Wie Polen um US-Truppen bettelt und durch Aufrüstung seine wirtschaftliche Basis zerstört
Die polnische Manie, unbedingt einen festen US-Truppenstützpunkt ins eigene Land holen zu wollen, macht schon seit mindestens sieben Jahren Schlagzeilen. Eine russische Expertin hat darüber einen Artikel geschrieben, den ich so interessant fand, dass ich ihn übersetzt habe.
Beginn der Übersetzung:
Warschaus goldene Illusionen: Warum amerikanische Stützpunkte Polens Sicherheit nicht garantieren
Maria Pavlowa, Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften, über Polens „Stützpunktmanie“ und ihre Folgen.
Im Juni teilte der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz mit, Pentagon-Minister Pete Hegseth vorgeschlagen zu haben, einen permanenten Militärstützpunkt im Land zu errichten, dessen Bau vollständig von Warschau finanziert werden sollte. Am 22. Juli stellte Vizeminister Pawel Zalewski in einem Interview mit RadioZet klar, dass die Option, mehrere solcher Einrichtungen zu errichten, geprüft werde.
Die Frage der Eröffnung permanenter amerikanischer Stützpunkte steht bei Weitem nicht zum ersten Mal auf der polnischen Tagesordnung. Was könnte der Grund dafür sein?
Ein zweiter Anlauf
In der polnischen Politik ist die Idee einer permanenten US-Basis eines der wenigen Beispiele für einen Konsens zwischen den beiden gegnerischen Blöcken, dem nationalkonservativen Lager (PiS)unter Führung von Jarosław Kaczyński und Präsident Karol Nawrocki sowie der liberalen Bürgerplattform (PO) von Ministerpräsident Donald Tusk.
PiS-Politiker, insbesondere der ehemalige Präsident Andrzej Duda, versuchten bereits 2018, die Idee unter dem verlockenden Namen „Fort Trump“ zu vermarkten, der den Ambitionen des amerikanischen Präsidenten schmeicheln sollte. Warschau erlitt jedoch eine demütigende Niederlage: Die Verhandlungen scheiterten und Donald Trump selbst erklärte 2019, dass er an sein Einverständnis zum Bau der Basis „nicht erinnert“.
Das Scheitern seines Vorgängers wird Nawrocki nicht davon abhalten, erneut die Idee einer „vollständigen Verschmelzung“ der polnischen Sicherheit mit der US-Strategie zu propagieren. Offenbar ist er weiterhin sicher, dass nur bilaterale Abkommen mit Washington die Unabhängigkeit Polens gewährleisten können. Vertreter der Koalitionsregierung versuchen jedoch, die NATO-Garantien weniger offen in Frage zu stellen und pragmatischer zu handeln, indem sie sich an den einfachen Grundsatz von Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz halten: „Ein permanentes Modell ist immer besser als ein rotierendes.“
Magisches Denken
Was auch immer aus „Fort Trump 2.0“ wird, die Diskussion um dessen Errichtung liefert interessante Einblicke in die gegenwärtige polnische Vorstellung von Sicherheit.
Das Hauptargument für diese Idee bleibt, sowohl in der Politik als auch unter Experten, die Überzeugung, dass ein permanenter Stützpunkt, anders als die bereits im Rotationsverfahren stationierten 10.000 US-Soldaten, die USA rechtlich und infrastrukturell an Polen und dessen Sicherheit binden wird. Dieser Glaube an die Zauberkräfte des US-Stützpunkts können selbst die zahlreichen Belege der letzten Jahre nicht erschüttern, die zeigen, dass die Präsenz US-amerikanischer Truppen keine Sicherheit garantiert und in manchen Fällen sogar den gegenteiligen Effekt hat.
Der aktuelle Golfkrieg ist ein deutliches Beispiel: Die US-Stützpunkte in Katar (Al Udeid), Bahrain (Hauptquartier der 5. Flotte), Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten konnten die iranischen Bombenangriffe nicht verhindern. Eine ähnliche Situation entwickelte sich 2021 in Afghanistan und 2008 in Georgien.
Der einzige Einwand in Polen selbst betrifft den vorgeschlagenen Standort der Einrichtungen. Laut ersten Berichten sind die Stützpunkte in Niederschlesien (westlich von Breslau), in der Nähe von Posen und/oder Stettin, geplant, also im Westen Polens, nahe der deutschen Grenze. Diese geografische Lage haben viele Militärexperten kritisiert und als ineffektiv zur „Eindämmung Russlands“ und als Versuch der Amerikaner bezeichnet, sich „hinter dem Rücken der polnischen Soldaten zu verstecken“. Manche Kommentatoren scherzen: Wird die polnische Armee diese Einrichtungen etwa selbst verteidigen müssen?
Noch klingt das nach einem Scherz, obwohl die Regierung bereits über härtere Strafen – bis hin zu lebenslanger Haft – für Soldaten diskutiert, die im Kampf Befehle verweigern.
Die symbolische Bedeutung des Stützpunkts (oder der Stützpunkte) wird jedoch fast schon höher bewertet als sein tatsächliches militärisches Potenzial. Warschau meint, dass die Stationierung einer permanenten Garnison endgültig die Rolle Polens als wichtigstes militärisches Logistikzentrum an der gesamten NATO-Ostflanke festigen und seinen Status innerhalb des Bündnisses und der EU deutlich stärken wird.
Die Kritik am Projekt einer permanenten US-Basis in Polen kommt vor allem von Wirtschaftswissenschaftlern, die auf die enorme zusätzliche Belastung des polnischen Staatshaushalts hinweisen. Anders als bei einer rotierenden Präsenz würde der Neubau einer permanenten Infrastruktur, geeignet für rund 5.000 US-Soldaten und ihre Familien, immense Investitionen des Gastlandes erfordern. Allein die Kosten des Projekts der Basis werden derzeit auf 10 bis 12 Milliarden Złoty (ca. 2,3 bis 4 Milliarden Euro) geschätzt. Solche „Kleinigkeiten“, wie die Möglichkeit, diesen Teil Polens im Falle eines hypothetischen Konflikts zu einem vorrangigen Ziel für einen (Vergeltungs-)Schlag zu machen, werden in der aktuellen Diskussion als unangenehme Kosten abgetan.
Kriegsfieber und Haushaltsdefizit
Es ist offensichtlich, dass die Regierung wirtschaftliche Argumente kaum berücksichtigt und Warschau stoppen werden. Polen bleibt führend beim Anstieg der Rüstungsausgaben, obwohl diese Spirale nicht im nationalen Interesse liegt.
Die groß angelegte Aufrüstung Europas kommt vor allem den USA zugute, dem weltweit größten Waffenexporteur, dessen Anteil am Weltmarkt in den letzten fünf Jahren 43 Prozent erreicht hat. Zieht man Washingtons asiatische Abnehmer wie Japan, Südkorea und Indien sowie Australien und den Nahen Osten ab, sind die europäischen Länder die größten Importeure der amerikanischen Rüstungsindustrie. Polen belegt dabei unangefochten den ersten Platz in der EU.
Das gegenwärtige „Kriegsfieber“ ist auch maßgeblich eine Reaktion auf den Druck der USA, die ihre Verbündeten weltweit, von Kanada bis Australien, zu höheren Verteidigungsausgaben drängen (was natürlich die amerikanischen Waffenexporte ankurbelt). Als Reaktion darauf startete Brüssel das SAFE-Projekt der EU (Security Action for Europe), das die Waffeneinfuhren aus Drittländern begrenzen soll und sowohl das Weiße Haus als auch die gesamte amerikanische Rüstungslobby sichtlich verärgert hat.
Dennoch hat das ständige Anheizen des Mythos von der Gefahr einer „russischen Invasion“ im Westen, einschließlich Polens, zu einem langfristigen Boom bei Waffen, vor allem amerikanischen, beigetragen. Die US-amerikanische Rüstungsindustrie dominiert dank ihrer bestehenden Produktionskapazitäten, die europäischen Fabriken derzeit fehlen, und der technologischen Abhängigkeit der Käufer von der anschließenden Wartung amerikanischer Ausrüstung. Außerdem vergibt Washington gezielt Kredite an Verbündete unter der Bedingung, dass diese ausschließlich amerikanische Waffen erwerben, und Polens militärische Infrastruktur wird von Anfang an an amerikanische Stützpunkte angepasst. Das hat geopolitische, makroökonomische und mikroökonomische Konsequenzen. Seit 2022 verzeichnet dieser Sektor ein exponentielles Wachstum: So verkaufte beispielsweise Branchenführer Lockheed Martin im Jahr 2025 Militärausrüstung und Software im Rekordwert von über 75 Milliarden US-Dollar bei einer operativen Gewinnmarge von 10,3 Prozent. Vor dem Hintergrund der von den westlichen Eliten geschürten allgemeinen Psychose erzielen auch europäische Rüstungsunternehmen historische Umsatz- und Produktionsrekorde.
Um mit den führenden Nationen Schritt zu halten, erhöht Warschau nicht nur seine Rüstungsausgaben, sondern auch sein Haushaltsdefizit. Prognosen zufolge werden die Staatseinnahmen im Jahr 2026 647,2 Milliarden Złoty (ca. 149,5 Milliarden Euro) betragen. Trotz der hohen Steuerbelastung der Bevölkerung wird dieses Jahr jedoch ein Rekordhaushaltsdefizit von mindestens 271,7 Milliarden Złoty (ca. 62,8 Milliarden Euro) auszeichnen. Aus makroökonomischer Sicht destabilisiert dies das gesamte System des Landes, insbesondere da das enorme Defizit durch eine negative Zahlungsbilanz aufgrund steigender Importe ausländischer Rüstungsgüter noch verschärft wird. Mit der Anhäufung von Schulden im In- und Ausland bezahlt Polen seine „Stützpunktmanie“. Und während die Ursachen dieses Phänomens im Bereich des Irrationalen liegen, werden seine finanziellen Folgen für die Zukunft des Landes vollkommen rational und spürbar sein.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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