Starmer wusste bei Mandelsons Ernennung zum Botschafter in den USA von dessen Verbindungen zu Epstein
Großbritannien ist das Land in Europa, in dem der Epstein-Skandal bisher die größten Wellen geschlagen hat. Der ehemalige Prinz Andrew hat alle seine Adelsprivilegien verloren und Peter Mandelson wurde wegen Hochverrat angeklagt. Mandelson war in der britischen Politik einer der einflussreichsten Strippenzieher, weshalb sein Kontakt zu Epstein in Großbritannien genau verfolgt wird.
Nun wurde bekannt, dass Premierminister Starmer gelogen hat, als er behauptete, er habe nichts von Mandelsons Verbindungen zu Epstein gewusst, als er ihn zu Botschafter in den USA ernannt hat. Ich übersetze hier die ausführliche TASS-Meldung über die Ereignisse in London.
Beginn der Übersetzung:
Starmer wusste von Mandelsons Verbindungen zu Epstein, als er ihn zum Botschafter in den USA ernannte
Regierungsdokumente belegen, dass Peter Mandelson im Juni 2009 während Epsteins Haftzeit im Haus des Finanzmanns wohnte.
Als er ihn zum Botschafter in den USA ernannte, wusste der britische Premierminister Keir Starmer, dass Peter Mandelson auch nach Epsteins Geständnis, minderjährige Prostituierte in Anspruch genommen zu haben, weiterhin Verbindungen zu dem US-Finanzier unterhielt. Das geht aus Regierungsdokumenten hervor, die von einem TASS-Korrespondenten analysiert wurden.
Am Mittwoch veröffentlichte das Sekretariat der britischen Regierung die ersten Dokumente zum Verfahren der Ernennung Mandelsons zum Botschafter in den USA. Daraus geht hervor, dass britische Beamte Starmer bei der Erstellung des Dossiers über Mandelson vor den „Reputationsrisiken“ im Zusammenhang mit dessen „Beziehung zu Jeffrey Epstein“ gewarnt haben.
„Nachdem Epsteins erstmals wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen im Jahr 2008 verurteilt worden war, ging ihre Beziehung zwischen 2009 und 2011 weiter. Sie begann, als Lord Mandelson Wirtschaftsminister war, und dauerte auch nach dem Ende der Labour-Regierung an. Berichten zufolge wohnte Mandelson im Juni 2009 während Epsteins Haft in dessen Haus“, heißt es in den Dokumenten.
Starmer hatte zuvor erklärt, er bedauere die Ernennung Mandelsons zum Botschafter in den USA. Er behauptete, keine Informationen darüber gehabt zu haben, wie eng der Diplomat mit Epstein in Kontakt stand, als er ihm den Botschafterposten in Washington anbot.
Mandelson wurde im Februar 2025 zum britischen Botschafter in den USA ernannt. Er verlor seinen Posten im September desselben Jahres, nachdem neue Details seiner Kontakte zu Epstein bekannt geworden waren. Im britischen politischen System wird der Leiter einer diplomatischen Vertretung in der überwiegenden Mehrheit der Fälle aus den Reihen der Karrierediplomaten ausgewählt. Wie die Times berichtete, wurde die Ernennung Mandelsons – eines der einflussreichsten Mitglieder der regierenden Labour-Partei – faktisch von der Kanzlei in der Downing Street Nr. 10 durchgesetzt, ohne die Ansichten des Außenministeriums ausreichend zu berücksichtigen.
Im Februar versprach Starmer, alle Dokumente zu Mandelsons Ernennung freizugeben, mit Ausnahme jener, die die „nationale Sicherheit und die internationalen Beziehungen“ gefährden könnten. Unter dem Druck von Abgeordneten sah sich der Premierminister gezwungen, die Frage, welche Akten freigegeben werden, dem Geheimdienst- und Sicherheitsausschuss des Unterhauses zu überlassen.
Die Personalie Mandelson
Mandelson war von 1992 bis 2004 Mitglied des britischen Unterhauses und von 1999 bis 2001 Nordirlandminister in der Regierung von Tony Blair. Anschließend war er von 2004 bis 2008 EU-Handelskommissar und von 2008 bis 2010 Wirtschaftsminister im Kabinett von Gordon Brown. Im Jahr 2008 wurde er ins House of Lords (das Oberhaus des Parlaments) ernannt.
Laut britischen Medienberichten, die Epsteins Akte untersucht haben, teilte Mandelson ihm 2009 vertrauliche Informationen über die Steuerreform der Labour-Regierung mit und informierte ihn auch über das bevorstehende EU-Hilfsprogramm für südeuropäische Länder, die am stärksten von der globalen Finanzkrise betroffen waren. Am 6. Februar 2026 durchsuchte die Polizei zwei von Mandelsons Wohnungen. Er wurde am 23. Februar wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch festgenommen und nach einer Vernehmung am Abend des 24. Februar gegen Kaution freigelassen.
Epstein wurde am 6. Juli 2019 von den Strafverfolgungsbehörden des Bundesstaates New York festgenommen. Die Staatsanwaltschaft gab an, Beweise dafür zu haben, dass er zwischen 2002 und 2005 Besuche für Dutzende minderjährige Mädchen in seiner Wohnung in Manhattan arrangiert hatte, das jüngste Mädchen war 14 Jahre alt. Epsteins Freundes- und Bekanntenkreis umfasste zahlreiche amtierende und pensionierte Beamte nicht nur aus den USA, sondern auch aus vielen anderen Ländern (darunter ehemalige Staatsoberhäupter), prominente Geschäftsleute und Stars der Unterhaltungsbranche. Das Strafverfahren gegen den Finanzier wurde nach seinem Selbstmord in seiner Gefängniszelle im August 2019 eingestellt.
Ende der Übersetzung
Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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