Der Konflikt zwischen den USA und Saudi-Arabien
Dass es zwischen den USA und Saudi-Arabien nicht mehr so gut läuft, wie früher, war schon lange sichtbar. Unvergessen sind die Forderungen der Biden-Regierung, die Saudis sollten die Ölförderung erhöhen, um den Ölpreis zu senken und damit Russland zu schwächen, was die Saudis einfach ignoriert haben. Auch unter Trump, der in beiden Amtszeiten seine erste Auslandsreise nach Saudi-Arabien gemacht hat und von dem daher gedacht wurde, er habe bessere Beziehungen zum saudischen Herrscher, haben sich die Beziehungen anscheinend nicht wesentlich verbessert.
Der Irankrieg, vor dem die US-Regierung weder die Europäer noch die Golfstaaten informiert hat, hat eine neue Krise in den amerikanisch-saudischen Beziehungen ausgelöst. Darüber hat die New York Times vor einigen Tagen in einem Artikel berichtet, den ich übersetzt habe.
Beginn der Übersetzung:
Wie der Irankrieg einen Konflikt zwischen Trump und dem saudischen Kronprinzen auslöste
Kronprinz Mohammed bin Salman hatte Präsident Trump zuvor gedrängt, den Iran zu schwächen. Doch als der Iran seine Macht ausbaute, erklärte der Prinz einen Waffenstillstand und verfolgt bei der Sicherheit nun seine Prioritäten.
Präsident Trump und seine Militärkommandeure waren in einer Zwickmühle.
Sie hatten den Beginn einer neuen Mission angekündigt, um zu helfen, Handelsschiffe durch die Straße von Hormus zu lotsen, die der Iran zu Beginn des Krieges faktisch abgeriegelt hatte. Die US-Marine und -Luftwaffe sollten während eines vorläufigen Waffenstillstands iranische Angriffe abwehren, sagten die Kommandeure.
Das US-Zentralkommando wurde jedoch überrascht, als saudische Offizielle erklärten, die amerikanischen Streitkräfte dürften den Luftraum des Königreichs für die Mission, die das Pentagon „Projekt Freedom“ nannte, nicht nutzen. Die Amerikaner hatten die Saudis nicht konsultiert.
Das löste eine Reihe angespannter und dringender Telefonate zwischen Washington und Kronprinz Mohammed bin Salman, dem Herrscher Saudi-Arabiens, aus. Ein empörter Präsident Trump sprach am 4. Mai, dem ersten Tag der Operation, und auch an den beiden darauffolgenden Tagen mit ihm, wie US-Beamte mitteilten.
Vizepräsident JD Vance sprach in einem separaten Telefonat mit dem Kronprinzen, ebenso wie Steve Witkoff, der Sondergesandte für den Nahen Osten, und Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn. Marco Rubio, der nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses, sprach mit seinem Amtskollegen.
Doch der Kronprinz blieb standhaft, da er befürchtete, der amerikanische Plan könne den Krieg neu entfachen. Die Trump-Regierung war gezwungen, das Projekt „Freedom“ weniger als 48 Stunden nach dessen Beginn einzustellen.
„Sie hatten das Vertrauen in die US-Regierung verloren und befürchteten, dass sie, wenn sie den USA die Nutzung ihres Luftraums gestatteten, vom Iran noch härter getroffen würden“, sagte Hussein Ibish, Wissenschaftler am Arab Gulf States Institute in Washington.
Die Kampagne des Weißen Hauses zur Beeinflussung von Prinz Mohammed und andere entscheidende Momente während des Krieges offenbarten, dass amerikanische und saudische Beamte zunehmend uneins darüber sind, wie die Sicherheit in der Region, insbesondere im Hinblick auf Iran und Israel, zu handhaben ist.
Die Saudis betrachten die US-Regierung immer häufiger als unzuverlässig und mitunter sogar als Risiko für die arabischen Golfstaaten.
Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar hat Saudi-Arabien versucht, einen Mittelweg zum Schutz seiner Interessen zu finden. Es leistete den USA militärische und diplomatische Unterstützung und wurde vom Iran angegriffen.
Doch das Königreich hat sich in kritischen Momenten auch gegen Präsident Trump gestellt und seine Stärke demonstriert, als es größere Gefahren durch die amerikanische und israelische Aggression witterte.
Während US-Präsident Trump versucht, die Diplomatie mit dem Iran, insbesondere im Hinblick auf dessen Atomprogramm, zu steuern, verfolgt Saudi-Arabien weiterhin eigene Initiativen, die von den amerikanischen Prioritäten abweichen, und stärkt die Beziehungen zu anderen Nationen. Dazu gehören Pakistan und China, die 2023 maßgeblich zur diplomatischen Öffnung zwischen dem Königreich und dem Iran beigetragen haben. Der saudische Außenminister besucht diese Woche China.
Aufgrund dieser Öffnung sprechen saudische Regierungsvertreter direkt mit ihren iranischen Kollegen über die iranische Kontrolle der Meerenge, das Raketenarsenal und die Unterstützung regionaler Milizen – allesamt Bedrohungen, die die saudische Führung als größer als das Atomprogramm einstuft.
Prinz Mohammed vollführte das ganze Jahr über einen Balanceakt. Er wies US-Präsident Trump vor Beginn des Konflikts auf die Risiken eines Krieges hin und riet ihm später, den Kampf gegen die iranische Regierung fortzusetzen, so Personen, die von US-Beamten informiert wurden (Saudi-Arabien hat das dementiert). Angesichts des anhaltenden iranischen Einflusses drängte Prinz Mohammed jedoch auf eine friedliche Einigung.
Das Königreich Saudi-Arabien startete im Verlauf des Krieges zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten geheime Vergeltungsangriffe gegen den Iran. Prinz Mohammed war jedoch, laut aktuellen und ehemaligen US-Beamten, nicht so begeistert von einer Eskalation wie der emiratische Herrscher.
Gleichzeitig agierte Prinz Mohammed aggressiver als seine Amtskollegen in Katar und Oman, die als diplomatische Vermittler zwischen den USA und dem Iran fungieren.
Während die Trump-Regierung nun versucht, über das am 14. Juni verkündete vorläufige Waffenstillstandsabkommen hinausgehende Abkommen mit dem Iran zu erzielen, drängen Saudi-Arabien und andere arabische Golfstaaten auf ein Ergebnis, das sie vor den Folgen eines möglichen Wiederaufflammens der Kampfhandlungen durch den Iran, Israel oder die USA schützen würde.
Angesichts von Trumps Zögern während des Krieges bezweifeln die Saudis, ob die Amerikaner in einem zukünftigen Konflikt irgendwelchen Schutz bieten oder vernünftig handeln würden. Die Saudis wurden 2019 skeptisch gegenüber Trump, als er sich weigerte, Vergeltung für einen Drohnen- und Raketenangriff des Irans auf saudische Ölfelder zu üben.
„Wir fangen einen großen Kampf an, langweilen uns dann und gehen“, sagte Herr Ibish. „Es ist wie bei Lucy und dem Fußball. Sie fühlen sich wie Charlie Brown am Boden.“
Anna Kelly, eine Sprecherin des Weißen Hauses, sagte, Trump habe ein „hervorragendes Verhältnis“ zu Saudi-Arabien. „Präsident Trump hört sich zu jedem Thema verschiedene Meinungen an und nimmt die Beiträge unserer regionalen Partner ernst“, sagte sie. „Letztendlich trifft er alle Entscheidungen im besten Interesse des amerikanischen Volkes und unserer nationalen Sicherheit.“
Das saudische Außenministerium reagierte nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme.
Die Aspekte der Partnerschaft zwischen den USA und Saudi-Arabien bleiben stark. Die beiden Regierungen verhandeln seit Monaten über den Aufbau eines zivilen Nuklearprogramms im Königreich, nachdem sie im vergangenen Jahr eine entsprechende Vereinbarung getroffen haben, so ein US-Beamter. Die Trump-Regierung könnte dem Kongress bald einen Plan vorlegen, obwohl einige amerikanische und israelische Vertreter befürchten, der Kronprinz könnte versuchen, Atomwaffen zu entwickeln.
Washington und Riad sprechen auch über den Ausbau von Landrouten, die die Straße von Hormus umgehen. Saudi-Arabien ist nach wie vor der mit Abstand größte Abnehmer amerikanischer Waffen.
In beiden Amtszeiten von Präsident Trump war Saudi-Arabien seine erste große Auslandsreise. Kushner pflegt enge Beziehungen zu Prinz Mohammed und reist häufig nach Riad, obwohl er keine Regierungsfunktion innehat. Vor vier Jahren erhielt Kushner eine Investition von zwei Milliarden Dollar aus einem vom Kronprinzen geführten Fonds.
Dennoch verhöhnte Trump Prinz Mohammed während des Krieges öffentlich. Im März äußerte er sich abfällig darüber, wie der Prinz ihn und seine Regierung unterschätzt habe.
„Er hat nicht gedacht, dass er mir den Arsch küssen würde“, sagte Trump auf einem von Saudi-Arabien organisierten Investorenforum in Miami.
Es gibt weitere Anzeichen für Spannungen. Als Rubio, der auch US-Außenminister ist, letzte Woche den Persischen Golf besuchte, ließ er Saudi-Arabien aus und machte stattdessen Station in Bahrain, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten, einem Erzrivalen des Königreichs.
Am Donnerstag trafen sich in Bahrain Diplomaten der arabischen Golfstaaten mit Rubio, um ihre Bedenken hinsichtlich der regionalen Sicherheit zu äußern. Auch der saudische Außenminister Prinz Faisal bin Farhan sprach unter vier Augen mit dem Minister.
„Dieses Bündnis wurde bei den jüngsten Ereignisse auf die Probe gestellt“, sagte Rubio bei dem Treffen, „und es hat bestanden. Das heißt, die Zusammenarbeit, der Austausch und die Freundschaft, die uns in diesen schwierigen Zeiten verbunden haben, wurden auf die Probe gestellt und haben sich mit fliegenden Fahnen bewährt.“
Saudi-Arabien begrüßt zwar die Waffenruhe, doch die drängendsten Probleme des Krieges wurden durch das vorläufige Abkommen nicht gelöst. So erkennt das Abkommen beispielsweise an, dass der Iran eine gewisse Kontrolle über die Straße von Hormus ausübt, und erlaubt es dem Iran und Oman, sich auf eine Methode für dessen Verwaltung zu einigen, die langfristig auch die Erhebung von Mautgebühren oder anderen Gebühren beinhalten könnte.
„In dem Moment, als der Iran die Straße von Hormus schloss, veränderte sich die gesamte Stimmungslage am Golf“, sagte Michael Ratney, ein Karrierediplomat, der vor seinem Rücktritt zu Beginn der zweiten Amtszeit Trumps US-Botschafter im Königreich war. „Nun schwebt der Iran wie ein Damoklesschwert über der Golf- und der Weltwirtschaft.“
Das vorläufige Dokument erwähnt zudem weder die iranischen ballistischen Raketen noch seine Unterstützung von Milizen.
Es ist unklar, ob die Trump-Regierung Iran zu einem Atomabkommen bewegen kann. 2018 kündigte Trump das Abkommen aus der Obama-Ära, an das sich Iran gehalten hatte, was die iranische Führung veranlasste, Uran stärker anzureichern.
Öffentlich lobten die Saudis Trumps Absichtserklärung mit Iran, die die Grundlage für den Waffenstillstand bildete.
„Ich denke, es ist unglaublich wichtig und bedeutsam, dass wir eine Absichtserklärung haben, die hoffentlich diesen Konflikt beendet und, was noch wichtiger ist, den Weg zur Lösung vieler offener Fragen ebnet“, sagte Außenminister Prinz Faisal am 18. Juni auf einem Forum in Wien. „Die wichtigste davon ist natürlich die Atomfrage.“
Saudische Regierungsvertreter verfolgen hinsichtlich der Auswirkungen des Abkommens jedoch eine abwartende Haltung. So haben sie beispielsweise keine Gelder für den Wiederaufbau Irans zugesagt, wie es das Abkommen von den USA und ihren regionalen Partnern fordert.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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