Durch die Hand in den Kopf

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Warum vor allem schwache Schüler von Hand schreiben müssen

drbine.substack.com📅 23.06.2026

Ich habe im Referendariat noch gelernt: Schwache Schüler müssen schreiben. Immer schön Tafelbilder abschreiben. Schwache Schüler lernen motorisch, sie brauchen die Handschrift.

hatte einen Tweet, der das Problem schön zusammenfasst:

Das Ganze geht natürlich auch als wissenschaftliche Untersuchung, die das Ganze neurologisch belegt:

Van der Weel FRR, Van der Meer ALH. Handwriting but not typewriting leads to widespread brain connectivity: a high-density EEG study with implications for the classroom. Front Psychol. 2024 Jan 26;14:1219945. doi: 10.3389/fpsyg.2023.1219945. PMID: 38343894; PMCID: PMC10853352. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10853352/

Bei 36 Studierenden wurde die elektrische Gehirnaktivität aufgezeichnet, während sie visuell dargestellte Wörter mit einem digitalen Stift von Hand schrieben und die Wörter auf einer Tastatur eintippten. An den mit einem 256-Kanal-Sensorarray aufgezeichneten EEG-Daten wurden Konnektivitätsanalysen durchgeführt. Beim Schreiben von Hand waren die Konnektivitätsmuster im Gehirn weitaus komplexer als beim Tippen auf einer Tastatur, was sich in weitreichenden Kohärenzmuster der Theta-/Alpha-Konnektivität zwischen Netzwerkknoten und -knotenpunkten in den parietalen und zentralen Hirnregionen zeigte. Die vorhandene Literatur deutet darauf hin, dass Konnektivitätsmuster in diesen Hirnarealen und bei solchen Frequenzen entscheidend für die Gedächtnisbildung und die Kodierung neuer Informationen sind und daher dem Lernen zuträglich sind. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass das räumlich-zeitliche Muster aus visuellen und propriozeptiven Informationen, die durch die präzise kontrollierten Handbewegungen beim Gebrauch eines Stifts gewonnen werden, in hohem Maße zu den Konnektivitätsmustern des Gehirns beiträgt, die das Lernen fördern. Wir plädieren dafür, dass Kinder bereits von klein auf in der Schule mit Handschriftaktivitäten in Berührung kommen, um die neuronalen Konnektivitätsmuster zu etablieren, die dem Gehirn optimale Bedingungen für das Lernen bieten. Obwohl es unerlässlich ist, das Üben der Handschrift in der Schule beizubehalten, ist es ebenso wichtig, mit den sich ständig weiterentwickelnden technologischen Fortschritten Schritt zu halten. Daher sollten sich sowohl Lehrkräfte als auch Schüler bewusst sein, welche Übungsform in welchem Kontext den besten Lerneffekt erzielt, beispielsweise beim Anfertigen von Vorlesungsnotizen oder beim Verfassen eines Aufsatzes.

Getestet wurden Studenten, die somit schon lernen gelernt haben sollten. Das ist etwas, was man in der Schule erst noch lernen muss: Wie lerne ich und und was für ein Lerntyp bin ich.

Im Referendariat lernt man, dass es generell vier Lerntypen gibt:

Die 4 klassischen Lerntypen

  • Visueller Lerntyp (Sehen): Nimmt Informationen am besten über die Augen auf. Ihm helfen Grafiken, Schaubilder, Videos, Mindmaps und farbige Markierungen.

  • Auditiver Lerntyp (Hören): Lernt am effektivsten durch das Gehör. Dem Typ helfen Podcasts, Hörbücher, Vorträge und das laute Vorlesen von Texten.

  • Haptischer / Motorischer Lerntyp (Machen): Verarbeitet Wissen durch Handeln, Bewegung und Ausprobieren. Ihm helfen Experimente, Basteln, Modelle und körperliche Aktivität beim Lernen.

  • Kommunikativer / Kognitiver Lerntyp (Sprechen & Denken): Lernt durch den sprachlichen Austausch und das logische Verstehen. Dem Typ helfen Diskussionen, Lerngruppen und das Erklären des Stoffs für andere Personen.

Die meisten Menschen sind gemischte Lerntypen aber mit starken Tendenzen. Ich lerne am liebsten über hören. Das sind die Menschen, die sich gerne die Great Courses Serie oder Hörbücher als Prüfungsvorbereitung nehmen. Die Klassiker für’s Anglistikstudium gibt es zum Beispiel auf Librivox.

Im Referendariat stellte sich dann heraus, dass ich damit ziemlich alleine war und die meisten zum Lerntyp Kommunikation und Visuelles Lernen gehörten.

An beruflichen Schulen hat man es aber in einigen Berufsschulklassen nur mit haptisch motorischen Lerntypen zu tun, besonders in Handwerksklassen. Ein Schreiner will mit den Händen arbeiten, die verlieren bei digitalem Schnickschnack die Geduld.

In dieser Studie wurden aber Studenten untersucht, die eher nicht zum Typ haptisches Lernen gehören, sonst hätten sie eher ein Handwerk erlernt. Und dennoch, selbst bei den eher verkopften Studenten (leider ist die Fachrichtung nicht angegeben) gewinnt das Schreiben von Hand und gilt das, was für schwache Schüler gilt: Durch die Handbewegung in den Kopf.

Beim Schreiben von Hand waren die Konnektivitätsmuster im Gehirn weitaus komplexer als beim Tippen auf einer Tastatur, was sich in weitreichenden Kohärenzmuster der Theta-/Alpha-Konnektivität zwischen Netzwerkknoten und -knotenpunkten in den parietalen und zentralen Hirnregionen zeigte.

Warum ist das so?
Wenn man von Hand schreibt, muss man sich überlegen, wie man den Inhalt strukturiert. Der Platz ist begrenzt auf A4 oder A5, man kann nicht alles mitschreiben und muss bereits im Kopf den Inhalt verkürzen und umarbeiten, damit er in die schriftliche Form passt. Beim Steno oder stumpfen mittippen, kann man das Hirn auf Leerlauf stellen, das geht halbautomatisch, damit fehlt ein Verarbeitungsschritt der Teil des Lernprozesses ist. Wenn man dann seine mitgetippten Notizen daheim nicht strukturiert, bekommt man gegen Semesterende meist Probleme und geht dann doch zu den alten Säcken Notizen schnorren, die von Hand mitgeschrieben haben. Habe ich exakt so im Zweitstudium Anglistik erlebt. Kopieren ist aber nicht kapieren. Das Kopieren meiner Notizen ersetzte den Schreibprozess auch nicht, sie waren nur besser verständlich als die kompletten Mitschriften per Laptop.

Im zweiten Semester hatten viele Studenten das mit dem Laptop dann auch bereits wieder eingestellt und schrieben ebenfalls per Hand.

Unsere Ergebnisse legen nahe, dass das räumlich-zeitliche Muster aus visuellen und propriozeptiven Informationen, die durch die präzise kontrollierten Handbewegungen beim Gebrauch eines Stifts gewonnen werden, in hohem Maße zu den Konnektivitätsmustern des Gehirns beiträgt, die das Lernen fördern.

Es ist nicht nur die präzise Kontrolle der Handbewegung, es ist die strukturierte Vorausplanung. Das, was einem im Studium bereits leicht fallen sollte, ist für junge oder schwache Schüler tatsächlich eine Herausforderung: Eine Heftseite strukturieren und ein Tafelbild so übertragen, dass es auf die Seite passt. Das ist eine Denkleistung, die bereits teil des Lernprozesses ist. Ein Textverarbeitungsprogramm nimmt einem diese Handlung ab, denn Schrift und Layout können jederzeit angepasst werden, das ist bei notieren per Hand anders. Unterstufenschüler fragen den Lehrer noch, ob sie die Seite hochkant oder quer nehmen sollen und ob statt rot auch rosa ginge. Sie sind noch nicht in der Lage das selbst zu strukturieren. Das ist ein wichtiger Lernprozess.

Digitale Geräte ersetzen zunehmend die traditionelle Handschrift (Longcamp et al., 2006; Kiefer et al., 2015), und da sowohl das Schreiben als auch das Lesen im Unterricht zunehmend digitalisiert werden, müssen wir die Auswirkungen dieser Praxis untersuchen (Mangen und Balsvik, 2016; Patterson und Patterson, 2017). Die Verwendung einer Tastatur wird mittlerweile oft für kleine Kinder empfohlen, da sie weniger anstrengend und frustrierend ist (Cunningham und Stanovich, 1990; Fears und Lockman, 2018) und es ihnen ermöglicht, sich früher schriftlich auszudrücken (Hultin und Westman, 2013).

Diesen Unterschied kann man auch im Alter noch aktiv erfahren, wenn man zwei Sprachlernsysteme miteinander vergleicht: Duolingo (digitale App) und Assimil (buchbasiert).

Bei Duolingo macht man schnell Fortschritte im passiven Sprachverständnis und wenn Worte vorgegeben sind, kann man die Sätze auch gut zusammenpuzzeln. Sobald man aber selbst komplett tippen muss, ohne Hilfestellungen, muss man einige Lerngrade zurückgehen, um die Aufgaben lösen zu können. Assimil funktioniert anders und setzt recht früh auf aktives schreiben. Duolingo hat bei einigen Sprachkursen mittlerweile durchaus Fortschritte gemacht, indem man Antworten auch frei formulieren kann, aber nicht bei allen Sprachen, nur bei den hochfrequentierten.

Der Lernfortschritt bei Assimil ist ein wenig langsamer aber bei Schriftsprache und aktivem Vokabular deutlich besser.

Einem Kind fällt es natürlich einfacher, einen Buchstaben passiv zu erkennen und zu nutzen oder gar mit Autokorrektur und Wortvorschlägen zu schreiben, als das alles aktiv selbst tun zu müssen.

Wie dem auch sei: Es hat sich gezeigt, dass das Schreiben mit der Hand nicht nur die Rechtschreibgenauigkeit verbessert (Cunningham und Stanovich, 1990) sowie das Gedächtnis und die Erinnerungsfähigkeit stärkt (Longcamp et al., 2006; Smoker et al., 2009; Mueller und Oppenheimer, 2014), sondern auch das Erkennen und Verstehen von Buchstaben erleichtert (Longcamp et al., 2005, 2008; Li und James, 2016).

Beim von Hand schreiben geht es dabei nicht um das Medium. Man kann auch auf einem Tablet oder ebook Reader gut von Hand schreiben. Es geht um die aktive Bewegung und das aktive selbst schreiben ohne Unterstützung durch ein im Hintergrund laufendes System, welches Wortvorschläge macht und die Rechtschreibung korrigiert, ganz besonders auch bei Fremdsprachen.

Die Autokorrektur am Smartphone ermöglicht es einem schneller in den Duolingo Übungen voran zu kommen, als man von seinem Lernfortschritt tatsächlich ist. Das rächt sich aber nach einigen Lektionen massiv und man läuft lerntechnisch gegen eine Wand. So ist mir das mit Russisch passiert. Für Russisch suche ich noch nach einem für mich geeigneten Lernsystem. Duolingo und Rosetta Stone sind es nicht.

Solche Vorteile für das Lernen wurden unabhängig davon festgestellt, ob mit einem herkömmlichen Stift oder Bleistift oder mit einem digitalen Stift von Hand geschrieben wurde (Osugi et al., 2019). Zudem zeigt die Hirnforschung, dass nicht jede motorische Aktivität das Lernen fördert, sondern dass die präzise Koordination der komplexen Handbewegungen bei der sorgfältigen Formgebung jedes Buchstabens beim Gebrauch eines Stifts entscheidend ist (Pei et al., 2021). Offenbar löst der Stift unterschiedliche zugrunde liegende neurologische Prozesse aus, die dem Gehirn optimale Bedingungen für das Lernen und Erinnern bieten (Askvik et al., 2020).

Die Studenten bekamen für ihre Teilnahme eine Kinokarte. Auch schon zu meiner Zeit waren die Experimente der Psychogen und Neurologen beliebt. Man konnte als Belohnung auch einfach eine CD mit seinen Daten bekommen. Die Versuche waren meist unterhaltsam und sie hatten nie Probleme Freiwillige zu finden. Eher hatten sie das Problem mit zu vielen Freiwilligen und entsprechenden Wartelisten.

Mit E-prime 2.0 wurden 15 verschiedene Pictionary-Wörter einzeln auf einem Microsoft Surface Studio angezeigt. Die Teilnehmer verwendeten einen digitalen Stift, um die Wörter in Schreibschrift direkt auf den Touchscreen zu schreiben, sowie eine Tastatur, um die dargestellten Wörter einzutippen.

Das Experiment umfasste insgesamt 30 Versuche, bei denen jedes Wort unter zwei verschiedenen Bedingungen in zufälliger Reihenfolge präsentiert wurde. Bei jedem Durchgang wurden die Teilnehmer angewiesen, entweder (a) das präsentierte Wort mit der rechten Hand in Schreibschrift mit einem digitalen Stift direkt auf den Bildschirm zu schreiben oder (b) das präsentierte Wort mit dem rechten Zeigefinger auf der Tastatur einzutippen. Vor jedem Durchgang erschien die Anweisung schreiben oder eintippen, bevor eines der Zielwörter angezeigt wurde, und die Teilnehmer hatten 25 s Zeit, das Wort entweder von Hand zu schreiben oder mehrmals einzutippen, jeweils durch ein Leerzeichen getrennt. Die EEG-Daten wurden nur während der ersten 5 s jedes Versuchs aufgezeichnet. Um Artefakte durch Kopf- und Augenbewegungen zu vermeiden, die durch den Blickwechsel zwischen Bildschirm und Tastatur verursacht wurden, wurden die getippten Wörter während des Tippens nicht auf dem Bildschirm angezeigt. Die von den Teilnehmern erstellten Schriftzüge (siehe Beispiel in Abbildung 1) wurden für Offline-Analysen gespeichert.

Die erste Hürde in diesem Experiment ist für viele Studenten bereits die Schreibschrift. Ich war im Zweitstudium Anglistik in der alten Sack Fraktion, also bei denjenigen, die noch gut Schreibschrift konnten. Die jüngeren Studenten jedoch, schrieben teils Druckschrift und kamen zeitlich mit den Prüfungen kaum durch. Auch hatten sie durch das digitale Lernen an den Gymnasien nicht mehr das Durchhaltevermögen vier Stunden lang von Hand einen Aufsatz zu schreiben, der dafür bereits vor beginn des Schreibprozesses im Kopf strukturiert sein musste. Abschnitte verschieben oder Zeilen einfügen ist auf normalem Paper nicht möglich. Das erfordert ganz andere kognitive Planungen eines Textes anhand von Stichworten vor dem eigentlichen Schreiben. Das hatten diese Schüler aber teilweise nicht mehr gelernt.

Aus der digitalen schönen neuen Schulwelt waren sie in eine anachronistische Welt von Kreidetafeln, Overheadprojektoren (noch 2017 normal im Gebrauch) und Klausuren mit Tinte auf vorher ausgeteiltem Papier versetzt worden und hatten damit, vor allem in den ersten Semestern, zu kämpfen, was wir älteren Semester (35+) müde belächelten.

Ein Wort in einem Zug durchzuschreiben ohne abzusetzen, um dadurch Zeit zu gewinnen, genau der Grund, warum die Schreibschrift entwickelt wurde, hatten viele nicht mehr gelernt.

Die Ergebnisse des Experiments dieser Publikation sind eindeutig:

Figure 2

Ergebnisse zur Gesamtkohärenz. Dargestellt sind lediglich drei ausgewählte Bereiche von Interesse hinsichtlich der Konnektivität für die beiden Versuchsbedingungen Handschrift und Tastatureingabe (linke Abbildungen) sowie der Unterschied in der Kohärenz zwischen Handschrift und Tastatureingabe und die Ergebnisse ihrer Permutation (rechte Abbildungen). Zu den Konnektivitätsbereichen mit großen signifikanten Unterschieden zwischen Handschrift und Tastatureingabe gehörten die Hirnregionen CR-PM (zentrale rechte parietale Mittellinie, die beiden oberen Felder links) und CL-PM (zentrale linke parietale Mittellinie, die beiden mittleren Felder links) sowie CM-CR (zentrale Mittellinie–zentrales Recht, die beiden unteren Felder links) in Frequenzbereichen von Theta (2 Hz) bis hin zu Gamma (60 Hz). Die x-Achsen zeigen das Zeitintervall von der Basislinie bis zu 4.500 ms der Aufzeichnungen des Versuchs. Die Signalstärke spiegelt die geschätzte Stärke der neuronalen Konnektivität zwischen den verschiedenen Hirnarealen unter den Versuchsbedingungen im Vergleich zur Basislinienaktivität (−250 bis 0 ms) wider. Positive Konnektivität wird als (Schattierungen von) rot gefärbte Konturen in den Handschrift-/Tastaturschreib-Diagrammen (Felder auf der linken Seite) sowie in den Differenzdiagrammen zwischen Handschrift und Tastaturschreiben bzw. den Permutationsergebnissen (Felder auf der rechten Seite) dargestellt. Die positive Konnektivität ist bei der Handschrift in den niedrigeren Frequenzbereichen (Theta 3,5–7,5 Hz und Alpha 8–12,5 Hz) signifikant ausgeprägter (0 ≤ p < 0,05, siehe auch Abbildung 4).

Die vorliegenden Ergebnisse zeigten eine erhöhte Konnektivität beim Schreiben von Hand im Vergleich zum Tippen, was darauf hindeutet, dass bei den beiden Aufgaben unterschiedliche kognitive Prozesse eine Rolle spielen. Da eine erhöhte Konnektivität im Gehirn nur beim Schreiben von Hand beobachtet wurde und nicht beim bloßen Drücken von Tasten auf der Tastatur, können unsere Ergebnisse als Beleg dafür gewertet werden, dass das Schreiben von Hand das Lernen fördert. Interessanterweise scheint die erhöhte Konnektivität zwischen den verschiedenen Hirnregionen mit den spezifischen sensomotorischen Prozessen zusammenzuhängen, die für das Schreiben von Hand so charakteristisch sind.

Und das waren nur einzelne Worte, die hier geschrieben werden mussten. Die Planung einer Seite, das Verkürzen des in der Vorlesung gehörten in eine strukturierte Mitschrift ist hier noch nicht einmal gemessen. Hier geht es “nur” um Wort erfassen und von Druckschrift in Schreibschrift übersetzten + die dazugehörige Motorik.

Der Unterschied Druckschrift zu Schreibschrift sollte nicht unterschätzt werden. Als Kind habe ich zunächst Schreibschriftbücher gelesen, weil ich den Wechsel zur Druckschrift schwierig und unangenehm fand. Druckschrift mochte ich am Anfang gar nicht. Erst mit der Zeit, etwa in er zweiten Klasse, habe ich dann den Wechsel beim Lesen von Büchern zur Druckschrift vollzogen.

Die in der vorliegenden Studie festgestellten Theta-/Alpha-Konnektivitätsmuster könnten darauf hindeuten, dass beim Schreiben von Hand und beim Tippen auf der Tastatur unterschiedliche neuronale Netzwerke beteiligt sind. Interessanterweise gilt die Konnektivität im Alpha-Band als sehr aufgabenspezifisch und soll mit der Leistung des Langzeitgedächtnisses korrelieren, während die Theta-Konnektivität offenbar mit dem Arbeitsgedächtnis und der Fähigkeit, neue Informationen zu erfassen, zusammenhängt (Klimesch et al., 1994, 1996, 2001; Klimesch, 1999; Raghavachari et al., 2001; Clouter et al., 2017). Somit scheint die verstärkte Konnektivität im Gehirn beim Schreiben von Hand nicht mit Unterschieden in der muskulären Beteiligung zusammenzuhängen. Es wurde zudem vorgeschlagen, dass sich die Aktivität des Hippocampus im Theta-Band widerspiegelt (Klimesch et al., 1994), was die Vorteile des Schreibens von Hand in Bezug auf das Lernen und die Gedächtnisbildung weiter untermauert.

Das Schreiben von Hand erfordert eine feinmotorische Kontrolle der Finger und zwingt die Schüler dazu, aufmerksam zu sein. Das Tippen hingegen erfordert mechanische und sich wiederholende Bewegungen, bei denen Aufmerksamkeit zugunsten der Geschwindigkeit zurückgestellt wird. Unsere Ergebnisse zeigen, dass immer dann, wenn Handschriftbewegungen als Lernstrategie einbezogen werden, größere Bereiche des Gehirns stimuliert werden, was zur Bildung komplexerer neuronaler Netzwerke führt. Es scheint, dass die mit dem Tippen verbundenen Bewegungen diese Netzwerke nicht in gleicher Weise aktivieren wie das Schreiben von Hand. Das gleichzeitige räumlich-zeitliche Muster aus Seheindrücken, motorischen Befehlen und propriozeptivem Feedback, das durch feine Hand- und Fingerbewegungen vermittelt wird, fehlt beim Tippen, wo lediglich ein einfacher Tastendruck erforderlich ist, um die gesamte gewünschte Form zu erzeugen (Longcamp et al., 2006; James, 2010; Vinci-Booher et al., 2016, 2021).

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich durchaus Texte abtippen kann, dabei an etwas anderes denke, und zum Schluss der Text zwar auf dem Bildschirm steht, ich den Inhalt aber nicht erfasst habe.

Das ist auch nicht überraschend. Im Mittelalter galten Schreiben und Lesen als getrennten Künste. Ein Schreiber/Kopist musste nicht zwangsweise auch lesen können. Das war praktisch, wenn es um geheime Dokumente ging. Karl der Große konnte zwar lesen, aber angeblich nicht schreiben. Es wird meist behauptet, seine Hand wäre zu groß und zu stark gewesen, er hätte die Federn immer zerbrochen. Tatsächlich konnten damals viele Menschen nur lesen und Schreiben war eine spezialisierte Tätigkeit.

Daher erscheint die fortschreitende Verdrängung der Handschrift durch das Tippen auf der Tastatur in fast allen Bildungsbereichen als etwas fehlgeleitet, da dies den Lernprozess negativ beeinflussen könnte (Alonso, 2015; Mangen und Balsvik, 2016; Arnold et al., 2017). Die vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass die komplexen und präzise gesteuerten Bewegungen beim Schreiben von Hand einen positiven Einfluss auf die Konnektivitätsmuster des Gehirns haben, die mit dem Lernen und dem Erinnern zusammenhängen. Die vorliegende Studie fand keine Hinweise auf solche positiven Aktivierungsmuster bei der Verwendung einer Tastatur.

Daher hat Schweden, welches Vorreiter der Digitalisierung war, eine 180° Kehrtwende gemacht.

Schwedens bildungspolitische Kehrtwende weg von einer rein digitalen Ausstattung hin zu einer Rückkehr zu analogen Lehrbüchern, Stift und Papier basiert auf konkreten wissenschaftlichen Daten und der Sorge vor einer schwindenden Lesekompetenz.

Die wichtigste empirische Grundlage war das Abschneiden schwedischer Grundschüler bei der internationalen PIRLS-Grundschul-Lese-Untersuchung (Progress in International Reading Literacy Study).

Um die nationale Digitalisierungsstrategie zu bewerten, zog die Regierung führende medizinische und neurowissenschaftliche Experten heran. Die Stellungnahme des renommierten Karolinska-Instituts kam zu einem deutlichen Urteil:

  • Mangelnde Evidenz: Die Forscher stellten klar, dass es keine wissenschaftlichen Belege dafür gibt, dass die Digitalisierung das Lernen im frühen Alter fördert.

  • Kognitive Nachteile: Die übermäßige Bildschirmnutzung führt nachweislich zu Konzentrationsproblemen und beeinträchtigt die tiefere Informationsverarbeitung.

  • Die Empfehlung: Die Wissenschaftler rieten dringend dazu, den Fokus wieder auf physische Bücher zu legen. Infolgedessen hob die schwedische Regierung die Pflicht zur digitalen Ausstattung in Vorschulen komplett auf.

Schwedische Kognitionsforscher untermauerten die Entscheidung mit Studien zur Gehirnentwicklung von Kindern:

  • Gehirnaktivität: MRT-Untersuchungen zeigen, dass das physische Schreiben mit der Hand (Stift auf Papier) motorische und visuelle Areale im Gehirn verknüpft, die beim reinen Tippen auf Tastaturen oder Tablets inaktiv bleiben.

  • Lerneffekt: Diese sensorische Erfahrung schafft stärkere neuronale Verknüpfungen. Wer von Hand schreibt und gedruckte Seiten umblättert, kann sich Inhalte nachweislich langfristiger merken und komplexe Zusammenhänge besser erfassen.

Also exakt das, was die obige Studie an Studenten auch gezeigt hat.

Daher mache ich meine Buchanalysen auch immer noch in gedruckten Büchern. Anstreichen, Notizen an den Rand schreiben, all das ist Teil der Analyse schon beim Lesen. Natürlich hilft google KI bei Auffinden von Papern und staatlichen Dokumenten, die man früher schon alle in Kartons hätte gesammelt vorliegen haben müssen. Diese Erleichterung möchte ich nicht missen. Dennoch muss man den historischen Kontext und die Fakten beim Lesen bereits im Kopf haben, sonst fallen einem prägnanten Stellen im Buch nicht auf. Das kann eine KI nicht ersetzen, sie kann einem nur die Belege finden, nach denen man sie gefragt hat. Was man nicht weiß, kann man auch die KI nicht fragen.

Das schmeckt deutschen Digitalisierungsbefürwortern natürlich gar nicht, daher argumentiert man in Deutschland, dass die schwedische Kehrtwende politisch motiviert sei (durch die dortige rechtsbürgerliche Regierung, pfui). Der Rückgang der Lesekompetenz in Schweden und Deutschland habe laut vielen Experten andere Hauptursachen als Tablets: die Folgen der Corona-Schulschließungen (die es in der Grundschule in Schweden gar nicht gab), Lehrermangel und eine soziokulturell immer diversere Schülerschaft, die zu wenig gezielte Sprachförderung erhält. Zudem ging es in Schweden um Grundschulen, Gymnasiasten können ruhig am Tablet lernen. Aber wie ich bereits ausgeführt habe, waren die Folgen erster teildigitalisierter Klassen bereits vor 10 Jahren an der Uni zu merken und nicht zum Vorteil der betroffenen Studenten.

Aus meiner eigenen Erfahrung als jemand, der komplett analog gelernt und das erste Mal komplett analog studiert hat (Biologie) und dann ein teildigitalisiertes Zweitstudium (Anglistik) gemacht hat, muss ich leider sagen, dass die Schüler frisch vom Abi, die noch im Lernprozess hätten drinnen sein sollten, der 35+ Fraktion, die zwischendurch ganz andere Dinge gemacht hatte, gnadenlos unterlegen war, wenn es um Handschrift und Lernprozesse ging. Im Prüfungsvorbereitungskurs war der Prof. letztendlich erstaunt, wie positiv sich die 4 alten Säcke im Kurs ausgewirkt hatten, weil wir den Jungen die alten Methoden beigebracht haben, und damit die Noten des ganzen Kurses verbessert haben. Das war damals angeblich der beste Vorbereitungskurs, den er jemals gehabt hat, auch von den Noten her.

Um Schummeln zu vermeiden, wird die Uni noch sehr lange in großen Teilen analog bleiben müssen. Es mussten schon vor 10 Jahren alle Taschen und Uhren vorne abgelegt werden, Papier wurde ausgeteilt, man durfte nur Stifte an den Platz nehmen. Wenn die Digitalisierung an den Schulen Fortschreitet, werden diese jungen Menschen an der Uni Probleme bekommen, bzw. die Uni wird Probleme mit dem Nachwuchs bekommen. Schon vor 10 Jahren wurde das in Anglistik mit Eingangsprüfungen gelöst, was zur Folge hatte, dass nur die Hälfte der Studienplätze besetzt werden konnten. Andere, wie die Chemiker, prüften einfach bis Weihnachten raus und gingen mit teils nur noch 40 von 200 Studenten ins zweite Semester.

Ein weiteres Problem der Digitalisierung zeigt die JIM-Studie 2025

Im Eingangsvideo wurde schon erwähnt, dass der Rückgang der kognitiven Leistungen mit der zeitlich hinzugekommenen Nutzung von Smartphones bei den Jugendlichen um 2010 zusammenfällt.

“18- bis 19-Jährige verbringen täglich über viereinhalb Stunden am Smartphone”.

Viereinhalb Stunden, die früher teil eines unbemerkten Lernprozesses waren, indem man sich anderen Dingen widmete als stumpf zu konsumieren. Man nutzte diese vier Stunden für das Erlenen von Musikinstrumenten, zum Lesen, Sport, Basteln, Handarbeiten, das Erlenen sozialer Kompetenzen im Umgang mit Gleichaltrigen und zwar Auge in Auge… Da wurden Probleme noch gelöst, indem ein Troll in dem Mülleimer gestopft wurde und ihm so seine Grenzen aufgezeigt wurden.

Vielleicht spricht die Serie “Stranger Things” die Jugendlichen auch deshalb so an, weil sie die gute alte Zeit zeigt, ohne Digitalisierung und man besiegte die Monster doch.

Und nein, Lernapps wie Duolingo gehören nicht zu den Favoriten der Jugendlichen:

Nun kommt langfristig noch KI hinzu, welche den Jugendlichen das Denken abnimmt und die Verdummung noch weiter vorantreibt.

Probanden, die Schreibaufgaben vollständig an LLMs auslagerten, zeigten in Hirnscans die schwächste neuronale Konnektivität. Die Kontrollgruppe ohne KI-Hilfe wies dagegen stark verteilte, aktive Netzwerke auf. Die Forscher warnen vor kognitiven Schulden: Je mehr Aufgaben externalisiert werden, desto weiter skaliert das Gehirn seine Aktivität herunter.

Vielleicht will man daher auch mehr KI im Unterricht in Deutschland statt in Schulen einen geschützten Lernraum zu erschaffen, der die neuronale Entwicklung fördert und störende digitale Einflüsse auf die Freizeit begrenzt. Als ich noch im Referendariat war, mussten die Schüler die Handys vor Unterrichtsbeginn in mit Namen beschrifteten Smartphoneregalen ablegen. Einige Schulen verbieten Smartphones mitlerweile. Studien haben gezeigt, dass das den Lernerfolg deutlich steigert.

So sehr ich gegen eine Altersbeschränkung für soziale Medien bin, die letztendlich von den Regierungen zur Zensur genutzt werden werden, so sehr bin ich aber auch dafür, die Schule frei von KI und Digitalisierung zu halten, denn das Umgehen mit Apps und KI bereitet einen nicht auf die Realität vor. Setzt man diese handyaffinen Jugendlichen vor einen stationären Computer und lässt sie mit Excel oder Word arbeiten und klassische Suchen ausführen, sind sie teilweise bereits überfordert. Das Ausfüllen einer Tabelle im Englischunterricht mit Hilfe klassischer Internetsuche war katastrophal. Die Jugendlichen konnten die Suche, um kombinierte Daten aus der Tabelle abzufragen nicht formulieren. Das Ausfüllen von Tabellen überforderte sie. Ihre Apps aber, konnten sie bedienen, aber beim Formatieren eines Word Dokuments scheiterten sie kläglich (Berufliches Gymnasium, 12. Klasse).

Ein Hirn, das noch in der Entwicklung ist, sollte seine neuronalen Verknüpfungen vor dem neuronalen pruning (dem Rückschneiden nicht benötigter Verbindungen) in der Pubertät maximal ausweiten. Daher lernt man als Kind auch Instrumente. Es geht nicht darum, dass das Kind ein Musiker werden soll, es geht darum, die Verknüpfungen der Hirnbalken durch die beidhändige Tätigkeit, bei der beide Hände koordiniert unterschiedliche Bewegungen durchführen müssen, zu verbessern.

Daher lernt man als Kind, vor er Pubertät mindestens eine Fremdsprache. Es geht nicht darum, die Fremdsprache zum Schluss zu können, es geht darum, die Muskelbewegungen der Sprechmuskulatur für fremde Laute zu trainieren und das Ohr zu trainieren, Lautunterschiede wie u und ü überhaupt zu hören. Das wird mit Einsetzen der Pubertät, wenn FOXP2 seine Funktion als Sprachgen einstellt, weil man seine Muttersprache kann, deutlich schwieriger.

Dieses Zeitfenster der Jugend, in welchem das Hirn noch so viele Dinge schnell lernen kann, wird durch die Nutzung digitaler Medien verschwendet und kommt nicht wieder. Das Ergebnis sind weniger vernetzte Gehirnstrukturen der zukünftigen Generationen, die nicht mehr die kognitive Leistung der Generation ihrer Eltern erreichen. Erste Ergebnisse kann man in der Gen Z bereits bestaunen und das wird nicht besser werden, wenn man das so weiter laufen lässt.


Unterstützungsmöglichkeiten:

Bücherwunschzettel: https://www.amazon.de/registries/gl/owner-view/30LG3DJ4ET90L?ref_=list_d_gl_lfu_nav

Andere Unterstützungsmöglichkeiten für Holgers und meine Forschung:

1

(14) A Midwestern Doctor auf X: „This teacher-turned-cognitive scientist shared a disturbing reality that left the room stunned. “Our kids are LESS cognitively capable than we were at their age.” Every previous generation outperformed its parents since we began recording in the late 1800s. So, what happened? https://t.co/OmY1IVZw39“ / X

3

Great Courses Classics | The Great Courses Classics. (n.d.). https://classics.thegreatcourses.com/

4

LibriVox | free public domain audiobooks. (n.d.). https://librivox.org/

5

Savage, M. (2026, April 15). Back to books – Sweden’s schools cutting back on digital learning. https://www.bbc.com/news/articles/cly0vk77vdko

7

Rlankau. (2023, July 9). Karolinska-Institut (Schweden): Stellungnahme zur nationalen Digitalisierungsstrategie in der Bildung. https://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/karolinska-institut-schweden-stellungnahme-zur-nationalen-digitalisierungsstrategie-in-der-bildung.html

8

Redaktion. (2023, August 15). Karolinska-Institut (Schweden): Stellungnahme zur nationalen Digitalisierungsstrategie in der Bildung. https://xn--die-pdagogische-wende-91b.de/karolinska-institut-schweden-stellungnahme-zur-nationalen-digitalisierungsstrategie-in-der-bildung/

9

Zezelj, M. (2026, May 14). Why Sweden is returning to printed books in the classroom. The European Magazine. https://the-european.eu/story-60781/why-sweden-is-returning-to-printed-books-in-the-classroom.html

10

Argumente gegen das Digitale in der Schule – Schweden-Argument. (2024, March 19). arbeitsgruppe.ch. https://mehrals0und1.ch/Argumente/SchwedenArgument

11

Jugend, Information, Medien, & Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, M. (n.d.). JIM-Studie 2025. In JIM-Studie 2025 (pp. 01–70). https://www.lfk.de/fileadmin/PDFs/Publikationen/Studien/JIM-Studie/jim-studie-2025.pdf

12

Kos’myna, N. (n.d.). Your Brain on ChatGPT: Accumulation of Cognitive Debt when Using an AI Assistant for Essay Writing Task – MIT Media Lab. MIT Media Lab. https://www.media.mit.edu/publications/your-brain-on-chatgpt/

13

Neurologische und kognitive Auswirkungen von KI-Chatbots. (2025, April 15). Magazin. https://werde.kulturprofi.dguv.de/blog/posts/neurologische-und-kognitive-auswirkungen-von-ki-chatbots/

14

Bildungsministerkonferenz verabschiedet Handlungsempfehlung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz. (2024, October 10). https://www.kmk.org/aktuelles-1/artikelansicht/bildungsministerkonferenz-verabschiedet-handlungsempfehlung-zum-umgang-mit-kuenstlicher-intelligenz-1.html

15

Beland, L., & Murphy, R. (2016). Ill Communication: Technology, distraction & student performance. Labour Economics, 41, 61–76. https://doi.org/10.1016/j.labeco.2016.04.004 https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0927537116300136

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