Putins Pressesprecher meint, Europa mache den „größten Fehler der Geschichte“

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Dass Roger Köppel, der Chefredakteur der Weltwoche, vor einigen Tagen in Moskau war, ist Lesern des Anti-Spiegel spätest...

anti-spiegel.ru📅 07.07.2026
Interview mit der Weltwoche

Putins Pressesprecher meint, Europa mache den „größten Fehler der Geschichte“

Roger Köppel von der Weltwoche hat in Moskau Putins Pressesprecher Peskow interviewt. Hier erfahren Sie aus erster Hand die aktuelle und offizielle Position des Kreml zum Ukraine-Krieg, zum Verhältnis zur EU und zu den USA.

Dass Roger Köppel, der Chefredakteur der Weltwoche, vor einigen Tagen in Moskau war, ist Lesern des Anti-Spiegel spätestens seit der Veröffentlichung seines Interviews mit mir bekannt. Ohne Kamera hat er mir erzählt, dass er einige Interviews mit hochkarätigen Gesprächspartner plane, aber bis zuletzt nicht sicher sein könne, ob alles klappt. Ich wusste also nicht, mit wem Herr Köppel sich in Moskau treffen wollte.

Eine dieser wichtigen Personen war Präsident Putins Pressesprecher Dmitri Peskow, wie wir nun wissen, weil die Weltwoche das Interview mit ihm online gestellt hat. Ich wollte eigentlich eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen von Peskow schreiben, aber die TASS war mal wieder schneller. Daher übersetze ich die Zusammenfassung der TASS und anschließend finden Sie am Ende dieses Artikels auch das vollständige Interview.

Beginn der Übersetzung:

Europas größter Fehler, Befreiung des Donbass und nukleare Eskalation: Die Erklärungen von Peskow

Die europäischen Länder glauben weiterhin, Russland eine strategische Niederlage beibringen zu können, sagte ein Kremlsprecher.

Europas Vertrauen auf eine strategische Niederlage Russlands sei der größte Fehler der Geschichte, sagte Dmitri Peskow, der Sprecher des russischen Präsidenten, in einem Interview mit der Zeitschrift „Die Weltwoche“.

Er betonte, dass sich die Militäroperation durch die Bemühungen des Westens zu einem ausgewachsenen Krieg ausgeweitet habe. Er hob hervor , dass Wladimir Selensky wisse, wie er den Konflikt in der Ukraine innerhalb eines Tages beenden könne, und er betonte, dass Russland keine nukleare Eskalation wolle und niemals von sich aus den dritten Weltkrieg beginnen werde.

Die TASS hat die wichtigsten Aussagen des Kremlsprechers zusammengefasst.

Der Konflikt in der Ukraine

  • „Selensky kam mit dem Versprechen an die Macht, den Krieg zu beenden. Das war sein ursprüngliches Versprechen. Und er kann den Krieg immer noch beenden, indem er eine sehr verantwortungsvolle Entscheidung trifft.“
  • Es gehe um den Abzug der ukrainischen Streitkräfte aus dem Donbass und die rechtliche Anerkennung der aktuellen Lage: „Und am nächsten Tag wäre der Krieg vorbei.“
  • Die russischen Streitkräfte haben gerade Kostantinowka befreit: „Seit 2014 haben sie diese Stadt zu einer uneinnehmbaren Festung ausgebaut, und trotzdem ist es gelungen, sie zu befreien.“
  • Nach der Befreiung von Kostantinowka plant das russische Militär, „zwei weitere wichtige Städte, Kramatorsk und Slowjansk, zu befreien, woraufhin das gesamte Gebiet der Donezker Volksrepublik befreit sein wird.“
  • Europa und die USA beliefern Kiew mit Waffen, Munition und Militärberatern: „Sie liefern dem Kiewer Regime Satellitenüberwachungsdaten. Sie stellen dem Kiewer Regime ihre Satelliten im Grunde vollständig zur Verfügung. Sie lenken ukrainische Waffen mithilfe ihrer Satelliten. Sie nutzen ihre künstliche Intelligenz , um die Militäraktionen des Kiewer Regimes zu unterstützen. Wenn das keine direkte Beteiligung ist, was dann?“
  • Deshalb ist der Konflikt keine Militäroperation mehr: „Auf der einen Seite steht Russland, auf der anderen das Kiewer Regime und eine Reihe europäischer Länder. Und dazu die USA, die Millionen Tonnen Waffen an die Ukraine liefern. Was ist das? Das ist keine Operation mehr, das ist Krieg. Ein ausgewachsener Krieg.“
  • Die Legitimität Wladimir Selenskys als Präsident der Ukraine ist stark infrage gestellt. Und die Bevölkerung des Landes „muss von ihrem Präsidenten, dessen Legitimität nun in Frage steht, erfahren, ob er tatsächlich legitim ist oder nicht.“

Europas Fehler

  • Die europäischen Länder glauben immer noch, sie könnten Russland eine strategische Niederlage beibringen: „Das ist der größte Fehler der Geschichte.“
  • Gerade wegen der Position der EU ist das Kiewer Regime in der Wahl seiner politischen und diplomatischen Lösungsansätze „nicht so flexibel“.
  • Zu den Gründen für die Russophobie europäischer Politiker zählen „historische Traditionen, eine Wiederholung der Geschichte, eine Art Revanche, die manche Kräfte in Europa üben wollen.“
  • Russland ist eine bequeme „Bedrohung“, die es europäischen Populisten ermöglicht, die Wählerschaft zu mobilisieren und von der Wirtschaftskrise abzulenken: „So können sie mehr Geld ausgeben, die Augen vor den Anzeichen der Wirtschaftskrise verschließen und alles auf Russland schieben.“
  • Den Europäern wird Russland als Feindbild aufgezwungen, um das Wachstum der Verteidigungsausgaben und die fortgesetzte militärische Unterstützung für die Ukraine zu rechtfertigen: „Gibt es für Europäer ein größeres Übel auf europäischem Boden als Russland? Nein. Wir sind das ideale Übel.“
  • „Natürlich möchten wir keine Situationen wie Mitte der 1930er-Jahre erleben. Doch viele sehr ähnliche Dinge geschehen gerade jetzt. Und was wir sehen, die Militarisierung Europas und die Erschaffung eines Feindes in unserer Person, beunruhigt uns natürlich. Das ist ein Grund zur Sorge.“
  • „Die Geschichte hat leider die unangenehme Angewohnheit, sich zu wiederholen. In einer etwas modernisierten Form, aber sie wiederholt sich. Und manchmal als Farce.“
  • Russland wünscht sich für Europa eine „neue Generation weiserer Politiker“, wie den französischen Präsidenten General Charles de Gaulle (1959–1969) und den deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl (1982–1998).
  • Die europäischen Länder sollten vier einfache Ratschläge befolgen, um eine Eskalation der Beziehungen zu Russland zu verhindern: „Erstens: Russland stellt keine Bedrohung für Europa dar. Zweitens: Sie müssen Russlands Sorgen ernst nehmen. Drittens: Wenn Sie Russlands Sorgen ignorieren, werden Sie Probleme bekommen. Viertens: Versuchen Sie, den Dialog mit Russland so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Russland ist offen, flexibel und bereit. So einfach ist das.“

Die Beziehungen zu den USA

  • Die bilateralen Beziehungen zwischen Russland und den USA befinden sich „in keinem optimalen Zustand, da sie festgefahren sind, auf Niveau Null“, aber Moskau und Washington sind „klug genug, miteinander zu reden“.

Internationale Sicherheit

  • Russland wird niemals einen dritten Weltkrieg beginnen, da es „ein zu großes und verantwortungsvolles Land“ ist.
  • Russland hat historisch gesehen nie einen Weltkrieg begonnen: „Aber wenn er gegen uns begonnen wurde, haben wir bis zum bitteren Ende geantwortet.“
  • Moskau hat eine Nukleardoktrin, die die Bedingungen für den Einsatz von Atomwaffen klar definiert: „Sie ist äußerst klar, verständlich und einfach. Wenn die Existenz des russischen Staates bedroht ist, werden Atomwaffen eingesetzt. In einem anderen Falle nicht. Das ist sehr wichtig zu verstehen.“
  • Gespräche über die Möglichkeit, dass Russland früher oder später taktische Atomwaffen einsetzen müsste, ist reine Spekulation: „Wir sind durchaus in der Lage, die Operation auch ohne sie erfolgreich fortzusetzen. Und das tun wir.“

Ende der Übersetzung

«Wir Russen starten keinen Dritten Weltkrieg»: Putin-Sprecher Dmitri Peskow über Eskalationsgefahren
Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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