Beim 250. Jahrestag der Gründung der USA soll auch das Lebenswerk eines Pommern gewürdigt werden: Georg Karl Boldt. Am 25. April 1851 in Bergen auf Rügen geboren, wanderte er 1864 nach Amerika aus, wo er 1876 von seinem Schwiegervater zunächst in der Küche angestellt und später zum Assistenten im exklusiven Philadelphia Club in Philadelphia ernannt wurde. Die Verbindung zu den finanzkräftigen Herrenclub-Mitgliedern ermöglichten Boldt 1881 den Aufbau eines Hotels in seiner neuen Heimatstadt.
Dieses Hotel, das „Bellevue“, hob sich von den damals üblichen Standards ab – Boldts Ehefrau Louise legte Wert auf Ausstattung und Details. Auch die Gastronomie machte den Unterschied und den guten Ruf aus. Die dort angebotene „Philadelphia Schildkröte“ wurde sogar auf Bestellung Königin Victorias bis nach England verschifft. Seine Konkurrenz, das Stratford-Hotel, kaufte er auf und baute hier ein Hotel mit 1.090 Zimmern, das legendäre Bellevue-Stratford-Hotel, das 1904 eröffnet wurde und heute als Bellevue-Hotel zur Hyatt-Gruppe gehört.
Von 1890 bis 1893 errichtete er mit William Waldorf Astor zunächst das Waldorf-Hotel in New York. Als 1897 John Jacob Astor das benachbarte Astoria-Hotel baute, vermittelte er zwischen den konkurrierenden Cousins und fusionierte beide zum Waldorf-Astoria-Hotel unter seiner Verwaltung und Führung. Die jetzt zusammengehörenden Hotels wurden durch die „Peacock-Galerie“ verbunden. Dieser Gebäudekomplex an der Fifth Avenue musste übrigens 1929 abgerissen werden, um Platz für das Empire State Building zu machen. Das neue Waldorf-Astoria eröffnete 1931 an der Park Avenue.
Doch wo lag das Geheimnis seines Erfolgs? Dank seiner Frau legte Boldt in seinen Hotels Wert darauf, die Häuser für Frauen attraktiv zu machen. Auch im Preissegment lag Boldts Hotel weit über dem üblichen Durchschnitt. Dies hatte zur Folge, dass die Gäste bei ihm Schlange standen, um gesellschaftlich zu zeigen, dass sie es sich leisten konnten und dazu gehörten. Zur Steigerung dieses Effekts trug rein äußerlich auch die Einschränkung des Zugangs bei: Einlass fand nur, wer eine weiße Krawatte trug und zahlungskräftig war!
Wie er es schaffte, mit dem Waldorf-Astoria-Hotel – in einer Zeit wirtschaftlicher Depression – das damals größte Hotel der Welt zu schaffen, umriss ein Zeitzeuge, indem er die Leistung des Pommern so auf den Punkt brachte: „Boldts Genialität bestand darin, der Masse Exklusivität anbieten zu können.“ Boldt half jedoch auch Geschäftsleuten und Mitarbeitern, die in Schwierigkeiten waren. Seine Tür, so Boldt, stehe immer offen.
Am 5. Dezember 1916 starb der geniale Hotelier George Charles Boldt in seinem Zuhause, der 9. Etage des Waldorf-Astoria, an einem Herzinfarkt. Sein Vermögen wurde auf 25 Millionen US-Dollar geschätzt. Der heutige Wert wäre 763.807.339,45 US-Dollar. Wie sehr er Achtung erfuhr, lässt sich vielleicht daran messen, dass für das letzte Geleit vom Waldorf-Astoria zur Kirche in New York der Verkehr angehalten wurde und einige der mächtigsten Männer Amerikas als Sargträger dienten.
Was blieb
Sein Sohn, George Charles Boldt jr., übernahm nach seinem Tod die Geschäfte. Gemeinsam mit seiner Schwester Clover Louise Boldt wurden auch die wohltätigen Stiftungen fortgesetzt. Heute erinnern an George Charles Boldt (Georg Karl Boldt) unter anderem der Boldt-Turm der Cornell-Universität und das sechsstöckige Boldt-Schloss auf Heart Island, in den Thousand Islands des Sankt-Lorenz-Stromes, auf der New Yorker Seite der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada gelegen.
Das Schloss ließ er als Geschenk für seine Ehefrau und große Liebe Louise bauen, die jedoch viel zu früh bereits am 7. Januar 1904 im Alter von 42 Jahren verstarb. Daraufhin stoppte er den Bau und kehrte nie mehr auf die Insel zurück. Erst ab 1977 erfolgte die Sanierung, die das Schloss zu einer Touristenattraktion machte, die von vielen Menschen besucht wird. Wer mag ahnen, dass ein Pommer der Initiator war?
Luxushotels waren sein Metier – Der Herr über das Waldorf-Astoria
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Von Pommern nach USA – Georg Karl Boldt machte sein Glück im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“
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