In „Quo vadis Pommern? – Der Vertrag von Grimnitz und was man darüber wissen sollte“ in der Pommerschen Zeitung vom 5. Juni ging es um die Einigung zwischen den pommerschen Herzögen, die die Reichsunmittelbarkeit zugesprochen erhielten, und den brandenburgischen Markgrafen, die auf die Lehnshoheit über Pommern verzichteten und im Gegenzug die Erbfolge ihrer Nachfahren über Pommern sicherten.
Für die pommersche Geschichte hatte dies – wie wir berichteten – zur Folge, dass mit dem Tod des letzten pommerschen Herzogs, Bogislaw XIV. (1580–1637), ein über drei Jahrhunderte währender Kampf der Brandenburger und späteren Preußen gegen die Schweden um die Einheit Pommerns entbrannte. Dieser manifestiert sich heute noch in Pommern durch zwei Landungssäulen – die sogenannten „Preußensäulen“.
Die über 15 Meter hohen Säulen erinnern als Denkmäler, die 1854 und 1855 im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861) an der Südküste Rügens errichtet wurden, an die Landung des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1620–1688) bei Neukamp am 13. September 1678 und an die Landung des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) bei Groß Stresow am 15. November 1715. Fürst Wilhelm zu Putbus (1833–1907) schenkte seinem König Friedrich Wilhelm IV. – so die Überlieferung – das Gelände mit den Bauplätzen zur Errichtung beider „Preußensäulen“ in Groß Stresow und Neukamp.
Zunächst umstrittene Landungsorte
Lange waren die Orte der Landung übrigens unklar und umstritten. Mit der geplanten Aufstellung der „Preußensäulen“ in Groß Stresow und Neukamp durch den Nachfahren Friedrich Wilhelms IV. wurde jedoch herausgearbeitet, dass es sich bei der Landung des Soldatenkönigs um die Muglitzer Schanze handelte – das hatte Ernst Heinrich Wackenroder (1660–1734) in „Altes und Neues Rügen“ festgehalten. Die Landung des Großen Kurfürsten beschrieb der Rüganer Julius von Bohlen (1820–1882) in seinen Niederschriften „Neuen Camp“.
Die Landung bei Neukamp – in dem 1881 dem deutschen Kaiser Wilhelm I. (1797–1888) gewidmeten Werk „Die Hohenzollern“, welches im Leipziger Verlag F.A. Berger erschien, ist hierzu vermerkt: „Das Jahr 1678 brachte noch weitere Erfolge. Zuerst landeten die Brandenburger unter dem Schutz ihrer Fregatten auf Rügen und bemächtigten sich in wenigen Tagen der ganzen Insel. Danach rückten sie vor Stralsund und Greifswald, die letzten Orte Pommerns, in denen sich die Schweden behaupteten. Beide fielen nach kurzer Zeit, und besonderen Eindruck machte hierbei, dass Stralsund, an dessen Mauern Wallenstein sich dereinst vergeblich abgemüht hatte, von Friedrich Wilhelm I. binnen sechzehn Stunden genommen wurde.“
Die Landung des Soldatenkönigs bei Groß Stresow – die Preußen wurden vom „Alten Dessauer“ Leopold I. von Anhalt-Dessau (1676–1747) geführt, mit dänischer Unterstützung – erfolgte am 15. November 1715 zwischen 16 und 18 Uhr mit der Ausschiffung der Infanterie. Bis Mitternacht hatte man sich bereits auch auf dem Festland verschanzt. Nur vier Stunden später griff der schwedische König Karl XII. mit 20 Schwadronen, 1000 Mann Infanterie und acht Geschützen an – ohne Erfolg! Dem Monarchen wurde sogar das Pferd unter seinem Leibe abgeschossen und nur ein Pistolenschuss bewahrte ihn letztlich davor, von einem dänischen Offizier niedergestreckt zu werden. Mit Hilfe des Grafen Poniatowski gelang ihm damals die Flucht aus dem Schlachtengewühl in seine Heimat. Das von den Schweden noch gehaltene Stralsund ergab sich am 23. Dezember 1715.
Verknüpfung mit Rügens Sagenwelt
Wenn man alten Überlieferungen glauben mag, dann hat der Stresower Fischer Johann Meußling einst auf dem Dach seines alten Katens ein weißes Laken gespannt und so den anlandenden Truppen nach Groß Stresow den Weg gewiesen. Der Katen wurde seither als „Verräterhaus“ bezeichnet. Um Meußling entspannen sich in der Folge die wildesten Gerüchte. Seiner Familie blieb nur die Auswanderung, sie kehrte später aber wieder zurück.
Die Statuen bestehen aus sächsischem Sandstein, die Säulentrommeln wurden aus einem der größten Findlinge Norddeutschlands, dem Großen Stein bei Nardevitz auf Rügens Halbinsel Jasmund, geschlagen. Reste des Steins findet man heute noch. Die Gesamtkosten beliefen sich seinerzeit auf 6815 Reichstaler.
Seit der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die „Preußensäulen“ Mitte des 19. Jahrhunderts aufstellen ließ, gehörten die Denkmäler, die nach den Plänen des Architekten Friedrich August Stüler (1800–1865) ausgeführt und von den etwa 3,40 Meter hohen Standbildern der Monarchen vom Bildhauer Wilhelm Stürmer (1813–1885) bekrönt wurden, zur Identität der Insel Rügen und der erwähnten Orte.
Das erklärt, weshalb sich die Gemüter auf der Insel in der Zeit des politischen Umbruchs Anfang der 1990er Jahre erhitzten, als neben zahlreichen anderen Kulturdenkmälern auch die „Preußensäulen“ plötzlich im November 1991 verschwanden. Ursächlich war ein Gutachten der VEB Denkmalpflege Dresden aus dem Jahre 1985, das die Standfestigkeit der Landungssäulen in Frage stellte.
(Fortsetzung folgt)