An welchen Alternativen zur Straße von Hormus gearbeitet wird

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Der von den USA erneut angefachte Irankrieg hat erneut zur Schließung der Straße von Hormus geführt. Ein russischer Expe...

anti-spiegel.ru📅 18.07.2026
Ölkrise

An welchen Alternativen zur Straße von Hormus gearbeitet wird

Der von den USA angefangene Irankrieg hat erneut zur Schließung der Straße von Hormus geführt, was die weltweite Ölkrise verschärfen wird. Welche Alternativen gibt es zur Straße von Hormus und wann könnten sie Entlastung bringen?

Der von den USA erneut angefachte Irankrieg hat erneut zur Schließung der Straße von Hormus geführt. Ein russischer Experte hat für die TASS erklärt, welche Alternativen zur Straße von Hormus es gibt und ich habe seinen Artikel übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Plan B beim Öl: Die drei wichtigsten Alternativen zur Straße von Hormus

Igor Juschkow, Experte der Finanzuniversität und des Nationalen Energiesicherheitsfonds, darüber, wie die Golfstaaten versuchen, ihre Ölexporte zu retten, welche Rolle die USA dabei spielen und was bei den Preisen zu erwarten ist.

Die Ruhe auf den globalen Energiemärkten währte nicht lange. Eigentlich haben die USA und der Iran am 17. Juni ein Memorandum unterzeichnet, das die Grundlage für ein umfassendes Abkommen zur Beilegung des Konflikts und zur Festlegung eines Formats er Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen bilden sollte. Doch weniger als einen Monat später nahmen beide Seiten die großangelegten Luftangriffe wieder auf, was das Ende der Waffenruhe und den faktischen Bruch des Abkommens bedeutete.

Nun wird es für Washington und Teheran noch schwieriger, einen Kompromiss zu erzielen. Zwischen ihnen bestand bereits ein tiefes Misstrauen und die neuen Zusammenstöße untergraben die Möglichkeit eines Dialogs.

Ohne Vertrauen in Washington

Dennoch ist eine Wiederaufnahme der Verhandlungen möglich, wenn die direkten Verhandlungsteams und faktisch die Regierungen beider Länder ausgetauscht werden. Die nächste Präsidentschaftswahl in den USA liegt jedoch noch in weiter Ferne und der Iran hat bereits bewiesen, dass er auch nach dem Tod der Staatsführung Kontinuität wahren kann.

Unter diesen Umständen greifen die USA auf Plan B zurück, um Öl aus dem Nahen Osten auf den Weltmarkt zu bringen.

Früher hatte Washington gehofft, mit dem Iran eine Einigung zur Öffnung der Straße von Hormus zu erzielen. Die Amerikaner haben ihrerseits sogar die Beschlagnahmung von Tankern mit iranischem Öl am Ausgang der Straße, im Golf von Oman, eingestellt und eine Generallizenz (eine vorübergehende Ausnahmeregelung von den Sanktionen) erteilt, die den uneingeschränkten Kauf von Öl und Gas aus dem Iran erlaubte. Nach dem Scheitern der Einigung wurde die Lizenz jedoch widerrufen und die Seeblockade wieder vollständig in Kraft gesetzt.

Der Plan B der USA besteht aus zwei Teilen. Erstens wollen die USA eine südliche Route durch die Straße von Hormus schaffen. Diese Route würde vor der Küste Omans verlaufen, so weit wie möglich von Iran entfernt. Das US-Militär konzentriert sich derzeit auf Angriffe gegen iranische Schiffsortungssysteme, die Infrastruktur des Geheimdienstes und militärische Küstenanlagen. Das Ziel der USA ist es, Teheran daran zu hindern, Tanker in der Nähe Omans zu orten und diese anzugreifen.

Das Problem dieser Strategie ist, dass Reeder und (vor allem) Versicherer den Sicherheitsgarantien Washingtons nicht vertrauen. Folglich wird ein regulärer Schiffsverkehr auf der südlichen Route durch die Straße von Hormus nicht möglich sein, solange auch nur ein geringes Risiko von Angriffen auf Tanker besteht. Iran greift unterdessen regelmäßig Schiffe an, die versuchen, die Straße über unkoordinierte Korridore zu durchfahren.

Der zweite Teil des US-Plans ist der Bau und Ausbau von Landpipelines aus den Ländern der Region.

Saudi-Arabien

Die größte Landroute für Rohölexporte, die die Straße von Hormus umgeht, ist die saudische Ost-West-Ölpipeline. Sie transportiert Öl von den wichtigsten Ölfeldern des Königreichs zum Hafen von Yanbu an der Küste des Roten Meeres. Die Kapazität dieser Pipeline wurde kürzlich auf 7 Millionen Barrel pro Tag erhöht, wodurch bereits der Großteil des saudischen Rohöls exportiert werden kann (obwohl die Erdölprodukte weiterhin im Persischen Golf gefangen sind).

Es wird erwartet, dass Riad in naher Zukunft mit dem Bau einer neuen Pipeline zum Roten Meer beginnen oder die bestehende Infrastruktur weiter ausbauen wird. Die Gesamtkapazität dieses Systems sollte letztendlich der maximal technisch möglichen Förderung des Landes entsprechen. Das entspricht auch der Politik der OPEC+: Die Quoten des Bündnisses steigen stetig und sollten mittelfristig ein Niveau erreichen, das für die Mitgliedsländer keine Einschränkung mehr darstellt.

Auch der Bau einer separaten Pipeline für Erdölprodukte ist möglich. Riad müsste dann entscheiden, welcher Kraftstoff es vorrangig exportieren will. Diesel dürfte aufgrund der hohen Nachfrage auf dem Weltmarkt, insbesondere in Europa, die bevorzugte Wahl sein. Andere Erdölprodukte können notfalls auch mit weniger effizienten Transportmitteln (Schiene oder Straße) geliefert werden.

Das wichtigste Risiko für die saudischen Häfen am Roten Meer ist weiterhin der Beschuss aus dem Jemen. Und auch der Iran hat den Hafen von Yanbu im Frühjahr 2026 wiederholt angegriffen, auch wenn die beträchtliche Entfernung regelmäßige und kritische Schäden verhindert hat: Der Betrieb des Hafens wurde nach den Angriffen nur kurzzeitig zur Reparatur unterbrochen. Sollten die Huthis im Jemen sich hingegen vollständig in den Konflikt einmischen, wäre es für sie deutlich einfacher, die Häfen des Königreichs am Roten Meer anzugreifen. Das würde eine direkte Bedrohung für den ununterbrochenen Betrieb der Ost-West-Ölpipeline darstellen.

Vereinigte Arabische Emirate

Die Vereinigten Arabischen Emirate betreiben die strategisch wichtige Rohölpipeline Habshan-Fujairah (Abu Dhabi Crude Oil Pipeline, ADCOP), die von den wichtigsten Onshore-Feldern Abu Dhabis zum Hafen von Fujairah im Golf von Oman führt. Sie dient als direkte Alternative zur Straße von Hormus, ihre Kapazität beträgt jedoch nur 1,8 Millionen Barrel pro Tag. Angesichts der zunehmenden Spannungen beschleunigen die VAE den Bau einer neuen Pipeline mit einer Kapazität von 1,5 Millionen Barrel pro Tag, die bis 2027 in Betrieb gehen soll. Das Land erwägt zudem einen weiteren Ausbau seiner Exportinfrastruktur.

Nach dem offiziellen Austritt der VAE aus OPEC und OPEC+ am 1. Mai 2026 ist Abu Dhabi nicht mehr an die Quoten des Bündnisses gebunden. Die staatliche Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) plant, die Ölförderung auf 4,85 Millionen Barrel pro Tag zu steigern, wofür zusätzliche Exportkapazitäten von 1 bis 2 Millionen Barrel pro Tag erforderlich sind.

Die größte Sorge der VAE bleibt die mangelnde Sicherheit des Hafens von Fujairah. Im Frühjahr, auf dem Höhepunkt des bewaffneten Konflikts mit den USA, griff der Iran die Terminals dieses wichtigen Umschlagplatzes an, um die Ölexporte vollständig zu unterbinden. Teheran versuchte, eine maximale Rohölverknappung herbeizuführen und die Weltmarktpreise in die Höhe zu treiben, um Druck auf die westlichen Volkswirtschaften auszuüben. Die iranischen Angriffe führten zur Lähmung des Hafens, woraufhin Unternehmen ihr Personal aus der gefährlichen Anlage evakuierten.

Alle Exportterminals der VAE im Golf von Oman liegen geografisch zu nah an der iranischen Küste, um ihre absolute Sicherheit zu gewährleisten. Dabei zeigt allein die Tatsache, dass die Emirate weiterhin in den Bau einer Ölpipeline nach Fujairah investieren, ihre mangelnde Bereitschaft, mit Saudi-Arabien über den Rohöltransit durch saudisches Territorium zum Roten Meer zu verhandeln. Die geopolitische Rivalität zwischen den beiden Golfstaaten hat sich nach Abu Dhabis Demarche und dem Ausstieg aus dem OPEC+-Abkommen weiter verschärft.

Irak

Auch der Irak will seine Exportrouten diversifizieren. Obwohl Bagdad während der Sperrung der Straße von Hormus wiederholt mit Teheran über die Durchfahrt seiner Tanker verhandelt hat, benötigt das Land weiterhin zuverlässige Versorgungswege. Der Irak nutzt seit Langem die Kirkuk-Ceyhan-Pipeline, die es Tankern ermöglicht, in einem türkischen Mittelmeerhafen beladen zu werden. Ihre Kapazität von 1,6 Millionen Barrel pro Tag reicht jedoch nicht aus, um die Straße von Hormus für den Transport irakischen Öls vollständig zu ersetzen. Zudem konzentrierte sich diese Pipeline bisher auf den Export von Rohöl aus dem irakischen Kurdistan, also aus den Feldern im Norden des Landes.

Bagdad erwägt eine Erweiterung der Pipeline nach Ceyhan, aber dafür wäre eine Modernisierung des gesamten nationalen Öltransportsystems nötig, um die Fördermengen von den südlichen Feldern in den Norden umzuleiten. Ein positiver Faktor für den Irak ist der Rückgang der Förderung in Aserbaidschan, das derzeit der wichtigste Lieferant für das Exportterminal in Ceyhan ist. Die über das Baku-Tiflis-Ceyhan-System transportierten Ölmengen sinken jährlich. Da die Türkei ein starkes Interesse am Erhalt der Kapazitäten von Ceyhan hat, verbessert das die Verhandlungsposition des Irak hinsichtlich des Transits und der Umladung von Erdölprodukten erheblich.

Allerdings ist kürzlich ein alternatives, von den USA aktiv gefördertes Projekt ins Leben gerufen worden. Es sieht vor, irakisches Öl über syrische Häfen umzuleiten. Im Juli 2026 führte der US-Sondergesandte für Syrien und den Irak Thomas Barrack eine Reihe von Gesprächen mit Vertretern beider Länder sowie mit dem Management von Chevron und mehreren anderen Unternehmen. Die Parteien erörtern die Wiederinbetriebnahme der seit Langem stillgelegten, 800 Kilometer langen Kirkuk-Baniyas-Pipeline, die vom Irak an die syrische Westküste verläuft. Diese 1952 erbaute Pipeline wurde während des Iran-Irak-Krieges (1980–1988) stillgelegt und nach der von den USA angeführten Invasion im Irak 2003 schwer beschädigt. Seitdem ist sie außer Betrieb. Die Wiederaufnahme des Projekts erfordert massive Investitionen, da mehrere technische Anlagen und ganze Abschnitte der Pipeline neu gebaut werden müssen.

Dabei werden Unternehmen aus zwei Hauptgründen zögern, in die Wiederherstellung der Pipeline zu investieren. Erstens wird Syrien von Investoren weiterhin als äußerst instabile Region wahrgenommen. Zweitens könnten Ölkonzerne, sollte die Schifffahrt in der Straße von Hormus vollständig wieder aufgenommen werden, zu ihren alten Logistikmustern zurückkehren, wodurch die neuen Kapazitäten ungenutzt blieben und ihre Investitionen verloren gingen.

Fazit

Nach der erneuten Schließung der Straße von Hormus werden die Golfstaaten unweigerlich den Bau alternativer Landrouten und Pipelines beschleunigen. Das stellt eine erhebliche finanzielle Belastung für sie dar, da ein hohes Risiko besteht, dass die neuen Kapazitäten bei einer sicheren Wiederaufnahme der Schifffahrt nicht genutzt werden. Dennoch können sich die Exporteure ihre Abhängigkeit von einem einzigen, anfälligen Seeweg nicht länger leisten.

Zum jetzigen Zeitpunkt können neue Ölpipelineprojekte den Engpass jedoch nicht schnell beheben. Die ersten zusätzlichen Kapazitäten werden erst 2027 auf den Markt kommen. Das bedeutet, dass die derzeitige Schließung der Straße von Hormuz die globalen Ölpreise erneut in die Höhe treiben wird.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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