Als die Grundschule in Freudenberg [Radostowo] am 30. Mai ihr 80-jähriges Bestehen feierte, stand nicht nur ein Schuljubiläum im Mittelpunkt. Das Fest wurde zugleich zu einer eindrucksvollen Begegnung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Jung und Alt sowie zwischen deutscher und polnischer Kulturgeschichte.
Die Schule in Freudenberg blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Das Gebäude wurde 1939 errichtet und diente zunächst als Bildungseinrichtung. Während des Zweiten Weltkriegs wurde es zeitweise als Lazarett genutzt, und nach dem Einmarsch der Roten Armee befand sich dort vorübergehend ein Lager. Nach Kriegsende kehrte das Gebäude zu seiner ursprünglichen Bestimmung zurück und wurde als Schule für die Kinder der Region genutzt. Heute ist die Schule ein Zeugnis der deutsch-polnischen Geschichte des Ermlands und zugleich ein Ort, an dem die deutsche Sprache als Minderheitensprache gepflegt und weitergegeben wird.
Das Jubiläum bot den Mitgliedern der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit (AGDM) eine besondere Gelegenheit, sich in die Feierlichkeiten einzubringen. In Freudenberg befindet sich eine Filiale der AGDM, deren Mitglieder teilweise selbst Absolventen der Schule sind.
Unter der Leitung der erfahrenen Kunsthandwerkerin Anna Mańkowska wurde ein deutschsprachiger Kreativworkshop organisiert, an dem Angehörige der Deutschen Minderheit verschiedener Generationen teilnahmen. Jugendliche und Senioren arbeiteten Seite an Seite an dekorativen Schmuckelementen für die Jubiläumsveranstaltung. Die meisten Werkstücke trugen die deutschen Ortsnamen der Dörfer, aus denen die Schüler stammen, die heute die Schule in Freudenberg besuchen.
So wurden die historischen Bezeichnungen Freudenberg für Radostowo, Seeburg für Jeziorany, Kunkendorf für Kalis, Voigtshof für Wójtówko, Derz für Derc, Schönborn für Studnica, Nossberg für Orzechowo, Schönwiese für Międzylesie und Potritten für Potryty sichtbar gemacht. Diese kreativen Arbeiten waren weit mehr als bloße Dekorationen. Sie erinnerten an die Geschichte der Region und machten deutlich, wie eng Sprache, Erinnerung und Identität miteinander verbunden sind.
Die Teilnehmer sprachen während des Workshops Deutsch, tauschten Erinnerungen an ihre Schulzeit aus und betrachteten gemeinsam historische Schulchroniken sowie alte Fotografien. Viele Geschichten aus vergangenen Jahrzehnten wurden wieder lebendig und fanden bei den jüngeren Teilnehmern großes Interesse.
In einer Zeit, in der digitale Medien den Alltag bestimmen, bot der Workshop die Möglichkeit, traditionelle handwerkliche Fähigkeiten zu vervollkommnen und gemeinsam kreativ tätig zu werden. Das Arbeiten mit natürlichen Materialien verlangte Geduld, Konzentration und Geschicklichkeit. Dabei entwickelten sich zahlreiche Gespräche, die das gegenseitige Verständnis förderten und neue Kontakte innerhalb der Gemeinschaft ermöglichten.
Eine gemeinsame Bewirtung rundete das Treffen ab und schuf Raum für weitere Begegnungen in entspannter Atmosphäre. Dabei zeigte sich erneut, wie wichtig solche Initiativen für den Zusammenhalt der Deutschen Minderheit in der Region sind. Das Projekt hat nicht nur das Gemeinschaftsgefühl gestärkt, sondern auch junge Menschen motiviert, sich am kulturellen Leben ihrer Minderheit zu beteiligen. Das Jubiläum der Schule in Freudenberg wurde damit zu weit mehr als einer Geburtstagsfeier.