in akuter Geldnot – Das Konzept Kaufhaus lebt – nur nicht mehr in Deutschland

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Während Warenhäuser international boomen, kränkelt Galeria als letzte Kaufhauskette der Bundesrepublik, weil Struktur un...

paz.de📅 24.06.2026

Wieder einmal braucht der Kaufhauskonzern Galeria frisches Geld. Erst im April erhielt die marode Warenhauskette einen neuen Kredit über zehn Millionen Euro von ihrem Minderheitsgesellschafter Bain Capital. Gleichzeitig bat das Unternehmen die Vermieter aller 83 Filialen um die Stundung von Mietzahlungen, weitere Standortschließungen sind nicht ausgeschlossen. Die neuerliche Schieflage wirft daher eine Grundsatzfrage auf: Stirbt mit Galeria das Konzept Kaufhaus – oder handelt es sich eher um ein deutsches Problem?

Wer auf die Dauerkrise von Galeria blickt, sieht zunächst das Schaufenster eines gescheiterten Geschäftsmodells: Insolvenz, Eigentümerwechsel, Sparprogramme und erneut die Suche nach frischem Geld. Schnell ist dann das Urteil gefällt, das Kaufhaus sei ein Relikt des vergangenen Jahrhunderts, überrollt vom Onlinehandel und den veränderten Konsumgewohnheiten. Doch ein Blick über die deutschen Grenzen erzählt eine andere Geschichte. Das Kaufhaus lebt noch – nur in einer anderen Form als früher.
Tatsächlich spricht wenig dafür, dass das Warenhaus als Handelsformat grundsätzlich ausgedient hat. Vielmehr zeigt sich international, dass Kaufhäuser dort erfolgreich bleiben, wo sie sich konsequent neu erfunden haben.

Besonders deutlich wird dies in Spanien. Der Handelskonzern El Corte Inglés konnte im vergangenen Geschäftsjahr Umsatz, Gewinn und Investitionen erneut steigern. Mehr als eine Milliarde Besuche auf Websites und Apps verdeutlichen zudem, wie eng das Unternehmen stationären und digitalen Handel miteinander verzahnt hat.

Der Erfolg beruht dabei auf einer einfachen Erkenntnis: Das Kaufhaus ist längst nicht mehr nur Verkaufsfläche. El Corte Inglés verbindet Mode, Beauty, Lebensmittel, Reisen, Versicherungen und Finanzdienstleistungen zu einem integrierten Ökosystem. Der Kunde soll nicht nur einkaufen, sondern möglichst viele Dienstleistungen an einem Ort erhalten. Das Kaufhaus wird zur Plattform.
Ähnlich präsentiert sich die Lage in Frankreich. Die traditionsreiche Galeries-Lafayette-Gruppe erzielt Milliardenumsätze und zieht Jahr für Jahr Millionen Besucher an. Vor allem das Stammhaus am Boulevard Haussmann in Paris ist weit mehr als „nur“ ein Warenhaus. Es ist Touristenattraktion, Luxusadresse und Erlebnisort zugleich. Das Erfolgsrezept besteht aus einer Mischung aus starken Marken, hochwertiger Gastronomie und konsequenter Inszenierung. Die Häuser sind Ziele, die Menschen bewusst aufsuchen. Das klassische Kaufhausprinzip wurde hier nicht abgeschafft, sondern klug modernisiert – man setzt auf Entertainment.

Auch Großbritannien zeigt, dass stationäre Warenhäuser trotz schwieriger Rahmenbedingungen bestehen können. Die John-Lewis-Gruppe steigerte sowohl Umsatz als auch den operativen Gewinn. Der Konzern investiert erheblich in seine Filialen, baut gastronomische Angebote aus und nutzt die Häuser gleichzeitig als Logistikzentren für Onlinebestellungen.

Selbst die USA, die häufig als Symbol des Niedergangs klassischer Department Stores gelten, liefern ein differenzierteres Bild. Zwar schloss der Traditionskonzern Macy’s zahlreiche unrentable Filialen. Doch nach der Umstrukturierung stellte sich wieder ein erfolgreiches Wirtschafen ein. Die Botschaft ist damit eindeutig: Nicht das Kaufhaus verschwindet, sondern das schlechte Kaufhaus.

Hausgemachte Schwächen

In Deutschland liegt der Fall anders. Galeria kämpft seit Jahren mit Problemen, die nur teilweise auf strukturelle Veränderungen im Einzelhandel zurückzuführen sind. Die Fusion mit Karstadt, wiederholte Eigentümerwechsel und die Abhängigkeit von der zusammengebrochenen Signa-Gruppe haben das Unternehmen nachhaltig beschädigt. Hinzu kommt eine Kostenstruktur, die den Konzern belastet. Während internationale Wettbewerber investieren konnten, war Galeria immer wieder mit der eigenen Rettung beschäftigt. Dabei sind die strategischen Ansätze keineswegs falsch. Mehr lokale Eigenständigkeit, eine Konzentration auf die Sortimente Mode, Beauty und Wohnen, zusätzliche Gastronomieangebote und Kooperationen mit Partnern wie Decathlon folgen exakt jener Entwicklung, die auch international zu beobachten ist. Allerdings haben die deutschen Häuser immer noch den muffigen Ruf, Anziehungspunkt für Rentner zu sein.

Der internationale Vergleich fällt daher ernüchternd aus. Erfolgreiche Kaufhäuser verfügen über ein klares Profil, gepflegte, moderne Standorte, eine intelligente Verknüpfung von Online- und Offlinehandel sowie Freizeitangebote für alle Altersgruppen. Die Krise von Galeria ist deshalb weniger das Todesurteil für das Kaufhaus, sondern primär ein deutsches Lehrstück über die Folgen strategischer Unruhe und hausgemachter Schwächen.

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