drohnenproduktion, konnte der Ukraine in dieser Hinsicht keine Dominanz über Russland sichern. Moskau verfügt zudem über deutlich größere Reservekapazitäten, sowohl hinsichtlich der Rekrutierung von Personal für die Armee als auch seiner militärisch-industriellen Basis. Laut dem US-Militärgeheimdienst haben ukrainische Angriffe tief in russisches Territorium keine strategischen oder operativen Auswirkungen auf die Militäroperationen. Die Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur hatten keine signifikanten Auswirkungen auf die russische Energieproduktion.
All dies widerspricht natürlich den Aussagen Kiews und der „Analyse“ vieler westlicher Medien zur Lage an der Front. Der einzige Bereich, in dem die Ukraine laut amerikanischen Einschätzungen einen Vorteil hat, ist die Aufklärung – und zwar nur, weil die von westlichen Ländern geliefert wird.
Der Bericht bestätigt übrigens direkt, was die ukrainische Propaganda seit Monaten zu leugnen versucht: Krasnoarmejsk (ukrainischer Name: Pokrovsk) steht seit Ende 2025 unter russischer Kontrolle.
Das Dokument listet die trockenen Fakten auf und zieht keine eigenen Schlüsse, doch die Ergebnisse sind eindeutig. Russland ist auf dem Schlachtfeld sowohl taktisch als auch strategisch überlegen. Es verfügt im laufenden Konflikt zudem über das größere Potenzial.
Die wichtigsten Ziele
Dabei behauptet der Bericht nicht, dass das Ziel der USA in der Ukraine der Sieg oder gar das Überleben des Kiewer Regimes sei. Das Dokument umreißt klar die Ziele der Operation Atlantic Resolve:
- Stärkung der Zusammenarbeit innerhalb der NATO und Erhöhung der Kampfbereitschaft des Bündnisses im Falle einer „russischen Aggression“.
- Unterstützung für die Ukraine im Bereich der Sicherheit zur „Stärkung der Abschreckung“ Russlands.
Das bedeutet, dass niemand von Kiews mythischem „Sieg“, den „Grenzen von 1991“ oder davon spricht, dass die Ukraine auch nur einen Teil des Donbass behalten könnte. Der Fokus liegt darauf, „Russland davon zu überzeugen, von Angriffen – offen oder verdeckt – gegen NATO-Mitgliedstaaten abzusehen“. Wenn die „Eindämmung Russlands“ entlang des Dnjepr oder der Grenze zur Oblast Lwow gewährleistet ist, wären die USA damit offenbar zufrieden.
Möglicherweise wird den Friedensverhandlungen deshalb im Bericht relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt, denn sie fanden Anfang des Jahres statt, wurden abgehalten, es wurde keine Einigung erzielt, also geht es weiter.
Auch der Missbrauch und die Veruntreuung amerikanischer Hilfsgelder werden kaum thematisiert. So erwähnt beispielsweise ein Anhang die Gesamtzahl der Untersuchungen zu solchen Missbräuchen, es werden keine konkreten Gerichtsverfahren, sondern im faktisch Vorprüfungen im Büro des Generalinspekteurs (insgesamt 56) aufgelistet. Unter anderem wird klargestellt, dass die Inspektoren des US-Verteidigungsministeriums im ersten Quartal 2026 zwölf Beschwerden und Appelle zu Verstößen in diesem Bereich entgegennahmen und an andere Behörden weiterleiteten. Ist das viel oder wenig? Es werden weder Namen noch Summen genannt, noch konkrete Ergebnisse in Form von Strafverfahren oder Anklagen.
Amerikanische Hilfe für die Ukraine
Ein weiterer bemerkenswerter Datenblock im Bericht betrifft die amerikanische Hilfe für die Ukraine. Trump wiederholt oft, dass die USA die Militärhilfe für Kiew mit seinem Amtsantritt eingestellt haben, und formal stimmt das auch. Seit seiner Amtseinführung hat Washington der Ukraine – anders als unter seinem Vorgänger – keine militärische Ausrüstung, kein militärisches Material und keine Munition kostenlos zur Verfügung gestellt. Das geschieht nun auf Kosten der Europäer.
Dem Bericht zufolge hatten die NATO-Verbündeten im Rahmen des Programms „Prioritized Ukraine Requirements List“ (PURL) bis zum 31. März 2026 Waffen im Wert von 4,8 Milliarden US-Dollar für Kiew bei den USA bestellt. Das Geld ist hauptsächlich für Raketen für Patriot-Luftverteidigungssysteme vorgesehen, die eine Schlüsselkomponente des ukrainischen Luftverteidigungssystems darstellen. Weitere 7,11 Milliarden US-Dollar aus anderen Programmen des US-Außenministeriums und des Pentagons sollen militärische Ausrüstung und Munition kompensieren, die NATO-Verbündete an die Ukraine geliefert haben.
Außerdem hat das US-Außenministerium bis Ende März 2026 allein über 180 verschiedene Initiativen von Minenräumung bis hin zur Unterstützung der ukrainischen Strafverfolgungsbehörden mit einem Gesamtvolumen von rund 4 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Die vom Kongress unter Biden bewilligten Hilfsgelder sind noch nicht vollständig ausgegeben, über 60 Milliarden US-Dollar verbleiben in Reserve. Allerdings scheint Trump es nicht eilig zu haben, diese Gelder freizugeben.
Im ersten Quartal 2026 haben die USA zudem Reparaturen an Militärgerät durchführt, das zuvor an Kiew geliefert worden war (diese Daten spiegeln übrigens teilweise die ukrainischen Verluste wider). Das sind unter anderem fünf Patriot-Batterien, sechs HIMARS-Systeme, 51 Stryker-Schützenpanzer, ein Abrams-Panzer, 17 Haubitzen und fünf TPQ-36-Radarstationen. In den ersten drei Monaten des Jahres 2026 haben die Amerikaner außerdem 394 Soldaten der ukrainischen Streitkräfte ausbildet, darunter HIMARS-Bediener, Schützenpanzerbesatzungen und Kommandeure.
Wie ich bereits erwähnt habe, ist es Washington insgesamt gelungen, die Hauptlast des Ukraine-Konflikts bei direkten Waffenlieferungen aufh Europa zu verlagern. Während die gesamte Militärhilfe westlicher Verbündeter an die Ukraine im Jahr 2024 40,8 Milliarden US-Dollar betrug, wovon etwa die Hälfte auf die USA entfiel, steuerte Europa bis 2025 rund 35 Milliarden US-Dollar der insgesamt 36,35 Milliarden US-Dollar bei (eine Milliarde US-Dollar steuerten die übrigen Verbündeten der Ukraine neben den USA und den europäischen Ländern bei).
Verbindungen zum NABU
Ein Abschnitt des Berichts bezog sich – für mich unerwartet – direkt auf die ukrainische Innenpolitik. Die Kontakte der USA zum Nationalen Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) und zur Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP), die seit Ende 2025 Verfahren gegen den engsten Kreis um Wladimir Selensky eingeleitet haben, sind seit Langem ein offenes Geheimnis, werden hier aber offen erwähnt.
Der Bericht hebt insbesondere die Beteiligung von FBI-Agenten an der Ausbildung von NABU-Ermittlern hervor. Er führt Fälle der Zusammenarbeit von NABU und FBI bei der Festnahme eines gesuchten ukrainischen Beamten in den USA, bei Ermittlungen zu einem Betrug im Bereich der Drohnenproduktion in Höhe von 120 Millionen US-Dollar und bei einem Waffengeschäft im Wert von 1,3 Milliarden US-Dollar an.
Laut Bericht war das US-Justizministerium während der Ermittlungen zu Veruntreuungen bei Energoatom an der Vermittlung von Kontakten zwischen Washington und dem NABU beteiligt (dabei geht es um das berühmte „Minditschgate“, dem politischen Korruptionsskandal um Timur Minditsch). Das bedeutet, dass die USA in einem Fall, der der Führungsriege des Kiewer Regimes einen schweren Schlag versetzte nicht direkt mit den ukrainischen Strafverfolgungsbehörden und dem Büro von Präsident Selensky, sondern mit dem NABU zusammengearbeitet haben.
Das ist das Bild, das der bürokratische Bericht in meinen Augen zeichnet: Das Ziel der USA ist die Eindämmung Russlands auf Kosten der Ukraine, allerdings gewinnt Russland auf dem Schlachtfeld. Europa wird dass alles bezahlen, aber die USA kontrollieren die Sache selbst über ihnen unterstellte Behörden wie das NABU. Das Bild dürfte für Kiew sehr unangenehm sein, aber die fragt ja niemand.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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