Der Streit um Personalie Fjodorow eskaliert und der Westen greift Selensky direkt an

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Das Anti-Korruptionsbüro der Ukraine (NABU) hat am Mittwochmorgen einen weiteren Korruptionsskandal veröffentlicht, in d...

anti-spiegel.ru📅 19.08.2026
Neuer Korruptionsskandal in Kiew

Der Streit um Personalie Fjodorow eskaliert und der Westen greift Selensky direkt an

In der Ukraine wurde ein neuer Korruptionsskandal in Selenskys engstem Umfeld bekannt, und zwar just an dem Tag, an dem die Rada einen neuen Verteidigungsminister wählen sollte, nachdem Selensky Michail Fjodorow, den Favoriten des Westens, gefeuert hatte.

Das Anti-Korruptionsbüro der Ukraine (NABU) hat am Mittwochmorgen einen weiteren Korruptionsskandal veröffentlicht, in den Selenskys direktes Umfeld verwickelt ist. Es gab auch Durchsuchungen bei Vertrauten von Selensky. Der Korruptionsskandal steht in einem offensichtlichen Zusammenhang mit dem Machtkampf zwischen Selensky und dem Westen, bei dem es um den von Selensky abgesetzten Verteidigungsminister Michail Fjodorow geht, der ein Liebling des Westens ist.

Am Mittwoch wollte Selensky Fjodorows Nachfolger von der Rada wählen lassen, um das Gezerre um den Posten des Verteidigungsministers zu beenden. Und just an dem Tag hat das vom Westen kontrollierte NABU den neuen Korruptionsfall in Selenskys engstem Umfeld öffentlich gemacht.

Damit deutsche Leser, die sich in der Ukraine nicht so gut auskennen, verstehen können, worum es bei den aktuellen Ereignissen in Kiew geht, muss ich ein wenig ausholen, bevor wir zu den Ereignissen des heutigen Tages kommen können.

Das NABU

Das NABU wird im Westen als unabhängige Anti-Korruptionsbehörde dargestellt. Allerdings ist das NABU ganz und gar nicht unabhängig, denn es wurde 2014 schon kurz nach dem Maidan vom damaligen US-Vizepräsidenten Joe Biden gegründet und stand von Beginn an unter der Kontrolle der USA. In der US-Botschaft in Kiew gibt es extra einen Gesandten des FBI, der dem NABU direkte Anweisungen gibt. Das NABU war und ist eines der wichtigsten Kontrollinstrumente des Westen über die Ukraine. In meinem Buch „Das Ukraine-Kartell“ spielt das NABU eine zentrale Rolle, mehr Details finden Sie in diesen Leseproben aus dem Buch (Teil 1, Teil 2, Teil 3).

Nachdem Machtwechsel in den USA von Biden zu Trump scheint das NABU zumindest zum Teil auch unter die Kontrolle der EU gekommen zu sein. Das wurde vor gut einem Jahr sichtbar, als Selensky in einer Hauruck-Aktion versuchte, das NABU unter seine Kontrolle zu bekommen, weil es damals wegen Korruption bereits in seinem engen Umfeld ermittelte. Darauf reagierte die EU mit heftigen Protesten und sogar mit der Drohung, jede Unterstützung der Ukraine einzustellen, wenn Selensky das NABU nicht „unabhängig“ lässt. Im Klartext: Die Kontrolle über das NABU – und damit die Kontrolle über die Ukraine insgesamt – war der EU sogar wichtiger, als die Ukraine im Krieg gegen Russland zu unterstützen.

Die EU organisierte über von ihr finanzierte NGOs umgehend Massenproteste gegen Selenskys Plan, die Kontrolle über das NABU zu übernehmen, und am Ende musste Selensky einlenken und ließ das Gesetz, mit dem er die Kontrolle das NABU übernommen hatte, schnell wieder zurücknehmen.

“Minditschgate”

Anfang November 2025, also nur wenige Wochen nach diesen Ereignissen, verkündete das NABU die Durchführung der Operation „Midas“ und veröffentlichte mitgeschnittene Gespräche, die Korruption in Selenskys engstem Umfeld bewiesen. Eine Gruppe aus engen Freunden Selenskys, darunter auch Regierungsmitglieder, hatten mit fingierten Rechnungen mindestens 100 Millionen Dollar unterschlagen, die die EU für die Reparatur der ukrainischen Energieversorgung überwiesen hatte.

Die Bänder waren in der Wohnung von Timur Minditsch, einem alten Freund von Selensky, aufgenommen worden. Minditsch selbst wurde vor dem Zugriff gewarnt und konnte im buchstäblich letzten Moment aus der Ukraine fliehen und so der Verhaftung entkommen, während andere Figuranten des Skandals in Untersuchungshaft landeten. Minditsch lebt heute ungestört in Israel.

Die Veröffentlichung der Bänder im November war offensichtlich Teil eines Streits zwischen dem Weißen Haus und Selensky. Als Selensky nicht nachgab, gab es Ende November weitere Veröffentlichungen des NABU, die Selenskys engsten Mitarbeiter, seinen Büroleiter Jermak, den Job kosteten. Jermak galt damals als der mächtigste Mann in der Ukraine. Verhaftet wurde er wegen seiner Beteiligung an der Unterschlagung jedoch bis heute nicht.

Auch Vertreter des Westens wussten von den korrupten Machenschaften, oder waren daran gar beteiligt, was offensichtlich war, weil die Unterschlagungen direkt unter den Augen der vom Westen eingesetzten „Anti-Korruptionswächter“ geschahen. Während westliche Medien zumindest oberflächlich über den Korruptionsskandal berichtet haben, wurde die Rolle der westlichen „Anti-Korruptionswächter“ von niemandem erwähnt oder gar hinterfragt.

Die vom NABU damals veröffentlichten Mitschnitte waren nur ein kleiner Teil von etwa tausend Stunden Tonmaterial, das das NABU mitgeschnitten hatte. Damit war klar, dass das NABU jederzeit weitere Bänder veröffentlichen und so weitere Beweise gegen enge Freunde Selenskys (und bei Bedarf auch gegen Selensky selbst) öffentlich machen kann, wenn das NABU dazu aus dem Westen die Anweisung oder auch nur die Erlaubnis bekommt.

Das scheint nun passiert zu sein.

Der Streit um Fjodorow

Vor etwas über einem Monat hat Selensky eine überraschende Regierungsumbildung angekündigt und die Ministerpräsidentin entlassen, was automatisch die Entlassung der gesamten Regierung bedeutet. Bei der Ernennung der neuen Regierung wollte Selensky fast alle Ministerposten unverändert lassen, aber einen neuen Verteidigungsminister ernennen. Damit wurde klar, dass der einzige Zweck der Regierungsumbildung die Entlassung von Verteidigungsminister Fjodorow war, denn Selensky kann laut Verfassung keine einzelnen Minister entlassen, sondern muss dazu die gesamte Regierung feuern.

Der entlassene Verteidigungsminister Michail Fjodorow ist in der Ukraine sehr beliebt und auch im Westen hat er mächtige Freunde und Unterstützer. In der Ukraine ist er so beliebt, dass er eine ernsthafte Gefahr für Selensky werden könnte, wenn es dort eines Tages zu Wahlen kommt. Da Selensky hart gegen jeden vorgeht, der im Land beliebter wird als er selbst, war sein Vorgehen gegen Fjodorow nur bedingt überraschend.

Aber da Fjodorow im Westen beliebt ist, protestierten EU und NATO gegen Fjodorows Absetzung und in der Ukraine finden seitdem jeden Tag Proteste gegen Selensky und für Fjodorows Wiedereinsetzung statt, die wegen der auf Pappschildern präsentierten Forderungen als „Pappmaidan“ bezeichnet werden. Dass dahinter, wie schon hinter den Protesten vom letzten Jahr, aller Wahrscheinlichkeit wieder die EU steckt, ist ziemlich offensichtlich.

Selensky hat angesichts der Proteste im Land und des Drucks aus dem Westen auf Zeit gespielt und darauf gehofft, dass der Ärger im Westen und die Proteste in der Ukraine abflauen, indem er auf die Sommerpause des Parlaments gesetzt hat, die unmittelbar nach der Regierungsumbildung begann und einen Monat dauern sollte. In dieser Zeit hatte die Ukraine keinen ordentlich ernannten Verteidigungsminister, sondern nur einen amtierenden.

Nun ist die Sommerpause vorbei und am Mittwoch, dem 19. August, hat Selensky der Rada seinen Kandidaten für das Amt des Verteidigungsministers vorgeschlagen. Und das war natürlich nicht Fjodorow. Es war also zu erwarten, dass der 19. August in Kiew spannend werden würde. Und so kam es auch.

Der Showdown

Mittwoch, der 19. August begann damit, dass Fjodorow am Morgen eine Videoansprache veröffentlichte, in der die Notwendigkeit von Wahlen betonte. Er kritisierte insbesondere die Korruption der Regierung und merkte an, dass diese lediglich das Symptom einer „systemischen Regierungskrise“ sei. Das alte System „lebt allzu oft nach seinen eigenen Regeln, es schützt sich selbst, es fürchtet Veränderungen“, erklärte Fjodorow. Daher forderte er Wahlen und dass die Regierung nun die Bürger fragen müsse, ob sie ihr weiterhin vertrauen.

Ein Sprecher des Büros von Selensky lehnte eine klare Stellungnahme zu Fjodorows Forderung nach Wahlen ab.

Der Rada-Abgeordnete Alexej Gontscharenko erklärte, der ehemalige Verteidigungsminister gehe aufs Ganze und fasste Fjodorows Video wie folgt zusammen: Fjodorow wirft Selensky Machtergreifung und David Arachamija, dem Fraktionsvorsitzenden der Regierungspartei „Diener des Volkes“, Korruption vor.

Das Portal „Strana“ berichtete, dass Fjodorows Unterstützer eine Kampagne gestartet hätten, um die Bestätigung von Selenskys Kandidat Jewgeny Chmara als neuem Verteidigungsminister zu verhindern. “Strana” vermutet, dass das Ziel sei, Selensky zu Neuwahlen zu zwingen, die Fjodorow gewinnen könnte. Außerdem berichtete „Strana“, das NABU übe Druck auf die Rada aus, um die Wahl von Chmara zu verhindern.

Das jedoch war erfolglos, denn in der Rada fand sich später am Tag eine Mehrheit für die Wahl von Chmara, der damit nun offizieller der Nachfolger von Fjodorow als Verteidigungsminister ist.

Fast gleichzeitig zu den Ereignissen am Morgen ging das NABU zum Angriff über, verkündete die Durchführung der Operation „Forrest Gump“, veröffentlichte neue Tonmitschnitte und führte Hausdurchsuchungen durch.

Operation „Forrest Gump“

Das NABU teilte auf Telegram mit, es würde mit der Anti.Korruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) eine Sonderoperation zur Aufdeckung einer kriminellen Organisation durchführen. Demzufolge operiere die Gruppe unter der Leitung eines aktuellen und eines ehemaligen ukrainischen Parlamentsabgeordneten unter Beteiligung von Beamten aus dem Büro von Selensky. Der Codename der Operation, die sich gegen auch Mitarbeiter aus dem Büro von Selensky richtete, trage den Namen „Forrest Gump“.

NABU und SAP veröffentlichten auf ihren Telegram- und YouTube-Kanälen ein 47-sekündiges Video, in dem eine Stimme die Bedeutung des Namens der Operation erklärt und in dem die Stimme einer ungenannten Person zu hören ist, die in die Korruption verwickelt ist und sich bereit erklärt, zu gestehen und auszusagen. Dabei ist die Rede von „vier Taschen“, deren Inhalt nicht offengelegt wird. Es gehe um 150 Millionen Griwnja (3,3 Millionen US-Dollar) in bar, die laut den Ermittlern über die Konten mehrerer Briefkastenfirmen gewaschen wurden, um die Kaution für einen der Beteiligten im Fall „Midas“, also der Korruptionsaffäre vom November, zu bezahlen.

Laut dem NABU gehören zu der kriminellen Gruppe Irina Mudraja, die stellvertretende Leiterin des Büros von Selensky, ein aktives und ein ehemaliges Mitglied der Rada, der Vorstandsvorsitzende einer Bank und weitere Personen. In den veröffentlichten Aufnahmen sagt Mudraja, sie habe mit dem „israelischen Flüchtling“ gesprochen, und stellt dann klar, dass damit Minditsch gemeint ist. Sie behauptet, er habe sie angewiesen, die Kontrolle über die Sense-Bank zu übernehmen und deren Gelder zu verwenden, um die Kaution für den ehemaligen Energie- und Justizminister und Minditschs Komplizen Herman Galuschtschenko zu stellen.

Dass Mudraja, immerhin die stellvertretende Büroleiterin von Selensky, weiterhin Kontakt zu Minditsch hat und dessen Anweisungen ausführt, ist schon deshalb bemerkenswert, weil Minditsch in der Ukraine wegen Korruption, Geldwäsche und Veruntreuung gesucht wird. De facto ist das ein weiterer Beweis für die Verstrickung von Selenskys engsten Mitarbeitern – und damit wohl auch von Selensky selbst – in die Korruptionsfälle.

Bemerkenswerterweise sprechen die Beteiligten auf den Aufnahmen fast nur Russisch, das die ukrainische Regierung, der die Beteiligten angehören, verbieten will und dessen Benutzung in der Ukraine bereits in vielen Fällen bestraft wird. Die veröffentlichten Tonaufnahmen dauern insgesamt etwa 24 Minuten, enthalten aber nur zwei Fragmente, in denen Mudraja und ihre nicht namentlich genannten Gesprächspartner Ukrainisch sprechen. Jedes dieser Fragmente ist weniger als eine Minute lang.

Laut „Strana“ ist auf den neuen Tonbändern, in denen es um die Übernahme der Kontrolle über die Sense Bank zur Hinterlegung einer Kaution für den ehemaligen Energie- und Justizminister Herman Galuschtschenko geht, angeblich die Stimme von Mudraja zu hören. Sie spricht außerdem mit einem ehemaligen Mitglied der Rada und erwähnt David, möglicherweise den Fraktionsvorsitzenden Arachamija, und den Vorsitzenden eines Komitees.

Mudraja erklärt, „diesen Gaunern“ könne man „die Bank nicht anvertrauen“, denn dort gäbe es „Geldströme“, daher sei sie mit der Übernahme der Bank beauftragt worden und das Geld werde dort eingezahlt, wo ein Beamter aus Selenskys Büro es sage. „Strana“ geht davon aus, dass damit Andrej Jermak gemeint war, der damalige Leiter von Selenskys Büro.

Mudraja beschwert sich außerdem darüber, dass der Chef der Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) unkontrollierbar sei, und sie beschwert sich darüber, dass die USA in der Ukraine eine „eigene Personalreserve“ aufbauen, indem sie eigene Leute in Schlüsselpositionen platzieren.

Außerdem sprechen die Beschuldigten in der Aufnahme davon, dass die Korruption in der Ukraine systematisiert, kontrolliert und gelenkt werden müsse, da sie „unmöglich zu bekämpfen“ sei.

Der Rada-Abgeordnete Alexej Gontscharenko berichtete am Morgen, dass das Haus von Mudraja durchsucht wurde. Laut dem Abgeordneten Schelesnjak wurde auch die Sense-Bank sowie das Haus ihres Aufsichtsratsvorsitzenden durchsucht. Die Sense-Bank habe auch Verbindungen zu dem nach Israel geflohenen Timur Minditsch, der im Kern der Skandale steht.

Im Laufe des Tages hat Selensky Mudraja entlassen und am Abend wurde bekannt, dass das NABU Anklage gegen sie erhoben hat.

Nun werden die nächsten Tage zeigen, wie diese neue Etappe des Machtkampfes weitergeht.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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