Welche Erfolgschancen hat die EU, in einem Handelskrieg gegen China zu bestehen?

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Angesichts des sich wieder zuspitzenden Streits der EU mit China hat der China-Korrespondent der TASS einen Artikel mit ...

anti-spiegel.ru📅 18.06.2026
Die Risiken der Risikominimierung

Welche Erfolgschancen hat die EU, in einem Handelskrieg gegen China zu bestehen?

Die EU verstärkt, auch im Trump zu gefallen, ihre anti-chinesischen Bemühungen. Aber wie groß sind die Erfolgsaussuchten der EU, einen Handelskrieg gegen China zu bestehen?

Angesichts des sich wieder zuspitzenden Streits der EU mit China hat der China-Korrespondent der TASS einen Artikel mit interessanten Gedanken zu einem Handelskrieg zwischen China und der EU geschrieben, den ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

China und die EU in Erwartung eines Handelskriegs: Wird der amerikanische Knüppel Europa helfen?

Andrej Kirillow, Mitarbeiter des TASS-Büros in Peking, darüber, ob Brüssel Chinas Einfluss mit protektionistischen Maßnahmen eindämmen kann.

China wird seine nationalen Interessen und seine Souveränität angesichts des äußeren Drucks im Handels- und Finanzwesen entschieden verteidigen, erklärte Vizepremier He Lifeng, Pekings Chefunterhändler für Außenwirtschaftsfragen, auf dem Finanzforum Lujiazui 2026.

Diese Erklärung erfolgte, nachdem China beim G7-Gipfel in Évian, Frankreich, beschuldigt wurde, dem Westen wichtige Rohstoffe vorenthalten zu wollen. Der französische Präsident Emmanuel Macron, der kürzlich in Peking mit großem Respekt empfangen wurde, treibt diese anti-chinesische Agenda besonders eifrig voran. Es ist offensichtlich, dass Macron, der bald aus dem Amt scheidet, sich durch so ein aggressives Vorgehen einen guten Posten in der EU sichern will, aber…

Der Westen spielt eine neue Karte aus und wirft China „räuberischen Wettbewerb“ auf den globalen Märkten vor. Das sagen die Richtigen…

Schließlich ist China heute nicht mehr dasselbe wie in den Zeiten seiner einst so herzlichen Freundschaft und engen Zusammenarbeit mit der EU.

Peking ist sich dessen sehr wohl bewusst – und auch He Lifeng hat darüber gesprochen –, dass sich die Welt rasant verändert und das internationale Regelwerk fragmentiert ist. Die politische und wirtschaftliche Landschaft ist in einem tiefgreifenden Wandel, und geopolitische Konflikte verschärfen sich.

Noch werden die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und der EU mit der Formel „kein Frieden, kein Krieg“ beschrieben. Dieses fragile Gleichgewicht könnte jedoch schnell in einen ausgewachsenen Konflikt eskalieren, sollte die gegenwärtige Führung der EU ihre Politik der „Eindämmung“ des asiatischen Riesen und der sogenannten „Reduzierung von Handelsrisiken“ fortsetzen.

Kein Frieden unter den Oliven

Worüber sollte man eigentlich streiten, wenn man bedenkt, dass die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und der EU im internationalen Handel eine Schlüsselrolle spielen? Für China ist die EU nach der ASEAN-Region (Verband Südostasiatischer Nationen) der zweitwichtigste Partner, noch vor den USA. Auch für die EU steht China an zweiter Stelle, direkt hinter den USA.

Ja, die Masse der Chinesen bevorzugt heimische Produkte gegenüber ausländischen. Dennoch finden europäische Waren ihre Abnehmer. Unternehmer und vermögende Privatpersonen mit internationaler Geschäftstätigkeit schätzen europäische Marken, französische und italienische Weine, deutsche Wurstwaren, spanischen Schinken, griechische Oliven und polnische Kekse. Auf systemischer Ebene sind die Verbindungen sogar noch weitreichender: Deutsche Investitionen sind besonders in der Automobilindustrie spürbar und chinesische Fluggesellschaften kaufen Airbus-Flugzeuge. Auch französische Kosmetik und Luxusgüter gehören in diese Liste.

Der Gegenstrom ist nicht weniger beeindruckend. Meinen Beobachtungen zufolge kauft die EU aktiv chinesische Waren mit hoher Wertschöpfung: Telekommunikationsausrüstung, Smartphones und Maschinenbauprodukte. Chinesische Elektroautos sind bei Europäern besonders beliebt. Das ist verständlich: Die EU hat sich von der vergleichsweise günstigen russischen Energie abgewandt, die Benzinpreise sind extrem hoch und Fahrzeuge mit alternativen Antrieben passen perfekt in die europäische „grüne“ Agenda.

Statistiken bestätigen dieses idyllische Bild: Allein zwischen Januar und Mai 2026 stieg der Handelsumsatz zwischen beiden Seiten im Jahresvergleich um 13,9 Prozent. Laut dem Nationalen Statistikamt Chinas überstieg der Wert 364 Milliarden US-Dollar.

Doch so einfach ist es nicht.

Was will man mehr?

Bei genauerer Betrachtung wuchsen die chinesischen Exporte in die EU im gleichen Zeitraum um 16,4 Prozent auf 253,97 Milliarden US-Dollar. Die Importe aus der EU stiegen hingegen nur um 8,6 Prozent auf 110,19 Milliarden US-Dollar. Fällt Ihnen der Unterschied auf?

Das Ungleichgewicht ist gewaltig. Laut Eurostat wird das Handelsdefizit der EU mit China bis Ende 2025 361 Milliarden Euro erreichen (umgerechnet etwa 418,7 Milliarden US-Dollar zum heutigen Wechselkurs). Nur die USA weisen so ein großes Handelsdefizit mit Peking auf – und auch dort ist es, wie zu erwarten, zugunsten Chinas.

Auch das Gesamtbild verändert sich. Während europäische Unternehmen zu Beginn der chinesischen Reformen, angelockt von den günstigen Arbeitskräften und dem riesigen chinesischen Markt, in Scharen nach China strömten, um dort zu investieren, hat sich China inzwischen zu einem mächtigen globalen Investor entwickelt und ist bei Investitionen aus Europa sehr wählerisch. Ja, die europäische Wirtschaft hat tiefe Wurzeln geschlagen, laut Wirtschaftsexperten haben die kumulierten Direktinvestitionen der EU in China 200 Milliarden Euro überschritten, doch die Situation ist folgende.

„Hier gibt es nichts mehr zu holen“, sagen meine Bekannten aus dem Club der „alten Freunde Chinas“. Dort treffen sich Ausländer, die seit mindestens 15 Jahren im Land leben, um über Geschäfte zu sprechen (und zu essen). Leider lichtet sich der Club mit jedem Treffen. Jedes Mal höre ich etwas wie: „Wo ist denn Klaus?“ „Er ist vor zwei Wochen gegangen. Die Geschäfte sind zusammengebrochen.“ Und alle seufzen gleichzeitig. Sie beklagen Pekings strenge Auflagen, die Bedingungen für Technologietransfer und Joint Ventures, befürchten eine Verschärfung der Vorschriften zur Datenlokalisierung und so weiter.

Die goldenen Zeiten sind vorbei

Das haben sie nicht erwartet.

Chinesische Investitionen haben in der EU 2016 ihren Höhepunkt erreicht. Damals begannen die Europäer, Barrieren zu errichten, einen Mechanismus, um ausländisches Kapital auf „Gefahren für die nationale Sicherheit und die öffentliche Ordnung“ zu überprüfen. Auch das Beispiel ihres großen transatlantischen Bruders spielte eine Rolle. Donald Trump entfesselte in seiner ersten Amtszeit einen umfassenden Handelskrieg mit China und die ihm nachfolgenden Demokraten übernahmen den Trend – trotz ihres erklärten Bekenntnisses zur Globalisierung. Es zeigte sich, dass der Handel mit China nicht zum Vorteil des globalen Marktes sei. Sowohl Europäer als auch Amerikaner lieben nur ihre eigenen Investitionen, insbesondere, wenn sie gute Renditen abwerfen.

Die Chinesen passten sich jedoch schnell an und verlagerten ihren Fokus auf Greenfield-Investitionen, also den Aufbau von Produktionsstätten direkt in EU-Ländern. Beispiele hierfür sind Investitionen in die Produktion von Batterien für Elektrofahrzeuge: Die CATL-Werke in Ungarn, Envision in Frankreich und SVOLT in Deutschland. Die Europäer begrüßten diese Unterstützung für ihre Volkswirtschaften zunächst, da sie bei der Senkung der Arbeitslosigkeit half. Doch bald wurde deutlich, dass die chinesischen Investoren damit die hohen Zölle umgingen und ihre Fabriken näher an die Endverbraucher brachten. Kurz gesagt, sie schleusten ihr eigenes „Trojanisches Pferd“ in die EU ein. Chinesische Partner fanden auch andere Wege, europäische Handelshemmnisse zu umgehen, beispielsweise durch den Zugang zum sensiblen Telekommunikationsmarkt über Hongkonger Unternehmen.

Die chinesische Wirtschaft hat sich in Europa so tief verwurzelt, dass heute ganze Wirtschaftszweige faktisch unter der Kontrolle chinesischen Kapitals stehen. So beklagten sich beispielsweise italienische Leder- und Schuhmacher einmal persönlich bei mir, dass die heimische Produktion dem Ansturm der direkt nebenan errichteten chinesischen Fabriken nicht standhalten könne.

Die Risiken der Risikominimierung

Brüssel betrachtet die Handelsbeziehungen mit Peking nun unter dem Gesichtspunkt der „Risikominimierung“. Im Grunde läuft das auf die Formel „Partner-Konkurrent-Rivale“ hinaus, doch in Wirklichkeit handelt es sich immer noch um dieselbe altbekannte amerikanische Politik der Eindämmung. Die EU ist mit China nur zu einem Dialog über sehr allgemeine und im Grunde zu nichts verpflichtende Themen wie Klima, globale Gesundheit oder Artenschutz bereit. In diesen Bereichen ist sehr bequem, China für seine CO2-Emissionen oder das Leid irgendeines kleinen Vogels zu kritisieren. Gleichzeitig konkurriert die EU in der Realwirtschaft heftig mit China und blockiert dessen technologischen Fortschritt.

Chinesische Experten beobachten mit Besorgnis, dass die EU-Kommission bereits über neue Druckmittel spricht. Brüssel plant insbesondere, Chinas „Überkapazitäten“ nach amerikanischem Vorbild zu bekämpfen, also mithilfe eines Analogons zur berüchtigten „Section 301“ des US-Handelsgesetzes. In den USA ermächtigt dieser Mechanismus den Präsidenten, einseitig Zölle oder Sanktionen gegen Länder zu verhängen, die nach Ansicht Washingtons gegen seine Regeln verstoßen. So etwas wie Trumps „Zollkeule“.

Die USA haben jedoch einen konkreten Staatschef mit legitimen Befugnissen. Aber wer wird in der EU-Kommission die Rolle des Vollstreckers übernehmen? EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen? Ich würde sagen, sie ist eindeutig nicht die richtige politische Figur. Daher agiert Brüssel vorerst vorsichtiger und sucht nach Schlupflöchern, um den Zugang chinesischer Unternehmen zum EU-Markt für Chemikalien, Metalle und Technologien für saubere Energie einzuschränken.

Jedoch stößt die von der EU-Kommissionspräsidentin energisch vorangetriebene anti-chinesische Kampagne in Europa auf Widerstand. Jedem ist sein eigenes wirtschaftliches Hemd näher als die Hose der anderen. Deutschland beispielsweise will keinesfalls seine ohnehin angeschlagene Automobilindustrie riskieren. In Berlin versteht man sehr gut, dass Peking im Falle eines Handelskrieges die deutschen Investitionen in die chinesische Autoindustrie, die nach wie vor beträchtlich sind, direkt angreifen würde. Während die baltischen Staaten, die von Zuwendungen aus der gemeinsamen Kasse der EU leben, im Handel mit China wenig zu verlieren haben, müssen Europas große Exporteure viel bedenken.

China nutzt die europäische Uneinigkeit geschickt aus. Als Reaktion auf die Zölle kündigte Peking beispielsweise umgehend eine Untersuchung von Brandy-Importen aus Europa an: Betreiben die Lieferanten Dumping, und werden sie von ihren Regierungen geschützt? Die Chinesen übernehmen die Tricks ihrer westlichen Gegenüber sehr schnell.

Im Moment wachsen diese Widersprüche wie eine Lawine. Was passiert morgen, wenn China Heerscharen seiner Haushalts- und Industrieroboter auf den europäischen Markt bringt? Was, wenn es eine Flotte von tieffliegenden Flugflugzeugen – unbemannte Flugtaxis und andere zivile Drohnen – dorthin schickt? Was, wenn Peking Europa mit Computern und Smartphones überschwemmt, die mit seinem eigenen Betriebssystem laufen, die Verbraucher dort mit neuen Durchbrüchen in der künstlichen Intelligenz verblüfft und sogar noch leistungsfähigeres erfindet?

Es ist beängstigend, darüber nachzudenken. Besonders, wenn man in Brüssel sitzt.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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