Über 7 Jahre und 200 Folgen “Tacheles mit Röper und Stein”

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Anfang 2019 habe ich den Kontakt von Robert Stein bekommen, um mit ihm über ein Interview wegen meines damals erschienen...

anti-spiegel.ru📅 11.04.2026
Rückblick

Über 7 Jahre und 200 Folgen “Tacheles mit Röper und Stein”

Seit gestern ist die 200. Tacheles-Sendung online. Als wir vor sieben Jahren damit begonnen haben, hätte niemand damit gerechnet, dass Tacheles so ein Erfolg wird und so lange laufen würde.

Anfang 2019 habe ich den Kontakt von Robert Stein bekommen, um mit ihm über ein Interview wegen meines damals erschienen ersten Buches „Wladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“ zu sprechen. Vor unserem ersten Telefonat war ich sehr nervös, weil der Anti-Spiegel damals noch ein junges Portal mit nur wenigen hundert Lesern am Tag war, und weil ich wegen seiner vielen interessanten Interviews ein großer Fan von Robert Stein war.

Aber Robert und ich haben uns auf Anhieb bestens verstanden und unser erstes Telefonat dauerte anderthalb Stunden. Wir wurden uns über das Interview schnell einig und beschlossen auch gleich, ein zweites Interview über mein zweites Buch „Die Ukraine-Krise“ zu machen, das inzwischen in einer erweiterten Version als „Die Ukraine: 2014 bis zur Eskalation“ erhältlich ist.

Im Februar 2019 bin ich nach Leipzig gefahren und wir haben im NuoViso-Studio die beiden Interviews aufgenommen.

Ich war damals auch schon ein großer Fan von „Das dritte Jahrtausend“ und habe Robert Stein daher vorgeschlagen, dass wir eine ähnliche Sendung machen könnten, bei der es mehr um die Themen Russland und Ukraine geht, denn damals haben die Jungs vom „Dritten Jahrtausend“, nicht zuletzt wegen der Sprachkenntnisse von Robert Fleischer, vornehmlich über andere Regionen der Welt berichtet, die 2019 in den Medien dominiert haben. Russland war damals, heute kaum vorstellbar, nicht so sehr im Fokus der Medien und die Ukraine spielte in den Medien damals noch überhaupt keine Rolle.

Ich erinnere mich noch, wie mich viele damals belächelt haben, weil ich so viel über die Ereignisse in der Ukraine berichtet habe, denn die Ukraine hat damals, trotz des Krieges im Donbass, niemanden interessiert. Und wenn ich denen damals geantwortet habe, die Ukraine werde in Zukunft noch ein sehr wichtiges Thema werden, hat mir das niemand geglaubt.

Robert fand die Idee mit für die Sendung gut und wir konnten auch Frank Höfer, den Eigentümer von NuoViso, für die Idee gewinnen. Allerdings wurden Sendungen damals noch im Studio gemacht, aber weil ich in Russland lebte, mussten wir die Sendung per Video machen, was bei allen Beteiligten große Skepsis ausgelöst hat, denn das war damals einfach noch nicht üblich. Das war noch die Zeit vor Covid, heute sind solche Videoformate „dank“ Corona normal geworden.

Die Idee, die Sendung „Tacheles mit Röper und Stein“ zu nennen, hatte übrigens Robert, und ich fand die Idee gut. Da viele Zweifel hatten, ob das Format „funktionieren“ würde, hätten wir damals jeden für verrückt erklärt, der uns gesagt hätte, dass diese spontane Idee sich so entwickeln und schließlich mit 200 Folgen über sieben Jahre laufen und jedes Mal um die 100.000 Zuschauer haben würde.

Tacheles ist für mich ein guter Gradmesser dafür, wie sehr sich die Welt in den letzten Jahren verändert hat. Die Themen, über die wir uns damals echauffiert haben, würden heute kaum jemanden mehr aufregen. Wie gesagt, 2019 war noch eine ganz andere Zeit.

Die Themen von 2019 waren beispielsweise die Wahl von Selensky zum ukrainischen Präsidenten, wofür deutsche Medien sich damals kaum interessiert haben, 2019 war das erste Amtsenthebungsverfahren gegen Trump, es war das Jahr, in dem sich abzeichnete, dass der damals schon sichtlich demente Joe Biden als Kandidat der Demokraten bei der US-Wahl 2020 antreten würde, es war das Jahr des „Ibiza-Videos“, mit dem der Spiegel die österreichische Regierung gestürzt hat, und so weiter. Im Vergleich zu den folgenden Jahren mit Corona-Lockdowns und großen Kriegen in der Ukraine, in Gaza, im Iran und realer Kriegsgefahr in Europa waren das alles noch Banalitäten.

Übrigens war 2019 auch das Jahr, in dem Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin ernannt wurde, aber niemand hätte sich damals vorstellen können, wie sehr diese Frau mit immer strengerer Zensur, Lockdowns, selbstverschuldeten Energiekrisen, Korruptionsskandalen und so weiter das Leben aller Menschen in Europa verändern würde. Rückblickend war die Welt 2019 noch wirklich in Ordnung.

Ob wir noch weitere sieben Jahre Tacheles machen können, steht aufgrund der immer weiter ausufernden Zensur und den Repressionen gegen abweichende Meinungen in Form von EU-Sanktionen und Strafverfahren gegen kritische Journalisten in den Sternen. Aber die letzten sieben Jahre haben gezeigt, wie sehr sich die Welt in so einer Zeitspanne verändern kann.

Möchte ich wissen, wie die Welt in sieben Jahren aussieht? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht…

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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