Östlich von Oder und Neiße – Schlesiens verlorener Olympia-Traum

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Ob es wohl einen neuen Anlauf 90 Jahre nach den Winterspielhoffnungen im Riesengebirge geben wird?

paz.de📅 31.08.2026

So ganz ist nach einer gescheiterten Olympiadebatte 2017/18 um Winterspiele im Riesengebirge die Idee nicht verflogen, zumal seit 2025 in Polen zumindest wieder die Idee diskutiert wird, ob sich Warschau ab 2040 für Sommerspiele bewerben sollte. Doch wenn der Begriff Olympia im Riesengebirge nach 2018 fiel, schwang bislang eher die Hoffnung auf Infrastrukturmittel mit oder die, im Tourismusmarketing eine Erinnerungsmarke zu setzen.

2017 ging der Vorstoß vor allem von der polnischen Kommunalpolitik aus, insbesondere von Krummhübel [Karpacz] und Schreiberhau [Szklarska Poręba]. Zu den Initiatoren gehörten Tomasz Stanek aus Krummhübel und Schreiberhaus Bürgermeister Mirosław Graf. Vorgesehen waren Winterspiele 2030 mit alpinen Wettkämpfen im Krummhübel; Schreiberhau sollte Langlauf- und Biathlondisziplinen ausrichten, Harrachsdorf [Harrachov] auf böhmisch-tschechischer Seite Skispringen, Reichenberg [Liberec] nordische Wettbewerbe, während Breslau für Eishockey, Eisschnelllauf und Curling auserkoren war oder auch Hirschberg [Jelenia Góra] genannt wurde und viel weiter östlich in den oberschlesischen Westkarpaten Schirk [Szczyrk] für die alpine Abfahrt vorgesehen war.

In Zeiten von Milliardeninvestitionen wurde gar das sächsische Altenberg für Bob, Rodeln und Skeleton ins Spiel gebracht. Der Umstand, dass die Spiele 2030 nun großflächig in den Weiten der Französischen Alpen stattfinden könnten, zeigt, dass heute selbst eine Bewerbung aus Riesen- und Erzgebirge kaum mehr gegen die etablierten Hotspots im Hochgebirge mithalten kann. Wobei Polen 2017/18 auch etwas am eigenen Improvisationsgeist scheiterte, denn Harrachsdorf und Reichenberg wurden ideell mitgenommen, aber strukturell zündete die Idee im über institutionell nicht wirklich beteiligten Tschechien einfach nicht. Oder anders gedeutet: Vielleicht hatten die Tschechen, die auch mit Prag, Spindlermühle [Špindlerův Mlýn] oder Kleinaupa [Malá Upa] teilhaben sollten, gewittert, dass die eigentliche Intention in der PR-Aktion als solche liegen könnte.

Die ersten Olympischen Winterspiele fanden 1924 in Chamonix in Frankreich statt, Schreiberhau war dann vom 31. Januar bis 2. Februar 1925 Austragungsort der Winterspiele der 1. Internationalen Arbeiterolympiade, die als ausdrückliches Gegenmodell zu den bürgerlichen Olympischen Spielen gedacht waren. Die eigentliche Bewerbung Schreiberhaus für die Olympischen Winterspiele 1936 entstand offenbar 1932. Deutschland hatte 1931 bei der IOC-Tagung in Barcelona neben den Sommerspielen auch das Recht zugesprochen bekommen, die Winterspiele auszurichten. Danach traten Schreiberhau, Braunlage/Schierke im Harz und Garmisch sowie Partenkirchen als deutsche Bewerber auf, während Oberhof oder der Feldberg schnell aus dem Rennen waren.

Schreiberhau verfügte bereits über eine damals beachtliche wintersportliche Infrastruktur. Die 1925 eröffnete Zackelfallbobbahn, die Arbeiterspiele 1925, deutsche Meisterschaften und später die Himmelsgrundschanze machten den Ort zu einem der bedeutendsten deutschen Wintersportzentren. 1932/33 wurde daraus dann eine echte politische Kampagne. Schreiberhau verlangte eine Besichtigung durch die Olympiafunktionäre und argumentierte nicht nur sportlich, sondern ausdrücklich mit der wirtschaftlichen Bedeutung der Spiele für die Infrastruktur im benachteiligten Osten des Reiches.

Die schlesische Bewerbung wurde seinerzeit insbesondere vom Schlesischen Bobverband unter seinem Vorsitzenden Dr. Haedicke getragen, der gegen eine Bevorzugung der erst für die Spiele von 1936 zusammengeschlossenen oberbayerischen Orte Garmisch und Partenkirchen durch den Vorsitzenden des Deutschen Olympischen Ausschusses, Theodor Lewald, protestierte und verlangte, Schreiberhau vor der Entscheidung als zweiten möglichen Austragungsort ebenfalls zu besichtigen. Als sich 1932 eine Mehrheit für Garmisch und Partenkirchen abzeichnete, gelang es den schlesischen Vertretern zunächst noch, die Entscheidung offenzuhalten. Schlesische Presseorgane propagierten weiter Spiele in der Heimat und eine Abordnung eines Schreiberhauer Trachtenvereins demonstrierte in Berlin für Winterspiele 1936 in Schreiberhau. Im Juni 1933 hatte ja der Deutsche Olympische Ausschuss Garmisch und Partenkirchen empfohlen, vor allem wohl durch die Protektion von Lewald, Carl Diem und den aus München stammenden Sportfunktionär Karl Ritter von Halt, die mit der alpinen Bekanntheit, Beherbergungsoptionen und auch sichereren Wetterbedingungen argumentieren konnten.

Das 90-jährige Jubiläum der Spiele von 1936 hat im damals unterlegenen Riesengebirge die Olympiaidee nicht neu belebt. Doch die 100-jährigen Jubiläen zur Olympiainitiative 2032 oder zu den Spielen 2036 böten noch einmal die Chance. Eigentlich ist der Trumpf für das Riesengebirge weiterhin Nachbar Tschechien, mit dem man von Anfang an professioneller den Schulterschluss suchen müsste.

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