Was wurde aus dem 1+ Million Genome Projekt?

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Woher kamen die Genome und was will man damit machen?

drbine.substack.com📅 28.04.2026

In der Corona-Zeit gingen viele Gerüchte über das 1+ Millionen Genom Projekt herum. Eines der Gerüchte war, dass die Genome von den PCR Tests kommen würden und man die Genome dann für Biologische Kriegsführung nutzen könnte, um bestimmte Bevölkerungsgruppen gezielt zu infizieren oder bestimmte Blutlinien zu identifizieren.

Theoretisch über single nucleotide polymorphisms (SNIPs) möglich, aber das ist nur eine Verschwörungstheorie.

Die Wahrheit ist deutlich langweiliger und weniger unterhaltsam.

Das 1+ Million Genomes (1+MG) Projekt ist ein zentraler Pfeiler der europäischen Digitalstrategie im Gesundheitswesen.

About the 1+MG framework

“Die EU-Leitinitiative „1+ Million Genomes“ (1+MG) zielt darauf ab, einen sicheren Zugang zur Genomik und den entsprechenden klinischen Daten in ganz Europa zu ermöglichen, um bahnbrechende Forschung und gesundheitspolitische Entscheidungen zu unterstützen und Anreize für personalisierte Behandlungen im Gesundheitswesen mit dem Potenzial zur Verbesserung der Krankheitsprävention zu schaffen. Dies ist eines der weltweit größten Projekte im Bereich der Genomik und trägt in erster Linie zur Festlegung globaler Standards in diesem Bereich bei.”

Die angebliche Zielsetzung ist das übliche Marketing blabla:

Schaffung rechtlicher und politischer Rahmenbedingungen: Sicherstellung eines sicheren und funktionsfähigen Austauschs genomischer Daten

Schaffung langfristiger Nachhaltigkeit: Entwicklung von Risikomanagementstrategien und einer engen Zusammenarbeit mit den Interessengruppen

Förderung der Genomik im Gesundheitswesen:

  • Sensibilisierung der Fachkräfte im Gesundheitswesen

  • Bewertung des Reifegrades der Genomik-Einführung in den Gesundheitssystemen

  • Einrichtung einer Bürgerplattform zur Verbesserung des öffentlichen Verständnisses der Genomik

  • Aufzeigen der wirtschaftlichen Vorteile der Genommedizin im Gesundheitswesen

Entwicklung von Datenstandards: Erstellung robuster Ontologien, Metadatenrichtlinien und Sequenzierungsverfahren für die 1+MG-Infrastruktur

Bessere Gesundheit und bessere Behandlungsmethoden

Forscher und Ärzte werden in der Lage sein, die genetischen und klinischen Daten von Patienten gleichzeitig zu vergleichen. Dies wird ihnen helfen, Krankheiten früher zu erkennen, den Krankheitsverlauf vorherzusagen und die besten Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit zu ermitteln.

Wirtschaftliche Vorteile

Fortschritte in der personalisierten Medizin werden die nationalen Gesundheitssysteme effizienter und kostengünstiger machen, und neue Erkenntnisse darüber, wie Gene die Reaktion eines Menschen auf ein Medikament beeinflussen, werden Innovationen und die Entwicklung neuer Produkte in der gesamten Gesundheitsbranche vorantreiben.

In UK sequenziert man direkt 100.000 Neugeborene.

Während das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Beitritt Deutschlands im Jahr 2020 gemeinsam mit dem BMG initiierte, wird die praktische Umsetzung im Inland durch die Initiative genomDE vorangetrieben.

genomDE steht für Nationale Strategie für Genommedizin.

genomDE ist eine staatlich initiierte und finanzierte Initiative, wird aber operativ durch eine Mischung aus öffentlichen Institutionen und einer wissenschaftlichen Vernetzungsplattform gesteuert.

Die staatliche Ebene (Auftraggeber & Finanzierung)

  • Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Es ist der Hauptinitiator. Das BMG hat die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen (insbesondere das Gesetz zum Modellvorhaben Genomsequenzierung nach § 64e SGB V).

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): Es unterstützt die wissenschaftliche Infrastruktur und die Anbindung an die europäische Forschung.

  • Finanzierung: Die Gelder für die klinische Umsetzung (das Modellvorhaben) kommen von den Gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Es handelt sich also um eine Finanzierung aus dem öffentlichen Gesundheitssystem, nicht durch privates Risikokapital.

2. Die operative Steuerung (Koordinierungsstelle)

Die praktische Umsetzung und Vernetzung wird im Auftrag des BMG von der TMF e.V. (Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung) geleitet. Die TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. ist die zentrale Dachorganisation für die medizinische Verbundforschung in Deutschland. Als gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin bildet sie die Brücke zwischen Politik, Wissenschaft und IT-Infrastruktur.

3. Die ausführenden Strukturen

  • Öffentliche Kliniken: Die Daten werden in Universitätskliniken (staatliche Einrichtungen) erhoben.

  • Bundesoberbehörde: Das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) spielt eine zentrale Rolle bei der Verwaltung der Datenplattform für das Modellvorhaben.

  • GHGA: Das Datenarchiv wird von Konsortien aus dem DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum) und anderen Helmholtz-Zentren betrieben – also rein öffentlichen Forschungseinrichtungen.

Fazit: Es handelt sich um ein staatlich gelenktes Infrastrukturprojekt. Private Unternehmen (wie Pharmafirmen oder Genetik-Startups) sind nicht die Träger oder Eigentümer von genomDE. Sie können lediglich unter strengen Auflagen (und nach Genehmigung durch Datennutzungsräte) Zugang zu anonymisierten Daten für die Forschung beantragen, haben aber keine Kontrolle über die Struktur.

Die technische Speicherung und Zusammenführung erfolgt durch das German Human Genome-Phenome Archive (GHGA). Dieses Archiv betreibt ein föderiertes Netzwerk aus sieben Datenknoten (z. B. an Standorten wie Heidelberg, München oder Berlin), die eng mit den datenerzeugenden Kliniken und Forschungsinstituten vernetzt sind.

Die deutschen Genomdaten stammen primär direkt aus der medizinischen Versorgung im Rahmen des Modellvorhabens Genomsequenzierung (§ 64e SGB V). Anstatt nur auf bestehende Datenbanken zurückzugreifen, generiert Deutschland im Rahmen der Initiative genomDE systematisch neue Daten.

Der Großteil der deutschen Daten wird in 28 Universitätskliniken deutschlandweit erhoben. Patienten mit bestimmten Erkrankungen können ihr Erbgut sequenzieren lassen, wobei die Daten anschließend (bei Zustimmung) pseudonymisiert für die Forschung bereitgestellt werden. Mit dabei war die Uni Tübingen. Die Seite existiert mittlerweile nicht mehr, ist aber im Archiv abrufbar:

Uniklinik Köln ist auch dabei.

Das heißt, ein Teil der Genome kommt von Krebspatienten, die ihren Krebs sequenzieren lassen, um die Therapie zu optimieren. Die Krankenkasse muss das zahlen. Man archiviert und macht Daten für die Forschung zugänglich, die ohnehin anfallen. Wozu wegwerfen, es ist durchaus sinnvoll, die zentral zu Forschungszwecken einzulagern.

Man geht in der Mainstreammedizin immer noch davon aus, dass Krebs hauptsächlich genetische Komponenten hat und ist noch nicht so weit, den metabolischen Anteil mit einzubeziehen. Vielleicht werden die Genome der Mainstreammedizin beim Erkenntnisgewinn, dass Krebs eine metabolische Komponente hat und mehr als Genetik ist, helfen.

Nur Daten von Krebskranken ist kein wirklicher Überblick über deutsche Genome. Es gibt aber noch weitere mögliche Projekte, wo Daten gesammelt werden könnten.

Die NAKO Gesundheitsstudie (ehemals Nationale Kohorte) ist die größte Langzeit-Bevölkerungsstudie in Deutschland. Ihr Ziel ist es, die Entstehung von Volkskrankheiten wie Krebs, Diabetes und Demenz über einen Zeitraum von mindestens 20 bis 30 Jahren zu erforschen. Es konnten Blut, Urin und Stuhlproben für langfristige Analysen für das 1+MG Projekt gesammelt werden.

Die Hamburg City Health Study (HCHS) ist die weltweit größte lokale Gesundheitsstudie ihrer Art. Sie wird vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) durchgeführt und ist speziell darauf ausgerichtet, die Gesundheit der Hamburger Bevölkerung langfristig zu verbessern. Ziel ist die Untersuchung von insgesamt 45.000 Hamburgerinnen und Hamburgern im Alter zwischen 45 und 74 Jahren. Die im Rahmen der HCHS gesammelten Biomaterialien und Daten könnten (bei Zustimmung) in nationale Netzwerke wie genomDE einfließen.

Fazit: Ein klassisches, staatliches Forschungsprojekt mit Beteiligung von Universitäten und pseudoprivaten Strukturen, die eigentlich staatlich sind. Ob aus den Daten jemals etwas Sinnvolles gemacht wird, steht noch in den Sternen. Der Datenschutz scheint eingehalten zu werden, deutsche Genome werden in Deutschland gelagert und der Zugang ist nicht für jeden möglich. Niemandes Daten wurden gegen seinen Willen der Datenbank hinzugefügt.

ABER

Ich denke man muss sich Sorgen machen bei den Firmen, wo man selbst ein schickt und etwas über seine angebliche Abstammung erfährt. Da kann wirklich missbrauch geschehen.

Was mit den Daten von 23andMe oder AncestryDNA geschehen ist, ist eine ganz andere Geschichte. Ancestry wurde bereits 2020 von Blackstone für 4,7 Milliarden US-Dollar aufgekauft. Die 23andMe Datenbank mit DNA-Profilen von über 15 Millionen Kunden, wurde vom TTAM Research Institute (TTAM) erworben.

Dagegen ist das 1+ Million Genome Projekt der EU klein.


Unterstützungsmöglichkeiten:

Bücherwunschzettel: https://www.amazon.de/registries/gl/owner-view/30LG3DJ4ET90L?ref_=list_d_gl_lfu_nav

Andere Unterstützungsmöglichkeiten für Holgers und meine Forschung:

  • Konto für Unterstützung für das Projekt Scan 2000

    Dr. Merse DE34 4305 0001 0302 7851 75 Sparkasse Bochum

  • Horst Reissner: IBAN DE51 4401 0046 0406 4514 67

  • Dr. S. Stebel: https://ko-fi.com/einmalmitprofisarbeiten

1

Genome of Europe project launched: the first step towards a European reference genome. (n.d.). Shaping Europe’s Digital Future. https://web.archive.org/web/20250622013427/https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/news/genome-europe-project-launched-first-step-towards-european-reference-genome

2

1+MG Framework. (n.d.). 1+MG Framework. https://framework.onemilliongenomes.eu/about-the-framework

3

Lossau, N. (2020, September 11). genomDE-Projekt: Datenbank soll das Erbgut der Deutschen speichern. DIE WELT. https://www.welt.de/wissenschaft/article215551222/genomDE-Projekt-Datenbank-soll-das-Erbgut-der-Deutschen-speichern.html

4

Europäische Initiative “1+ Million Genomes” | Gestaltung der digitalen Zukunft Europas https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/1-million-genomes

5

Driving the future of evidence based healthcare. (n.d.). B1MGplus. https://b1mgplus.onemilliongenomes.eu/

6

Beyond One Million Genomes (B1MG) project. (n.d.). https://b1mg-project.eu/

7

Walsh, B. F. (2022, December 13). Newborns to get rapid genetic disease diagnosis. https://www.bbc.com/news/health-63906892

8

Research, R., & Research, R. (2024, March 20). Initiative genomDE: Modellprojekt geht im April an den Start. REBMANN RESEARCH. https://www.rebmann-research.de/initiative-genomde-modellprojekt-geht-im-april-an-den-start

10

Lobbyregistereintrag “TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF).” (n.d.). Lobbyregister Beim Deutschen Bundestag. https://www.lobbyregister.bundestag.de/suche/R002841

11

Tübinger Institut ist Teil des EU-weit größten Projekts zum Aufbau einer europäischen Genomdatenbank. (n.d.). Kooperation-international | Forschung. Wissen. Innovation. https://web.archive.org/web/20250812094323/https://www.kooperation-international.de/aktuelles/nachrichten/detail/info/tuebinger-institut-ist-teil-des-eu-weit-groessten-projekts-zum-aufbau-einer-europaeischen-genomdatenbank

13

Das Deutsche Humangenom-Phenomarchiv (GHGA) https://www.ghga.de/de/

15

BFARM – Modellvorhaben Genomsequenzierung. (n.d.). BFARMWEB. https://www.bfarm.de/DE/Das-BfArM/Aufgaben/Modellvorhaben-Genomsequenzierung/_node.html

16

Erbgut als Schlüssel zur personalisierten Medizin Tübinger Institut ist Teil des EU-weit größten Projekts zum Aufbau einer europäischen Genomdatenbank | Universitätsklinikum Tübingen. (n.d.). https://web.archive.org/web/20250907090347/https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/pressemeldungen/686?press_str=

17

GDI x GHGA. (2025, September 30). https://www.ghga.de/de/ueber-uns/partner/gdi

19

Genommedizin in Deutschland: Status und Ausblick. (2025, May 11). Centrum Für Integrierte Onkologie. https://krebszentrum-cio.de/news-artikel/genommedizin-in-deutschland-status-und-ausblick

20

Genommedizin in Deutschland: Status und Ausblick. (2025, May 11). Centrum Für Integrierte Onkologie. https://krebszentrum-cio.de/news-artikel/genommedizin-in-deutschland-status-und-ausblick

21

NAKO Gesundheitsstudie. (n.d.). NAKO Gesundheitsstudie – Deutschlands größte Langzeitstudie zur Erforschung von Volkskrankheiten. https://nako.de/

22

NAKO Gesundheitsstudie – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/NAKO_Gesundheitsstudie

26

Branch, J. (2025, July 17). Privacy, consent, and national security after the 23andMe bankruptcy. Default. https://www.lawfaremedia.org/article/privacy–consent–and-national-security-after-the-23andme-bankruptcy

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