Die Baltenstaaten und Finnland haben ihre Lufträume für Angriffe ukrainischer Drohnen auf Russland geöffnet

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anti-spiegel.ru📅 13.06.2026
Manchmal hundert Drohnen pro Nacht

Die Baltenstaaten und Finnland haben ihre Lufträume für Angriffe ukrainischer Drohnen auf Russland geöffnet

Inzwischen fliegen an manchen Tagen über hundert ukrainische Drohnen über die Baltenstaaten und Finnland zu Angriffen auf Russland. Das ist eine offene Kriegsbeteiligung dieser Länder, die deutsche Medien nicht thematisieren und von der Regierungen der Länder abzulenken versuchen.

Stammleser des Anti-Spiegel haben schon viel darüber gelesen, wie die baltischen Staaten und Finnland seit Ende März offen ihre Lufträume für ukrainische Drohnen zur Verfügung stellen, die St. Petersburg und umliegende Leningrader Gebiet angreifen, wobei zivile Infrastruktur, die Ölindustrie und Häfen beschädigt werden. Teilweise waren das in letzter Zeit hundert und mehr ukrainische Drohnen in einer Nacht.

Das ist eine offene Kriegsbeteiligung dieser Länder am Krieg gegen Russland, was deutsche Medien aber nicht thematisieren, während die Regierungen dieser Länder ihre Bevölkerungen mit Erklärungen zu beruhigen versuchen, man habe der Ukraine nicht erlaubt, ihre Lufträume für Angriffe auf Russland zu nutzen.

Diese leeren Worte – und auch der demonstrative Abschuss einzelner Drohnen, den es mal gab – können nicht über deren Kriegsbeteiligung hinwegtäuschen, denn alles, was sie angeblich dagegen tun, ist reine Symbolik. Es gibt keine ernsthaften Versuche, die Drohnen abzufangen und es gibt keinerlei Druck auf Kiew, diese Attacken unter Nutzung der Lufträume von NATO- und EU-Staaten einzustellen.

Hinzu kommt, dass durch russische Radardaten und die Meldungen über Drohnensichtungen oder -abstürze aus den Ländern bereits klar ist, dass sie offensichtlich mit der NATO abgesprochene Flugrouten benutzen, die über sehr dünn besiedeltes Gebiet führen, um die Schäden durch abstürzende Drohnen gering zu halten.

In der TASS ist ein Artikel erschienen, der die wichtigsten Fakten dieser offenen Kriegsbeteiligung zusammenfasst und den ich daher übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Die baltische „Durchgangsstraße“: Warum schießen Russlands Nachbarn die ukrainischen Drohnen nicht ab?

Französische Kampfflugzeuge, die Teil einer NATO-Luftraumüberwachungsmission sind, haben über Lettland eine unbekannte Drohne abgeschossen. Währenddessen operieren ukrainische Drohnen ständig über den baltischen Staaten und greifen Russland an, doch Meldungen über deren Abschuss sind selten. Experten sind gegenüber der TASS überzeugt, dass Lettland, Litauen und Estland Kiew bei seinen Angriffen unterstützen, zumindest durch die Bereitstellung eines Luftkorridors. Schauen wir uns die Situation an.

Ukrainische Fluggeräte verletzen den Luftraum anderer Länder seit dem ersten Tag der Militäroperation. Am 24. Februar 2022 überquerte ein ukrainischer Mehrzweckjäger vom Typ Su-27 die Grenze nach Rumänien, wo er von zwei rumänischen F-16 abgefangen wurde und anschließend auf dem Luftwaffenstützpunkt Bacău landete. Das beschädigte Flugzeug kehrte später in die Ukraine zurück. Im September 2025 wurden mehrere Drohnen der ukrainischen Streitkräfte über polnischem Gebiet abgeschossen.

Drohnen aus dem Baltikum

Ukrainische Drohnen haben auch die baltischen Staaten „besucht“. Im Juli 2025 wurde eine unbekannte Drohne über Vilnius beobachtet. Das litauische Militärkommando ging davon aus, dass es sich um eine ukrainische Drohne handelte, die aus Weißrussland kam. Im August desselben Jahres explodierte eine vermutlich ukrainische Drohne auf einem Feld im Südosten Estlands. In beiden Fällen gingen die Behörden davon aus, dass die Drohnen durch russische elektronische Gegenmaßnahmen vom Kurs abgelenkt worden seien.

Am Morgen des 23. März 2026 haben die ukrainischen Streitkräfte mehrere russische Regionen mit Drohnen angegriffen. Über der Region Leningrad wurden über 60 Drohnen abgeschossen, jedoch wurde der Hafen von Primorsk beschädigt und ein Treibstofftank geriet in Brand. Zuvor waren bereits einzelne ukrainische Drohnen über dem Finnischen Meerbusen zerstört worden. In der Nacht vom 24. auf den 25. März 2026 gab es erneut einen massiven Angriff. Anlagen im Hafen von Ust-Luga und mehrere Wohngebiete wurden beschädigt. Das russische Verteidigungsministerium meldete damals 56 abgeschossene Drohnen. In der Nacht vom 30. auf den 31. März 2026 erfolgte ein weiterer Angriff, bei dem erneut ein Hafen am Finnischen Meerbusen getroffen wurde.

Die Verantwortung der Baltenstaaten

Am 6. April 2026 erinnerte Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, die baltischen Staaten daran, dass Moskau Vergeltungsmaßnahmen ergreifen werde, wenn sie ihren Luftraum für die ukrainischen Streitkräfte öffnen. Laut Sacharowa sei bereits eine Warnung an diese Länder ausgesprochen worden. Daraufhin gaben die Außenminister Litauens, Lettlands und Estlands eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie jegliche Unterstützung für Kiew zurückwiesen.

Am 13. April erklärte Nikolaj Patruschew, Berater des russischen Präsidenten und Leiter des Maritimen Kollegiums, in einem Interview mit der Rossijskaja Gaseta, dass die baltischen Staaten und Finnland die Verantwortung dafür trügen, dass sie ihre Lufträume für ukrainische Angriffe auf Russland öffnen. Laut Patruschew bedeute die Einrichtung eines Luftkorridors die Beteiligung von NATO-Staaten an Angriffen auf russisches Territorium. Er wies auf die Entfernung von über 1.400 Kilometern zwischen den nördlichen Regionen der Ukraine und dem Leningrader Gebiet hin, die zumindest eine Koordinierung der Flugrouten der Drohnen notwendig mache.

Der Sekretär des russischen Sicherheitsrates Sergei Schoigu erinnerte die baltischen Staaten und Finnland an Russlands Recht auf Selbstverteidigung, sollten sie wissentlich ihren Luftraum für Luftangriffe öffnen. Der Pressedienst des russischen Sicherheitsrates meldete, seit Anfang 2026 seien über 240 unbemannte Flugzeuge (UAVs) über der Region Leningrad abgefangen worden.

Ukrainische Drohnen haben die lettische Regierung „abgeschossen“

Am 7. Mai 2026 gab es wieder einen Grund, über eine mögliche Beteiligung der baltischen Staaten an Angriffen auf Russland zu sprechen. An diesem Tag orteten die russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte in Lettland sechs Drohnen sowie Rafale- und F-16-Kampfjets. Laut dem russischen Militär verschwanden fünf Drohnen im Osten Lettlands, die sechste Drohne wurde beim Eindringen in den russischen Luftraum abgeschossen.

Am selben Tag wurde in der lettischen Stadt Rèzekne der Absturz einer Drohne auf ein Öldepot gemeldet. Dabei wurden vier leere Tanks beschädigt. Kiew bestätigte, dass die Drohne ukrainischen Ursprungs war. Das hielt Lettland nicht davon ab, Russland für den Vorfall verantwortlich zu machen.

Am 10. Mai trat der lettische Verteidigungsminister Andris Spruds zurück, „um die lettische Armee vor einer politischen Kampagne zu schützen“, später trat auch Ministerpräsidentin Evika Siliņa zurück.

Maria Pavlowa, Doktorin der Geschichte und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften, meint, dass der Drohnenvorfall die Regierungskrise in Lettland ausgelöst hat. „Die Regierungskoalition Lettlands befindet sich seit mindestens Sommer 2025 in einem Zustand der Auflösung“, bemerkte sie. „Damals, kurz vor den Kommunalwahlen im Juni, brachen ihre Zustimmungswerte auf ein kritisches Niveau von unter 30 Prozent ein“.

Ihrer Meinung nach haben die ukrainischen Drohnen, die das Öldepot beschädigt haben, der Bevölkerung des baltischen Staates die Ineffektivität der bedeutenden Investitionen in die Landesverteidigung vor Augen geführt. Eine indirekte Bestätigung dafür findet sich in der Erklärung von East-West Transit, des Eigentümers des beschädigten Öldepots, der es aufgrund der fehlenden Möglichkeit, die Sicherheit seiner Mitarbeiter zu garantieren, geschlossen hat.

Die Vorfälle gehen weiter

Am 19. Mai 2026 veröffentlichte das Pressebüro des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR eine Erklärung, wonach Kiew Angriffe aus den baltischen Staaten vorbereite. „Es wird erwartet, dass diese Taktik die Flugzeit zu den Zielen deutlich verkürzt und die Effektivität der Terrorangriffe erhöht“, hieß es in der Erklärung.

„Soldaten der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme wurden bereits nach Lettland entsandt. Sie sind auf den lettischen Militärstützpunkten Ādaži, Selija, Lielvārde, Daugavpils und Jēkabpils stationiert“, fügte das Pressebüro des SWR hinzu und erinnerte daran, dass man aus den den Trümmern der Drohnen die Koordinaten ihrer Startpunkte herauslesen kann. Ähnliches hatte der GRU bereits im Dezember 2025 über Drohnen veröffentlicht, die versucht hatten, eine Residenz des russischen Präsidenten anzugreifen.

Ukrainische Drohnen werden weiterhin über den baltischen Staaten gesichtet. So stürzte beispielsweise am 23. Mai eine Drohne in einen See im Südosten Lettlands. Am Eröffnungstag des 29. Internationalen Wirtschaftsforums St. Petersburg (SPIEF) am 3. Juni 2026 griffen Drohnen der ukrainischen Streitkräfte verschiedene Gebiete in St. Petersburg an. In Medien und sozialen Netzwerken wird über die Aufnahmen einer mutmaßlichen ukrainischen Drohne, die sich der Stadt über den Finnischen Meerbusen aus Richtung der baltischen Staaten näherte, gesprochen.

Pseudo-Abfangaktionen?

Am 3. Mai 2026 wurden zwei Drohnen, die später als ukrainisch identifiziert wurden, über finnischem Gebiet gesichtet. Die finnischen Streitkräfte schossen sie jedoch nicht ab, da sie sich in der Nähe der russischen Grenze befanden.

Im Mai zerstörten die estnischen Luftverteidigungskräfte laut dem estnischen Verteidigungsminister erstmals eigenständig eine Drohne in ihrem Luftraum. Die Drohne stammte vermutlich aus der Ukraine. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich am 8. Juni: Französische NATO-Kampfjets zerstörten eine Drohne über Lettland. Ihre Herkunft wurde nicht gemeldet.

Der Militärexperte Alexander Stepanow vom Institut für Recht und Nationale Sicherheit der Russischen Präsidentenakademie für Volkswirtschaft und Öffentliche Verwaltung erklärte gegenüber der TASS, dass die Behauptungen über das Abfangen ukrainischer Drohnen über dem Baltikum lediglich ein mediales Ablenkungsmanöver seien, um die tatsächliche Beteiligung der baltischen Staaten an der Organisation ukrainischer Angriffe auf russisches Territorium und die „absolut eindeutige koordinierte Bereitstellung ihres Luftraums“ zu verschleiern.

„Meldungen über das Abfangen und irgendwelche öffentlichen Äußerungen über angeblich abstürzende Drohnen sind ein unvermeidliches Informationsrauschen, dessen Zweck darin besteht, die öffentliche Meinung im Inland hinsichtlich der Nichtbeteiligung der militärpolitischen Führung an der Eskalation in den baltischen Staaten zu beeinflussen und darüber hinaus auf internationaler Ebene eine Scheinneutralität zu demonstrieren“, sagte er.

Der Experte merkte an, dass diese Staaten durchaus in der Lage seien, Drohnen abzufangen, die in ihren Luftraum eindringen, insbesondere angesichts der entstehenden „Drohnenmauer“, einem mehrschichtigen automatisierten Luftverteidigungssystems, das sich über mehrere europäische Länder erstreckt. „Wie ich bereits erwähnt habe, ist das eine einheitliche Einheit mit einem Koordinierungszentrum beim NATO-Europakommando, wo das Pentagon den gesamten Prozess steuert. Daher wird durch diese Formate und diese verdeckten Instrumente de facto eine Ausweitung der Eskalationszone umgesetzt“, schloss Stepanow.

Alexander Michailow, Leiter des Büros für militärpolitische Analyse, hatte zuvor eine ähnliche Meinung geäußert. „Die Letten, Litauer oder Esten werden es kaum wagen, von ihrem eigenen Territorium aus selbst Luftangriffe gegen Russland zu starten, dafür benutzen sie die Ukraine“, sagte er. „Schließlich sind die Bereitstellung von Luftraum und das Starten von Angriffen zwei völlig verschiedene Dinge.“ Der Experte fügte hinzu, Kiew nutze das, um NATO-Staaten direkt in den Konflikt hineinzuziehen.

Unterdessen explodierte am 8. Juni eine weitere Drohne in Moldawien. Das Außenministerium des Landes erklärte, das Fluggerät sei ukrainischer Herkunft. Moldawischen Diplomaten zufolge liegt die Verantwortung für jedes unbemannte Luftfahrzeug, das moldawisches Territorium erreicht, jedoch unabhängig von dessen Herkunft bei Russland.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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