Wenn der Spiegel eine „eigene Recherche“ veröffentlicht, ist das von Geheimdiensten durchgestochenes Material

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Ich bezeichne den Spiegel gerne als „Pressesprecher der Geheimdienste“ oder auch „Pressesprecher der Regierung“, weil da...

anti-spiegel.ru📅 10.10.2026
Der angebliche „Drohnenvorfall von Leipzig“

Wenn der Spiegel eine „eigene Recherche“ veröffentlicht, ist das von Geheimdiensten durchgestochenes Material

Der Spiegel hat eine „eigene Recherche“ über die angebliche russische Täterschaft beim angeblichen Drohnenvorfall von Leipzig veröffentlicht, nur kann das keine Spiegel-Recherche sein, sondern der Spiegel hat im Auftrag der Regierung das veröffentlicht, was die Menschen glauben sollen.

Ich bezeichne den Spiegel gerne als „Pressesprecher der Geheimdienste“ oder auch „Pressesprecher der Regierung“, weil das Blatt nicht nur die Narrative der deutschen Regierung und Geheimdienste stützt – womit der Spiegel beweist, dass er weder ein kritisches noch ein regierungsfernes Medium ist – sondern auch immer wieder von Regierung und Behörden Informationen bekommt, die er eigentlich gar nicht bekommen dürfte.

Der Spiegel und seine Partner

Das Ergebnis sind dann Artikel, die der Spiegel reißerisch als “eigene Recherchen” veröffentlicht, die er angeblich mit Partnerorganisationen durchgeführt hat. Dass dabei Daten veröffentlicht werden, die sie ohne Hilfe der Dienste gar nicht haben können, wie beispielsweise Informationen über Visaanträge, Grenzübertritte in westlichen Staaten und ähnliches, zeigt, dass es sich dabei nicht um eigene Recherchen handelt, sondern dass sich der Spiegel und seine Partner von westlichen Regierungen und Geheimdiensten benutzen lassen, um deren Narrative als eigene Recherchen zu verbreiten.

Nun gibt es ein weiteres Beispiel aus dieser Serie. Der Spiegel hat einen Artikel veröffentlicht, für den der Spiegel zusammen mit der russischen Exil-Plattform „The Insider“ recherchiert haben will, mit der der Spiegel oft zusammenarbeitet.

„The Insider“ wurde schon immer komplett aus dem Westen finanziert, damit das Portal bei Bedarf die sogenannten “Recherchen” liefert, die die Narrative des Westens untermauern. Dass „The Insider“ aus dem Westen finanziert wird, ist weder meine Erfindung, noch „russische Propaganda“, das hat der Spiegel vor Jahren selbst offen zugegeben. 2019 konnte man im Spiegel erfahren, dass The Insider “zur Finanzierung seiner Arbeit etwa zehntausend Dollar im Monat braucht und dass er dafür auf ‘ausländische Stipendien’ setzt”.

Wie heißt es so schön? Wessen Geld ich bekomm, dessen Lied ich sing…

Die neueste „Spiegel-Recherche“

Die neueste „Spiegel-Recherche“ trägt die Überschrift „Sprengstoffdrohne von Leipzig – Das sollen die Männer hinter dem gescheiterten Anschlag von Leipzig sein“ und in der Einleitung erfahren wir:

„Ermittler meinen zu wissen, wer den Leipziger Flughafen mit Drohnen angegriffen hat. Ihren Auftrag erhielten die Verdächtigen nach SPIEGEL-Recherchen wohl von einer Spezialeinheit des russischen Geheimdiensts für Sabotage im Westen.“

Der Artikel hat eine angegebene Lesezeit von 15 Minuten und ich werde nicht auf all das eingehen, was der Spiegel darin von sich gibt. Der Artikel ist im bewährten Relotius-Stil verfasst und liest sich daher kurzweilig, fast wie ein blumig geschriebener Agententhriller. Ich will hier an Beispielen zeigen, auf welche Daten der Spiegel und „The Insider“ angeblich Zugriff haben, denn daran wird klar, von wem der Spiegel die Informationen bekommen haben muss.

So schreibt der Spiegel zu Beginn des Artikels, für die „Recherche“ hätte man „geleakte Reise- und Kommunikationsdaten sowie Erkenntnisse aus vorherigen Ermittlungsverfahren auswerten“ können. Wer hat da was “geleakt”? Dazu sagt der Spiegel wohlweislich nichts, denn sonst müsste er eingestehen, dass der ganze Artikel auf dem basiert, was der Spiegel von der Regierung und von westlichen Geheimdiensten bekommen hat – und eben keine “Spiegel-Recherche” ist.

Einer der angeblichen Mittäter ist demnach mit zwei Pässen nach Europa gereist. Um das zu erfahren, braucht man Zugriff auf die Datenbanken des Grenzschutzes europäischer Staaten. Diese Information kann der Spiegel, wenn sie denn überhaupt der Wahrheit entspricht, nur von Regierung und Geheimdiensten bekommen haben. Andernfalls hätte der Spiegel illegal Datenbanken von EU-Staaten gehackt.

Der angebliche Mittäter soll in Deutschland ein Auto gemietet haben und der Spiegel schreibt, das Bundeskriminalamt habe „später die Daten im Speicher des Autos auswerten“ können und die würden ihn „ihn mit der Attacke auf den Flughafen Leipzig in Verbindung“ bringen. Auch diese Information kann der Spiegel, wenn sie denn überhaupt der Wahrheit entspricht, nur von Regierung und Geheimdiensten bekommen haben. Andernfalls hätte der Spiegel sie illegal bekommen, weil es bekanntlich verboten ist, die Ergebnisse laufender Ermittlungen an die Presse weiterzugeben, damit die darüber berichtet.

Der Spiegel berichtet auch über Verbindungen des Mannes zu anderen angeblichen russischen Agenten. Diese Informationen will der Spiegel aus „Telefonverbindungsdaten“ haben, in denen „sich ein gut siebenminütiges Telefonat vom 13. Juli“ finde, das die beiden geführt haben sollen. Allerdings können bestenfalls westliche Geheimdienste in Russland geführte Telefonate abhören, aber sicher nicht die Spiegel-Redaktion. Auch diese Information kann der Spiegel, wenn sie denn überhaupt der Wahrheit entspricht, nur von Regierung und Geheimdiensten bekommen haben.

Das waren nur einige Beispiele, davon gibt es in dem Artikel noch mehr.

Opfer der eigenen Lügen

Lustig ist ein Absatz in dem Spiegel-Artikel, in dem es um eine angebliche Einheit des russischen Geheimdienstes geht, die angeblich für Sabotage und Anschläge im Westen verantwortlich ist, denn da ist der Spiegel seiner eigenen Propaganda zum Opfer gefallen. Der Spiegel schreibt:

„Auf deren Konto gehen unter anderem die Sprengung tschechischer Munitionslager im Jahr 2014, der Mordversuch von 2018 an einem nach Großbritannien übergelaufenen GRU-Offizier mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok sowie der Versuch, einen bulgarischen Waffenhändler umzubringen, der für die Ukraine wichtig ist.“

2021 hat der Spiegel in einer anderen „eigenen Recherche“, damals zusammen mit Bellingcat und wieder „The Insider“, berichtet, der russische Geheimdienst habe 2014 in Tschechien ein Munitionslager gesprengt. Auch für diese “eigene Recherche” hatte der Spiegel angeblich Zugang zu Daten der europäischen Grenzschutzbehörden, Handynetze und so weiter, und hat in einem ausführlichen Artikel russischen Agenten als Täter identfiziert. Als sich allerdings 2024 herausstellte, dass die Geschichte frei erfunden war, hat der Spiegel darüber natürlich nicht berichtet.

2024 haben die tschechischen Ermittler nämlich erklärt, dass sie nicht genügend Beweise sammeln konnten, um Verdächtige anzuklagen, und die Ermittlungen eingestellt haben. In einer Erklärung gab der Leiter der Nationalen Zentralstelle zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität der tschechischen Kriminalpolizei Jiří Mazánek bekannt, dass der Fall nun abgeschlossen sei und dass keine Strafanzeige erstattet werde.

Nochmal, weil es so schön ist: 2021 hat der Spiegel in einer “eigenen Recherche” die Namen der angeblichen Täter, ihre angeblichen Reiserouten, Kommunikationsdaten und so weiter veröffentlicht, aber drei Jahre später haben die tschechischen Ermittler das Verfahren eingestellt, weil „sie nicht genügend Beweise sammeln konnten, um Verdächtige anzuklagen“. So viel zum Wahrheitsgehalt angeblicher Recherchen, die der Spiegel zusammen mit Bellingcat und „The Insider“ macht.

Lustig daran ist, dass die heutigen Spiegel-Redakteure anscheinend gar nicht wissen, dass die alte „Recherche“ ihrer Kollegen längst als Lüge enttarnt wurde, andernfalls würden sie ihre Leser ja noch dreister belügen, indem sie eine längst widerlegte Horrorgeschichte als Beleg für angebliche russische Sabotage in Europa anführen.

Übrigens waren die angeblichen Mordanschläge auf den vom Spiegel genannten „bulgarischen Waffenhändler“, der übrigens Emilian Gebrew heißt, und „der Mordversuch von 2018 an einem nach Großbritannien übergelaufenen GRU-Offizier“, gemeint ist natürlich Sergej Skripal, der im Übrigen nicht übergelaufen ist, sondern ausgetauscht wurde, ein fester Bestandteil der frei erfundenen Geschichte über die Sprengung des tschechischen Munitionslagers im Jahr 2014, was die offizielle Versionen dieser beiden angeblichen Mordanschläge russischer Geheimdienste zusätzlich zu den dazu ohnehin vorhandenen Fragen weiter in Zweifel zieht.

Aber von all dem müssen Spiegel-Leser ja nichts wissen, die glauben allen Ernstes die so leicht zu entlarvenden und so offensichtlichen Märchen über „eigene Recherchen“ der Spiegel-Redaktion.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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