Wie die USA mit ihrem Krieg gegen den Iran das Vertrauen in den Dollar untergraben
Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) aus OPEC- und OPEC+ war für die internationalen Energiemärkte ein Donnerschlag. Und auch für Status des US-Dollar als Weltreservewährung könnten der Schritt und die möglichen Folgen erhebliche Auswirkungen haben.
Eine russische Wirtschaftsprofessorin hat diese recht komplizierte Materie in einem Artikel für die TASS erklärt und ich habe den Artikel übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
Die VAE fordern Hilfe und verlassen die OPEC: Wie die USA mit ihrem Krieg gegen den Iran das Vertrauen in den Dollar untergraben
Xenia Bondarenko, außerordentliche Professorin am Lehrstuhl für Weltwirtschaft der Nationalen Forschungsuniversität und promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin, erörtert die Risiken für die VAE und die Abwicklung von Ölgeschäften.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben laut dem Wall Street Journal die Möglichkeit finanzieller Unterstützung durch die USA – genauer gesagt, die Einrichtung einer Währungsswap-Linie – ins Spiel gebracht, falls der Krieg im Nahen Osten andauert und sich die wirtschaftlichen Probleme der VAE verschärfen. Die Risiken sind in der Tat hoch, nicht nur für die Golfstaaten, sondern auch für den Dollar. Die USA untergraben mit ihrem Konflikt mit dem Iran ganz klar das Vertrauen in sich selbst und ihre Währung.
In diesem Zusammenhang darf man nicht vergessen, dass die Vereinigten Arabischen Emirate am 28. April ihren Austritt aus der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) und der OPEC+ (OPEC und andere große Ölförderländer) zum 1. Mai bekannt gaben.
Vom Öl getragen
Die Politik der Bindung des Dirhams, der Währung der VAE, an den US-Dollar basiert auf den konstanten Deviseneinnahmen aus Ölexporten. Seit dem Abkommen zwischen Saudi-Arabien und den USA von 1974 werden die globalen Ölpreise stillschweigend in US-Dollar denominiert. Öl ist zu einer Art „Sicherheit“ für den US-Dollar geworden, was alle unter dem Begriff „Petrodollar“ kennen.
Die VAE können keine Dollar drucken, aber sie können mehr Öl verkaufen. Das bedeutet, dass die Höhe der Einnahmen aus einem festen Wechselkurs vom Ölpreis und den Exportmengen abhängt. Ich muss hier darauf hinweisen, dass der Ölsektor – anders als die amerikanische „Druckpresse“, die auf Abruf arbeitet (die US-Staatsverschuldung überstieg übrigens kürzlich 39 Billionen Dollar) – durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Letztere umfasst unter anderem Reserven, Spezifika der Förderung, Prozesse zur Realisierung der Produktion und Vereinbarungen innerhalb der OPEC und OPEC+.
Fakt ist jedoch: Im Nahen Osten konnte man für einen Barrel Öl seit 1974 problemlos US-Dollar bekommen. Das Wichtigste ist, dass man dieses Öl auch verkaufen kann.
30 Jahre Stabilität
Der Dirham der VAE (AED) ist seit 1997 an den US-Dollar gekoppelt und seither stabil. Der Wechselkurs liegt bei 3,67 AED pro US-Dollar.
Der Dirhams ist gegenüber dem Dollar seit fast drei Jahrzehnten stabil, weshalb der Ölpreis in den VAE einer der niedrigsten weltweit ist. Laut IWF lag der sogenannte externe Break-Even-Punkt im Jahr 2025 bei lediglich rund 34,3 US-Dollar pro Barrel. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das, dass das Land nur dann zusätzliche Devisen zur Finanzierung seines Defizits benötigt (beispielsweise für Importe oder ausländische Arbeitskräfte), wenn der Ölpreis unter dieses Niveau fällt. Dieses niedrige Niveau ist eine Folge der höheren wirtschaftlichen Diversifizierung der VAE im Vergleich zu anderen Golfstaaten (die Ölförderung hat 2024/25 23 bis 24 Prozent zur Bruttowertschöpfung beigetragen) und der besonderen Beschaffenheit des geförderten Öls (es ist leicht und hochwertig)
Außerdem haben die VAE enorme monetäre und fiskalische Reserven. Erstere sind die Reserven der Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate, die sich im Februar 2026 auf 302,4 Milliarden US-Dollar beliefen (über 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts). Zu den größten fiskalischen Reserven zählen die Vermögenswerte der Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), die laut dem Sovereign Wealth Fund Institute 993 Milliarden US-Dollar (174 Prozent des BIP der VAE) betragen, und die Investment Corporation of Dubai (ICD) mit rund 341 Milliarden US-Dollar (60 Prozent des BIP der VAE). Das Land verfügt außerdem über einen föderalen Staatsfonds (Emirates Investment Authority, EIA), dessen Vermögenshöhe nicht offengelegt wird.
Drittens, und dies ist teilweise eine Folge des vorherigen Punktes, haben die VAE offenbar eine signifikant positive Lage bei den Nettoauslandsinvestitionen. Das bedeutet, dass das Land mehr im Ausland investiert, als ausländische Investoren in seine Wirtschaft investieren. Ich kann diesen Punkt statistisch nicht bestätigen, da die VAE diese Daten nicht offiziell veröffentlichen. Die Tatsache jedoch, dass die Vermögenswerte von ADIA und ICD, dem Hauptbestandteil der Reserven, hauptsächlich im Ausland angelegt sind, stützt diese These.
Die VAE waren somit historisch gesehen durch ihren niedrigen externen Ölpreis-Break-Even-Punkt und ihre relativ diversifizierte Wirtschaft vor Energiekrisen und fallenden Energiepreisen geschützt. Hohe angesammelte Reserven und positive Reserven bewahrten sie zudem vor Finanzkrisen und Kapitalabflüssen. Daher zwang keine der Krisen, die in den letzten 30 Jahren immer wieder auftraten, die VAE zu einer Währungsabwertung oder einer Änderung ihres Wechselkurssystems. Darüber hinaus haben das Land insgesamt und insbesondere die einzelnen Emirate bis zu den jüngsten Ereignissen Reserven angehäuft und ihre Binnenwirtschaft und ihre Außenposition weiter gestärkt. All das geschah ohne physische Hindernisse für die Ölexporte der VAE.
Warum brauchen die VAE Swap-Linien?
Der jetzige Rückgang der Öl- und Gasexporte, Kapitalabflüsse, sinkende Tourismuseinnahmen und andere wirtschaftliche Herausforderungen verdeutlichen die erheblichen Risiken für die VAE. Aktualisierte Statistiken zu den Währungsreserven für März wurden noch nicht veröffentlicht, doch scheinen die Reserven der Zentralbank aufgrund von Interventionen am Devisenmarkt gesunken zu sein. Fiskalreserven sind weniger liquide und lassen sich nur schwer zur Stützung des Wechselkurses einsetzen. Unter diesen Umständen signalisiert der Austritt der VAE aus der OPEC und OPEC+ zusätzlich erhöhte inländische Risiken und die Absicht des Landes, seine Deviseneinnahmen aus dem Ölexport durch eine Steigerung der Fördermengen wieder aufzustocken (wie oben beschrieben: mehr Öl verkaufen, mehr Devisen einnehmen).
Noch weiß niemand, wie Saudi-Arabien auf diesen Schritt reagieren wird. Trotz der blockierten Ölversorgungsroute durch die Straße von Hormus können die VAE über die Habshan-Fujairah-Pipeline mit einer Kapazität von 1,5 Millionen Barrel pro Tag jedoch weiterhin Öl aus Onshore-Feldern exportieren (55 Prozent der gesamten Öl- und Gasexporte des Landes).
Zur Erklärung: Saudi-Arabien ist der inoffizielle Anführer der OPEC und der wichtigste „Regulierer“ der Ölpreise. Riad und Abu Dhabi verbindet eine langjährige strategische Rivalität und der Austritt der VAE aus der Organisation stellt für die saudische Vormachtstellung eine direkte Herausforderung dar.
Wie bereits erwähnt, haben die VAE bei den USA Währungsswaplinien beantragt, um im Falle höherer Gewalt über einen zusätzlichen Liquiditätspuffer zu verfügen. Dieser Antrag in US-Dollar und sein Tonfall spiegeln jedoch nicht nur wirtschaftliche Notwendigkeit wider, sondern deuten auch darauf hin, dass es die US-Entscheidung zum Angriff auf den Iran war, die den gesamten Nahen Osten, einschließlich der VAE, in den Konflikt hineingezogen hat. Daher tragen die USA die Folgen dieser Entscheidungen größtenteils selbst. Die Bereitstellung einer Währungsswaplinie ist ein Weg, das Vertrauen der Investoren in die Position der VAE zu stärken und Länderrisiken zu mindern sowie, zumindest indirekt, die USA dazu zu zwingen, Verantwortung für die Ereignisse in der Region zu übernehmen (wenn auch nur finanziell).
Währungsswaplinie
Das ist eine bilaterale Vereinbarung zwischen Zentralbanken zum Währungstausch (eine davon ist üblicherweise eine Reservewährung) zu einem festen Kurs mit der Verpflichtung, die gleichen Währungen nach einer festgelegten Frist (in der Regel gegen Zinsen) wieder zurückzutauschen. Bei einem Mangel an Dollar ermöglicht das den notwendigen Zufluss von Währungsliquidität (Dollar-Liquidität) zur Stützung des Wechselkurses. Das ist deutlich günstiger als ein Kredit und viel bequemer, da es sofort genutzt werden kann.
In den USA werden Dollar-Swaplinien vom Federal Reserve System (Fed) kontrolliert. Dieses hat ständige Vereinbarungen mit den Zentralbanken der EU, Großbritanniens, Kanadas, Japans und der Schweiz. Während der Krisenjahre eröffnete die Fed auch Swaplinien für andere Länder: beispielsweise für Schweden, Dänemark und Norwegen im Jahr 2008 sowie für Mexiko, Südkorea und Brasilien im Jahr 2020.
Wichtig ist, dass die Federal Reserve US-Dollar-Swaplinien in der Regel sofort eröffnet, wenn die Risiken für die US-Wirtschaft oder ihr Finanzsystem steigen (beispielsweise um Kapitalabflüsse zu verhindern). Durch die Bereitstellung von Liquidität schützen sich die USA somit selbst noch stärker, als sie andere Länder unterstützen. Die VAE hingegen sind weniger stark vom US-Markt abhängig und etwaige Risiken, die sich im Land realisieren, dürften keine signifikanten negativen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft oder den Finanzsektor haben. Daher waren diese Swap-Linien für die USA zunächst nicht von besonderem Interesse – bis die Diskussion auf Öl und den Dollar kam.
„Erzwungene“ Abkehr vom Dollar
Bei der Bitte um finanzielle Unterstützung gaben Vertreter der VAE an, dass das Land im Falle eines Mangels an Dollar wahrscheinlich gezwungen wäre, für Ölverkäufe und andere Transaktionen auf chinesische Yuan oder Fremdwährungen umzusteigen. Und warum auch nicht?
Der Trend weg von Dollarzahlungen und hin zu einer verstärkten Nutzung nationaler Währungen ist in Schwellenländern besonders ausgeprägt. Zu den Schlüsselfaktoren zählen der zunehmende geopolitische und wirtschaftliche Druck der USA (einschließlich Handelskriege, Zölle, Sanktionen und anderer Maßnahmen) sowie die verstärkte Zusammenarbeit der Länder in strategischen Belangen, die Entwicklung elektronischer Zahlungen und alternativer Zahlungssysteme.
Im Dezember 2022 fand in Riad beispielsweise der Gipfel zwischen China und den arabischen Staaten statt, auf dem unter anderem über Yuan-Zahlungen für Öl und die Ausweitung des Handels gesprochen wurde. Für die Golfstaaten ist China ein wichtiger Handels- und Investitionspartner (sie kooperieren bei der Entwicklung von Technologie-Ökosystemen und Saudi-Arabien hat China sogar als strategischen Partner in sein Reformprogramm „Vision 2030“ aufgenommen). Von 2022 bis 2025 stiegen Chinas jährliche Exporte in die sechs Golfstaaten um 35,9 Prozent (nach Saudi-Arabien um 40,6 Prozent und in die Vereinigten Arabischen Emirate um 35,3 Prozent). Mit Chinas wachsendem internationalen Handel nahm auch das Zahlungsvolumen im nationalen CIPS-System (ähnlich wie SWIFT) zu, in dem Transaktionen und andere Details vor Dritten verborgen bleiben. Analog zum Petrodollar wurde der „Petroyuan“ eingeführt.
Zusätzlich zu diesen Entwicklungen sinkt weltweit das Vertrauen in die USA als verlässlichen geopolitischen und wirtschaftlichen Partner. Gleichzeitig schwächt sich das Vertrauen in die US-Währung weiter ab.
Die amerikanische Wirtschaft leidet weiterhin unter ungelösten und faktisch unlösbaren Problemen. Aufgrund wachsender Haushaltsungleichgewichte haben die drei großen Ratingagenturen – S&P, Fitch und Moody’s – die Kreditwürdigkeit der USA beispielsweise 2011, 2023 bzw. 2025 herabgestuft. Aktuell haben die USA als Emittent der wichtigsten Weltreservewährung von keiner dieser Agenturen über eine Top-Bewertung. 2026 wird die amerikanische Wirtschaft mit zusätzlichem Druck auf die Wirtschaftstätigkeit, einer auf den höchsten Stand seit 30 Jahren steigenden Ungleichheit, Herausforderungen im Finanzsektor und weiteren Faktoren konfrontiert sein. Gleichzeitig nimmt die Wirksamkeit von Sanktionen ab.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass US-Außenminister Marco Rubio im April bemerkte: „In fünf Jahren werden wir [Amerikaner] nicht mehr über Sanktionen sprechen müssen, weil so viele Länder mit anderen Währungen als dem Dollar handeln werden, dass wir keine Sanktionen mehr gegen sie verhängen können.“
Die epischen Folgen der Operation „Epic Fury“
Die Operation „Epic Fury“ der USA und Israels könnte der Weltwirtschaft gravierende Probleme bereiten, insbesondere im Falle einer Wiederaufnahme der Kampfhandlungen. Die Folgen beschränken sich nicht auf den Nahen Osten, obwohl diese Länder am stärksten betroffen sind. Der Inflationsdruck steigt (vor allem durch die steigenden Energiepreise) und die Wirtschaftswachstumsprognosen für die meisten Länder wurden nach unten korrigiert.
Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC ist ein sehr ernster Faktor für den Ölmarkt (im Februar waren die Emirate der drittgrößte Ölproduzent innerhalb der OPEC und der viertgrößte innerhalb der OPEC+). Es scheint, als würden die Emirate nach dem Rückgang im März und April in den kommenden Monaten ihre Ölexporte steigern wollen, wobei ein erheblicher Teil davon nach China gehen und dort in Yuan bezahlt werden könnte. Diese Aussichten könnten die USA dazu veranlassen, den Vereinigten Arabischen Emiraten (oder auch anderen Golfstaaten) Swap-Linien zur Verfügung zu stellen, wenn nicht über die Federal Reserve, dann über das Finanzministerium (wie im Fall Argentiniens). Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass diese Mengen signifikant sein werden. Und vor allem werden sie das Vertrauen in die USA kaum wiederherstellen oder in Schwellenländern den Trend weg von Dollarzahlungen aufhalten.
Zusammengenommen deuten all diese Entwicklungen jedoch nicht auf die endgültige Ablösung des Petrodollars aus dem globalen Finanzsystem hin (da die Trägheit des QWERTY-Systems weiterhin besteht). Sie machen den Petroyuan und die Zunahme von Transaktionen in nationalen Währungen in einer multipolaren Welt und angesichts der zunehmenden Fragmentierung der Weltwirtschaft jedoch zu neuen Instrumenten für internationale Zahlungen.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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