Wenn der Spiegel über Kriegstote in der Ukraine berichtet

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Ich sage es gleich vorweg: Ich war mehrmals an der Front, ich habe den Krieg gesehen, ich habe die Zerstörungen gesehen,...

anti-spiegel.ru📅 14.06.2026
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Wenn der Spiegel über Kriegstote in der Ukraine berichtet

Der Spiegel meldet, laut der UNO seien seit Kriegsbeginn noch nie so viele ukrainische Zivilisten getötet worden, wie im Mai. Das klingt dramatisch, aber warum berichtet der Spiegel nicht in einem ähnlichen Tonfall über die zivilen Opfer der israelischen Krieg, die mehr als zehn Mal so hoch sind, wie in der Ukraine?

Ich sage es gleich vorweg: Ich war mehrmals an der Front, ich habe den Krieg gesehen, ich habe die Zerstörungen gesehen, ich habe traumatisierte Menschen gesprochen, die sich wochenlang vor Beschuss versteckt haben, ich habe Leichen gesehen. Nichts liegt mir daher ferner, als den Krieg zu verharmlosen. Im Gegenteil.

Aber der Spiegel-Artikel mit der Überschrift „Russlands Angriffskrieg – Uno meldet Höchststand ziviler Opfer in der Ukraine“ macht eine gewisse Einordnung notwendig. Der Spiegel berichtet in dem Artikel, im Mai seien in der Ukraine nach Angaben der UNO mindestens 274 Menschen getötet und weitere 1.763 verletzt worden. Das sind natürlich schreckliche Zahlen, denn jeder Tote ist ein Toter zu viel!

Allerdings macht der Spiegel sich unglaubwürdig, solange er nicht mit ähnlichen Überschriften wie beispielsweise „Israels Angriffskriege – 1.200 zivile Opfer jeden Monat alleine im Libanon“ auch Israel für seine ungleich brutaleren Angriffskriege kritisiert. Alleine im Libanon sind seit Beginn des neuen israelischen Angriffskrieges am 2. März mindestens 3.756 Zivilisten getötet und 11.632 verletzt worden. Das sind durchschnittlich etwa 1.200 Tote und 4.700 Verletzte pro Monat, also ein Vielfaches der Opfer in der Ukraine.

Außerdem meldet der Spiegel, seit Beginn der Eskalation im Februar 2022 seien in der Ukraine insgesamt 16.000 Zivilisten getötet worden. Auch hier werfe ich dem Spiegel vor, dass er die Zahl von über 100.000 toten Zivilisten in Gaza seit Oktober 2023 nicht ähnlich prominent in die Köpfe seiner Leser hämmert.

Diese Beispiele zeigen, dass deutsche Medien parteiisch und nicht etwa objektiv berichten. Sie können Russland ja für den Aggressor halten, wenn sie wollen, aber zu objektiver Berichterstattung würde gehören, darauf hinzuweisen, dass der Krieg in der Ukraine so wenig zivile Opfer fordert, wie kein Krieg in der modernen Geschichte zuvor. In den modernen Kriegen der letzten hundert Jahre lag das Verhältnis zwischen toten Zivilisten und toten Soldaten bei mindestens 50:50, oft war die Zahl der zivilen Opfer höher als die Opfer unter den Soldaten.

Aber auf ukrainischer Seite sind je nach Lesart einige hunderttausend oder bis zu einer Million Soldaten gefallen, denen „nur“ 16.000 tote Zivilisten gegenüberstehen. Das zeigt, wie sehr Russland sich bemüht, Zivilisten zu schonen. Und das dürfen Medien, die sich als objektiv und kritisch bezeichnen, nicht verschweigen, auch wenn sie Russland für den Aggressor halten.

Ich wiederhole es: Jeder Tote ist eine zu viel, aber wenn man über Opferzahlen berichtet, muss man seinen Lesern diese Zahlen auch erklären, alles andere ist bewusste Irreführung der Leser, weil man mit Zahlen so wunderbar manipulieren kann, wie dieses Beispiel zeigt. Ohne einen Vergleich zu haben, klingt die 274 Tote nach sehr viel, aber wenn man den Vergleich mit anderen Kriegen zieht, wie denen, die Israel und die USA führen, in denen zehn Mal so viele Zivilisten sterben, dann relativiert sich das nun einmal – was, ich wiederhole mich, nichts daran ändert, dass jeder Tote einer zu viel ist.

Kein Spiegel-Artikel ohne Desinformation!

Und das ist nicht alles, denn der Spiegel desinformiert seine Leser in dem Artikel noch an einer anderen Stelle, denn der Spiegel schreibt:

„Nach Uno-Angaben wurden seit Kriegsbeginn im Februar 2022 mehr als 16.000 Zivilisten getötet und mehr als 46.000 verletzt. Aufgrund des fehlenden Zugangs zu den von Russland eroberten Gebieten sind in den Uno-Statistiken nicht alle Opfer erfasst.“

So, wie der Spiegel es formuliert, klingt es so, als verweigere Russland der UNO den Zugang zu seinen neuen Gebieten. Das ist schlicht gelogen, denn es ist die Ukraine, die der UNO den Zugang verweigert, Russland hat schließlich sogar ein großes Interesse daran, dass die UNO auch die Opfer dokumentiert, die dort dem ukrainischen Beschuss zum Opfer fallen.

Der Punkt ist nämlich, dass die UNO die Referenden, in denen die Menschen dort für ihre Zugehörigkeit zu Russland gestimmt haben, nicht anerkennt. Für die UNO sind diese Gebiete also ukrainisches Staatsgebiet, in das die Experten der UNO daher nur über die Ukraine einreisen können. Aber das erlaubt die Ukraine nicht, obwohl es möglich wäre, wie das Beispiel der IAEA-Experten zeigt, die das AKW Saporoschje überwachen. Die reisen immer über die Ukraine an, wozu an einem Frontabschnitt jedes Mal ein vorübergehender Waffenstillstand ausgerufen wird, damit die Experten die Frontlinie überqueren können.

Das verschweigt der Spiegel seinen Lesern jedoch, womit er ein weiteres Mal suggeriert, Russland lasse niemanden in seine neuen Gebiete einreisen, was nun einmal gelogen ist. Man kann aus Russland dort hinfahren, auch als internationale Organisation.

Aber weder der Spiegel noch die Ukraine haben ein Interesse daran, die Opfer des ukrainischen Beschusses in diesen Gebieten zu dokumentieren.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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