Warum die EU und ihre Mitgliedsstaaten so macht- und willenlos sind

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Der Iran-Krieg schadet Europa enorm, da seine Wirtschaft ohnehin schon unter den viel zu hohen Energiepreisen leidet. Ei...

anti-spiegel.ru📅 11.03.2026
Iran-Krieg

Warum die EU und ihre Mitgliedsstaaten so macht- und willenlos sind

Der Iran-Krieg zeigt die Macht- und Willenlosigkeit der EU, denn die EU gehört zu denen, denen der Krieg am meisten schadet. Obwohl Trump es nicht einmal für nötig erachtet hat, die Europäer vorzuwarnen, halten sie ihm zähneknirschend die Stange, während einige, allen voran die Bundesregierung, ihn sogar aktiv unterstützen.

Der Iran-Krieg schadet Europa enorm, da seine Wirtschaft ohnehin schon unter den viel zu hohen Energiepreisen leidet. Eigentlich müssten die EU und ihre Mitgliedsstaaten alles tun, um diesen Krieg schnellstmöglich zu beenden was sie auch könnten, wenn sie einfach die Nutzung von US-Basen in Europa für Angriffe auf den Iran untersagen und den europäischen Luftraum für an den Angriffen beteiligte US-Kampfflugzeuge sperren würden.

Aber die Europäer, mit der einzigen Ausnahme Spaniens, halten Trump die Stange, obwohl seine Politik ihnen massiv schadet. Besonders Verbohrte, wie Kanzler Merz und Außenminister Wadephul, unterstützen Trumps Krieg sogar offen.

Ein russischer Analyst hat in einem Artikel für die russische Nachrichtenagentur TASS dargelegt, dass die EU und ihre Mitglieder gar keine andere Wahl haben, als so zu handeln und ihren eigenen Interessen zu schaden, weil sie sich zu sehr von den USA abhängig gemacht haben. Um das aufzuzeigen, zieht er einen Vergleich zum Irakkrieg von 2003, als die Europäer noch die unabhängiger von den USA waren und sich daher Widerworte und sogar Widerstand gegen die USA erlauben konnten. Ich habe den Artikel übersetzt, weil in meinen Augen interessante Denkanstöße gibt.

Beginn der Übersetzung:

Iran-Krieg: Warum Europa entgegen seinen eigenen Interessen hineingezogen wird

Igor Gaschkow darüber, dass die EU einen Bruch mit Trump mehr fürchtet als einen Ölpreis von 100 Dollar.

Am 19. und 20. März treffen sich die Staats- und Regierungschefs der EU zu einem Gipfel, um über die Eskalation im Nahen Osten zu sprechen. Noch bevor das Ergebnis feststeht, haben Frankreich, Italien und Deutschland Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer entsandt. Zuvor hatten die USA von Portugal die Erlaubnis erhalten, Stützpunkte auf dessen Gebiet zu nutzen. Der französische Präsident Emmanuel Macron warnte, er behalte sich das Recht vor, eine „friedliche Operation“ zur Öffnung der Straße von Hormus durchzuführen, während Bundeskanzler Merz den „Sturz des schrecklichen Regimes“ in Teheran unterstützte. Europa scheint seine Entscheidung getroffen zu haben, doch welche Vorteile bringt sie?

Treibstoff wird teuer

Am 2. März gab Karoline Leavitt, die Pressesprecherin des Weißen Hauses, folgende Erklärung ab: „Präsident Trump erwartet von ganz Europa – natürlich von allen unseren europäischen Verbündeten – Zusammenarbeit bei dieser lang erwarteten Mission: Der Zerschlagung des iranischen Regimes. Nicht nur, weil es die USA bedroht, sondern auch Europa.“ Vorerst könnte der EU als schlimmste Folge ein langer Krieg mit dem Iran drohen. Am 3. März kündigte Katar, der zweitgrößte Exporteur von Flüssigerdgas weltweit, die Stilllegung seiner wichtigsten Raffinerien an. Katar deckt 15 Prozent des Bedarfs der EU. Wenig überraschend schnellte der Erdgaspreis daraufhin um 50 Prozent in die Höhe.

Der Anstieg der Energiepreise wirkte sich unmittelbar auf den Ölpreis aus. Innerhalb weniger Tage stieg er im März von 70 auf 119 US-Dollar, bevor er wieder auf 88 US-Dollar fiel. Der Iran kann die weiteren Schwankungen beeinflussen: Die Instrumente dafür sind die Blockade der Straße von Hormus, durch die 20 Prozent des weltweiten Öls fließen, und Angriffe auf Ölfelder und Raffinerien auf der Arabischen Halbinsel.

Der daraus resultierende Anstieg der Energiekosten ist für Europa besonders gefährlich. Aus wirtschaftlicher Sicht führt er automatisch zu Inflation: Jede in der EU produzierte Ware wird teurer, was den Euro abwertet. Eine anhaltende Inflation im Falle eines langwierigen Krieges ist für die Europäische Zentralbank bereits jetzt eine Herausforderungen. Sie wird die Zinsen anheben müssen, um den Kaufkraftverlust des Euro auszugleichen. Und eine Verlängerung des Iran-Krieges über den ursprünglich vom Weißen Haus angekündigten Zeitraum (vier bis fünf Wochen) hinaus setzt die EU noch größeren Risiken aus. Anders als die USA, ein bedeutender Öl- und Gasproduzent, ist Europa ein Importeur. Steigen die Preise für Öl und Gas, sinkt die Produktionsrendite in der EU, was zu Kapitalabflüssen führt. In einer kritischen Situation könnte eine solche Umkehr in Panik umschlagen. Der nächstgelegene „sichere Hafen“ für Kapital ist Amerika selbst sowie seine Währung.

Aus Gründen politischer Zweckmäßigkeit

Der Krieg im Iran ist für Europa schlecht. Doch dass diese Tatsache das Handeln europäischer Politiker beeinflusst, ist schwierig. Anders als 2003, als die USA den Irak angegriffen haben, hat sich innerhalb der EU selbst vieles verändert. Wirtschaftlich gesehen ähnelte die Lage damals bereits der heutigen, denn der Krieg im Nahen Osten schwächte die Wirtschaftslage der Europäer. Doch vor 23 Jahren haben Frankreich und Deutschland die amerikanische Intervention abgelehnt. Heute gibt es nicht einmal das.

Von Deutschland, dem industriellen Motor der EU, der Autos, Werkzeugmaschinen und Stahl exportiert, also Produkte, deren Preise stark vom Energieverbrauch bei der Produktion abhängen, hätte man erwarten können, dass es auf Maßnahmen reagiert, die zu höheren Preisen führen. 2002 tat es das auch. Bundeskanzler Gerhard Schröder warf den USA vor, ihre historischen Verbündeten „unterordnen“ zu wollen.

Ein Vierteljahrhundert später ist Deutschlands Position eine andere. Friedrich Merz befürwortet das militärisches Eingreifen uneingeschränkt: Er bezeichnet den Iran als „Zentrum des internationalen Terrorismus“ und fordert einen Regimewechsel. Damit akzeptiert er im Namen Deutschlands die Kosten, die daraus resultieren.

Die französische Regierung schlägt einen ähnlichen Ton an, wenn auch mit einer gewissen Nuance. Offiziell ist Macron nicht bereit, sich den USA anzuschließen. Dennoch erfüllt er seine Pflicht als amerikanischer Verbündeter. Französische Militärbasen waren am amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran beteiligt – etwas, das im Irak vor zwei Jahrzehnten undenkbar gewesen wäre.

Großbritannien, das nicht der EU angehört und ebenfalls in den Krieg verwickelt ist, hat dem Iran ein Wortspiel angeboten. Am 1. März hat Premierminister Keir Starmer eine Beteiligung an offensiven Maßnahmen abgelehnt. Doch bald wurde deutlich, dass er den Begriff „defensiv“ weit ausdehnt: Darunter fallen Angriffe auf iranisches Territorium mit dem Ziel der Zerstörung des iranischen Raketenprogramms.

Die Reaktion darauf ließ nicht lange auf sich warten. „Defensiv als Synonym für offensiv. Ergibt das überhaupt irgendeinen Sinn? Wollen die dem Iran etwa die Fähigkeit nehmen, sich gegen Aggressoren zu verteidigen?“, fragte das iranische Außenministerium. „Es wäre eine Schande, wenn Großbritannien sich den Aggressoren anschließen würde. Es hat unserem Land bereits genug Schaden zugefügt.“

Protest zurückgewiesen

Für alle oben genannten europäischen Länder wäre ein langfristiger Anstieg der Öl- und Gaspreise eine schwere Bewährungsprobe, aber den ehemaligen Großmächten fehlt der politische Einfluss, um die der USA Politik zu beeinflussen.

Der Kontrast springt im Vergleich zu 2003 besonders ins Auge. Damals versuchte die Regierung von George W. Bush bot dem Irakkrieg, die europäische Öffentlichkeit mit „Beweisen“ davon zu überzeugen, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen hergestellt habe. Diesmal wurden keine derartigen Versuche unternommen. Mehr noch, es gibt es keine Hinweise dafür, dass die Europäer vor dem Angriff, der am 28. Februar begann, informiert wurden. Die verzögerte Reaktion (viele europäische Staats- und Regierungschefs hatten selbst eine Woche nach Ausbruch der Kampfhandlungen noch keine Position bezogen) deutet auf Verwirrung in hohen Kreisen hin, wo man von der neuen Konfrontationsrunde im Osten nur aus den Zeitungen erfahren konnte.

US-Präsident Donald Trump verwendet regelmäßig die Formulierung „Sie haben kein gutes Blatt“. Auf die EU trifft das voll und ganz zu. Im Vergleich zu 2003, als der Energiemix der EU durch Lieferungen aus Russland, dem Nahen Osten und den USA verlässlich diversifiziert war, hat sich die Situation heute ins Gegenteil verkehrt. Im Jahr 2025 stammten 58 Prozent des von europäischen Volkswirtschaften verbrauchten Flüssigerdgases aus den USA. Ökonomen prognostizieren, dass dieser Anteil bis Ende dieses Jahres leicht auf 65 Prozent steigen könnte. Der von Europa selbst herbeigeführte Wegfall der russischen Lieferungen blieb nicht ohne Folgen: Er führte zu erhöhten Importen aus dem Nahen Osten, der sich, wie sich herausgestellt hat, von der US-Außenpolitik abhängig ist und Instabilität mit sich bringt.

In so einer Lage ist Europe gezwungen, leise zu sprechen, selbst wenn die Rhetorik einiger seiner Politiker scharf ist. Ein Beispiel für das Zusammenspiel beider Faktoren zeigte sich im Sommer 2025, als die europäischen Länder nach einer Reihe anti-amerikanischer Erklärungen dem Handelsabkommen mit den USA zustimmten, das einseitige Zölle nur auf Waren aus der EU, nicht aber auf US-amerikanische, vorsah. Die Lage ist ungünstig, doch Europa ist gezwungen, mit den Karten zu spielen, die es hat.

Das bedeutet jedoch nicht, dass niemand in der EU bereit ist, gegen Donald Trump zu protestieren. Wirtschaftlich gesehen ist die EU als Union ein einheitliches Subjekt. Das heißt, kein einzelnes europäisches Land kann isoliert von allen anderen US-Sanktionen oder Zöllen unterworfen werden, das gilt nur gemeinsam. Daraus ergibt sich eine interessante Konsequenz: Ein einzelner EU-Mitgliedstaat kann es sich leisten, die USA lautstark zu kritisieren und sich dabei hinter den anderen zu verstecken. Keine schlechte Strategie!

2026 hat sich Spanien in dieser Rolle wiedergefunden. Spanien war 2024 das einzige große EU-Land, das Israels Krieg im Gazastreifen verurteilt haz. Und 2026 bezeichnet Madrid den Krieg gegen den Iran bereits als illegitim und fordert dessen Beendigung. Hinter der scharfen Rhetorik der Spanier lässt sich die unausgesprochene Unzufriedenheit vieler Europäer erkennen. Madrid spricht für alle, doch nichts deutet darauf hin, dass Washington dieser Stimme Gehör schenken wird.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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