Gerade noch 43,5 Prozent der deutschen Haushalte leben in den eigenen vier Wänden. Eine Negativentwicklung, die besonders bei jüngeren Menschen beschleunigt auftritt. Sie haben große Probleme, Wohneigentum zu erwerben. Das Pestel-Institut, dessen Gründer Eduard Pestel (CDU) einst die Grenzen weltweiten Wachstums als Mitgründer des „Club of Rome“ erforschte, legt in einer aktuellen Studie neueste Zahlen zum Stand des Wohneigentums in Deutschland offen. Sie zeigen eine seit Jahren sinkende Eigentumsquote: Von knapp 47 Prozent im Jahr 2018 auf einen Wert von 43 bis 44 Prozent im Jahr 2025. Das entspricht dem Stand von 2005.
Noch bei der letzten großen Erhebung zur Entwicklung von Wohneigentum von 2024 blickte das Institut der Deutschen Wirtschaft positiv in die Zukunft: Die Politik habe vor allem versucht die relativen Kosten des Erwerbs von selbst genutztem Wohneigentum zu senken, „mit Blick auf die empirischen Ergebnisse dieser Studie erscheint dies als vielversprechender Ansatz“. Doch auch Schattenseiten der Eigentumsentwicklung traten hervor: Das Haushaltseinkommen entscheidet stärker als in früheren Jahren, welche Chancen auf eigenen Wohnraum Menschen haben. Gerade in Wachstumsregionen mit vergleichsweise vielen jungen Menschen geht die Eigentumsquote zurück. Eine regelrechte „Generation Miete“ sei zu beobachten. Schon seit Jahren mahnen Experten daher deutlich entschlossenere Schritte der Politik an, Menschen zu eigenen Wohnungen oder Häusern zu verhelfen. Denn die Wohneigentumsbildung in Deutschland „steht unter hohem Druck“, so die Bilanz damals.
Insgesamt zeigt die Karte Deutschlands bis heute ein West-Ost-Gefälle – im äußersten Westen, beispielsweise an der Ems, ist der Eigenheim-Rückgang am stärksten, in Vorpommern wohnen hingegen zunehmend Menschen im eigenen Zuhause. Auch im Nordosten Bayerns oder Teilen der Pfalz gibt es mehr Eigentum, doch insgesamt zeigt der Trend in den meisten Regionen Deutschlands zum Miet-Wohn-Verhältnis.
Dabei gibt die Eigentumsfrage auch Hinweise auf die Entwicklung des Wohlstandes an sich. Da Wohneigentum klassisch oft zur Altersvorsorge genutzt wird, bleibt die Frage, welche Entwicklung diese künftig nimmt und wie sich die Chancen zur Vermögensbildung allgemein im Vergleich zu früheren Jahren entwickeln werden. Nur ein Drittel der Menschen schafft es, bis zum 35. Lebensjahr in den eigenen vier Wänden zu leben. Damit sei „ein weiterer Rückgang bereits angelegt“, so das Pestel-Institut aktuell. Der jungen Generation bleibt demnach nur die Hoffnung auf ein reiches Erbe, denn aus eigenen Mitteln haben sie jenseits der 35 kaum noch eine Chance, eigenen Wohnraum abzubezahlen. Die Resterwerbszeit reicht in der Regel nicht zum Abzahlen der Kredite, rechnet das Institut vor.
Kein Vermögen aufgebaut
Wohlstand nur noch durch vergangene Generationen? Die Frage steht im Raum, und auch bei der Altersvorsorge schlagen Immobilienexperten Alarm. Ohne die Chance auf Immobilien, finanziert aus eigener Leistung, wächst die Abhängigkeit von familiärer Versorgung. Nicht Arbeit, sondern Erbe und Herkunft entscheiden somit über die Fähigkeit, eine Immobilie als Sicherheit für das Alter zu erwerben. Steigende Altersarmut und die mangelnde Chance, ein Eigenheim zur Finanzierung der eigenen Pflege einzusetzen, treiben diese Entwicklung. Immobilienexperten warnen: Wer nicht kaufen kann, baut in seinem Leben deutlich weniger Vermögen auf. Die eigenen vier Wände bieten über das Emotionale hinaus eine finanzielle Sicherheit, die den Deutschen zunehmend nicht mehr offensteht; auch darin sind sich Beobachter einig.
Selbst die Doppelverdiener-Haushalte mit mittleren Einkommen würden regelrecht vom Bund diskriminiert, wenn es um den Erwerb von Eigentum gehe, so der aktuelle Pestel-Instituts-Leiter Matthias Günther. Wer ein kleineres Einkommen bezieht, hat faktisch überhaupt keine Chance mehr auf diese Form der Vermögensbildung und kann wegen steigender Mieten und deren hohem Anteil an den Gesamtkosten auch weniger zurücklegen, so das Institut.
Zu hohe Nebenkosten
Das Verhältnis von Eigenkapital und Kostenexplosion am Markt erzeugt eine Schere, die immer weiter aufgeht. Knappe Grundstücke, lange Genehmigungswege, hohe Bau- und Baunebenkosten – die Herausforderungen für die Politik sind vielfältig und haben sich über Jahre angestaut. Gelingt es nicht, Bürokratie wie Kosten beim Erwerb zurückzufahren, wird sich das von vielen Parteien formulierte Ziel, bezahlbares Wohnen in den eigenen vier Wänden wieder bezahlbar zu machen, nicht erreichen lassen – in diesem Punkt sind sich Experten einig.