König Friedrich Wilhelm IV. ließ 1854 und 1855 zwei Säulen an Rügens Südküste errichten, die an die Landung seiner Vorfahren – des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1620–1688) bei Neukamp am 13. September 1678 und des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) bei Groß Stresow am 15. November 1715 – erinnern sollten: die Preußensäulen.
Schon in den 1970er Jahren trieb die Rüganer der Gedanke um, wie die Kulturdenkmäler denn zukünftig zu erhalten wären. Dann 1985, etwa 130 Jahre nach ihrer Errichtung, untersuchten Mitarbeiter des VEB Denkmalpflege Dresden die Landungssäulen und stellten deren Standfestigkeit infrage. So kam es, dass am 11. September 1990 – in den letzten Tagen der DDR – die Entscheidung zum Abtrag beider Säulen fiel.
Zur Erinnerung: In und um Putbus verschwanden damals viele Denkmäler – nicht nur die beiden Säulen. Auch kulturelle Einrichtungen – wie das Kino, das Theater oder die Bibliothek – schlossen oder waren gefährdet. Damals war eine Zeit des kulturellen Kahlschlags, und dieser erzeugte viel Unmut. Daher initiierte zunächst Marin Haase eine Sammlung von Unterschriften für die Rückkehr der Säulen, die bald erweitert wurde.
Bürger kämpften für die Säulen
Was als Bürgerinitiative begann, führte 1993 zur Gründung des „Vereins zur Erhaltung der Preußensäulen“, dessen Ziel nicht nur die Wiederaufstellung der Säulen war, sondern auch das Thema „am Kochen“ zu halten. Das gelang neben der Pressearbeit auch durch das 1994 gegründete Bündnis für Rügen (BfR), das immer wieder die Wiedererrichtung der Preußensäulen im Kreistag Rügen zum Thema machte.
Doch das Ringen war zäh: Dem Landkreis Rügen als Eigentümer der Kulturdenkmäler fehlte es an Geld. Und so blieben die beiden demontierten Säulen, die wie die Statuen vom Großen Kurfürsten und vom Soldatenkönig zahlreiche Schäden aufwiesen, zunächst über Jahre in der Werkstatt des Berliner Steinmetzmeisters, der die Säulen 1991 abgetragen hatte – als Faustpfand des Auftrags zum Wiederaufbau.
Die Rüganer schrieben derweil an Louis Ferdinand Prinz von Preußen (1907-1994), den Chef des Hauses Hohenzollern, reisten nach Berlin, um bei den demontierten Säulenteilen nach dem Rechten zu sehen, und luden immer wieder zu Gesprächen mit Verantwortlichen nach Vilmnitz ein. Denn die Zeit ging ins Land. Nach zehn Jahren nach dem Abtrag der Säulen riss den Rüganern schließlich doch der Geduldsfaden. Bei einem Treffen von Politik, Wirtschaft und Vereinsmitgliedern, zu der damals Rügens Kreistagspräsidentin Gesine Skrzepski eingeladen hatte, kam es zu einem Strategiewechsel. Dazu trug auch eine Arbeitsgruppe bei, die die Verträge mit dem Steinmetz und seine abgerechneten Leistungen prüfte.
2003 schlug die Arbeitsgruppe „Preußensäulen“ einen Stufenplan vor: Er sah zunächst die Herrichtung der Postamente, dann die Aufrichtung der Trommeln und Kapitelle und schließlich die Krönung durch die beiden Standbilder vor. Für die Gelder klopfte man damals sogar beim einstigen preußischen Verbündeten, dem Königshaus Dänemark, und dem Gegner der Kriege um Pommerns Einheit, dem Königshaus Schweden, an.
2004 konnte dann das erste Postament in Groß Stresow wieder entstehen. Im September 2005 kehrten sogar die originalen Teile der Preußensäulen endlich wieder auf die Insel zurück. Gelagert auf einer Freifläche in Putbus, wo einst der „Adler“, eine alte Gaststätte, stand, rückten die Landungssäulen wieder ins Gedächtnis. 2008 wurde auch das zweite Postament in Neukamp wieder hergerichtet.
Nach über 20 Jahren wurde am 10. Juli 2012 schließlich die Landungssäule wieder mit Originalteilen und Ergänzungen sowie dem historischen Standbild des Großen Kurfürsten von der Denkmalpflege Mühlhausen errichtet. Im November 2015 folgte ihr auch der Wiederaufbau der Preußensäule von Groß Stresow – allerdings mit einer Kopie des Soldatenkönigs –, die vom Dresdner Steinmetz Sven Schubert gefertigt worden war.
Das originale Standbild des Soldatenkönigs wacht heute vor dem Nachbau des sogenannten „Verräterhauses“. Das ursprüngliche Haus wurde vor circa 30 Jahren abgerissen. Auf dem Dach des Vorgängerbaus soll einst der Stresower Johann Meusling ein weißes Laken gespannt und so die Landungsschiffe der Dänen und Preußen in die Stresower Bucht gelotst haben. So gesehen schließt sich hier in Groß Stresow und in Neukamp wieder der Kreis pommerscher Geschichte.
Diese kleinen Wunder, die viele damals nicht mehr für möglich gehalten haben, sind durch die Beharrlichkeit – übrigens eine der Tugenden der Rüganer – umgesetzt worden. Deshalb sollten die Preußensäulen heute wieder für Vorpommern nicht nur als historische Zeugnisse verstanden, sondern auch als Beispiel für den Bürgersinn wahrgenommen werden. Getreu dem Motto: „Geht nicht, gibt’s nicht!“