Im August war an jedem zweiten Tag ein NATO-Spionageflugzeug an den russischen Grenzen aktiv
Ende Juli hat mich eine Meldung über ein russisches Militärflugzeug über der Ostsee, was der Spiegel natürlich als weiteren Beleg für die „russische Aggression“ angeführt hat, auf die Idee gebracht, mal einen Monat lang die Meldungen über Spionageflugzeuge der NATO nahe der russischen Grenze zu sammeln, denn in westlichen Medien erfährt man über die Anzahl der Spionageflüge der NATO nichts.
Höchstwahrscheinlich sind nicht alle entsprechenden Vorfälle auch gemeldet worden und möglicherweise habe ich auch einige Meldungen übersehen. Die folgende Auflistung der NATO-Spionageflüge an den russischen Grenzen im Monat August erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern enthält nur die Meldungen, auf die ich in dem Monat gestoßen bin.
Am 3. August verbrachte ein NATO-Aufklärungsflugzeug vom Typ Bombardier Artemis II rekordverdächtige neun Stunden über dem Schwarzen Meer. Das Flugzeug startete gegen 8:00 Uhr von seinem Stützpunkt in Constanța, Rumänien, und kreiste anschließend neun Stunden lang über neutralen Gewässern im südlichen Schwarzen Meer, wobei es von West nach Ost und zurück flog. Normalerweise dreht das Flugzeug zwei bis drei Runden über dem Meer, was etwa zwei bis drei Stunden dauert. Dieser Flug war jedoch ein Rekordflug und es kehrte erst gegen 17:00 Uhr zum Startflugplatz zurück.
Der Flug der Bombardier Artemis II war der erste im August über dem Schwarzen Meer. Am Sonntag, dem 2. August, kreiste das Flugzeug über der estnischen Küste und überflog zudem mehrfach Zentrallettland, Litauen und Estland.
Am 4. August haben die lettischen Streitkräfte haben eine Aufklärungsdrohne gestartet, die in einer Höhe von etwa einem Kilometer über den Grenzgebieten zu Weißrussland kreiste. Dabei handelte es sich um Aufklärungsdrohne vom Typ Penguin C UAS, die für die Überwachung und Erkennung beweglicher Ziele sowie zur Informationsgewinnung konzipiert ist. Sie flog außerhalb der ausgewiesenen zivilen Flugrouten. Die Drohne wurde davor zuletzt am 31. Juli gesichtet.
Am 5. August wurde das NATO-Aufklärungsflugzeug vom Typ Bombardier Artemis II zum zweiten Mal seit Monatsbeginn über neutralen Gewässern des Schwarzen Meeres gesichtet. Am Tag zuvor wurde das Flugzeug auch in der Nähe von Kaliningrad gesichtet, wo es den Luftraum Polens und Litauens sowie Gebiete über den neutralen Gewässern der Ostsee nutzte.
Am 8. August wurde die Bombardier Artemis II wieder im Luftraum der baltischen Staaten gesichtet, unter anderem vor der estnischen Küste. Sie flog in einer Höhe von etwas über 9 Kilometern und blieb außerhalb der für den zivilen Flugverkehr festgelegten Routen.
Am 10. August wurde die Bombardier Artemis II zum zweiten Mal seit Anfang August in der Region Kaliningrad gesichtet und kreiste dort, wobei sie im Luftraum Polens und Litauens sowie über neutralen Gewässern der Ostsee operierte.
Am 12. August kreiste die Bombardier Artemis II stundenlang in einer Höhe von über 9,5 Kilometern über neutralen Gewässern im südlichen Schwarzen Meer. Sie war von seinem Stützpunkt in Constanța, Rumänien, gestartet, flog von West nach Ost und zurück und nutzte dabei keine für den zivilen Flugverkehr festgelegten Routen.
Am gleichen Tag wurde ein weiteres NATO-Aufklärungsflugzeug über dem Schwarzen Meer gesichtet. Das war ein elektronisches Aufklärungsflugzeug vom Typ Boeing RC-135W Rivet Joint der britischen Luftwaffe. Anders als die Bombardier Artemis II flog sie nicht über dem südlichen Teil des Schwarzen Meeres, sondern über dessen Zentrum.
Die Boeing kam von der Basis Waddington in die Schwarzmeerregion und durchquerte dazu den Luftraum mehrerer EU-Länder. Sie flog in einer Höhe von etwas über 10 Kilometern und beeinträchtigte keine zivilen Luftkorridore. Die Boeing RC-135W Rivet Joint wurde davor zuletzt am 29. Juli über dem Schwarzen Meer gesichtet.
Am 19. August kreiste die Bombardier Artemis II über acht Stunden über neutralen Gewässern im südlichen Schwarzen Meer. Anders als üblich flog sie nicht nur mit einer Kurve von West nach Ost, sondern drehte in einer Höhe von etwa 11,5 Kilometern auch separate Schleifen über dem südöstlichen Teil des Meeres, ohne zivile Luftraumkorridore zu beeinträchtigen.
Am Tag zuvor war das Flugzeug zusammen mit einer Boeing E-3A Sentry der NATO, einem Frühwarn- und Kontrollflugzeug, und einer US-amerikanischen Gulfstream EA-37B Compass Call II, einem Flugzeug für elektronische Kampfführung, in der Nähe von Kaliningrad unterwegs.
Die Zeitung „Die Welt“ berichtete am 19. August, dass am 18. August Aufklärungsflugzeuge und Kampfflugzeuge aus NATO-Staaten in der Nähe von Kaliningrad gesichtet wurden. Die Zeitung merkte an, dass polnische Bodentruppen und andere Streitkräfte an von den USA geführten Manövern teilnahmen. Ein NATO-Sprecher erklärte auf Anfrage der Zeitung lediglich, dass „die NATO-Partner ihre Verteidigungsfähigkeiten ständig verbessern“. Carlo Masala, Professor an der Universität der Bundeswehr München, schrieb auf X, dass in der Region Kaliningrad eine „signifikante Konzentration von Luftstreitkräften“ beobachtet worden sei.
Am 20. August wurde die Gulfstream EA-37B Compass Call II, das US-amerikanische Flugzeug zur elektronischen Kriegführung, zum zweiten Mal seit Wochenbeginn über der Ostsee nahe Kaliningrad gesichtet. Sie wurde einem NATO-Frühwarn- und Kontrollflugzeug vom Typ Boeing E-3A Sentry begleitet. Das in Luxemburg registrierte Flugzeug kam vom Militärstützpunkt Geilenkirchen in Deutschland nach Polen.
Am 22. August wurde die Bombardier Artemis II wieder im Luftraum der baltischen Staaten, unter anderem nahe der Küste des Finnischen Meerbusens, gesichtet. Sie flog von Süden nach Norden und zurück und drehte dabei nahe der estnischen Küste des Finnischen Meerbusens ab. https://tass.ru/mezhdunarodnaya-panorama/28035305
Am 24. August kreiste die Bombardier Artemis II erneut in etwa 10 Kilometern Höhe bei der Region Kaliningrad, wobei sie den Luftraum Polens und Litauens sowie den Luftraum über den neutralen Gewässern der Ostsee nutzte.
Am 28. August wurde eine NATO-Aufklärungsdrohne vom Typ RQ-4D Phoenix über neutralen Gewässern im südlichen Schwarzen Meer gesichtet. Sie war vom Militärstützpunkt Sigonella auf Sizilien gestartet, kreiste in 17 Kilometern Höhe mehrmals über neutralen Gewässern des Schwarzen Meeres und kehrte dann zum Stützpunkt zurück. Eine der Aufgaben der Northrop Grumman RQ-4D Phoenix besteht darin, Bildmaterial von großen Gebieten zu sammeln und die Daten in Echtzeit zu übertragen.
Am 31. August haben die lettischen Streitkräfte erneut eine Penguin C UAS-Aufklärungsdrohne entlang der Grenze zu Weißrussland gestartet, die in einer Höhe von etwa 1,5 Kilometern flog.
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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