Warum brannte es immer wieder in den Lokalen der Morettis? Diese Frage beschäftigt inzwischen nicht nur die Ermittler im Wallis, sondern auch die Bundesbehörden in Bern. Die Schweizer Bundespolizei sieht bei Jacques und Jessica Moretti, dem Betreiberpaar der berüchtigten Crans-Montana-Bar Le Constellation, Hinweise auf ein mutmasslich kriminelles Finanzkonstrukt (wir haben zum Beispiel hier, hier und hier über die Brandkatastrophe von Crans-Montana berichtet).
Auslöser der Ermittlungen waren Geldwäscherei-Meldungen zweier Banken. Sowohl die Walliser Kantonalbank als auch die UBS hatten den Morettis über Jahre beträchtliche Kredite gewährt. Erst nach der Katastrophe in der Silvesternacht – mit 41 Toten und 115 Verletzten – meldeten die Institute ihre Zweifel an den Geldflüssen den Behörden.
Im Fokus des Fedpol steht ein mögliches Schneeballsystem. Neue Einnahmen sollen laufend in undurchsichtige Kanäle abgeflossen sein. Besonders Jessica Moretti habe laut Ermittlern wiederholt Geld aus den Betriebsgesellschaften verschiedener Bars abgezogen. Teilweise seien Zahlungen zurück an sie geflossen, ohne dass sich ein entsprechendes Darlehen in den Unterlagen nachweisen lasse.
Parallel dazu häufen sich Fragen zu einer Reihe von Bränden. Bereits im Dezember 2023 hatte es im Vieux Chalet in Lens gebrannt, einem weiteren Lokal des Paares unterhalb von Crans-Montana.
Wenige Monate später folgte ein Feuer im Le Constellation – lange vor der späteren Katastrophe. Medienberichte sprechen inzwischen offen von einem möglichen Versicherungsbetrug. Nach den Bränden sollen hohe Entschädigungen geflossen sein, doch nicht für Renovationen oder Wiederaufbau. Stattdessen wurden offenbar Steuern, Krankenkassenprämien und Leasingraten für Luxusautos wie Maserati und Bentley bezahlt.
Bei der Analyse der Geldströme stießen Ermittler zudem auf ein Geflecht aus Immobiliengeschäften. Über der Bar an der Rue Centrale hatten die Morettis bereits 2022 eine Wohnung erworben, gleichzeitig mit der Übernahme des Lokals. Später kaufte eine Firma aus Sitten drei weitere Wohnungen im selben Gebäude – mit derselben Geschäftsadresse wie jenes Unternehmen, das den Morettis zuvor eine andere Bar in Crans-Montana verkauft hatte.
Dieses Lokal, Le Senso, gehörte einem wohlhabenden Unternehmer, der einen Teil seines Vermögens von der Luxusuhrenmarke Audemars Piguet geerbt hat. Laut Berichten soll er den Morettis privat und über seine Firma mehr als 200.000 Franken geliehen haben. Der Milliardär und Jacques Moretti trafen sich sogar zu gemeinsamen Rallyefahrten auf Korsika.
Besonders brisant: Zwischen Juni und Dezember 2025 wurden drei Wohnungen im Gebäude der Constellation-Bar gekauft – die letzte Transaktion nur neun Tage vor dem verheerenden Brand. Kurz nach der Katastrophe griff die Justiz durch. Jacques Moretti wurde rund eine Woche nach dem Feuer in Untersuchungshaft genommen. Um freizukommen, mussten er und seine Frau eine Kaution von insgesamt 400.000 Franken hinterlegen. Das Geld soll von einem Geschäftsmann aus Genf stammen, der Vermögen in Dubai hält. Deutsche Medien spekulierten sogar über Verbindungen zu einer der reichsten Familien der Schweiz.
Für die Ermittler verdichtet sich damit der Verdacht: Hinter den Bränden und den Geldflüssen könnte weit mehr stehen als bloß ein tragischer Unfall – möglicherweise ein Netzwerk aus Schulden, Investoren und riskanten Geschäften, das am Ende in einer Katastrophe endete.