Abkehr vom Westen? – „Das Ende eines Traums“

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Jana Hensel erklärt, warum immer mehr Menschen im Osten das Vertrauen in die Politik verloren haben

paz.de📅 29.08.2026

Die Menschen im Osten Deutschlands wollen nicht mehr, sie machen Schluss, es bringt nichts mehr“. Das schreibt die Journalistin Jana Hensel, in Leipzig aufgewachsen, noch mit „DDR-Erfahrung“ und eine der wenigen erfolgreichen Journalistinnen aus Mitteldeutschland im Westen, über Haltung und Einstellungen der dortigen Menschen zum Westen und zur liberalen Demokratie. Es sei, wie sie durchaus mit Trauer schreibt, ein „Buch über das Ende eines Traums, über das Ende einer Ära“.

In einer Mischung aus Reportage, Interviews und persönlicher Eindrücke blickt die Autorin darauf, was die Gründe für die Hinwendung der Menschen zur AfD sein könnten. Über 35 Jahre sind seit der Wende vergangen; die Ausgangslage im vereinten Deutschland kann man sich im Westen oft gar nicht vorstellen. Hensel erinnert daran, dass die große Mehrheit nach der Wende links wählte und erst deutlich nach dem „Flüchtlingsjahr“ 2015, nach rechts driftete.

Journalistische Kabinettstückchen sind die Interviews mit der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig, mit den AFD-Politikern Tino Chrupalla und Maximilian Krah sowie Politikerinnen von den Grünen und dem BSW. Schwesig hat im September Landtagswahlen vor sich und kämpft darum, die AfD klein zu halten. Krah ist ein Gernegroß, während Chrupalla durchaus bedenkenswerte Ansichten zur Entwicklung im Osten hat.

Erschreckend ist die schroffe Ablehnung des westlichen Politik- und Wirtschaftsmodells. Für den Osten, sagt eine frühere Oberbürgerbürgermeisterin von Eisenach, jetzt für das BSW in der Regierung in Erfurt, kam zu viel zusammen: wirtschaftlicher Absturz, nicht gehört und nicht akzeptiert zu werden, kaum Spitzenpositionen. Lange habe der Osten politischen Durchhaltewillen bewiesen. Westliche Leser sollten nicht gleich Gegenrede und Gegenargumente finden, sondern die bitteren Passagen zunächst überdenken. Denn hinter aller Ablehnung im Osten stecke vor allem die Sehnsucht nach Gleichberechtigung, Teilhabe und Aufstieg, was die „Anti-Demokraten der AfD“ nicht erfüllen könnten.

Muss man den Glauben an eine Nation aufgeben? Wohl nicht. Ein Blick etwa nach Italien zeigt, dass sich das Land trotz der großen Spaltung zwischen Nord und Süd wie selbstverständlich als Einheit sieht.

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