Das ist ein aufrüttelndes, ja alarmierendes Buch! Jana Puglierin, vielgefragte Berliner Expertin in Sachen Außen- und Sicherheitspolitik, sieht Europas Sicherheit extrem bedroht zum einen durch ein militärisch immer aggressiver auftretendes Russland, zum anderen aber auch, weil die USA unter Trump ein unsicherer Partner geworden sind. Europa, so schreibt sie mit erschreckenden Beweisen, ist auf neue Kriegsgefahren nicht vorbereitet, müsste aber ab sofort alles tun, um zumindest konventionell verteidigungsfähig und in seinen inneren Strukturen sicherer zu werden.
Die vielzitierte „Friedensdividende“ nach der Wende von 1989/90 ist Vergangenheit. Spätestens seit Russland 2014 die Krim besetzte, hätte Europa, so die Autorin, erkennen müssen, welche revisionistische, die traditionelle Ordnung in Europa infrage stellende Politik Putin verfolgt. Heute offenbare der Ukrainekrieg schonungslos Europas Schwachstellen: Es ist auf einen Krieg nicht vorbereitet, weder in seiner Mentalität und inneren Struktur noch militärisch. Die Streitkräfte wurden überall verringert, die Wehretats gekürzt, die auf dem Papier „starke“ NATO hat wegen der unzulänglichen Kompatibilität ihrer Streitkräfte keineswegs die in Zahlen suggerierte Schlagkraft.
Ebenso dramatisch sei die Lage bezüglich Russlands: Nicht ausgeschlossen erscheint jederzeit ein russischer Angriff auf einen osteuropäischen NATO-Staat. In Moskau zirkulieren immer häufiger „Gedankenspiele“ bis in höchste Regierungskreise, ein begrenzter Nuklearschlag sei durchaus denkbar. Mit einem ebenfalls rasant aufrüstenden China tut sich das auf Kriegswirtschaft umgestellte Russland immer enger zusammen.
Am schwierigsten sei das Verhältnis zu den USA. In der Trump-Administration wird immer öfter die unbedingte Bündnistreue infrage gestellt. Zumindest wird von den Europäern verlangt, sich konventionell selbst verteidigen zu können. Unabdingbar bleibe der nukleare Schutz Europas durch die Amerikaner; wenigstens daran dürfe sich nichts ändern.
Ganz düster endet die Autorin nicht. Europa habe die Zeichen der Zeit erkannt, aber unsicher bleibe doch, ob es die Wende zu mehr Sicherheit militärisch und in seiner inneren Struktur etwa gegen zerstörerische Cyberangriffe schafft.
Erkennbar soll das Buch, das weder dramatisiert noch übertreibt, möglichst vielen Menschen – und nicht nur in der Politik – die großen Gefahren, in denen wir schweben, bewusst machen.