Man liebte und man hasste ihn – Ein Kino-Dämon aus Zoppot

📰 paz.de

Die Rückkehr von „Jesus Christus Erlöser“ für Fans des Ausrasters – Zum 100. Geburtstag von Klaus Kinski

paz.de📅 20.10.2026

Am 18. Oktober, seinem 100. Geburtstag, kommt er wieder zu uns ins Kino. Der Berliner Verleih Apollo Film bringt dann eine Wiederaufführung des Dokumentarfilms „Jesus Christus Erlöser“ als Sondervorführung auf 100 Kinoleinwände.

Der in Zoppot bei Danzig geborene Schauspieler, Rezitator und Autor hat in unzähligen Schrottfilmen mitgespielt, gilt aber auch als einer der wenigen Weltstars des deutschen Nachkriegskinos. Ihn als schwierige Persönlichkeit zu beschreiben, ist untertrieben. Kinskis Können, seine Leidenschaft und Unbeherrschtheit, aber auch sein Scheitern zeigen sich wie in einem Brennglas in seinem skandalträchtigen Auftritt in der Berliner Deutschlandhalle am 20. November 1971. Dort wollte der nicht an Minderwertigkeitskomplexen leidende Großdarsteller die „erregendste Geschichte der Menschheit“ vortragen – nämlich das Leben von Jesus Christus.

Doch es kam zu tumultartigen Szenen, das „Enfant terrible“ auf der Bühne wurde vom Publikum beleidigt und angepöbelt, Veranstaltung und Tournee wurden abgebrochen. Der Film ist ein Dokument einer Zeit, in der es teilweise wild zuging und das Publikum nicht nur andächtig zuhören, sondern auch mitdiskutieren wollte.

Doch auch den braveren Bürgern ist der Name Kinski ein Begriff. Der oft auf Bösewichte und Psychopathen abonnierte Darsteller ohne eigentliche Schauspielausbildung spielte in 16 oder 17 Wallace-Filmen an der Seite von biederen Ermittlern wie Heinz Drache und Joachim Fuchsberger mit. Eddi Arent, der es sogar auf 23 Wallace-Rollen brachte, sorgte für den Humor, Kinski für das Gruseln.

Der sexbesessene und auch ansonsten ausschweifend lebende Sohn eines Apothekers und einer Krankenschwester, der seine eigene Lebensgeschichte immer wieder frisierte, starb 1991 an einem Herzinfarkt in Kalifornien. Ab Mitte der 1960er Jahre hatte er seinen Lebensmittelpunkt zeitweise nach Rom verlegt und wirkte in zahlreichen italienischen Produktionen oder Co-Produktionen mit, so beispielsweise in den damals beliebten Spaghetti-Western, aber auch in Krimis und Horrorfilmen.

Mit dem Regisseur Werner Herzog verband ihn eine produktive, aber auch spannungsreiche Zusammenarbeit. Die Filme „Aguirre, der Zorn Gottes“ (1972), „Nosferatu – Phantom der Nacht“ (1979), „Woyzeck“ (1979), „Fitzcarraldo“ (1982) und „Cobra Verde“ (1987) sind Zeugnisse dieser auf einer Hassliebe basierenden Partnerschaft. Deshalb sind diese anspruchsvollen Autorenfilme eher in Erinnerung geblieben als Schnulzen wie „Gern hab ich die Frauen gekillt“, in dem Kinski 1966 an der Seite von Stewart Granger, Pierre Brice oder Lex Barker chargierte.

In seiner Autobiografie „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“ (1975) berichtete der Vater von Nastassja Kinski von seinem Leben und seinen sexuellen Abenteuern – zumindest in seiner Version, die nicht immer der Wahrheit entsprechen musste. Sein Nachruhm wurde denn auch von Vorwürfen seiner Tochter Pola verschattet, die ihn in dem 2013 erschienenen Buch „Kindermund“ des sexuellen Missbrauchs bezichtigte. Ein großer Künstler muss nicht immer ein guter Mensch sein.

👁 0 Aufrufe 👤 0 Leser