Die Ukraine will ein „Nationales Pantheon“ errichten

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Der zwischen Polen und der Ukraine ausgebrochene Streit um die Verehrung von Nazi-Kriegsverbrechern in der Ukraine spiel...

anti-spiegel.ru📅 05.07.2026
Nazi-Verehrung

Die Ukraine will ein „Nationales Pantheon“ errichten

In der Ukraine wurde beschlossen, ein „Nationales Pantheon“ zu errichten, in dem „herausragende Persönlichkeiten der ukrainischen Geschichte“ beerdigt und verehrt werden sollen. Dabei handelt es sich jedoch um Nazi-Kollaborateure und Kriegsverbrecher, weshalb beispielsweise Polen dagegen protestiert.

Der zwischen Polen und der Ukraine ausgebrochene Streit um die Verehrung von Nazi-Kriegsverbrechern in der Ukraine spielt in deutschen Medien kaum eine Rolle. Er brach im Mai aus, das Machthaber Selensky einer ukrainischen Spezialeinheit den Ehrentitel „Helden der UPA“ verliehen hat. Die UPA waren ukrainische Nationalisten, die im Zweiten Weltkrieg an der Seite der Nazis gekämpft und Massaker an der Zivilbevölkerung angerichtet haben, denen alleine 100.000 Polen zum Opfer gefallen sind.

Außerdem hat Selensky den Nazi-Kollaborateur Andrej Melnik (nicht zu verwechseln mit dem berüchtigten ehemaligen ukrainischen Botschafter in Deutschland) in Luxemburg exhumieren ließ, um seine sterblichen Überreste in Kiew bei einem Staatsbegräbnis mit militärischen Ehren beizusetzen. Darüber gab es in Deutschland übrigens keine nennenswerten Meldungen. Und die Bundesregierung tat auf Nachfrage so, als habe sie davon noch nie gehört.

Nun hat das ukrainische Parlament beschlossen, in Kiew ein „Nationales Pantheon“ zu errichten. Es soll ausgerechnet auf dem Gelände des Kiewer Höhlenklosters entstehen, teilte das Zentrum für Strategische Kommunikation im ukrainischen Kulturministerium mit:

„Das Pantheon wird im historischen Teil der Hauptstadt, auf dem Gelände des Nationalen Schutzgebietes Kiewer Höhlenkloster, errichtet. Die Entscheidung über die Umbettung bedarf der Zustimmung der Werchowna Rada.“

Derzeit gibt es noch keine konkrete Liste der Personen, die in das Pantheon umgebettet werden sollen. Wie das Zentrum für Strategische Kommunikation jedoch betont, „wird die Ukraine ihre sterblichen Überreste zur gebührenden Ehrung in ihre Heimat zurückbringen“. Als mögliche Kandidaten werden in Kiew weitere Nazi-Kollaborateure und natürlich Stepan Bandera genannt.

Selensky scheint den Streit mit Polen auf die Spitze treiben zu wollen, denn er kündigte die Einbringung des Gesetzentwurfs zur Schaffung des ukrainischen „Nationalen Pantheons“ in die Werchowna Rada am 28. Juni an, und schon am 1. Juli wurde er verabschiedet. Das Gesetz sieht die Umbettung der sterblichen Überreste ukrainischer Nationalisten vor, insbesondere der Anführer und Mitglieder der OUN-UPA (Organisation Ukrainischer Nationalisten und Ukrainische Aufständische Armee).

Kaum Berichte in Deutschland

Deutsche Medien berichten über all das kaum. Im Spiegel ist über das geplante “Nationale Pantheon” lediglich ein Artikel erschienen. Unter der Überschrift „Streit unter Verbündeten – Für die Ukraine ist es eine Gedenkstätte, für Polen eine Provokation“ durfte Christian Esch, der sehr fragwürdige und traditionell ukrainische Nationalisten verehrende ehemalige Moskau-Korrespondent des Spiegel, in einem Podcast erklären, warum das alles angeblich gar nicht so schlimm ist.

In dem einleitenden Text des Podcasts schreibt der Spiegel unter anderem:

„Drei Tage vor dem russischen Angriff auf die Ukraine, im Februar 2022, behauptete Präsident Wladimir Putin, die moderne Ukraine sei »vollständig von Russland geschaffen« worden und habe nie eine Tradition echter Staatlichkeit gehabt. Kurzum: Für viele Ukrainer klang es so, als existiere ihre Nation gar nicht.“

Hat die Ukraine eine Tradition echter Staatlichkeit?

Zunächst einmal sei gesagt, dass Putin in seinen Reden und Artikeln den Ukrainern nie behauptet hat, es gäbe kein ukrainisches Volk oder dass er der Ukraine das Existenzrecht abgesprochen hätte. Im Sommer 2021 hat Putin zu dem Thema einen Artikel geschrieben, den ich übersetzt habe und den Sie hier nachlesen können. Auch Putins Rede von 2022, auf die Esch sich bezieht, habe ich übersetzt (siehe hier), sodass Sie nachprüfen können, ob Eschs suggerierte Unterstellung, Putin habe der Ukraine das Existenzrecht abgesprochen, der Wahrheit entspricht.

Aber was ist mit der Behauptung, die moderne Ukraine sei „vollständig von Russland geschaffen“ worden und habe nie eine “Tradition echter Staatlichkeit” gehabt? Das hat Putin nämlich tatsächlich gesagt.

Um zu überprüfen, ob Putins Behauptungen der Wahrheit entsprechen, muss man nur in die Geschichte schauen. Es gab vor 1991 nie einen ukrainischen Staat oder etwas Ähnliches. Das Kiewer Rus gilt als Geburt der Russen als Nation und als Beginn der russischen Staatlichkeit, denn daraus ist später das russische Zarenreich hervorgegangen, jedoch kein ukrainischer Staat. Die Menschen der Region des Kiewer Rus sind heute Russen, Weißrussen und Ukrainer, also Völker deren Sprachen sich voneinander weniger stark unterscheiden als viele deutsche Dialekte sich voneinander unterscheiden. Lediglich im Zuge des russischen Bürgerkrieges vor hundert Jahren gab es kurzzeitig quasi-staatliche Gebilde, die sich als ukrainisch bezeichneten.

Putins Behauptung, die Ukraine habe nie eine Tradition echter Staatlichkeit gehabt, ist also ganz objektiv gesehen wahr, denn eine eigene Staatlichkeit hat die Ukraine erst seit 1991.

Das ist ja auch der Grund für den extremen ukrainischen Nationalismus, denn die moderne Ukraine versucht mit aller Macht, sich künstlich eine historische Tradition zu geben, die sie aber ganz objektiv nie hatte. Und das weiß auch der Herr Esch vom Spiegel, denn vor weniger als einem Monat hat Esch in einem Spiegel-Artikel über den polnisch-ukrainischen Streit geschrieben:

„In der unabhängigen Ukraine ist man auf der Suche nach militärischen Helden aus der Vergangenheit, die für den Unabhängigkeitskampf gegen Moskau und nicht in der sowjetischen Tradition stehen. Da scheinen sich als Einzige die westukrainischen Nationalisten anzubieten, auch wenn die anfangs sogar mit den Deutschen kollaboriert haben. In der Ukraine gibt es viele Denkmäler für die Truppe, ihre wenigen noch lebenden Kämpfer genießen dieselben Versorgungsansprüche wie ukrainische Veteranen der Roten Armee. In Polen erinnert man sich der UPA-Partisanen als Massenmörder.“

Da die heutige Ukraine ihre wahre Geschichte negiert, hat sie keine Nationalhelden aus ihrer Geschichte. In Russland werden ungezählte Ukrainer verehrt, weil sie wichtige Schriftsteller, Maler, Wissenschaftler, Politiker und so weiter waren. In der Ukraine werden diese wahren Helden der Ukraine jedoch abgelehnt, weil sie bezeugen, wie eng die Ukraine und Russland in Wahrheit zusammengehören.

Daher kann die heutige Ukraine keine Nationalhelden aus der Zeit vor 1990 haben, denn die werden in Kiew entweder als Kollaborateure der angeblichen Unterdrückung der Ukraine im russischen Zarenreich oder der Sowjetunion angesehen. Vor allem der Vorwurf, die Ukrainer seien in der Sowjetunion unterdrückt worden, ist ziemlich absurd, denn mit Chrustschow und Breschnjew waren zwei ethnische Ukrainer langjährige Generalsekretäre der Sowjetunion.

Die einzig möglichen „Nationalhelden“, die Kiew angesichts seiner Ideologie daher bleiben, sind die Nationalisten, Nazis, Massenmörder und Kriegsverbrecher, die sich im Zweiten Weltkrieg Hitler angeschlossen haben. Und genau für die soll in Kiew nun das „Nationale Pantheon“ errichtet werden.

Hat Russland den ukrainischen Staat geschaffen?

Kommen wir nun zu Putins Behauptung, die Ukraine sei „vollständig von Russland geschaffen“ worden. Da es vor 1990 nie eine ukrainische Staatlichkeit gegeben hat, ist die Frage im Grunde schon beantwortet, aber schauen wir uns das trotzdem genauer an.

Nachdem die Bolschewisten den russischen Bürgerkrieg gewonnen haben, entstanden innerhalb der Sowjetunion die Sowjetrepubliken, darunter auch eine ukrainische, die jedoch nur einen kleinen Teil des heutigen ukrainischen Staates umfasste. Die heutige Westukraine gehörte damals zu Polen, der Donbass und die Krim waren zunächst nicht Teil der Ukrainischen Sowjetrepublik.

Da die Menschen in der Ukrainischen Sowjetrepublik vor allem eine Landbevölkerung waren, die gegen die Kollektivierungsmaßnahmen der Sowjets, also gegen ihre Enteignung, waren, wurde der Ukrainischen Sowjetrepublik der Donbass mit seiner Industrie und seinen Arbeitern zugeschlagen, die die Sowjets unterstützten, weil es den Arbeitern nun besser gehen sollte als in der Zarenzeit. Mit der Maßnahme sollte in der Ukrainischen Sowjetrepublik die Zustimmung zur Sowjetunion gestärkt werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschob Stalin die Grenzen der Sowjetunion nach Westen und schlug der Ukrainischen Sowjetrepublik zuvor polnische Gebiete zu, also die heutige Westukraine. Und in den 1950er Jahren schlug Chrustschow, übrigens ein Ukrainer, der Ukrainischen Sowjetrepublik auch noch die Krim zu.

So bekam die Ukrainische Sowjetrepublik ihre Grenzen, innerhalb derer sie 1991 dann unabhängig wurde. Man kann Putins Aussage, die die Ukraine sei „vollständig von Russland geschaffen“ worden, also objektiv kaum widersprechen.

Und nun will diese Ukraine ein „Nationales Pantheon“ errichten, um Kriegsverbrecher und Nazi-Kollaborateure als „herausragende Persönlichkeiten“ der ukrainischen Geschichte zu verehren. Und dieses Nazi-„Pantheon“ soll ausgerechnet auf dem Gelände des tausend Jahre alten Kiewer Höhlenklosters errichtet werden.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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