Die Ölkrise in Japan und wie die Regierung sie zu lösen versucht

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anti-spiegel.ru📅 04.07.2026
Energiekrise

Die Ölkrise in Japan und wie die Regierung sie zu lösen versucht

Der Irankrieg und die Sperrung der Straße von Hormus haben die Energieversorgung der ganzen Welt getroffen. Da in Deutschland kaum bekannt ist, wie andere Länder damit umgehen, zeige ich das hier am Beispiel Japans auf.

Dass der Irankrieg und die Sperrung der Straße von Hormus die Energieversorgung der ganzen Welt getroffen haben, ist allgemein bekannt, allerdings gibt es in Deutschland nur wenige Berichte darüber, wie die einzelnen Länder damit umgehen. Daher fand ich einen Artikel des Japan-Büros der TASS interessant, der über die Lage in Japan berichtet hat und habe ihn übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Japans Ölkrise ist noch nicht überstanden

Kirill Agafonow, stellvertretender Leiter des TASS-Büros in Japan, darüber, wie Tokio sein Energiedefizit ausgleicht und welche Rolle die Kriege im Nahen Osten und in Russland spielen.

Die USA und der Iran haben ein Memorandum zur Einstellung der Kampfhandlungen unterzeichnet, der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wird schrittweise wieder aufgenommen und dank alternativer Bezugsquellen konnte Tokio seinen Ölbedarf im Juli vollständig decken. Dennoch ist die Ölkrise für Japan, einen Inselstaat, der fast vollständig von Importen fossiler Brennstoffe abhängig ist, noch nicht vorbei.

Anfang Juli stürzte der Yen auf ein 40-Jahres-Tief von 162,37 zum Dollar ab.

Alternativlose Lieferungen?

In den letzten Jahren bezog Japan über 90 Prozent seiner Ölimporte aus dem Nahen Osten, wobei der Großteil davon durch die Straße von Hormus transportiert wurde. Mit Beginn der US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran und den Unterbrechungen der Lieferungen auf den traditionellen Routen begann Tokio aktiv nach alternativen Bezugsquellen zu suchen.

Bis Juli hatten japanische Unternehmen Öl von Lieferanten in über zehn Ländern bezogen, darunter Aserbaidschan und Südsudan. Kleinere Mengen wurden auch aus Russland gekauft. Die USA, die große Mengen Schieferöl produzieren, entwickelten sich jedoch zu Japans wichtigstem alternativen Lieferanten.

Anfang Juni kündigte die japanische Regierung an, nicht mehr auf ihre strategischen Reserven zurückzugreifen, die zu Beginn der Krise für mehr als 250 Tage reichten. Dank alternativer Lieferungen konnte der Rohölbedarf für Juli vollständig gedeckt werden, es war die gleiche Menge wie im Juli des Vorjahres.

Allerdings bedeutet das nicht, dass die Krise für Japan damit überstanden ist. Wenige Tage nach diesen Erklärungen stellte Wirtschaftsminister Ryosei Akazawa klar: „Nicht alle Käufe basieren auf langfristigen Verträgen, in einigen Fällen wurden Spot-Verträge abgeschlossen.“ Er fügte hinzu, die Regierung werde ihre „Ressourcendiplomatie“ fortsetzen.

Die Aussichten auf eine endgültige Lösung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran bleiben ungewiss. Sie haben ein Memorandum über die Einstellung der Kampfhandlungen unterzeichnet und verhandeln derzeit aktiv über dessen Umsetzung. Die amerikanische Seite äußert sich in dieser Angelegenheit jedoch mal optimistisch, mal pessimistisch. Gleichzeitig hat der Verlauf des Konflikts gezeigt, dass Teheran die Kontrolle über die Straße von Hormus sichern kann und die vollständige Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs, allein schon wegen der notwendigen Minenräumungsarbeiten, noch in weiter Ferne liegt. Wie mir Peyman Seadat, der iranische Botschafter in Tokio, Anfang Juni mitteilte, kann Teheran die Straße „so lange wie nötig“ geschlossen halten.

Das Problem für Japan ist dabei nicht das Öl selbst, dessen Lieferungen vorübergehend wiederhergestellt wurden, sondern dessen Eigenschaften. Japanische Raffinerien sind traditionell für die Verarbeitung von mittelschwerem Rohöl aus dem Nahen Osten ausgelegt, und die technologische Umstellung auf die Verarbeitung von leichtem amerikanischem Rohöl ist nicht so einfach. Laut dem japanischen Energieexperten Haruhiko Sakaino sei es möglich, „eine Zeit lang mit einer Mischung aus Öl aus dem Nahen Osten und Amerika auszukommen“, wobei das Verhältnis „vier zu eins“ betragen sollte.

Russisches Öl

Russland hat sich aufgrund der anti-russischen Politik Tokios nicht zu einem alternativen Lieferanten für Japan entwickelt. Russland deckte etwa 3 bis 4 Prozent der japanischen Ölimporte ab, doch nach 2022 stellte Japan die Käufe russischen Öls ein. Wie Nikolaj Nosdrew, der russische Botschafter in Tokio, in einem Interview mit der TASS erklärte, geschah dies im Rahmen der „kollektiven Politik“ des Westens.

Dabei haben die japanischen Unternehmen ENEOS, Idemitsu Kosan und Taiyo Oil vor dem Hintergrund der Störungen bei den Importen aus dem Nahen Osten im Mai und Juni 2026 erstmals seit Langem wieder Öl aus dem Sachalin-2-Projekt gekauft. Dieses Rohöl ist ein Nebenprodukt von Flüssigerdgas (LNG), das Tokio weiterhin bezieht. Daher wurde für dieses Öl eine spezielle Ausnahmeregelung bei den Sanktionen geschaffen. Unternehmensvertreter erklärten gegenüber der TASS, dass diese Entscheidung Teil ihrer Bemühungen um eine Diversifizierung ihrer Bezugsquellen sei. Der Tanker Voyager lieferte das Öl in zwei Fahrten an japanische Häfen.

Koichi Hagiuda, stellvertretender Generalsekretär der regierenden Liberaldemokratischen Partei, führte die Käufe in einer Fernsehansprache ebenfalls als Beispiel für eine Diversifizierung der Bezugsquellen an. Er betonte, dass er als Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie die richtige Entscheidung getroffen habe, sich für Japans fortgesetzte Beteiligung am Sachalin-2-LNG-Projekt einzusetzen. Jahre später hat sich das auch für die Ölversorgung als vorteilhaft erweisen.

Allerdings ist das Volumen dieser Käufe gering. Laut der japanischen Handelsstatistik wurden im Mai, als die Voyager eine ihrer beiden Fahrten nach Japan unternahm, rund 365.000 Barrel russisches Öl gekauft, was etwa 1,2 Prozent seiner gesamten Importe in dem Monat entsprach. Eine ähnliche Menge wurde vermutlich im Juni geliefert. Japans täglicher Verbrauch wird auf 2,24 Millionen Barrel geschätzt. Solche Lieferungen sind, zumindest noch, nicht regelmäßig. Die nächste Fahrt der Voyager führte sie nicht zu japanischen Häfen, sondern nach Hongkong.

Eine praktikable alternative Bezugsquelle aus Russland könnte Öl aus dem Sachalin-1-Projekt sein. Seiji Maehara, ein Mitglied der Partei „Erneuerungsgesellschaft Japans“ (Teil der Regierungskoalition) im Unterhaus des japanischen Parlaments, bestätigte mir, dass das zwar eine geeignete Option wäre, derzeit aber nicht in Betracht gezogen werde. Grund dafür seien die westlichen Sanktionen, insbesondere die Preisobergrenze für russisches Öl.

Japan ist weiterhin sowohl am Sachalin-1-Projekt als auch am Sachalin-2-Projekt beteiligt. Das Konsortium Sachalin Oil and Gas Development Co. Ltd. (Sodeco) refinanziert derzeit seine 30-prozentige Beteiligung. Hidehiro Muramatsu, der Präsident des Unternehmens, erklärte mir, Sodeco habe die japanische Regierung um die Aufhebung der Preisobergrenze für russisches Öl gebeten, doch aufgrund der Politik der G7 sei das „zum jetzigen Zeitpunkt schwierig“. Das Konsortium sei verpflichtet, sich strikt an die Vorgaben der Regierung zu halten, erläuterte Muramatsu. Zu den Aktionären von Sodeco gehören die privaten Unternehmen Japex, Itochu, Marubeni und Inpex, Hauptaktionär ist jedoch die japanische Regierung.

Derweil hält die japanische Führung zwar an ihrer Sanktionspolitik gegen Moskau fest, betont aber gleichzeitig die Bedeutung der Aufrechterhaltung der bilateralen Beziehungen.

Der Faktor Währung

Angesichts der Unterbrechungen der Ölversorgung ist der japanische Yen auf ein Rekordtief gefallen und hat die psychologisch wichtige Marke von 160 Yen pro Dollar unterschritten. Hauptgrund für die langfristige Yen-Schwäche ist nach wie vor die expansive Geldpolitik der japanischen Zentralbank, die den Leitzins niedriger hält als andere Volkswirtschaften, insbesondere die USA.

Neben der Erwartung einer möglichen Zinserhöhung der US-Notenbank sehen einige japanische Analysten, wie Nikkei berichtet, Risiken durch Verzögerungen bei der Zinserhöhung der Bank of Japan. Die Unterbrechungen der Ölversorgung sind nur ein Faktor für die Yen-Schwäche.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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