Angriffe auf den Westen – Weckruf an Regierung und Volk

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Die „FAZ“-Redakteure Reinhard Bingener und Markus Wehner listen Fälle von Attacken auf, die vorwiegend Moskau zugeschrie...

paz.de📅 27.06.2026

Am 1. August 2024 ist der Tiergartenmörder Wadim Krassikow zurück in Moskau. Präsident Putin begrüßt ihn am Flughafen mit einem Blumenstrauß und dem Ruf „Klasse“. Ende 2006 stirbt in London der ehemalige russische Geheimdienstoffizier Alexander Litwinenko nach einem Giftattentat. Im Frühjahr 2015 wird der Bundestag durch einen russischen Cyber-Angriff teilweise lahmgelegt. Die Meldungen über beschädigte Daten- und Stromkabel und Erdgasleitungen in Nord- und Ostsee nehmen kein Ende.

Es sind haarsträubende Fälle, welche die beiden „FAZ“-Redakteure in ihrem Buch „Der stille Krieg“ auflisten. Ihre These: Russland und China führen längst einen stillen Krieg gegen den Westen. Die Autoren nennen drei Bereiche, in denen die westlichen Demokratien attackiert werden: durch gezielte Desinformationen und Verleumdungen, durch Spionage und durch Sabotage.
Das geschieht mit unterschiedlichen Mitteln, die in Moskau von drei Geheimdiensten vorgenommen werden. Für drastischste Fälle gibt Putin persönlich sein Placet. Morde an Dissidenten und Gegnern sind die spektakulärsten Aktionen, was russischen Diensten ausdrücklich gestattet ist. Sabotageakte äußern sich in Anschlägen auf Unterwasserverbindungen, in Brandanschlägen und Attentaten mittels versteckten Sprengstoffs. Die in jüngster Zeit rasant zugenommenen Hacker-Angriffe auf lebenswichtige Infrastruktur in Wirtschaft und Gesellschaft verursachen nicht nur einem enormen wirtschaftlichen, sondern auch politischen Schaden. Die in hoher Intensität laufenden Desinformationskampagnen über soziale Medien führen zu Vertrauensverlust in die Regierenden und zur Verrohung des öffentlichen Klimas.

Eine perfide Waffe ist die „instrumentalisierte Migration“. Der weißrussische Präsident Lukaschenko hatte das gezeigt, als er Tausende Flüchtlinge auf die polnische Grenze hetzte, um Westeuropa zu destabilisieren. Dass es immer wieder gelingt, unter westlichen Politikern Sympathisanten zu finden, wird von den Autoren gerade mit Blick auf die SPD fast schon diffamierend kritisiert. Vielleicht am schlimmsten: Die westlichen Staaten sind auf diese kaltblütig und gut geplanten Attacken nur unzureichend vorbereitet.

Man könnte das Buch wie einen spannenden Krimi lesen, würde es nicht eine so beängstigende Realität wiedergeben. Es ist ein Weckruf sowohl an Regierung und Bevölkerung, sich der wachsenden Bedrohung bewusst zu werden.

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