Was Putin über mögliche Verhandlungen mit der EU über den Ukraine-Konflikt und die AfD gesagt hat

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Es ist zu einer Tradition geworden, dass Putin sich im Zuge des Petersburger Wirtschaftsforums stundenlang den Fragen de...

anti-spiegel.ru📅 07.06.2026
Putin im O-Ton

Was Putin über mögliche Verhandlungen mit der EU über den Ukraine-Konflikt und die AfD gesagt hat

Im Zuge des Petersburger Wirtschaftsforums ist es Tradition, dass sich Präsident Putin stundenlang den Fragen internationaler Journalisten stellt. Dabei hat die dpa Putin nach möglichen Verhandlungen mit der EU über den Ukraine-Konflikt gefragt.

Es ist zu einer Tradition geworden, dass Putin sich im Zuge des Petersburger Wirtschaftsforums stundenlang den Fragen der international wichtigsten Nachrichtenagenturen stellt. Der Anti-Spiegel übersetzt danach die Fragen und Antworten, die für das deutsche Publikum interessant sind.

Ich übersetze hier den Dialog, den Putin mit dem Vertreter der dpa geführt hat, der mit der Einleitung von TASS-Chef Andrej Kondratschow begann.

Kondraschow: Freunde, wer ist der Nächste? Martin Romantschik, DPA, Deutschland.
Aber wissen Sie, ich wollte zunächst Martin eine Frage stellen, wenn es Ihnen nichts ausmacht. Sie vertreten Deutschlands größte und wichtigste Nachrichtenagentur. Weisen Sie als Journalist darauf hin, dass sich Ihr Land auf einen Krieg vorbereitet? Stimmt das, oder scheint es uns nur so? Plant es tatsächlich einen Krieg gegen Russland?
Putin: Ich protestiere. Sie müssen nicht antworten. Sie sind nicht zum Verhör hier, Sie sind hier als Ermittler, um andere zu befragen.
Kondraschow: Dann sprechen wir nach diesem Treffen unter vier Augen. Bitte.
Romantschik: Ich möchte Ihre Frage beantworten. Nein, das denke ich nicht.
Sehr geehrter Herr Präsident, vielen Dank für die Einladung.
Ich möchte auch das Thema Ukraine ansprechen und eine hier bereits gestellte Frage aufgreifen. Sie sprachen über Frieden. Deutschland und viele europäische Länder möchten trotz des Krieges im Iran an diesen Friedensgesprächen teilnehmen, die derzeit von den USA vermittelt werden. Welche Rolle kann Deutschland spielen? Welche Rolle kann der Bundeskanzler spielen? Und wenn ich darf, möchte ich diese Frage noch ergänzen. Sie erwähnten Gerhard Schröder als europäischen Verhandlungsführer. Wen außer Gerhard Schröder könnten Sie sich in dieser Rolle vorstellen, wer könnte diese Vermittlungsfunktion von deutscher Seite übernehmen? Vielen Dank.

Putin: Sie haben zwei Dinge gesagt, auf die ich hinweisen möchte. Erstens, dass Europa an den Verhandlungen teilnehmen möchte. Richtig? Und zweitens, wer außer Herrn Schröder als Vermittler fungieren könnte? Es ist eine Sache, an Verhandlungen teilzunehmen, und eine ganz andere, als Vermittler aufzutreten. Wie kann die EU oder einzelne EU-Länder als Vermittler agieren, wenn sie ein Land, mit dem wir in einem bewaffneten Konflikt stehen, direkt unterstützen und sich damit faktisch in Kampfhandlungen verwickeln? Was sind das für Vermittler? Vermittlung setzt Neutralität voraus. Wo ist hier die Neutralität? Das ist das Erste.
Und zweitens: Ich war überrascht von der Reaktion auf meine Erwähnung von Herrn Schröder als potenziellen Verhandlungsführer. Es begann eine hitzige Diskussion: „Nein. Schröder ist Putins Freund, also kann er nicht teilnehmen.“
Er ist nicht Putins Freund. Er ist ein deutscher Staatsmann und meiner Meinung nach einer der besten, weil er eine eigene Position und den Mut hat, diese zu verteidigen. Es gibt in Europa derzeit nicht viele Politiker mit diesen Qualitäten.

Europa ist jetzt in einer schwierigen Lage auch bei der Energiefrage. Doch es war Schröder, der Infrastrukturprojekte wie Nord Stream realisiert hat, um die deutsche Wirtschaft mit zuverlässigen und kostengünstigen Lieferungen aus Russland zu versorgen. Mehr noch, er hat nicht nur die Lieferungen gesichert, sondern auch Vertragspartner, Wirtschaftsakteure und andere Akteure durch gegenseitige Verpflichtungen aneinander gebunden. Und wichtig ist nicht, dass wir ein gutes Verhältnis haben. Wichtig ist, dass er ein Mann ist, der, während er die nationalen Ziele seines Landes verfolgt, dennoch ein Mann ist, dem man vertrauen kann. Das ist der Kern des Problems. Schließlich müssen diejenigen, die als Vermittler fungieren wollen, von beiden Verhandlungsparteien als vertrauenswürdig eingestuft werden. Aber ehrlich gesagt, ich sehe und verstehe einfach nicht, wie man Menschen vertrauen kann, wie Russland Menschen vertrauen kann, die seit Jahren davon reden, Russland eine strategischen Niederlage beizubringen.
Das ist das Problem. (Putin wiederholt es auf Deutsch) Martin, das ist das Problem.
Aber lehnen wir es nicht ab. Bitte, wir nie den Kontakt zu Vertretern der EU, in welcher Art auch immer, verweigert. Als Vermittler Verhandlungen mit der Ukraine gibt es, wie ich Ihnen bereits sagte, Probleme. Und ich denke, dem kann man kaum widersprechen. Aber wir verweigern den Kontakt nicht. Sie müssen nur zum Telefon greifen und anrufen. Wenn sie kommen wollen, sollen sie kommen. Sie sind es, die nicht wollen.
Wissen Sie, ich war überrascht zu hören, dass Russland, dieses so bösartige Russland, die Energielieferungen nach Europa eingestellt hat. Wir haben nichts eingestellt, Europa hat sich einfach geweigert, zu kaufen, in der Hoffnung, dass bei uns alles zusammenbrechen würde. Aber wir haben bereits gesehen, dass nichts zusammengebrochen ist, es reicht. Man hat verstanden, dass dies der falsche Weg war, sie beigehen können, das nur ein wenig zu ändern. Nein. Sie haben so viele öffentliche Erklärungen abgegeben, so viele Ankündigungen gemacht, dass es schwierig ist, diese Position zu ändern.
Ich werde nichts kommentieren, ich möchte nur sagen, dass wir den Kontakt nicht verweigert haben. Ich möchte das noch einmal bestätigen. Wenn jemand meint, den Dialog mit Russland wieder aufzunehmen, dann nur zu. Aber wer wird auf europäischer Seite verhandeln? Ich weiß es nicht, wir drängen nichts auf. Ich habe all dieses Gerede gehört, Russland wolle aufzwingen, und wer verhandeln soll. Wir drängen nichts auf. Natürlich wollen wir wissen, wer es sein könnte. Und ich wiederhole: Es sollten schließlich vertrauenswürdige Personen sein. Das ist Arbeit, wir können das ruhig und gelassen besprechen, beispielsweise auf Ebene der Außenministerien oder der Geheimdienste. Übrigens bestehen die Kontakte zwischen den Geheimdiensten weiter.
Romantschik: Sie erwähnten Nord Stream, Herr Präsident. Derzeit sind Mitglieder der AfD beim Wirtschaftsforum, und die setzen sich dafür ein, dass Russland die Gaslieferungen über Nord Stream wieder aufnimmt. Wie beurteilen Sie diese Partei? Wir haben Wahlen auf Landesebene und dann noch einmal auf Bundesebene. Was erwarten Sie von dieser Partei? Wie stehen Sie generell zur Partei Alternative für Deutschland?
Vielen Dank.

Putin: Ich denke, es ist unangemessen, die politischen Kräfte in der Bundesrepublik zu beurteilen. Wir wissen, und ich weiß, zumindest wurde mir das so mitgeteilt, dass die AfD derzeit die stärkste Partei in der Bundesrepublik ist. Sie hat die CDU/CSU überholt, sie bereits deutlich abgehängt und liegt schon weit vor der SPD.
Ich möchte hier nichts kommentieren, ich sage nur eines: Meiner Meinung passiert das, weil die Führung dieser Partei die Interessen der deutschen Bevölkerung und der deutschen Wirtschaft klar und deutlich artikulieren kann und sich nicht scheut, das auszusprechen und dafür zu kämpfen. Und das spiegelt sich in den Umfragewerten und Wahlergebnissen wider.
Was als Nächstes kommt und wie sich die politische Landschaft in der Bundesrepublik entwickeln wird, weiß ich nicht und ich möchte nicht spekulieren. Was die Einschätzungen betrifft, begrüßen wir alle politischen Kräfte in der Bundesrepublik, die die Beziehungen zu Russland wiederherstellen und ausbauen möchten, sei es die Alternative für Deutschland oder eine andere Partei. Wir werden mit allen zusammenarbeiten, die mit uns zusammenarbeiten wollen.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.


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