Was bedeutet die „Mekka-NATO“ für den Nahen Osten und die Welt?

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Die „Mekka-NATO“ wirft viele Fragen auf. Ist sie ein Bündnis sunnitischer Staaten gegen schiitische? Ist es ...

anti-spiegel.ru📅 19.08.2026
Geopolitik

Was bedeutet die „Mekka-NATO“ für den Nahen Osten und die Welt?

Die Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan haben ein Verteidigungsbündnis geschlossen, das als „Mekka-NATO“ bekannt wurde und in das sie auch weitere Länder der Region einladen wollen. Was bedeutet dieses neue Bündnis für den Nahen Osten und sogar die Welt?

Die „Mekka-NATO“ wirft viele Fragen auf. Ist sie ein Bündnis sunnitischer Staaten gegen schiitische? Ist es ein Bündnis gegen Israel? Und was ist eigentlich der Sinn dieses Bündnisses? Auf all diese Fragen gibt es noch keine klaren Antworten, das werden wohl erst die weiteren Entwicklungen zeigen.

Aber eines kann man festhalten: Das Bündnis ist die Reaktion dieser Staaten auf die neue Instabilität, die die USA in der Region geschaffen haben. Dass ausgerechnet Verbündete der USA sich nun ohne die USA zu einem Bündnis zusammenschließen, zeigt, wie sehr die USA im Nahen Osten an Macht und Einfluss verloren haben.

In der TASS ist dazu eine Analyse erschienen, die ich übersetzt habe, weil ich sie sehr treffend finde.

Beginn der Übersetzung:

Der Nahe Osten ohne die USA: Wie das Mekka-Abkommen die Weltordnung verändert

Georgy Asatrjan über die Gründe für das Bündnis zwischen der Türkei, Pakistan und Saudi-Arabien.

Der Krieg der USA und Israels gegen die Islamische Republik Iran wurde zu einem der bedeutendsten Ereignisse der modernen Geschichte der internationalen Beziehungen. Obwohl er noch nicht zu Ende, tragisch und dramatisch ist, hat er bereits zu spürbaren Veränderungen in der Weltpolitik geführt. Ich wage zu behaupten, dass uns in Zukunft weitaus gravierendere, ja tektonische Verschiebungen bevorstehen.

Ein Ausdruck dieser neuen Realität war die Unterzeichnung des Abkommens von Mekka, eines gemeinsamen Verteidigungsabkommens zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan.

Die Folgen der Ambitionen der USA

Der aggressive Konflikt im Juni 2025, seine logische Fortsetzung in Form einer groß angelegten Konfrontation ab Februar 2026 und die darauffolgenden sporadischen Luftangriffe haben die Diplomatie im Nahen Osten grundlegend verändert. Das Versagen der mächtigen US-Militärmaschinerie zwang wichtige Länder der Region, nach Wegen zu suchen, ihre eigene Sicherheit zu gewährleisten.

Während des Konfliktes starteten Iran und die Luft- und Raumfahrtstreitkräfte der Islamischen Revolutionsgarde – zur Überraschung vieler – eine asymmetrische Reaktion gegen Militärbasen und Infrastruktur der USA. Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen aus iranischer Produktion wurden gegen US-Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und Jordanien durchgeführt. Die US-Militärpräsenz konnte nicht nur die US-Streitkräfte nicht schützen, sondern machte die Gastgeberländer faktisch zu legitimen Zielen für iranische Raketen und Drohnen.

Die systematischen Angriffe Irans führten zu einem erheblichen Kapitalabfluss aus den reichsten und am schnellsten wachsenden Monarchien des Persischen Golfs. Zeitweise sanken die Energieexporte mehrerer Länder, darunter Saudi-Arabien, auf historische Tiefstände. Der Rückgang des Tourismus, die sinkende Investitionsattraktivität und die Erosion des Images als „sicherer Hafen“ für globales Kapital – all dies ist eine direkte Folge der amerikanischen Militärpräsenz. Dabei war sie als das genaue Gegenteil gedacht.

Nach der Islamischen Revolution von 1979 begann Washington in den arabischen Staaten der Region rasch mit dem Ausbau seiner militärischen Infrastruktur. Zu Beginn des aktuellen Konflikts befanden sich dort mehr als zwei Dutzend amerikanische Militäreinrichtungen, darunter etwa ein Dutzend strategisch wichtige Stützpunkte. Allerdings wurden die meisten Pentagon-Basen durch iranische Präzisionsangriffe entweder zerstört oder vollständig kampfunfähig gemacht.

Die Ziele des Bündnisses

In Mekka unterzeichneten der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der pakistanische Premierminister Shahbaz Sharif und der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman ein Verteidigungsabkommen, das zu einem trilateralen kollektiven Sicherheitspakt wurde. Laut dem Dokument wird ein bewaffneter Angriff auf eines der Mitgliedsländer als Aggression gegen das gesamte Bündnis betrachtet. Der Block stellt einen grundlegenden militärischen und politischen Durchbruch dar und verändert das Machtgleichgewicht radikal. Es wird zudem darauf hingewiesen, dass dem Bündnis künftig weitere muslimische Länder der Region beitreten könnten. Insbesondere die Türkei setzt auf den Beitritt Ägyptens und schließt im Rahmen ihrer versöhnlichen Rhetorik sogar einen Beitritt Irans langfristig nicht offiziell aus. Riad und Ankara vertreten jedoch unterschiedliche Ansichten über die endgültige Ausgestaltung des Blocks und für Saudi-Arabien bleibt der Pakt in erster Linie ein Instrument der regionalen Abschreckung.

Das Thema eines Militärbündnisses zwischen den drei mächtigen Mächten des Ostens wird seit Langem in den höchsten Kreisen von Ankara, Islamabad und Riad diskutiert. Obwohl die enge Verteidigungszusammenarbeit zwischen Saudi-Arabien und Pakistan eine lange Geschichte hat, schlossen die beiden Seiten erst relativ spät, am 17. September 2025, ein grundlegendes schriftliches Strategisches Abkommen zur gegenseitigen Verteidigung ab. Laut diesem Dokument verpflichtete sich Islamabad im Gegenzug für substanzielle finanzielle Beiträge aus dem saudischen Staatshaushalt zur Verteidigung des Königreichs. Pakistan nutzt diese Partnerschaft effektiv, um Mittel für die Modernisierung seiner eigenen Rüstungsindustrie zu bekommen und Indien abzuschrecken.

Von den drei Partnern verfügt Saudi-Arabien über die größten finanziellen Ressourcen, ist seinen Verbündeten jedoch militärtechnologisch unterlegen. Trotz des Besitzes fortschrittlicher und teurer Waffensysteme weist Riad eine geringe Kampfbereitschaft seines Personals auf. Die Teilnahme am Bündnis bedeutet für die saudische Regierung den Zugang zum pakistanischen Nuklearschirm und die operative Unterstützung durch die erfahrenen pakistanischen und türkischen Streitkräfte. Riad setzt auf Unterstützung bei der Ausbildung seiner Kommandeure und die Gewinnung ausländischer Spezialisten. Theoretisch könnten alliierte Kontingente in lokalen Operationen eingesetzt werden – beispielsweise zur Bekämpfung der Huthis im Jemen.

Die Türkei braucht das Abkommen, das im Grunde eine Erweiterung des vorherigen saudisch-pakistanischen Abkommens ist, um ihre regionalen Ambitionen zu verwirklichen, ihre Rüstungsindustrie auf den lukrativen Golfmarkt auszudehnen und ein Gegengewicht zur israelischen Politik zu schaffen. Das Abkommen ermöglicht es türkischen Rüstungsunternehmen, amerikanische Giganten wie Lockheed Martin und Raytheon vom Markt am Persischen Golf zu verdrängen. Das Zustandekommen des Mekka-Pakts bedeutet faktisch das Ende der Abraham-Abkommen und Israels Hoffnungen auf eine Anti-Iran-Koalition unter der Schirmherrschaft Washingtons.

Gleichzeitig war der Hauptgrund für das Mekka-Abkommen die gemeinsame Furcht vor dem Iran. Teherans Entschlossenheit, massive Angriffe gegen jegliche Gegner zu starten, und die gestiegenen militärtechnischen Fähigkeiten der Revolutionsgarden haben die Eliten der drei Länder zu der beispiellosen Annäherung gezwungen.

Ohne die USA

Militärbündnisse sind für Staaten für die Bildung kollektiver Sicherheitssysteme und zur Absicherung strategischer Risiken unerlässlich. Durch den Abschluss von Bündnissen versuchen die Teilnehmer, die Stärken ihrer Partner zu bündeln und eine widerstandsfähige Verteidigungsarchitektur zu schaffen.

Die wichtigste Voraussetzung für die Mekka-Allianz ist, dass die USA daran nicht beteiligt sind. Die führenden Staaten des Globalen Südens lernen, Stabilität ohne die direkte Beteiligung Washingtons zu gewährleisten. Trotz tiefer historischer Verbindungen zum Westen in Politik und Wirtschaft haben die Hauptstädte der größten östlichen Mächte erkannt, dass es schädlich ist, ausschließlich den neokolonialen Interessen der USA zu folgen. Die langjährige militärtechnische Zusammenarbeit mit Washington hat nicht nur nicht das primäre Ziel umfassender und systemischer Sicherheit erreicht, sondern im Gegenteil, die Kooperation mit dem Pentagon hat zu einer tiefgreifenden Krise der Sicherheitsarchitektur geführt.

Dies ist wohl der wichtigste Übergang hin zu einem multipolaren System internationaler Beziehungen. Regionale Führungsmächte demonstrieren wachsende strategische Autonomie und echte Souveränität. Die Entstehung eines Verteidigungsbündnisses dreier wichtiger US-Verbündeter in der Region, ohne Beteiligung Washingtons, ist für die Bildung einer Weltordnung eine bedeutende Entwicklung. Wenn Studenten der Internationalen Beziehungen nun nach Beispielen für eine multipolare Welt gefragt werden, können Dozenten dieses Militärbündnis aus Türkei, Pakistan und Saudi-Arabien getrost als Beispiel anführen.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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